Beschreibung
Von Sokrates bis Chantal Mouffe:ย Dieses Buch bietet eine umfangreiche รbersicht politischer Ideen aus verschiedenen Epochen von der Antike bis hin zur Gegenwart. Im Einklang mit dem Lebensweg der Denker*innen werden ihre Theorien ebenso wie ihre Wirkung in ihrem ideengeschichtlichen Kontext aufgezeigt und miteinander verglichen. Zudem werden Bezรผge zu aktuellen politischen Diskursen hergestellt: Demokratietheorie, Identitรคtspolitik, Freiheit und Gerechtigkeit sowie Toleranz und Streitkultur. Durch die didaktische Aufbereitung des Materials mit Kรคsten, รbungen und Reflexionsfragen ist dieses Buch ein optimaler Begleiter fรผr den Einstieg in die politische Theorie.
Dieses Buch stellt die wichtigsten Denker der klassischen politischen Theorie vor: Sokrates, Platon, Aristoteles, Cato, Cicero, Sallust, Augustinus, Marsilius, Machiavelli, Hobbes, Locke Montesquieu, Rousseau, Kant Tocqueville und Marx. Ergรคnzt werden diese durch die modernen Denker*innen des 20. und 21. Jahrhunderts: Max Weber, Rosa Luxemburg, Carl Schmitt, Karl Popper, Hannah Arendt, John Rawls, Jรผrgen Habermas und Chantal Mouffe.
Inhaltsverzeichnis + Leseprobe
Die Autor*innen:
Prof. em. Dr. Ulrich von Alemann, Heinrich-Heine-Universitรคt Dรผsseldorf
Prof. Dr. Nina Basedahl,ย Professorin fรผr Politikwissenschaft, Europรคische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH)
Prof. Dr. Gernot Graeรner,ย Professor fรผr Lebenslanges Lernen, Europรคische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH)
Sabrina Kovacs, M.A., Heinrich-Heine-Universitรคt Dรผsseldorf
Hier finden Sie den Waschzettel zum Buch (PDF-Infoblatt).
Die Zielgruppe:
Studierende und Lehrende der Politikwissenschaft







Carina Rรถcher –
Ich habe โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ von Ulrich von Alemann et al. im Rahmen des Read & Feed-Programms gelesen.
Der Titel spricht vor allem diejenigen an, die sich fรผr die politische Theorie interessieren und sie verstehen wollen. Fรผr Studierende der Politikwissenschaft ist sie meines Erachtens eine empfehlenswerte Begleitliteratur.
Die Autor*innen beginnen damit, die politische Theorie sowie ihren Zweck zu erklรคren und regen dazu an, in seinem wissenschaftlichen Wirken Ausarbeitungen anzufertigen.
Besonders gelungen finde ich die Paraphrasen und Hinweise, welche das Verstรคndnis erleichtern und zu einer besseren Struktur beitragen.
Die Verfassenden verweisen jedoch darauf, dass dieses Buch nicht als Enzyklopรคdie betrachtet werden, sondern zur Reflexion der Theorien dienen soll.
Fรผr mein Studium ist es relativ bedeutsam, weil es mich zumindest bis zu meinem Master-Abschluss begleiten wird; nicht zuletzt, weil es als Anreiz fรผr wissenschaftliche Auseinandersetzungen dient.
Meine Erwartungen in puncto Verstรคndlichkeit und Eignung fรผr das Studium wurden allenfalls รผbertroffen und ich bin froh darรผber, diesen Titel als Ergรคnzung zu meinem Studium und eventuell meinem beruflichen Handeln nutzen zu dรผrfen.
Kira Renรฉe Kurz –
Das Buch ist aus einer Lehrveranstaltung in einem Masterstudiengang hervorgegangen und entsprechend aufbereitet: es wird kein/wenig Vorwissen vorausgesetzt, es gibt viele Info-Kรคsten, Reflexionsfragen und Definitionen. Durch die Aufbereitung ist das Buch sehr gut fรผr Studierende oder auch als Grundlage von Lehrveranstaltungen geeignet.
