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ISSN: 0173-184x

PERIPHERIE 3-2019 (Heft 156) | Abschiebung global

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ISSN: 0173-184x
Kategorien: Einzelhefte

Inhalt

PERIPHERIE 3-2019 (Heft 156) | Abschiebung global

Schwerpunkt/ Essays
Inken Bartels: „Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika
Tanya Golash-Boza / Yajaira Ceciliano Navarro: Reintegration nach Abschiebung. Erfahrungen von aus den USA abgeschobenen Dominikanern und Brasilianern
Almamy Sylla / Susanne U. Schultz: Mali: Abschiebungen als postkoloniale Praxis (im Open Access verfügbar)
Rita Schäfer: Deportationen aus Südafrika. Heutige und historische politische Kontexte und Abschiebepraktiken
Niki Kubaczek: Verkohltes Papier. Von einer brennenden Zelle, gewaltvoller Verdinglichung und dem gemeinsamen Versuch, der Abschiebung zu entgehen
Jawed Jafari: Unterwegs zwischen Afghanistan und Europa: Von Abschiebung zu Abschiebung (im Open Access verfügbar)

Peripherie-Stichwort
Maren Kirchhoff / Susanne U. Schultz / Helen Schwenken: Abschiebungen

Dokumentation
Die Redaktion: Das Versagen beenden. Für eine europäische Politik der Menschenrechte (im Open Access verfügbar)

Artikel
Gerhard Hauck: Zwangsarbeit, Lohnarbeit, Kapitalismus. Eine Auseinandersetzung mit Heide Gerstenberger

Buchbesprechung/Rezensionen
Joachim Guilliard: Georg Auernheimer: Wie Flüchtlinge gemacht werden. Über Fluchtursachen und Fluchtverursacher. Köln: Papyrossa 2018, 283 Seiten
Maren Kirchhoff: Fabian Georgi: Managing Migration? Eine kritische Geschichte der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Berlin: Bertz Fischer 2019, 448 Seiten
Christian Ungruhe: Nauja Kleist & Dorte Thorsen (Hg.): Hope and Uncertainty in Contemporary African Migration. New York, US-NY, & London: Routledge 2017, 200 Seiten
Anna Rachlitz: Rita Schäfer: Migration und Neuanfang in Südafrika. Geschichte und Gegenwart von Einwanderung, Asyl und Wanderarbeit. Frankfurt a.M.: Brandes & Apsel 2019, 240 Seiten
Maria Shaidrova: Maybritt Jill Alpes: Brokering High-Risk Migration and Illegality in West Africa. Abroad at Any Cost. Routledge 2016, 234 Seiten
Rita Schäfer: Marysia Zalewski; Paula Drumond; Elisabeth Prügl & Maria Stern (Hg.): Sexual Violence Against Men in Global Politics. Abingdon: Routledge Publishers 2018, 262 Seiten (https://doi.org/10.4324/9781315456492)
Sören Scholvin: Christian Schmidt-Häuer: Tatort Panama. Konquistadoren, Kanalbauer, Steuerflüchtlinge. Münster: Westfälisches Dampfboot 2018, 471 Seiten
Gerhard Hauck: Hanns Wienold: Indien heute. Die Armut bleibt unbesiegt. Münster: Westfälisches Dampfboot 2019, 268 Seiten
Matin Baraki: Der Afghanistan-Konflikt in deutschen Publikationen. Drogenflüge vom Hindukusch. Sammelrezension zu Uwe Krüger: Schadensfall Afghanistan – Ein Krieg und seine Folgen / Rainer Buske: Kunduz – Ein Erlebnisbericht über einen militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan im Jahre 2008 / Stefan Köhler & Tom Zola: Krieg in Afghanistan / Florin Beerenkämper, Marcel Bohnert, Anja Buresch & Sandra Matuszewski: Der innerafghanische Friedens- und Aussöhnungsprozess

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Zusätzliche Information

Verlag

ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Jahrgang

39. Jahrgang 2019

Ausgabe

3 (156)

