Beschreibung
Soziale Berufe stehen im Zentrum gesellschaftlicher Reproduktion und bleiben dennoch politisch und institutionell randständig. Die Autorinnen zeigen, dass diese Marginalisierung nicht Unsichtbarkeit bedeutet, sondern strukturelle Abwesenheit von Entscheidungsmacht. Sie vertreten den Standpunkt, dass soziale Berufe als ordnungspolitisches Kernproblem neu zu verhandeln sind, und entwickeln eine Re-Positionierung als bewusste Neu-Positionierung in zentralen Entscheidungszusammenhängen.
Die Autorinnen ordnen diese Marginalisierung als Ergebnis historisch gewachsener Ordnungen, politischer Steuerungslogiken und institutioneller Arrangements ein und analysieren sie anhand konkreter Arenen: staatliche Ordnungs- und Förderpolitiken, Finanzierungs- und Steuerungslogiken, Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, öffentliche Bewertungs- und Anerkennungslogiken sowie Bildungs- und Berufsbiographien. Gezeigt wird, wie sich diese Arenen wechselseitig verschränken und ein System hervorbringen, in dem hohe gesellschaftliche Verantwortung, wachsende professionelle Anforderungen und begrenzte institutionelle Absicherung dauerhaft auseinanderfallen. Marginalisierung erscheint damit nicht als Ausnahme, sondern als Bestandteil der Funktionsweise des Bildungs-, Arbeits- und Sozialstaats.Aus dieser Analyse entwickelt sich eine ordnungspolitische Einordnung. Die Marginalisierung sozialer Berufe wird als zentrale Strukturfrage verhandelt, die grundlegende Fragen von Zuständigkeit, Verantwortung und politischer Steuerung berührt. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der Re-Positionierung eingeführt: keine moralische Aufwertung, keine symbolische Anerkennung, keine bloße Sichtbarmachung – sondern eine bewusste Neu-Positionierung der gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Platzierung sozialer Berufe. Diese werden weg von nachgeordneten, reaktiven Zuständigkeiten hin zu einer als gestaltenden, entscheidungsrelevanten Infrastruktur des Sozialstaats verortet. Re-Positionierung fungiert damit als verbindendes Konzept zwischen Analyse und Perspektivwechsel. Der Blick richtet sich auf staatliche Rahmensetzung, institutionelle Zuständigkeiten, berufliche Bildung, Finanzierung sowie Formen kollektiver Interessenvertretung. Ziel ist es, soziale Berufe aus ihrer strukturell marginalisierten Position herauszuführen und sie als zentrale Infrastruktur gesellschaftlicher Kohärenz politisch und institutionell neu zu verankern.
Die Autorinnen:
Dr. Elke Alsago, Bundesfachgruppenleiterin, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Berlin
Dr. Annett Herrmann, Bereichsleiterin Bildungspolitik, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Berlin
Die Fachbereiche:
Politik, Soziale Arbeit, Gender Studies







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