Woran ich mich jedoch ein wenig gestรถrt habe, ist die fehlende Reflexion bezรผglich der Auswahl der Denker (und vereinzelt Denkerinnen). Die Autor*innen schreiben im Vorwort โvieles von dem, was die politischen Denker รผber Frauen und Menschen aus anderen Kulturkreisen schrieben, kรถnnen wir heute nicht mehr gutheiรenโ (S.7). Im ersten Kapitel, welches sogar ein Unterkapitel zur Auswahl der Personen beinhaltet, wird dann jedoch nicht darauf eingegangen, dass der in diesem Buch vorgestellte klassische Kanon auch ein historisch gewachsenes Produkt politischer und gesellschaftlicher Machtverhรคltnisse ist. Es wird lediglich verwiesen auf die bestehende groรe รbereinstimmung innerhalb der Literatur, wer zu den klassischen Theoretikern zรคhlt (vgl. S.11). Und das sind eben selten Frauen oder nichtwestliche Denker*innen.
Dabei finde ich die getroffene Auswahl durchaus sinnvoll und gut, insbesondere mit Blick auf das Nachvollziehen der groรen Debatten innerhalb der politischen Ideengeschichte. Ich hรคtte mir jedoch im entsprechenden Kapitel einen kurzen Verweis erhofft, dass viele der Ideen z.B. auch bei nichtwestlichen Denker*innen anzutreffen sind (man denke an Kautilyas Arthashastra) oder direkt am Anfang einen klareren Hinweis, dass sich das Buch mit politischem Denken IN DEUTSCHLAND beschรคftigt (diese Eingrenzung wird in 2.9. klar).
Davon abgesehen sind die eingรคngliche Sprache und die kurzen biographischen Texte zu den Denker*innen positiv hervorzuheben. Zweitere ermรถglichen, das Werk im Kontext zu betrachten und beschreiben die Hintergrรผnde unterschiedlicher Interpretationsmรถglichkeiten.
Daher insgesamt empfehlenswert โ insbesondere fรผr PoWi/Soziologie-Studierende.
Laila Riedmiller –
Mit โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ haben sich die Autor*innen dazu entschieden, den Inhalt mehrerer Studienhefte ihres Masterstudiengangs als Lehrbuch herauszugeben. Unterteilt ist das Buch in drei Kapitel. Das umfangreichste erste Kapitel stellt die Klassiker der Ideengeschichte vor, das zweite schlieรt mit moderne(re)n Politischen Theorien an und zuletzt folgt ein kurzes Kapitel, das drei aktuelle Themen โ Demokratie, Identitรคtspolitik sowie Freiheit/Gleichheit/Gerechtigkeit โ in den Blick nimmt.
Lehrbรผcher zur Politischen Theorie und Ideengeschichte gibt es viele, weshalb mich als Promovendin und Lehrende in diesem Fachbereich beim Lesen des Buchs die Frage begleitet, ob bzw. inwiefern sich dieses Lehrbuch abhebt, heraussticht, sich als Alternative zu den mir bekannten Bรผchern eignet.
Nach dem Lesen muss ich sagen: eher bedingt.
Die einzelnen Autor*innen werden รผbersichtlich vorgestellt und mir gefรคllt vor allem im ideengeschichtlichen Teil, dass nach wenigen Kapiteln ein Vergleich folgt: Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Vertragstheoretiker Hobbes und Locke? Welche Spannbreite des politischen Denkens finden wir in der Zeit der Industrialisierung?
Was mich dagegen stรถrt, ist die relativ unkritische รbernahme des klassischen Kanons. Zwar wird anfangs erwรคhnt, dass man die Denker*innen alle auch kritisch betrachten solle. So wirklich passiert das aber nur bei Marx, wรคhrend de Tocquevilles รberlegungen zum Kolonialismus auf einer halben Stunde dargestellt, aber nicht weiter problematisiert werden. Damit hebt sich das Kapitel nicht von den vielen Bรผchern ab, die den klassischen und rein mรคnnlichen Kanon abbilden, jedoch nicht weiter hinterfragen.