Erscheinungsdatum

15.01.2020

Umfang

184

Sprache

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v39i3

Homepage

https://peripherie.budrich-journals.de

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Autor*innen

Schlagwörter

Abschieberegime, Abschiebung, Afghanistan, Apartheid, Asylrecht, Brasilien, Commons, Deportability, Dominikanische Republik, Europa, Gefängnis, Gewalt, Globaler Süden, Heide Gerstenberger, Illegalisierung, IOM, Libyen, Mali, Marokko, Menschenrechte, Migrationspolitik, Mosambik, Nordafrika, Politik der Menschenrechte, Postkoloniale Staaten, Rassismus, Recht, Reintegration, Repatriierungen, Siedlerkolonie, Simbabwe, Subalternität, Südafrika, Transnational(ismus), Tunesien, Undercommons, USA, Verdinglichung, Widerstand, „freiwillige Rückkehr“

Abstracts

„Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika (Inken Bartels)
Der Artikel verknüpft aktuelle Ansätze der deportation studies mit Forschungen zu Rückkehr und Rückführungen in Afrika, welche bislang weitestgehend unabhängig voneinander betrachtet wurden, um verschiedene Rückführungspraktiken innerhalb des afrikanischen Kontinents als Teil eines komplexen, transnationalen Rückführungsregimes zu analysieren. Anhand des Programmes zur Unterstützung Freiwilliger Rückkehr und Reintegration der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Marokko und Tunesien zeige ich, wie staatlich erzwungene Abschiebungen und nicht-staatliche, auf Anreizen basierende Programme zur „freiwillige Rückkehr“ zusammenwirken, um unerwünschte sub-saharische Migrant*innen zur Rückkehr in weiter von den europäischen Außengrenzen entfernte Herkunftsländer zu bewegen. Ich argumentiere, dass durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Rückführungsinstrumente zwar nicht die tatsächliche Rückführung aller Migrant*innen im Transit bewirkt wird, diese jedoch in einen Zustand permanenter Rückführbarkeit bzw. returnability versetzt werden, welche – in Analogie zur staatlich produzierten Abschiebbarkeit bzw. deportability – sie zur vermehrten „freiwilligen“ Rückkehr bewegen soll. Gleichzeitig verdeutlicht der Artikel, dass auch unter diesen unübersichtlichen Rückführungsbedingungen im Transit unterschiedliche Möglichkeiten bestehen, den Rückführungen zu entkommen, die diversen Instrumente eigensinnig zu nutzen oder ihnen aktiv und kollektiv Widerstand zu leisten. Schlagwörter: Abschieberegime, deportability, „freiwillige Rückkehr“, IOM, Marokko, Tunesien
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Reintegration nach Abschiebung. Erfahrungen von aus den USA abgeschobenen Dominikanern und Brasilianern (Tanya Golash-Boza, Yajaira Ceciliano Navarro)
Die Forschung zu Abschiebungen verdeutlicht, dass diese leidvoll sind und schwerwiegende Folgen für Betroffene und ihre Familienangehörigen haben. Es gibt jedoch relativ wenige Studien darüber, wie sich die Erfahrungen zwischen verschiedenen nationalen Kontexten unterscheiden. Ausgehend von 81 Interviews mit dominikanischen und brasilianischen Abgeschobenen argumentieren wir, dass ihre Reintegration von Makro-, Meso- und Mikrofaktoren beeinflusst wird. Darunter zählen individuelle Merkmale wie kulturelle Anpassung und Humankapital (mikro), nationale und transnationale Bindungen (meso) sowie soziale und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Abgeschobene aufgenommen werden (makro). Das Forschungsdesign des vorliegenden Artikels arbeitet diese Faktoren heraus und zeigt, wie sie voneinander abhängen. Je ungünstiger sich der Aufnahmekontext auf die Reintegration auswirkt, desto relevanter werden Faktoren auf der Meso- und Mikroebene. Dominikanische Abgeschobene werden von Regierung und Gesellschaft stigmatisiert und sind daher mehr auf transnationale Bindungen und ihre eigene Resilienz angewiesen. Im Gegensatz dazu stoßen brasilianische Deportierte auf einen weniger feindlichen Kontext, was bedeutet, dass sich Personen mit lokalen Bindungen und Humankapital einfacher reintegrieren. Schlagwörter: Abschiebung, Transnationalismus, Reintegration, Dominikanische Republik, Brasilien
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Mali: Abschiebungen als postkoloniale Praxis (Almamy Sylla, Susanne U. Schultz)
