Inhalt
dms โ der moderne staat โ Zeitschrift fรผr Public Policy, Recht und Management
2-2020: Interessengruppen und Recht, Interessengruppen im Recht
hrsg. von Katharina van Elten, Tanja Klenk & Britta Rehder
Themenschwerpunkt
Katharina van Elten / Tanja Klenk / Britta Rehder: Einleitung: Interessengruppen und Recht, Interessengruppen im Recht
Annette Elisabeth Tรถller: Das Verbandsklagerecht der Umweltverbรคnde in Deutschland: Effekte auf Rechtsanwendung, Umweltqualitรคt und Machtverhรคltnisse
Roland Czada: Governance-Transformation durch Richterrecht? Juristische Diskurse zur Selbstverwaltung im Gesundheitswesen
Sandra Eckert: Wirtschaftliche Akteure im Recht? Die strategische Nutzung von Selbstregulierung und Prozessfรผhrung durch Europรคische Wirtschaftsverbรคnde
Daniel Rasch: Lobbying-Regulierung in den deutschen Bundeslรคndern โ ein Vergleich
Jan Fรคhrmann / Hartmut Aden / Alexander Bosch: Polizeigewerkschaften und innenpolitische Gesetzgebung โ politische Einflussnahme zwischen Symbolpolitik und Interessenvertretung
Britta Rehder / Katharina van Elten: Klagende Verbรคnde. Drei Logiken des justiziellen kollektiven Handelns in Deutschland
Abhandlungen
Simon Fink: Behรถrdenleiter im Scheinwerferlicht der รffentlichkeit
Michael W. Bauer / Stefan Becker: Populistische Verwaltungspolitik. Eine verwaltungswissenschaftliche Perspektive auf populistische Strategien der Staatstransformation
Lucas von Blumrรถder / Andreas Breiter: Die Nutzung maschineller Lernsysteme fรผr den Erlass verwaltungsrechtlicher Ermessensentscheidungen
Benjamin Friedlรคnder: Kommunale Gesamtsteuerung รถffentlicher Aufgaben: Konzeptionelle Idee und Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung
Sonja Blum / Jens Jungblut: Besondere Freiheit, besondere Verantwortung? Eine empirische Studie zur deutschen Politikwissenschaft in der Politikberatung
Rezensionen
Edward C. Page: Peter Hupe (Ed.) (2019). Research Handbook on Street-Level Bureaucracy. The Ground Floor of Government in Context. Edward Elgar. ISBN: 978 1 78643 762 4, pp. 544 xx.
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Abstracts
Einleitung: Interessengruppen und Recht, Interessengruppen im Recht (Katharina van Elten, Tanja Klenk, Britta Rehder)
Wie nutzen Interessengruppen das Recht, um Interessen zu realisieren? Wie werden umkehrt ihre Aktivitรคten in den verschiedenen Phasen des Policy Cycles durch Recht strukturiert? Und welche Verbรคnde vertreten innerhalb des Rechtssystems welche Interessen? Fรผr eine politik- und verwaltungswissenschaftlich orientierte Interessengruppenforschung sind diese Fragen zentral, hat sich doch aufgrund der zunehmenden Verrechtlichung aller Lebensbereiche in modernen Demokratien Recht zu einer zentralen Ressource fรผr Interessengruppen entwickelt. Der Beitrag zeichnet die Konturen des Forschungsfelds Interessengruppen und Recht, Interessengruppen im Recht nach und setzt sich auf der Basis eines systematischen Literaturreviews kritisch mit dem aktuellen Stand und den Perspektiven der deutschsprachigen Forschung in diesem Feld auseinander. Es wird gezeigt, dass zwar die These vom Recht als zentraler Ressource fรผr Interessengruppen uneingeschrรคnkt geteilt wird, ein tiefergehendes Verstรคndnis des Zusammenspiels von Recht, Politik und Interessen dennoch ein Forschungsdesiderat bleibt. Schlagworte: Rechtsberatung, Rechtsmobilisierung, Interessenvermittlung, Literaturreview
