Inhalt
Zeitschrift für erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung (ZeM)
2-2025: Soziale Arbeit in migrationsgesellschaftlichen Verhältnissen – Spannungsfelder und Entwicklungen
Donja Amirpur / Ulrike Hormel / Claudia Machold / Patricia Stošić: Editorial: Soziale Arbeit in migrationsgesellschaftlichen Verhältnissen – Spannungsfelder und Entwicklungen
Beiträge im Themenschwerpunkt
Helen Breit: Strukturell bedingte Spannungsfelder im Kontext Sozialer Arbeit mit jungen Geflüchteten
Matthias Otten: Intersektionales Problematisierungswissen der Sozialen Arbeit: Eine rekonstruktive Analyse der narrativen Konstruktion sozialer Probleme am Beispiel der Verschränkung von Fluchtmigration und Behinderung (im Open Access verfügbar)
Rebecca Mörgen: Ambivalentes Differenzieren im Fluchtmigrationskontext: zur sozialpädagogischen Praxis mit jungen Geflüchteten
Verena Bauer: „dieses befreundet Sein in Anführungsstrichen“ – Freiwilliges Engagement im Kontext von Flucht:Migration zwischen Nähe und Distanz
Katrin Hermsen / Onno Husen: Kirchenasyl als Aushandlungsraum – Impulse für eine raumsensible Beratung
Anna Kasten: Das Motiv „Herz“ als emotionalisierte Mobilisierungsstrategie: Das Elternengagement für Geflüchtete aus der Ukraine an Schulen in Polen
Constantin Wagner / Rümeysa Şenel / Eda Yıldız: Anti-muslimischer Rassismus und Beratungsangebote. Zum Verhältnis von Beratungsbedarfen von von antimuslimischem Rassismus betroffenen Personen und dem Angebot von Beratungsinstitutionen
Themenungebundener Beitrag
Merle Hinrichsen / Iva Hradská: Biographische Bearbeitungsformen schulischer Teilhabekrisen. Diskriminierungserfahrungen migrierter Schüler:innen im zeitlichen Vergleich
Rezensionen
Dominique Matthes: Hummrich, Merle/Schwendowius, Dorothee/Terstegen, Saskia (Hrsg.) (2022): Schulkulturen in Migrationsgesellschaften. Studien zu Differenzverhältnissen im deutsch-amerikanischen Vergleich. Wiesbaden: Springer VS
Matthias Wagner: Heidrich, Lydia (2024): Die Herstellung von Differenz in Vorbereitungsklassen. Eine praxistheoretisch-ethnographische Studie zu Bildungsungleichheit im Kontext neuer Migration. Opladen u. a.: Verlag Barbara Budrich
Irina Grünheid: Chiriac, Christine (2024): „Das eine tun und das andere nicht lassen“: Produzent:innen von Bildungsmedien für den Geschichtsunterricht im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Pluralisierung und nationaler Schließung. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen
Tagungsbericht
Roya Saadati Fashtomi / Jaar Boskany / Liesa Rühlmann: Late Summer School 2024 „Methodologie rassismuskritischer Forschung“. 05.–07. 12. 2024, Universität Bielefeld.
Einzelbeitrag-Download (Open Access/Gebühr): zem.budrich-journals.de
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Abstracts
Strukturell bedingte Spannungsfelder im Kontext Sozialer Arbeit mit jungen Geflüchteten (Helen Breit)
Im vorliegenden Beitrag werden zwei zentrale Spannungsfelder in der Sozialen Arbeit mit jungen Geflüchteten in Deutschland dargestellt, die auf Basis eigener Forschungsbefunde identifiziert wurden. Ihre strukturelle Bedingtheit wird mithilfe der theoretischen Bestimmung Sozialer Arbeit als wohlfahrtsstaatlich organisierte Hilfe, die auf gesellschaftliche Hilfsbedürftigkeit reagiert, herausgearbeitet. Es wird gezeigt, wie sich Aufgaben und Ziele der Jugendhilfe mit nationalstaatlichen Regulierungsabsichten von Flucht.Migration verschränken – und welche Dilemmata hieraus für Soziale Arbeit folgen. Schlüsselwörter: Spannungsfelder, Paradoxien, professionelles Handeln, junge Geflüchtete, Flucht, Soziale Arbeit
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Intersektionales Problematisierungswissen der Sozialen Arbeit: Eine rekonstruktive Analyse der narrativen Konstruktion sozialer Probleme am Beispiel der Verschränkung von Fluchtmigration und Behinderung (Matthias Otten)