Ebenso wie afrikanische Migrationen finden auch Abschiebungen größtenteils innerhalb des afrikanischen Kontinents statt. Debatten darüber sind jedoch zumeist auf den Globalen Norden gerichtet. Der Artikel analysiert die Geschichte und die Praktiken von Abschiebungen aus einer weniger eurozentrischen Perspektive. Die Kernthese ist, dass Abschiebungen aus west-, zentral- und nordafrikanischen Ländern in diesen Regionen in Form von (Massen-)Abschiebungen mit der Unabhängigkeit vieler Staaten zu einem politischen Instrument wurden. Diese „afrikanischen“ Abschiebungen dienten damit der Bestätigung der neuen staatlichen Souveränität in der Zeit der Dekolonisierung. Mali dient in diesem Beitrag als Beispiel, um diese (neue) staatliche Praxis und deren Auswirkungen zu untersuchen. Dabei hat der malische Staat selber keine Abschiebungen vorgenommen, vielmehr sind malische Staatsbürger*innen stark von innerafrikanischen Abschiebungen betroffen. Sie unterbrechen dabei die gerade für Westafrika kennzeichnende Zirkularität von Migrationen. In Mali entstanden u.a. Kontroversen über den Umgang mit den Abgeschobenen, etwa in Bezug auf ihre Wiederansiedlung und das Instrument der freiwilligen Rückkehr. Die malische Zivilgesellschaft begann in den 1990er Jahren, sich gegen unerwünschte Formen der Zwangsrückführung zu organisieren. Zugleich zog sich der Staat aus Reintegrationsmaßnahmen zurück, so dass hier die Zivilgesellschaft hauptverantwortlich wurde. Schlagwörter: Abschiebungen, Repatriierungen, „freiwillige Rückkehr“, Mali, Libyen, Globaler Süden, postkoloniale Staaten
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Deportationen aus Südafrika. Heutige und historische politische Kontexte und Abschiebepraktiken (Rita Schäfer)
Südafrika ist hinsichtlich der kontinuierlich hohen Zahlen an Abschiebungen seit Jahren weltweit führend. Der Beitrag ergründet die Gegensätze zwischen der im internationalen Vergleich als innovativ geltenden Asylgesetzgebung und einer rigiden Abschiebungspraxis. Zudem untersucht er Abschiebungen als wichtiges Instrument des südafrikanischen Innenministeriums zur Migrationssteuerung, zumal die Polizei sie oftmals willkürlich und gewaltsam durchführt. Davon sind vor allem Menschen aus Mosambik und Simbabwe betroffen. Diese Probleme sind nur zu verstehen – so die grundlegende These –, wenn eine empirische Detailanalyse vorgenommen wird und historische Zusammenhänge aufgezeigt werden. Denn rigide Einwanderungskontrollen und Abschiebungen wurden bereits in der Kolonialzeit etabliert und während der Apartheid institutionalisiert. Schlagwörter: Südafrika, Simbabwe, Mosambik, Abschiebungen, Asylrecht, Migrationspolitik, Apartheid, Siedlerkolonie
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Verkohltes Papier. Von einer brennenden Zelle, gewaltvoller Verdinglichung und dem gemeinsamen Versuch, der Abschiebung zu entgehen (Niki Kubaczek)
Der folgende Artikel geht der Frage nach, welche Begriffe hilfreich sein könnten, den Widerstand von Illegalisierten wahrzunehmen, die sich ihrer Abschiebung widersetzten. Wie nützlich sind hier Konzepte wie „ziviler Ungehorsam“, „Verzweiflungstat“ und „politischer Protest“; und was bedeutet gemeinsamer Widerstand im Kontext nahezu totaler Beraubung an Möglichkeiten und Rechten? Dafür beschäftigt sich der Text sich mit einer brennenden Zelle in der Schubhaft im Polizeianhaltezentrum Wien Hernals. Mit Hilfe von Interviews mit einem der Gefangenen sowie Beobachtungsprotokollen aus der Gerichtsverhandlungen gegen jene sechs Schubhaftgefangenen, die versuchten ihre Abschiebung durch Inbrandsetzung der Zelle zu verhindern, wird die zynische Verdinglichung von nicht-europäischen „anderen“ als koloniale Kontinuität und Produktion illegalisierter Arbeitskraft diskutiert. Gegen Verdinglichung und Entrechtlichung wird dann das „billigende Hören“ als Praxis der Forschung wie der Rechtsprechung vorgeschlagen. Mit dem Fokus auf marginalisierte Formen des Widerstands soll die folgende Auseinandersetzung dazu beitragen, über die Vorstellung von Kollektivität und Öffentlichkeit als vermeintliche Wesenszüge des Widerstands hinauszugehen. Nur durch diese Perspektivenverschiebung, so soll argumentiert werden, kann es der Forschung zukünftig gelingen, jene marginalen Formen des Widerstands wahrzunehmen, welche inmitten der Entrechtlichung und Verdinglichung sowie vor und unterhalb jeder Gemeinschaft stattfinden: Widerständigkeit, die sich der Kollektivität und Öffentlichkeit im gleichen Maße entzieht, wie sie mit der Dichotomie von Verzweiflung versus politischem Protest bricht. Schlagwörter: Recht, Rassismus, Gefängnis, Abschiebung, Widerstand, commons, undercommons, Subalternität, Illegalisierung, Verdinglichung, Gewalt
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PERIPHERIE 3-2019 (Heft 156) | Abschiebung global