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Das Verbandsklagerecht der Umweltverbรคnde in Deutschland: Effekte auf Rechtsanwendung, Umweltqualitรคt und Machtverhรคltnisse (Annette Elisabeth Tรถller)
In der deutschen Umweltpolitik hat sich die Machtkonstellation von Wirtschafts- und Umweltinteressen in den letzten 20-25 Jahren grundsรคtzlich zu Gunsten der Umweltverbรคnde gewandelt. Vor diesem Hintergrund befasst sich der Beitrag mit dem 2006 eingefรผhrten und seit 2013 verstรคrkt genutzten Klagerecht fรผr anerkannte Umweltverbรคnde. Er geht โ insbesondere anhand der 47 Klagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen Luftreinhalteplรคne โ den Fragen nach, ob und wie dieses Klagerecht genutzt wird, welche Effekte seine Nutzung auf die Anwendung des Umweltrechts und die Umweltqualitรคt hat und ob sich Auswirkungen dieser Nutzung auf die Machtverhรคltnisse in der Umweltpolitik zeigen lassen. Schlagworte: Umweltverbรคnde, Klagerecht, Luftreinhaltung, Umweltqualitรคt, Macht
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Governance-Transformation durch Richterrecht? Juristische Diskurse zur Selbstverwaltung im Gesundheitswesen (Roland Czada)
Wesentliche Teile des Sozialversicherungsrechts wurden in Deutschland durch juristische Fachdiskurse und Gerichtsurteile bestimmt. Deren Folgen und Fernwirkungen blieben in der Regel unberรผcksichtigt. Dies betrifft neuerdings verstรคrkt die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Von deren Spitzengremium โGemeinsamer Bundesausschussโ festgelegte medizinische Behandlungsnormen werten Juristen als Eingriff in das Grundrecht auf Leben und kรถrperliche Unversehrtheit (Art. 2 II 1 GG), der dem von Verbandsvertretern bestellten Gremium nicht zustehe. Die der โLegitimationskettentheorieโ des Bundesverfassungsgerichtes folgende Wertung offenbart ein monistisches, von รผberkommenen Souverรคnitรคtslehren geprรคgtes Staatsverstรคndnis, von dem sich die meisten westlichen Demokratien gelรถst haben. Die daran anknรผpfende Rechtsprechung tangiert das ordnungspolitische Gefรผge von Staat, Mark und Organisationsgesellschaft. Der Beitrag erรถrtert einschlรคgige Gerichtsurteile und diskutiert kritische Einwรคnde sowie demokratietheoretische Alternativkonzepte. Schlagworte: Richterrecht, Selbstverwaltung, Gesundheitskorporatismus, Subsidiaritรคt, Legitimationstheorie
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Wirtschaftliche Akteure im Recht? Die strategische Nutzung von Selbstregulierung und Prozessfรผhrung durch Europรคische Wirtschaftsverbรคnde (Sandra Eckert)
Dieser Beitrag widmet sich der Frage, wie Wirtschaftsakteure den Zyklus der Rechtsetzung auf europรคischer Ebene zu beeinflussen suchen. Untersucht wird insbesondere, warum europรคische Wirtschaftsverbรคnde in drei Sektoren (Kunststoffindustrie, Haushaltsgerรคtehersteller, Elektronikbranche) Selbstregulierung und Prozessfรผhrung in unterschiedlicher Weise nutzen. Konzeptuell schlรคgt die vergleichende Fallstudie eine Brรผcke zur Governanceforschung sowie der Literatur zur Internationalen Politischen รkonomie (IPร). So ergรคnzt die Perspektive auf sowohl konflikthafte wie auch kooperative Strukturen die Diskussion um den sogenannten Schatten der Hierarchie in der Governanceforschung. Mit Bezug auf die in der IPร etablierten Kategorien zur Analyse wirtschaftlicher Macht weist der Befund darauf hin, dass der Blick auf instrumentelle Macht, also die direkte Einflussnahme auf Gesetzgebung, zwingend ergรคnzt werden muss um eine systematische Erfassung struktureller Macht. Diesbezรผglich zeigt die Untersuchung, dass Wirtschaftsverbรคnde gerade auรerhalb der legislativen Arena vielfรคltige regulative Strategien mobilisieren, die darauf abzielen, Regelsetzung mitzugestalten, zu substituieren, zu verhindern, zu blockieren oder rรผckgรคngig zu machen. Schlagworte: Europรคische Union, Governance, Internationale Politische รkonomie, Recht, Wirtschaftsverbรคnde