Das zweite Kapitel betrachtet dann zumindest drei Frauen, wobei die Wahl mit Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Chantal Mouffe auch angenehm vielfรคltig ausfรคllt. An einigen Stellen stรถren mich jedoch unklare Begriffsberwendungen. So wird bspw. im Kapitel von Carl Schmitt behauptet, er habe mit seiner Politischen Theologie natรผrlich keine wirkliche Theologie betrieben โ aber Politische Theologie ist nun mal keine reine Theologie, sondern kann sich aus beiden Disziplinen mit dem Verhรคltnis von Religion und Politik befassen. Es gibt viel an Schmitt zu kritisieren (was im Kapitel schรถnerweise auch passiert), aber hier wird m.E. der Begriff der Politischen Theologie falsch verwendet. Im Kapitel รผber Habermas wird die Frankfurter Kritische Theorie mit kleinem k geschrieben, was ebenfalls zu Missverstรคndnissen fรผhren kann. Denn gerade das groรe K grenzt die Frankfurter Schule von anderen kritischen Theorien ab. An anderer Stelle wird der Begriff der Postdemokratie wie so oft Crouch zugeschlagen, obwohl man hier definitiv auch Ranciรจre nennen sollte. Zwar sind das Feinheiten, in einem Lehrbuch finde ich sie aber wichtig.
Das letzte Kapitel schlieรlich konnte mich nicht wirklich รผberzeugen. Im Unterkapitel zur Demokratie gefรคllt mir zwar die Thematisierung unterschiedlicher Versuche, Demokratie zu messen. An keiner Stelle definiert der Autor aber, was er mit Demokratie meint โ obwohl relativ deutlich wird, dass es hier ausschlieรlich um die liberale Demokratie geht. Gerade, da im Kapitel davor mit Mouffe aber eine Radikaldemokratin behandelt wird, ist es verkรผrzt und missverstรคndlich, wenn Demokratie mit liberaler Demokratie gleichgesetzt wird.
Im Kapitel zur Identitรคtspolitik scheint es vor allem um die aktuell sehr moderne Kritik an ebenjener zu gehen. Es wird aber weder erwรคhnt, welch vielfรคltige Diskussionen es innerhalb als identitรคtspolitisch verstandener Theorien hinsichtlich der Gefahr von Essentialisierung & co. geht, noch werden Argumente fรผr Identitรคtspolitik genannt โ auch wenn diese ebenso hervorgebracht werden kรถnnen. Die Verteidigung beschrรคnkt sich auf den Halbsatz, dass Kollektive รผber Identitรคtspolitik mobilisierbar seien. Das Identitรคten aber nicht per se als abgeschlossen gedacht werden mรผssen, wird nicht erwรคhnt. Identitรคtspolitik wird zudem nur bei Minderheiten und in rechten Kreisen verortet โ was eine neutrale Position einer Mitte suggeriert. Dass Zugehรถrigkeitsgefรผhle aber nicht nur nach Hufeisenschema angeordnet werden kรถnnen, ist eigentlich keine neue Erkenntnis.
Zuletzt verstehe ich den didaktischen Einsatz von Schaukรคsten und Hervorhebungen nicht ganz. Es wird im Buch nicht erklรคrt, wann ein Kasten grau hinterlegt ist und wann nicht, manche dieser Kรคsten enthalten Zitate, andere Beispiele. Das finde ich verwirrend, weil auf beinah jeder Seite unterschiedliche Kรคsten zu finden sind. Hier hรคtte ich eine Erklรคrung sinnvoll gefunden. Daran anschlieรend irritierte mich auch die Zitierweise. So haben die Autor*innen entschieden, direkte und indirekte Zitate sowie Verweise exakt gleich zu belegen und nicht, wie es normalerweise der Fall ist, indirekte Zitate und Verweise durch ein โvgl.โ zu kennzeichnen. Hier sehe ich das Risiko, dass Studierende sich diese Ungenauigkeit aneignen kรถnnten.