Professionelles Problematisierungswissen (Keller/Poferl 2020; Poferl 2012) wird besonders dann aufgerufen, wenn für ein soziales Problem noch keine etablierte „institutionelle Grammatik“ (Gildemeister 1989: 392) zur Problemdeutung und -bearbeitung existiert oder diese in Frage steht. Die Notwendigkeit zum doing social problems (Groenemeyer 2010) gilt auch für das intersektionale Feld Fluchtmigration und Behinderung, in dem in den letzten Jahren einige neuartige Projekte zur Beratung von geflüchteten Personen mit Behinderung entstanden sind. Mit Hilfe einer empirischen Fallrekonstruktion werden in diesem Beitrag zwei Modi von intersektionalem Problematisierungswissen der Sozialen Arbeit in diesem fachlichen Schnittfeld rekonstruiert: 1) die narrative Problemkonstituierung über Pilotfälle im öffentlichen Diskurs von Asyl- und Sozialpolitik und 2) das kommunikative Navigieren des Falls innerhalb der inter-institutionellen ‚Landkarte‘ des Fallverlaufs mit den daran beteiligten Instanzen. Abschließend reflektiert der Artikel kritisch das Potenzial des Storytellings als Stärkung der narrativen Teilhabe marginalisierter Adressat:innen an der Ko-Konstruktion von Problematisierungswissen. Schlüsselwörter: Behinderung, Fluchtmigration, Fallarbeit, Soziale Probleme, Narrative, Vulnerabilität
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Ambivalentes Differenzieren im Fluchtmigrationskontext: zur sozialpädagogischen Praxis mit jungen Geflüchteten (Rebecca Mörgen)
(Gegenwärtige) Fluchtmigrationsbewegungen gehen mit ambivalenten gesellschaftlichen Dynamiken einher, die für Soziale Arbeit im Allgemeinen und im Feld der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten im Besonderen mit Herausforderungen verbunden sind. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie sich im institutionellen Alltag der Betreuung von jungen Geflüchteten (in der Schweiz) ambivalente Differenz(ierungs)praktiken vollziehen. Die soziale Praxis des ambivalenten Differenzierens stellt hierbei, so die empirisch aufzuzeigende These des Beitrages, ein zentrales Phänomen dar. Auf Basis von ethnographischem Datenmaterial lässt sich dies in der institutionellen Betreuungs- und Unterbringungspraxis von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus einer ungleichheits- und praxistheoretisch informierten Perspektive in besonderer Weise rekonstruieren. Der Begriff des ambivalenten Differenzierens bezieht sich auf das Spannungsverhältnis, in dem sich eine ungleichheits- und struktursensible Soziale Arbeit im Fluchtmigrationskontext bewegt, die immer schon auf Andere verwiesen ist. Schlüsselwörter: Soziale Arbeit, Flucht, Migration, Intersektionalität, Differenz, unbegleitete minderjährige Geflüchtete
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„dieses befreundet Sein in Anführungsstrichen“ – Freiwilliges Engagement im Kontext von Flucht:Migration zwischen Nähe und Distanz (Verena Bauer)
In diesem Beitrag wird freiwilliges Engagement im Kontext von Flucht:Migration mit Blick auf das aus der Sozialen Arbeit bekannte Spannungsfeld von Nähe und Distanz diskutiert. Es werden erste Ergebnisse einer rekonstruktiven, interviewbasierten Studie vorgestellt und die Perspektiven der Engagierten innerhalb dieses Spannungsverhältnisses beleuchtet. Die Analyse im methodologischen Verständnis der Grounded Theory zeigt, dass die Engagierten die emotionale Nähe und Distanz ambivalent erleben: Nähe kann als beziehungsstiftend und gefährlich, Distanz als schützend und enttäuschend gedeutet werden. Im Beitrag werden drei zentrale Handlungsmuster im Umgang mit Nähe und Distanz identifiziert – Neuausrichten der Beziehung bei enttäuschender Distanz, selektives Zulassen von (als gefährlich gerahmter) Nähe sowie Ringen um Kommunizierbarkeit von wahrgenommener Grenzüberschreitung – und die Ergebnisse machtkritisch und mit Bezug auf die Soziale Arbeit eingebettet. Schlüsselwörter: Freiwilliges Engagement, Nähe, Distanz, Unterstützungsbeziehungen
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Kirchenasyl als Aushandlungsraum – Impulse für eine raumsensible Beratung (Katrin Hermsen, Onno Husen)
Der Artikel verdeutlicht die Bedeutung von Raumsensibilität in der Beratung von Menschen im Kirchenasyl. Basierend auf einem relationalen Raumverständnis wird der Raum als sozialer Aushandlungsprozess verstanden. Kirchenasyl stellt dabei einen temporären Schutzraum dar, der nur unter Einbezug verschiedener Akteur:innen (Kirchen, Behörden, Schutzsuchende) entstehen kann. Die Beratung im Kontext des Kirchenasyls erfordert raumsensibles Handeln, da Räume durch Machtverhältnisse geprägt sind. Schlüsselwörter: FluchtMigration, Kirchenasyl, Raum, Soziale Arbeit, Beratung