Schwerpunkt/ Essays
Inken Bartels: „Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika
Tanya Golash-Boza / Yajaira Ceciliano Navarro: Reintegration nach Abschiebung. Erfahrungen von aus den USA abgeschobenen Dominikanern und Brasilianern
Almamy Sylla / Susanne U. Schultz: Mali: Abschiebungen als postkoloniale Praxis (im Open Access verfügbar)
Rita Schäfer: Deportationen aus Südafrika. Heutige und historische politische Kontexte und Abschiebepraktiken
Niki Kubaczek: Verkohltes Papier. Von einer brennenden Zelle, gewaltvoller Verdinglichung und dem gemeinsamen Versuch, der Abschiebung zu entgehen
Jawed Jafari: Unterwegs zwischen Afghanistan und Europa: Von Abschiebung zu Abschiebung (im Open Access verfügbar)

Peripherie-Stichwort
Maren Kirchhoff / Susanne U. Schultz / Helen Schwenken: Abschiebungen

Dokumentation
Die Redaktion: Das Versagen beenden. Für eine europäische Politik der Menschenrechte (im Open Access verfügbar)

Artikel
Gerhard Hauck: Zwangsarbeit, Lohnarbeit, Kapitalismus. Eine Auseinandersetzung mit Heide Gerstenberger

Buchbesprechung/Rezensionen
Joachim Guilliard: Georg Auernheimer: Wie Flüchtlinge gemacht werden. Über Fluchtursachen und Fluchtverursacher. Köln: Papyrossa 2018, 283 Seiten
Maren Kirchhoff: Fabian Georgi: Managing Migration? Eine kritische Geschichte der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Berlin: Bertz Fischer 2019, 448 Seiten
Christian Ungruhe: Nauja Kleist & Dorte Thorsen (Hg.): Hope and Uncertainty in Contemporary African Migration. New York, US-NY, & London: Routledge 2017, 200 Seiten
Anna Rachlitz: Rita Schäfer: Migration und Neuanfang in Südafrika. Geschichte und Gegenwart von Einwanderung, Asyl und Wanderarbeit. Frankfurt a.M.: Brandes & Apsel 2019, 240 Seiten
Maria Shaidrova: Maybritt Jill Alpes: Brokering High-Risk Migration and Illegality in West Africa. Abroad at Any Cost. Routledge 2016, 234 Seiten
Rita Schäfer: Marysia Zalewski; Paula Drumond; Elisabeth Prügl & Maria Stern (Hg.): Sexual Violence Against Men in Global Politics. Abingdon: Routledge Publishers 2018, 262 Seiten (https://doi.org/10.4324/9781315456492)
Sören Scholvin: Christian Schmidt-Häuer: Tatort Panama. Konquistadoren, Kanalbauer, Steuerflüchtlinge. Münster: Westfälisches Dampfboot 2018, 471 Seiten
Gerhard Hauck: Hanns Wienold: Indien heute. Die Armut bleibt unbesiegt. Münster: Westfälisches Dampfboot 2019, 268 Seiten
Matin Baraki: Der Afghanistan-Konflikt in deutschen Publikationen. Drogenflüge vom Hindukusch. Sammelrezension zu Uwe Krüger: Schadensfall Afghanistan – Ein Krieg und seine Folgen / Rainer Buske: Kunduz – Ein Erlebnisbericht über einen militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan im Jahre 2008 / Stefan Köhler & Tom Zola: Krieg in Afghanistan / Florin Beerenkämper, Marcel Bohnert, Anja Buresch & Sandra Matuszewski: Der innerafghanische Friedens- und Aussöhnungsprozess

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ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Jahrgang

