Beschreibung
Der politische Backlash in den USA lässt das Patriarchat als wichtigen Bezugspunkt des Politischen erneut hervortreten. Es wird deutlich, dass das Patriarchat nicht nur Geschlechterverhältnisse, sondern zugleich das Verständnis von Staat und Gesetz, von Ursprung, Wahrheit und Metaphysik definiert. Andrea Günter schlägt dagegen vor, patriarchale Denkfiguren systematisch zu ersetzen und die Elemente des Politischen dadurch neu zu bestimmen. Basierend auf Konzeptionen von Aristoteles, Hannah Arendt und Platon entwickelt sie eine alternative Gesamtsicht der politischen Elemente, die Pluralität als Tiefenstruktur des Politischen fasst.
Wie hängen politischer Backlash und Grundverständnisse des Politischen zusammen? Wie genau ein bestimmtes Staatsverständnis auf eine patriarchale Ordnungsidee angewiesen ist und diese das Verständnis der einzelnen politischen Elemente bestimmt, kann umfassend bei Aristoteles studiert werden. Soll eine Alternative dazu gefunden werden, muss die Bestimmung der politischen Elemente als ein solcher Gesamtkomplex rekonstruiert und eine neue Gesamtsicht eröffnet werden. Schon Platon hatte das Patriarchat als politische Ordnungsweise sowie als Ursprungsfigur diskutiert. Seine alternative Sichtweise lässt erkennen, wogegen sich das Patriarchat abzugrenzen versucht: gegen ein differenziertes, generatives und dialogisches Verständnis von Gemeinschaftlichkeit, Gesetz und von rechtsstaatlicher Verfasstheit. Erfahrbar wird zugleich: Staatsverständnisse unterscheiden sich in Verbindung mit Geschlechterkonzepten. Der Vergleich der beiden Klassiker der Politischen Philosophie erlaubt es, die Grundfiguren der politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte einzuordnen. Er lässt erkennen, wofür oder wogegen sich Menschen, das Politische betreffend, entscheiden können und wollen. Auch Hannah Arendt erweist sich als Kritikerin der tyrannischen Hausvater-Politik. Ihr zufolge muss sich das Politische immer der Frage nach seinen jeweiligen Ursprungsfigurationen und den davon abhängigen Profilierungen seiner Elemente stellen. Dieser Aufgabe hat sie sich immer wieder gewidmet. Ihre unregelmäßigen, jedoch fortlaufenden Rekonstruktionen können systematisiert werden.Folgt man Platon und Arendt, stellt Pluralität die Bedingtheit des Politischen dar. Sie findet sich in einer jeden politischen Situation verarbeitet. Auch politische Fundamentalismen verarbeiten sie. Das Anliegen dieses Buches ist es darum, die Grundelemente des Politischen in Verbindung mit ihren Ursprungsfigurationen zu unterscheiden.
Die Autorin:
PD Dr. phil. Dr. theol. Andrea Günter, Lehraufträge an der Universität Freiburg und weiteren Hochschulen
Subjects:
Politikwissenschaft, Gender Studies, Philosophie







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