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Lobbying-Regulierung in den deutschen Bundeslรคndern โ ein Vergleich (Daniel Rasch)
Der Beitrag zeigt, dass die Regulierung von Interessenvertretung und Lobbying, als spezielle Form, im Allgemeinen in den Bundeslรคndern zwar existiert, jedoch in Teilen erheblich variiert. Erstens erfassen nicht alle Regulierungen sowohl die Legislative als auch die Exekutive, das heiรt, vor allem bei der Regulierung von Interessenvertretung gegenรผber den Ministerien besteht Nachholbedarf. Zweitens sind die Entscheidungstrรคger*innen per se zu selten Gegenstand der Regulierung, insbesondere was die Karenzzeiten, also den Wechsel zwischen den Berufen, angeht. Wenn Interessenvertretung reguliert wird, finden sich drittens noch relativ viele Verweise auf Akteurstypen wie Verbรคnde, Gewerkschaften, kommunale Spitzenverbรคnde oder Berufsverbรคnde. Inhouse-Lobbying, also die Interessenvertretung von Firmen und neuere Formen des Lobbyings, beispielsweise durch Agenturen oder Think Tanks, sind hier kaum von den Regulierungen erfasst. Viertens zeigt ein kurzer Blick in die Transparenz- und Informationsportale, dass in den seltensten Fรคllen Informationen รผber die konsultierten Akteure und deren Positionen zu erkennen sind und es somit an Transparenz รผber die Entscheidungsfindung mangelt. Schlagworte: Lobbying; Bundeslรคnder; Regulierung
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Polizeigewerkschaften und innenpolitische Gesetzgebung โ politische Einflussnahme zwischen Symbolpolitik und Interessenvertretung (Jan Fรคhrmann, Hartmut Aden, Alexander Bosch)
Vertreter*innen der drei bundesdeutschen Polizeigewerkschaften kommentieren in der Medienรถffentlichkeit nicht nur sie betreffende politische Entscheidungen, sondern positionieren sich auch in allgemeineren innenpolitischen Gesetzgebungsfragen. Dieser Beitrag geht auf der Basis ausgewรคhlter Beispiele der Frage nach, inwieweit es den Polizeigewerkschaften dabei gelingt, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Dabei wird zwischen der Durchsetzung eigener Positionen und der Verhinderung missliebiger Gesetzgebungsvorhaben unterschieden. Der Beitrag zeigt, dass die Polizeigewerkschaften in innenpolitischen Debatten eine aktive Rolle spielen und auch in der รffentlichkeit so wahrgenommen werden. Dabei wird die These entwickelt, dass die Gewerkschaften in einigen Konstellationen symbolpolitisch agieren. Schlรผsselwรถrter: Polizeigewerkschaften, Strafrecht, Kriminalpolitik, Politik innerer Sicherheit, Kennzeichnung von Polizeibediensteten
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Klagende Verbรคnde. Drei Logiken des justiziellen kollektiven Handelns in Deutschland (Britta Rehder, Katharina van Elten)