39. Jahrgang 2019

Ausgabe

3 (156)

Erscheinungsdatum

15.01.2020

Umfang

184

Sprache

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v39i3

Homepage

https://peripherie.budrich-journals.de

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„Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika (Inken Bartels)
Der Artikel verknüpft aktuelle Ansätze der deportation studies mit Forschungen zu Rückkehr und Rückführungen in Afrika, welche bislang weitestgehend unabhängig voneinander betrachtet wurden, um verschiedene Rückführungspraktiken innerhalb des afrikanischen Kontinents als Teil eines komplexen, transnationalen Rückführungsregimes zu analysieren. Anhand des Programmes zur Unterstützung Freiwilliger Rückkehr und Reintegration der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Marokko und Tunesien zeige ich, wie staatlich erzwungene Abschiebungen und nicht-staatliche, auf Anreizen basierende Programme zur „freiwillige Rückkehr“ zusammenwirken, um unerwünschte sub-saharische Migrant*innen zur Rückkehr in weiter von den europäischen Außengrenzen entfernte Herkunftsländer zu bewegen. Ich argumentiere, dass durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Rückführungsinstrumente zwar nicht die tatsächliche Rückführung aller Migrant*innen im Transit bewirkt wird, diese jedoch in einen Zustand permanenter Rückführbarkeit bzw. returnability versetzt werden, welche – in Analogie zur staatlich produzierten Abschiebbarkeit bzw. deportability – sie zur vermehrten „freiwilligen“ Rückkehr bewegen soll. Gleichzeitig verdeutlicht der Artikel, dass auch unter diesen unübersichtlichen Rückführungsbedingungen im Transit unterschiedliche Möglichkeiten bestehen, den Rückführungen zu entkommen, die diversen Instrumente eigensinnig zu nutzen oder ihnen aktiv und kollektiv Widerstand zu leisten. Schlagwörter: Abschieberegime, deportability, „freiwillige Rückkehr“, IOM, Marokko, Tunesien
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Die Forschung zu Abschiebungen verdeutlicht, dass diese leidvoll sind und schwerwiegende Folgen für Betroffene und ihre Familienangehörigen haben. Es gibt jedoch relativ wenige Studien darüber, wie sich die Erfahrungen zwischen verschiedenen nationalen Kontexten unterscheiden. Ausgehend von 81 Interviews mit dominikanischen und brasilianischen Abgeschobenen argumentieren wir, dass ihre Reintegration von Makro-, Meso- und Mikrofaktoren beeinflusst wird. Darunter zählen individuelle Merkmale wie kulturelle Anpassung und Humankapital (mikro), nationale und transnationale Bindungen (meso) sowie soziale und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Abgeschobene aufgenommen werden (makro). Das Forschungsdesign des vorliegenden Artikels arbeitet diese Faktoren heraus und zeigt, wie sie voneinander abhängen. Je ungünstiger sich der Aufnahmekontext auf die Reintegration auswirkt, desto relevanter werden Faktoren auf der Meso- und Mikroebene. Dominikanische Abgeschobene werden von Regierung und Gesellschaft stigmatisiert und sind daher mehr auf transnationale Bindungen und ihre eigene Resilienz angewiesen. Im Gegensatz dazu stoßen brasilianische Deportierte auf einen weniger feindlichen Kontext, was bedeutet, dass sich Personen mit lokalen Bindungen und Humankapital einfacher reintegrieren. Schlagwörter: Abschiebung, Transnationalismus, Reintegration, Dominikanische Republik, Brasilien
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Mali: Abschiebungen als postkoloniale Praxis (Almamy Sylla, Susanne U. Schultz)