Meine Rezension klingt recht negativ, deshalb mรถchte ich begrรผnden, warum ich drei Sterne gebe: Ich bin, wie bereis dargelegt, von der Frage ausgegangen, ob dieses Lehrbuch hervorsticht und andere, mir bekannte Lehrbรผcher in der Lehre ablรถsen kรถnnte, oder ob es ein durschnittliches Lehrbuch ist. Letzteres ist in meinen Augen der Fall: Das Buch ist vergleichbar mit vielen existenten Bรผchern, eignet sich aber sicher fรผr die Aneignung von Grundwissen. Da es aber durchaus auch Werke gibt, die Kanonisierung etc. deutlich reflektierter einordnen, den Kanon erweitern und mir didaktisch durchdachter und weniger oberflรคchlich scheinen, bleibt das Buch fรผr mich durchschnittlich.
Ich habe das Buch im Rahmen der Read & Feed-Aktion als Rezensionsexemplar erhalten.
Osman Daniel –
Das Buch beginnt mit der Frage: โWรผrde Kant sich gegen Corona impfen lassen?โ Meiner Meinung nach umreiรt diese Frage den Inhalt des Buches. Zum einen wird die Figur des Philosophen Immanuel Kant erwรคhnt, zum anderen wird die Frage der Impfstoffe aufgeworfen. Auf diese Weise zeigt das Buch auf, worauf die klassischen Autoren hinweisen kรถnnen, und dies kann fรผr politische Fragen genutzt werden.
Das Buch wurde von vier Autoren verfasst, die dem Leser ein Einfรผhrungsbuch in die Politik anbieten mรถchten. Und es sollte erwรคhnt werden, dass sie erfolgreich waren. Das Buch gliedert sich in โVorbemerkungenโ und in drei weitere Teile, in denen die politischen Ideen von 20 Denkern und ihr historischer Kontext vorgestellt werden. Der erste Teil analysiert das politische Denken von der Antike bis zu Marx. Der zweite Teil befasst sich mit politischen Denkern des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Im dritten Teil werden Aspekte der Demokratie analysiert. Eine Besonderheit des Buches ist, dass es sich um eine unterhaltsame und anregende Lektรผre handelt. Zum Verstรคndnis des Buches sind keine Vorkenntnisse erforderlich.
Insgesamt bietet dieses Buch aufgrund der Themenvielfalt eine wertvolle Unterstรผtzung fรผr die Forschung. Jedem Kapitel ist eine Liste mit nรผtzlichen bibliografischen Angaben beigefรผgt.
Anna Kamenik –
Das Buch โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ zeigt Ideen von insgesamt 20 Denkerinnen und Denkern und ordnet diese in ihre jeweilige Zeit ein. So wird grob zwischen klassischen politischen Theorien โvon Sokrates bis Marxโ und โDenker und Denkerinnen vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwartโ unterschieden. Es folgen im dritten Kapitel Essays und Perspektiven zu aktuellen Herausforderungen und Diskursen. Das Buch hat insgesamt 279 Seiten und stellt ein รberblickswerk dar, indem es Positionen nebeneinanderlegt. Dabei wird gleich zu Beginn die Begrenztheit der Auswahl und die allgemeine methodische Herangehensweise dargestellt.
Das Buch bietet so verschiedene Zugรคnge zur Texterschlieรung an und dient daher insbesondere fรผr erste (Wieder-)Berรผhrungspunkte mit den Ideen der Denker:innen. Gerade fรผr Studierende oder um sich neue Gebiete zu erschlieรen, mรถchte ich das Buch empfehlen. Mit vielen Hinweis- und Definitions-Kรคstchen, Grafiken oder Reflexions- sowie Lektรผrefragen gelingt eine รผbersichtliche Aufbereitung der Inhalte.
Was mir gefรคllt, ist die Aufbereitung und Auswahl der Denker:innen, bei denen zumindest im zweiten Teil mit Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Chantal Mouffe auch Ideen von Frauen portrรคtiert werden. Insgesamt hรคtte die Auswahl hier noch breiter angelegt werden kรถnnen: Die Bezugsideen stammen ausschlieรlich aus einer westlich geprรคgten Denktradition, was einerseits der Nacherzรคhlung einer Tradition klassischer Theorien geschuldet ist und andererseits gerade deswegen blinde Flecken aufweist. Gerade im schnellen Wandel der heutigen Zeit wรคren dekoloniale, feministische oder nachhaltige Theorien neben indigenen Konzepten des Zusammenlebens eine sinnvolle, erweiternde Ergรคnzung.
