Beschreibung
Psychoanalytische Pädagogik ist in der Erziehungswissenschaft breit verortet und doch oft unausgesprochen oder gar tabuisiert. Sie spielt sowohl in Allgemeiner Pädagogik, in Unterricht und Schulkultur als auch in Inklusions-, Heil- sowie Sonderpädagogik eine Rolle. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in der „Erziehung der Erzieher“. Das Buch zeigt auf, wie Selbstreflexion und die Beziehung zum inneren Kind mit einer gelingenden Zusammenarbeit mit Eltern und in multiprofessionellen Teams zusammenhängen.
Die Psychoanalytische Pädagogik ist in der Erziehungswissenschaft breit verortet. Sie wirkt in der Allgemeinen Pädagogik, prägt Fragen der Unterrichtsgestaltung und Schulkultur und ist zugleich in der Inklusions-, Heil- und Sonderpädagogik fest verankert. Oft geschieht dies jedoch unausgesprochen: Psychoanalytische Denkfiguren werden genutzt, ohne sie zu benennen, oder sie bleiben in Teilen des Feldes umstritten, tabuisiert oder werden bewusst an den Rand gedrängt. Gerade diese Spannung zwischen faktischer Wirksamkeit und öffentlicher Zurückhaltung macht ihre aktuelle Bedeutung sichtbar.Im Zentrum psychoanalytisch-pädagogischer Ansätze steht das Verstehen von Bildung und Erziehung als Beziehungs- und Entwicklungsprozess, in dem unbewusste Motive, Affekte, Ängste und Konflikte eine wesentliche Rolle spielen. Kinder und Jugendliche werden nicht nur als Lernende betrachtet, die Kompetenzen erwerben, sondern als Subjekte, die in Beziehungen Sicherheit, Anerkennung und Orientierung suchen und deren Handeln sich häufig erst vor dem Hintergrund innerer Dynamiken erschließt. Psychoanalytische Pädagogik fragt daher nach den Bedingungen, unter denen Entwicklung gelingen kann, und nach den Stellen, an denen sie durch Belastungen, Abwehr oder wiederkehrende Beziehungsmuster blockiert wird.Besonders deutlich wird dies in der „Erziehung der Erzieher“. Pädagogisches Handeln ist nie neutral: Es ist eingebettet in die Persönlichkeit, Biografie und Gegenübertragungsbereitschaft derjenigen, die begleiten, unterrichten und erziehen. Eine psychoanalytisch informierte Haltung richtet den Blick auf Selbstreflexion, auf die Beziehung zum eigenen inneren Kind sowie auf die Fähigkeit, Irritationen, Ohnmacht und Ambivalenz auszuhalten, ohne vorschnell zu agieren. Damit verbindet sich die Frage, wie Fachpersonen ihre Deutungen überprüfen, Affekte mentalisieren und handlungsfähig bleiben können – gerade in herausfordernden Situationen und Zeiten.Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Zusammenarbeit mit Eltern und multiprofessionellen Teams. Gerade hier treffen unterschiedliche Aufträge und institutionelle Logiken aufeinander. Psychoanalytische Pädagogik hilft, Konflikte und Missverständnisse nicht nur organisatorisch, sondern auch dynamisch zu verstehen: als Ausdruck von Sorgen, Loyalitäten, Beschämung oder unbewussten Erwartungen. Der Band nimmt diese Dimensionen auf und macht deutlich, wie eine reflektierte, beziehungsorientierte Zusammenarbeit die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wirksam unterstützen kann.
Die Herausgeberin:
Dr. Tillmann F. Kreuzer, Akademischer Rat, Institut für Sonderpädagogik, Pädagogische Hochschule Freiburg
Dr. Julia Reischl, Institut für Bildungswissenschaft, Universität Wien
Dr. Robert Langnickel, Institut für Diversität und inklusive Bildung (IDB), Pädagogische Hochschule Luzern, Gastprofessur an der Pädagogischen Hochschule Salzburg
Prof. Pierre-Carl Link, Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung (IVE), Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich, Gastprofessur an der Bárczi Gusztáv Fakultät für Sonderpädagogik, (ELTE) Eötvös Loránd Universität Budapest
Die Fachbereiche:
Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit







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