Ebenso wie afrikanische Migrationen finden auch Abschiebungen größtenteils innerhalb des afrikanischen Kontinents statt. Debatten darüber sind jedoch zumeist auf den Globalen Norden gerichtet. Der Artikel analysiert die Geschichte und die Praktiken von Abschiebungen aus einer weniger eurozentrischen Perspektive. Die Kernthese ist, dass Abschiebungen aus west-, zentral- und nordafrikanischen Ländern in diesen Regionen in Form von (Massen-)Abschiebungen mit der Unabhängigkeit vieler Staaten zu einem politischen Instrument wurden. Diese „afrikanischen“ Abschiebungen dienten damit der Bestätigung der neuen staatlichen Souveränität in der Zeit der Dekolonisierung. Mali dient in diesem Beitrag als Beispiel, um diese (neue) staatliche Praxis und deren Auswirkungen zu untersuchen. Dabei hat der malische Staat selber keine Abschiebungen vorgenommen, vielmehr sind malische Staatsbürger*innen stark von innerafrikanischen Abschiebungen betroffen. Sie unterbrechen dabei die gerade für Westafrika kennzeichnende Zirkularität von Migrationen. In Mali entstanden u.a. Kontroversen über den Umgang mit den Abgeschobenen, etwa in Bezug auf ihre Wiederansiedlung und das Instrument der freiwilligen Rückkehr. Die malische Zivilgesellschaft begann in den 1990er Jahren, sich gegen unerwünschte Formen der Zwangsrückführung zu organisieren. Zugleich zog sich der Staat aus Reintegrationsmaßnahmen zurück, so dass hier die Zivilgesellschaft hauptverantwortlich wurde. Schlagwörter: Abschiebungen, Repatriierungen, „freiwillige Rückkehr“, Mali, Libyen, Globaler Süden, postkoloniale Staaten
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Deportationen aus Südafrika. Heutige und historische politische Kontexte und Abschiebepraktiken (Rita Schäfer)
Südafrika ist hinsichtlich der kontinuierlich hohen Zahlen an Abschiebungen seit Jahren weltweit führend. Der Beitrag ergründet die Gegensätze zwischen der im internationalen Vergleich als innovativ geltenden Asylgesetzgebung und einer rigiden Abschiebungspraxis. Zudem untersucht er Abschiebungen als wichtiges Instrument des südafrikanischen Innenministeriums zur Migrationssteuerung, zumal die Polizei sie oftmals willkürlich und gewaltsam durchführt. Davon sind vor allem Menschen aus Mosambik und Simbabwe betroffen. Diese Probleme sind nur zu verstehen – so die grundlegende These –, wenn eine empirische Detailanalyse vorgenommen wird und historische Zusammenhänge aufgezeigt werden. Denn rigide Einwanderungskontrollen und Abschiebungen wurden bereits in der Kolonialzeit etabliert und während der Apartheid institutionalisiert. Schlagwörter: Südafrika, Simbabwe, Mosambik, Abschiebungen, Asylrecht, Migrationspolitik, Apartheid, Siedlerkolonie
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Der folgende Artikel geht der Frage nach, welche Begriffe hilfreich sein könnten, den Widerstand von Illegalisierten wahrzunehmen, die sich ihrer Abschiebung widersetzten. Wie nützlich sind hier Konzepte wie „ziviler Ungehorsam“, „Verzweiflungstat“ und „politischer Protest“; und was bedeutet gemeinsamer Widerstand im Kontext nahezu totaler Beraubung an Möglichkeiten und Rechten? Dafür beschäftigt sich der Text sich mit einer brennenden Zelle in der Schubhaft im Polizeianhaltezentrum Wien Hernals. Mit Hilfe von Interviews mit einem der Gefangenen sowie Beobachtungsprotokollen aus der Gerichtsverhandlungen gegen jene sechs Schubhaftgefangenen, die versuchten ihre Abschiebung durch Inbrandsetzung der Zelle zu verhindern, wird die zynische Verdinglichung von nicht-europäischen „anderen“ als koloniale Kontinuität und Produktion illegalisierter Arbeitskraft diskutiert. Gegen Verdinglichung und Entrechtlichung wird dann das „billigende Hören“ als Praxis der Forschung wie der Rechtsprechung vorgeschlagen. Mit dem Fokus auf marginalisierte Formen des Widerstands soll die folgende Auseinandersetzung dazu beitragen, über die Vorstellung von Kollektivität und Öffentlichkeit als vermeintliche Wesenszüge des Widerstands hinauszugehen. Nur durch diese Perspektivenverschiebung, so soll argumentiert werden, kann es der Forschung zukünftig gelingen, jene marginalen Formen des Widerstands wahrzunehmen, welche inmitten der Entrechtlichung und Verdinglichung sowie vor und unterhalb jeder Gemeinschaft stattfinden: Widerständigkeit, die sich der Kollektivität und Öffentlichkeit im gleichen Maße entzieht, wie sie mit der Dichotomie von Verzweiflung versus politischem Protest bricht. Schlagwörter: Recht, Rassismus, Gefängnis, Abschiebung, Widerstand, commons, undercommons, Subalternität, Illegalisierung, Verdinglichung, Gewalt
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