Die Aufsรคtze im letzten Teil des Buches sind zwischen fรผnf und acht Seiten lang und fallen damit vergleichsweise kurz aus. Da sie sich dem Anspruch verschreiben โAktuelle Diskurse und Perspektiven: Demokratietheorie heuteโ zu beleuchten und damit gewissermaรen die zuvor beleuchteten Ideen in einen aktuellen Kontext stellen wollen, habe ich insbesondere von diesem Teil mehr erwartet. Auf den wenigen Seiten ist es trotz Vorarbeit der Theorien und anschlieรender Reflexionsfragen kaum mรถglich, eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen โDemokratie ist รผberall, ist รผberall auch Demokratie?โ, โIdentitรคtspolitikโ, โFreiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit โ ein Blick auf aktuelle Diskurseโ und โToleranz, Pluralitรคt und Streitkulturโ zu erรถffnen. Entsprechend fallen die einzelnen Definitionen stellenweise unzureichend und Argumente recht knapp und nur lose zusammenhรคngend aus.
โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ ist fรผr mich trotz der benannten Punkte eine Bereicherung im Bรผcherregal, um auf knappen Seiten einen รberblick รผber politische Ideen unterschiedlicher Zeiten und deren historische, aber auch personenbezogene Einordnung nachzulesen. Es ist gut verstรคndlich geschrieben, bietet viele Hilfestellungen an und eignet sich auch und insbesondere als โLektรผre zwischendurchโ.
N. D. –
Das Buch โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ gibt einen groben รberblick รผber die politische Ideengeschichte von der Antike bis zur Moderne im westlichen Kanon. Dabei spricht das Buch in erster Linie Einsteiger*innen an, ist allerdings auch geeignet, um im Grundstudium Gelerntes aufzufrischen. Wer bereits รผber ein gewisses Vorwissen verfรผgt, dem fรคllt auf, dass vieles jedoch eher oberflรคchlich behandelt wird. Daher ist fรผr ein tieferes Verstรคndnis der prรคsentierten politischen Theorien und Theoretiker*innen eine gezielte Auseinandersetzung mit den behandelten Primรคrquellen sowie entsprechender Sekundรคrliteratur รผber dieses Buch hinaus unabdingbar.
Was auffรคllt ist, dass sich die kritische Auseinandersetzung mit den klassischen Denkern auf Marx beschrรคnkt, die Arbeit anderer Theoretiker jedoch weitgehend unkritisch stehengelassen wird. Gerade bei den modernen Denker*innen scheint auch die Kritik besonders an die behandelte Person geknรผpft zu sein und weniger an den eigentlichen Untersuchungsgegenstand. Dies wird besonders bei Rosa Luxemburg und Carl Schmitt deutlich.
Positiv fรคllt allerdings auf, dass das Fragen und Aufgabenstellungen in das Buch eingearbeitet wurden, diese kรถnnten allerdings eine tiefere Beschรคftigung mit der Materie fordern.
Die Artikel in Kapitel 3 knรผpfen passend an das Vorangegangene an.
Insgesamt kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern sich dieses Buch von anderen Lehrbรผchern abhebt.
Daniel Lieb –
Das Lehrbuch โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ nimmt sich vor, einen kursorischen รberblick รผber jene Denker*innen zu geben, die Studierende der Politikwissenschaft zu Beginn ihres Studiums unbedingt kennen sollten. Entsprechend sinnvoll erscheint daher die Gestaltung des Buches, welches sich aus drei Studienheften des Masterstudiengangs Politikwissenschaft und Management der Europรคischen Fernhochschule Hamburg zusammensetzt und eine verhรคltnismรครig voraussetzungsarme Lektรผre bietet. Obgleich diese Trennung auch stilistisch ducrhaus auffรคllt, stรถrt dies den Lesefluss รผberhaupt nicht. Durch die anschauliche Darstellung โ mit Schaukรคsten Kommentaren und รbungsaufgaben โ eignet sich das Lehrbuch hervorragend fรผr einen Einstieg in den Themenkomplex โwestlicherโ (!) politischer Theorie.