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Das Motiv „Herz“ als emotionalisierte Mobilisierungsstrategie: Das Elternengagement für Geflüchtete aus der Ukraine an Schulen in Polen (Anna Kasten)
Aufgrund des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 flohen Millionen Ukrainer:innen in verschiedene Länder, viele davon nach Polen. Im Kontext der Geflüchtetenhilfe lässt sich in Polen von einer Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Praktiken sprechen. Rassistische Praktiken, selektive Solidarität und anti-ukrainische Rhetorik erfolgen gleichzeitig mit einem freiwilligen Engagement für die Geflüchteten. Neben Privatpersonen, Unternehmen und anderen Gruppen waren es auch Eltern, die sich in den Schulen ihrer Kinder an den verschiedenen Hilfsinitiativen beteiligt haben. Das Thema FluchtMigration ist mit Emotionen wie Zugehörigkeit, Angst, Hoffnung, Freude, Zorn, Mitgefühl oder auch Hass verbunden. Ausgehend von der Konzeptualisierung von Emotionen als performatives Tun wird die Frage behandelt: Wie emotionalisieren die Eltern ihr Engagement für Geflüchtete aus der Ukraine an polnischen Schulen, wenn sie sich auf den Begriff „Herz“ beziehen? Dabei soll der Wert emotionstheoretischer Perspektiven für die empirische FluchtMigrationsforschung herausgearbeitet werden. Die Grundlage des Beitrags stellen Daten aus einem Lehrforschungsprojekt dar. Schlüsselwörter: FluchtMigration, Emotionen, Elternengagement, Ukraine, Polen
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Anti-muslimischer Rassismus und Beratungsangebote. Zum Verhältnis von Beratungsbedarfen von von antimuslimischem Rassismus betroffenen Personen und dem Angebot von Beratungsinstitutionen (Constantin Wagner, Rümeysa Şenel, Eda Yıldız)
Rassistische Verhältnisse sind – gemeinsam mit anderen sozialen Ungleichheitsverhältnissen – für die (Post-)Migrationsgesellschaft kennzeichnend und produzieren Vulnerabilität(slagen). Neben offenen Formen von Gewalt wird (ungleich öfter) subtile Diskriminierung erlebt. Dies betrifft aufgrund eines etablierten, antimuslimischen Ressentiments auch spezifisch als Muslim:innen gelesene Personen. Bisher liegen allerdings kaum Befunde im Hinblick auf die genaue Wirkung auf negativ Betroffene, deren Verarbeitung und Umgänge mit antimuslimischem Rassismus und ihren Beratungsbedarfen vor. Der vorliegende Artikel stellt die Frage nach der Passung von bestehenden Angeboten Sozialer Arbeit – konkret von unterschiedlichen Beratungsangeboten – und den Beratungsbedarfen von von antimuslimischen Rassismus betroffenen Personen. Hierfür wurden Daten zu den Angeboten der Beratungsstellen einerseits und den Beratungsbedarfen der Betroffenen andererseits erhoben. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Beratungsangebote in der Regel Personen adressieren, die (einmalig) ‚Opfer‘ einer Tat wurden, die oberhalb der Strafbarkeitsgrenze liegt und damit ein Großteil von Gewalterfahrungen nicht adressiert werden. Auch die kollektive Dimension von Rassismuserfahrungen wird in den (individualisierenden) Beratungsangeboten bisher kaum berücksichtigt. Schlüsselwörter: Soziale Arbeit, Beratungsangebote, antimuslimischer Rassismus, Betroffenenperspektiven
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Biographische Bearbeitungsformen schulischer Teilhabekrisen. Diskriminierungserfahrungen migrierter Schüler:innen im zeitlichen Vergleich (Merle Hinrichsen, Iva Hradská)
Auf Grundlage zweier Forschungsprojekte, in denen biographisch-narrative Interviews mit migrierten Schüler:innen erhoben wurden, die in den 1970er bzw. in den 2010er Jahren die Schule besuchten, werden im Beitrag schulische Teilhabekrisen im zeitlichen Vergleich untersucht. Anhand von biographischen Fallstudien zweier Schülerinnen wird das Zusammenspiel von strukturellen Bedingungen prekarisierter Bildungsteilhabe und Mustern ihrer biographischen Bearbeitung analysiert. Die Ergebnisse zeigen, inwiefern Teilhabekrisen pädagogischer Institutionen auch biographisch als Krise erfahren werden und welche Möglichkeitsräume biographischer Bearbeitung sich im Kontext unterschiedlicher institutioneller, sozio-historischer und diskursiver Bedingungen eröffnen. Schlüsselwörter: Teilhabe, Migration, Diskriminierung, Biographie, Schule
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