Der Aufsatz untersucht, in welchem Umfang sich 100 deutsche Groรverbรคnde auf ihren Homepages dazu bekennen, Interessenvermittlung รผber das Rechtssystem zu praktizieren. Im Zentrum stehen die Politikfelder Wirtschaft, Soziales, Umwelt und Integration. Politikfeldรผbergreifend lรคsst sich festhalten, dass die Verbรคnde justizielle Praktiken nur sehr defensiv zu ihrem organisationalen Markenkern zรคhlen. In Anlehnung an die Literatur kann davon gesprochen werden, dass es viele โoneshotterโ gibt und nur sehr wenige โrepeat playerโ, wobei die Unterschiede innerhalb der Politikfelder grรถรer sind als diejenigen zwischen den Politikfeldern. Es werden drei Logiken des justiziellen kollektiven Handelns unterschieden, die in einem Zusammenhang zur politischen Konfliktfรคhigkeit der Verbรคnde diskutiert werden kรถnnen und mรผssen. Schlagworte: Verbรคnde, Klage, Rechtsmobilisierung, Repeat Player, Deutschland
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Behรถrdenleiter im Scheinwerferlicht der รffentlichkeit (Simon Fink)
Wie ist das Verhรคltnis zwischen Spitzenbeamten und den Medien? Lange Jahre galt die Vermutung, dass deutsche Verwaltungseliten nur wenig in den Medien prรคsent sind; Reprรคsentation nach auรen war Sache der politischen Spitze. Dieser Beitrag argumentiert, dass im Zuge der Politisierung der Verwaltung auch deutsche Spitzenbeamte hรคufiger in den Medien auftauchen. Anhand einer Analyse der Berichterstattung รผber sieben Bundesoberbehรถrden in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt der Beitrag, dass รผber die Zeit hinweg tatsรคchlich immer personalisierter berichtet wird. Dabei gibt es aber groรe Unterschiede zwischen den Behรถrden. Die Prรคsidenten des Kraftfahrt-Bundesamtes und des Bundeskriminalamtes erscheinen eher selten in den Medien, die der Bundesnetzagentur und des Verfassungsschutzes relativ hรคufig. Auรerdem bleibt noch ein Rest an zu erklรคrender Variation, der mรถglicherweise auf Karriereverlรคufe der Spitzenbeamten zurรผckgefรผhrt werden kann. Schlagworte: Medien, Personalisierung, Bundesoberbehรถrden
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Populistische Verwaltungspolitik. Eine verwaltungswissenschaftliche Perspektive auf populistische Strategien der Staatstransformation (Michael W. Bauer, Stefan Becker)
Mit Blick auf die Bรผrokratie als zentrales Instrument staatlicher Herrschaftsausรผbung entwickelt dieser Beitrag einen Analyserahmen, der populistische Verwaltungspolitik als Transformation der รถffentlichen Verwaltung erfassbar macht. Die analytische Leistungsfรคhigkeit dieses Ansatzes sowie dessen empirische Relevanz werden an vier Beispielen populistischer Verwaltungspolitik illustriert: Viktor Orbรกn in Ungarn, Alberto Fujimori in Peru, Christoph Blocher in der Schweiz und Donald Trump in den USA. Der Beitrag verdeutlicht, welche Gefahren fรผr liberaldemokratische Systeme von populistischen Regierungen ausgehen. Denn der Grad der Verwirklichung populistischer Verwaltungspolitik bestimmt letztendlich die Durchsetzungschancen einer auf radikale Verรคnderung abzielenden politischen Ideologie. Schlagworte: Populismus, Bรผrokratie, รถffentliche Verwaltung, demokratische Regression
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Die Nutzung maschineller Lernsysteme fรผr den Erlass verwaltungsrechtlicher Ermessensentscheidungen (Lucas von Blumrรถder, Andreas Breiter)