Das leitet zur bereits in anderen Rezensionen erwรคhnten Kritik รผber: Die kanonische Auswahl mit starkem Fokus auf sog. โwestlicheโ Denker*innen und der stark maskuline Schwerpunkt sind unbestreitbar; da bereits besprochen, fokussiere ich mich an dieser Stelle jedoch eher auf inhaltliche Aspekte. Der erste Buchteil widmet sich โklassischenโ politischen Theorien und reicht von Sokrates bis Marx. Es ist nachvollziehbar, dass die Trennung in โklassischeโ und โneuereโ Denker*innen โ so sie denn getroffen werden mรถchte โ irgendwann einsetzen muss; weshalb aber nun Max Weber nicht zu den โKlassikernโ zรคhlen soll, ergibt sich hรถchstens aus dem zeitlichen Schnitt, der von den Autor*innen um 1900 gesetzt wird. Allgemein lรคsst sich fรผr diesen Teil festhalten, dass mit Sokrates, Hobbes, Locke, Rousseau etc. jene Autor*innen beleuchtet werden, die wohl tatsรคchlich in keiner Einfรผhrung in die Politische Ideengeschichte fehlen dรผrfen.
Streitbarer ist die Auswahl der Denker*innen ab dem 20. Jahrhundert. So hat es zeitlich nach Habermas allein Chantal Mouffe noch in die Riege der als relevant erkannten Denker*innen geschafft. Ihr Einfluss auf linke politische Ideen in den letzten rund 40 Jahren ist unbestreitbar; doch ist er so viel grรถรer als der ihres verstorbenen Ehemanns Ernesto Laclau? Hier hรคtten mit gleichem Recht auch Judith Butler, Alain Badiou oder Slavoij ลฝiลพek stehen kรถnnen. Auf den ersten Blick kรถnnte es Mouffes Profession als Politikwissenschaftlerin sein, die ihre Rolle hier erklรคrt; doch dann muss gefragt werden, was den Wissenschaftstheoretiker Popper als politischen Denker qualifiziert. Schwierig erscheint in dem Kapitel auch die teils stark wertende Darstellung einzelner Autor*innen; besonders augescheinlich wird das bei Carl Schmitt: den Stichwortgeber nationalsozialistischer Politik kritisch darzustellen tut selbstredend Not; ihn einen โjuristische[n] Guruโ (S. 192) zu nennen jedoch nicht zwangsweise. Auch der Verweis auf seine โteilweise peinlichen und entlarvenden Tagebรผcherโ (S. 199) erscheint ohne Einordung eher der Abgrenzung zu dienen als einer fundierten Kritik an der proto-faschistischen politischen Theorie Schmitts.
Die vergebenen drei Sterne resultieren positiv aus der Niedrigschwelligkeit und dem sehr interessanten ideengeschichtlichen Kontext, in den die Denker*innen eingeordnet werden. In diesem Sinne weist das Lehrbuch รผber vergleichbare Lektรผren hinaus und bietet den Lesenden einen Blick รผber den Tellerrand der โreinenโ Theorie hinaus und ermรถglicht eine hermeneutische Annรคherung. Negativ fรคllt die westlich-kanonische Textauswahl ins Gewicht, die sich in der Form eben doch bereits in unzรคhligen Einfรผhrungsbรคnden findet. Als zweiter Negativpunkt ist es die teils auffรคllige Wertung, v.a. im Kapitel zum 20. Jahrhundert, die zur 3-Sterne-Bewertung fรผhrt.
Die Rezension wurde im Rahmen des Read-and-Feed-Angebots geschrieben.
N. W. –
โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ ist ein Buch, das ich sowohl Student*innen als auch an politischen Theorien Interessierten sehr empfehlen kann.
