Beschreibung
Die Bezeichnung als „Systemsprenger:in“ kann Kinder und Jugendliche stigmatisieren und unter Anpassungsdruck setzen. Auf Grundlage qualitativer Interviews untersucht die Autorin, wie dieser Sonderstatus sowohl die Persönlichkeitsentwicklung als auch den Hilfeverlauf beeinflusst und den Nutzen unterstützender Maßnahmen einschränkt. Das Buch macht deutlich, dass die betroffenen Jugendlichen eigene Strategien entwickeln müssen, um mit der Stigmatisierung umzugehen und Hilfen trotz struktureller Hürden für sich nutzbar zu machen.
Strukturell bedingen individualisierende Problemkonstruktionen sowohl Anpassungserwartungen als auch Stigmatisierungsrisiken. Dies gilt generell bei der Inanspruchnahme sozialer Dienstleistungen, allerdings zeigen sich die institutionellen Erwartungen sowie Folgen der stigmatisierenden Zuschreibungen besonders deutlich in konflikthaften Hilfeverläufen. Deshalb bezieht sich die qualitative Studie zur Rekonstruktion und Analyse von Folgen stigmatisierender Zuschreibungen für Nutzungsprozesse auf die Bezeichnung Systemsprenger:in als theoretisch und konzeptionell undefinierten Sammelbegriff aus institutioneller Perspektive. Dazu wurden episodische Interviews nach Uwe Flick (2011) mit Nutzer:innen der Kinder- und Jugendhilfe geführt, die als Systemsprenger:innen gelten und in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring (2015) ausgewertet. Die Kategorie Systemsprenger:in setzt nicht nur den Rahmen des Hilfesystems voraus, sondern besteht auch nur bei subjektiver Notwendigkeit der Inanspruchnahme, in Verbindung mit konflikthafter Aushandlung von Deutungen und Bedarfen. Ein Sonderstatus führt hierbei zu Stigmatisierung, wenn es aufgrund spezifischer Formen institutioneller Bearbeitung zu Diskreditierungen der befragten Nutzer:innen kommt. Während die institutionelle Intention der Unterstützung konterkariert wird, entstehen Herausforderungen für die Aneignung. Das Bewältigungshandeln der befragten Nutzer:innen umfasst sowohl Stigma-Management als auch Nutzungsstrategien und zeigt die Aneignung als Nutzbarmachung der sozialen Dienstleistung. Durch die überwiegende Identifikation der befragten Nutzer:innen mit den stigmatisierenden Zuschreibungen, den Normalisierungswunsch und den Eindruck, dass durch Anpassung ein erfolgreiches Verlassen des Systems befördert wird, kann die Kinder- und Jugendhilfe die selbst (re-)produzierten Zuschreibungen bearbeiten.
Die Autorin:
Dr. phil. Imke Goßmann ist Sozialarbeiterin mit mehrjähriger Berufserfahrung im Allgemeinen Sozialen Dienst verschiedener Jugendämter sowie in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA), Campus Schwerin.
Die Fachbereiche:
Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaft







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