Der vorliegende Artikel greift die aktuelle Thematik der โKรผnstlichen Intelligenzโ in der รถffentlichen Verwaltung auf und geht der Frage nach, ob maschinelle Lernsysteme (ML-Systeme) genutzt werden kรถnnen, um beim Erlass verwaltungsrechtlicher Ermessensentscheidungen zu unterstรผtzen. Ausgehend von einer synergetischen Betrachtung beider Gebiete sowie der theoretischen Herleitung der grundsรคtzlichen Modellierbarkeit von Ermessensentscheidungen durch ML-Systeme schlieรt sich die Frage an, in welcher Form eine Unterstรผtzung vorliegend mรถglich ist. Im Anschluss wird eine Modellierung anhand zweier sozialrechtlicher Ermessensentscheidungen konstruiert und in einem Wizard-of-Oz-รคhnlichen Praxisversuch geprรผft, wie derartige Ausgaben von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung wahrgenommen werden und deren Entscheidungsprozess beeinflussen kรถnnen. Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass eine theoretische Modellierung entsprechender Ermessensentscheidungen in der Praxis mit einer Vielzahl an Herausforderungen verbunden ist. Kann diesen jedoch begegnet werden, kรถnnen die Anwenderinnen und Anwender von einem intelligenten System profitieren. Schlagworte: Digitalisierung, Verwaltungsmodernisierung, Kรผnstliche Intelligenz, Machine Learning, Verwaltungsrecht
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Kommunale Gesamtsteuerung รถffentlicher Aufgaben: Konzeptionelle Idee und Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung (Benjamin Friedlรคnder)
Mit Blick auf die institutionelle Ausdifferenzierung der รถffentlichen Aufgabenerfรผllung auf kommunaler Ebene stellt sich in Kommunalwissenschaft und -praxis die Frage nach den derzeitigen Steuerungs- und Koordinationsstrukturen sowie deren Weiterentwicklung und Neubestimmung. Mit diesem Beitrag ist das Ziel verbunden, die interdisziplinรคre Idee einer kommunalen Gesamtsteuerung รถffentlicher Aufgaben zu erรถrtern sowie auf Grundlage einer qualitativen empirischen Untersuchung Bedarf, Verstรคndnis, Umsetzung und Grenzen eines solchen Ansatzes zu analysieren und zu diskutieren. Schlagworte: Interdisziplinaritรคt, Organisation รถffentlicher Aufgaben, Steuerung, Koordination, Komplexitรคt
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Besondere Freiheit, besondere Verantwortung? Eine empirische Studie zur deutschen Politikwissenschaft in der Politikberatung (Sonja Blum, Jens Jungblut)
In den letzten Jahren wurde in der deutschen Politikwissenschaft (und darรผber hinaus) eine intensive Debatte รผber die gesellschaftliche und politische Relevanz der Disziplin gefรผhrt. Dabei blieb allerdings die faktische politikberatende Rolle mindestens genauso umstritten wie die normative Seite dieser Tรคtigkeit; und auch innerhalb der vergleichenden Forschung zu Politikberatung wurde der Politikwissenschaft keine gezielte Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser Artikel untersucht, wie, fรผr wen und wie hรคufig Politikwissenschaftler*innen in Deutschland ihre Expertise fรผr die Politik bereitstellen. Die Analyse basiert auf den deutschen Ergebnissen (n=376) einer Umfrage, die 2018 in mehr als 30 europรคischen Lรคndern durchgefรผhrt wurde. Neben ersten empirischen Einblicken in ein bislang wenig untersuchtes Phรคnomen ist es Ziel des Beitrags, deutsche Politikwissenschaftler*innen in einer Typologie von Beratungsrollen zu verorten. Die Analyse zeigt durchaus umfangreiche und diverse, im Lรคndervergleich allerdings unterdurchschnittliche politikberatende Tรคtigkeiten. Der zentrale Unterschied fรผr Art und Ausmaร der Politikberatung scheint zwischen Politikwissenschaftler*innen auf befristeten und unbefristeten Stellen zu bestehen. Schlagworte: Politikwissenschaft, Politikberatung, Expertise, Survey, Beratungsrollen
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