Die Autor*innen haben es inhaltlich logisch aufgebaut. In der Einleitung wird auf die Frage eingegangen, warum es sinnvoll ist, sich mit den politischen Ideen von der Klassik bis heute zu befassen. Vorgestellt werden 20 Denker*innen, eingeteilt in die Kapitel โKlassische politische Theorie โ von Sokrates bis Marxโ und โPolitische Ideen: Denker und Denkerinnen vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwartโ, die Max Weber, Rosa Luxenburg, Karl Popper, Hannah Arendt und weitere beinhaltet. Abschlieรend geben die Autor*innen einen รberblick รผber aktuelle Diskurse und Perspektiven.
Die Lektรผre war auch fรผr mich als Teilzeitstudentin im zweiten Semester gut verstรคndlich und ich fรผhle mich inhaltlich von den Autor*innen โgut abgeholtโ. Am Anfang des Buches erwรคhnen sie, dass sie die Lesenden anregen wollen zu einem โkritischen Gesprรคchโ mit den politischen Denker*innen โ das ist in meinem Fall gelungen. Dabei kann das Buch selbstverstรคndlich nicht in die Tiefe der einzelnen politischen Ideen gehen, dafรผr ist der Raum einfach begrenzt. Wer sich hier tiefer einarbeiten mรถchte, kann sich mit der entsprechenden weiterfรผhrenden Literatur auseinandersetzen. Die Literaturverzeichnisse bieten hierbei Orientierung.
Ich kann mir vorstellen, dass ich im weiteren Verlauf meines Studiums das Buch noch รถfters in die Hand nehmen werde โ durch die gute Gliederung wird es einfach sein, Inhalte schnell zu finden und aufzufrischen.
Marcel Baymus –
Das von den Autor*innen von Alemann, Basedahl, Graeรner und Kovacs verรถffentlichte Buch โPolitische Ideen im Wandel der Zeitโ zeichnet in einer Vielzahl von Verรถffentlichungen zur politischen Ideengeschichte mehrere Aspekte aus: zum einen bieten die Autor*innen nicht einfach nur eine schlichte Darstellung der politischen Ideengeschichte, sondern betreiben viel Aufwand, um zu erlรคutern, weshalb sie sich fรผr den vorliegenden Kanon entschieden haben, wie verschiedene Zugรคnge zu den Theorien aussehen kรถnnten und welche Aspekte aus politikwissenschaftlicher Sicht besondere Beachtung finden kรถnnen und mรผssen, insbesondere vor dem Hintergrund einer Vielzahl politiktheoretischer Termini.
Eben gerade dieser groรe Aufwand macht es mรถglich, dass sowohl Anfรคnger*innen als auch Erfahrene das Werk fรผr sich nutzen kรถnnen. Und das sowohl im Studium der Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt der Politischen Theorie oder im Philosophie Studium mit dem Schwerpunkt auf die Politische Philosophie, wenn es um die Frage geht, auf welche Quelle sie im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit zurรผckgreifen sollen, wenn sie sich die o.g. Schwerpunkte erschlieรen wollen. Dabei gliedern die Autor*innen ihr Werk nach Klassikern, dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart und aktuellen Diskursen und Perspektiven und schlieรen jedes Kapitel nochmals mit einer Zusammenfassung ab, die rรผckblickend die Zusammenhรคnge der verschiedenen Theoretiker*innen erschlieรt. Dadurch ist es mรถglich, sich das Werk sowohl als Gesamtwerk zu erschlieรen, als auch lediglich partiell Teile fรผr sich zu nutzen, wie die Autor*innen selbst betonen.
Ausgehend von โPolitische Idee im Wandel der Zeitโ kann dann auch der vertiefte Einstieg in die jeweiligen Theorien ermรถglicht werden, die natรผrlich aufgrund der Breite und dem Ziel des Werkes auch gar nicht beabsichtigt ist. Hier eignet sich als Ergรคnzung mit Blick auf die modernen Theorien der politischen Theorie und Philosophie das im gleichnamigen Verlag erschienene โPolitische Theorie der Gegenwart I โ IIIโ von Andrรฉ Brodocz und Gary S. Schaal.