Verlag Barbara Budrich

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ISSN: 0933-5315

BIOS 1+2-2025 | Erinnerungen und Algorithmen. Oral History im digitalen Wandel

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ISSN: 0933-5315

Inhalt

BIOS โ€“ Zeitschrift fรผr Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen
1+2-2025: Erinnerungen und Algorithmen. Oral History im digitalen Wandel
Hrsg. von: Almut Leh & Cord Pagenstecher

Zum Tode von Lutz Niethammer
Bernd Weisbrod: Trauerrede fรผr Lutz Niethammer

Themenschwerpunkt
Almut Leh / Cord Pagenstecher: Einfรผhrung in den Schwerpunkt
Cord Pagenstecher: Zugรคnglichkeit, Respekt und Macht. Die FAIR- und CARE-Prinzipien fรผr Forschungsdaten in der Oral History
Stephen Naron: Das Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies. Zwischen empathischem Zuhรถren und digitaler Technologie
Gerard Corbella / Josemi Gastรณn / Cรฉsar Layana / ร€lex Peรฑa: The Oroibidea Portal. A path between memory collections and technology
Cord Pagenstecher: Die Vielfalt der Lebensgeschichten. Das Interviewportal โ€žOral-History.Digitalโ€œ
Tobias Kilgus / Peter Kompiel: Das Transkript im Zeitalter der Kรผnstlichen Intelligenz. Automatische Spracherkennung in der Oral History
Philipp Bayerschmidt / Dennis Mรถbus: Leben gelabelt. Computergestรผtzte Inhaltverzeichnisse fรผr Oral-History-Interviews
Katrin Moeller: Standards, Vokabulare und KI-Technologien fรผr die qualitative Datenanalyse von Oral-History-Interviews
Barbara Kurowska: Zwischen Dokumentation und Ausstellung. Das Oral-History-Archiv am Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versรถhnung
Iryna Kashtalian: Oral History in Zeiten der Diktatur. Ethische und rechtliche Herausforderungen der Belarus-Forschung
Stefan Pfรคnder / Elisabeth Gรผlich: Multimodale Analysen von Oral-History-Interviews. Wie Zeitzeug*innen das kaum Sagbare stimmlich und kรถrperlich zum Ausdruck bringen
Cordia Schlegelmilch / Clemens Villinger: Primรคr- und Sekundรคrforschung mit narrativen Interviews. Konsummuster und Wende-Erfahrungen in einer ostdeutschen Kleinstadt

Offene Beitrรคge
Tobias Ebbrecht-Hartmann: Mit Algorithmen gedenken? SHOAH STORIES, oder Lernen รผber den Holocaust mit kurzen Videos
Dennis Mรถbus: Mit Kรผnstlicher Intelligenz lebensgeschichtliche Interviews interpretieren. Ein Werkstattbericht
Ulrike Huhn: Die Gegenwart als Geschichte. Interviewtechniken und Oral History in der sowjetischen ethnographischen Forschung der 1950er bis 1990er Jahre
Kletus Likuwa: Experiences of local research assistants in field research. Support for Western scientists in the Kavango East region, Namibia

Literaturbesprechung
Cord Pagenstecher: Philipp Freyburger: Kรถrperliches und sinnhaftes Bezeugen. Multimodale Analysen von Oral-History-Interviews mit ZeitzeugInnen aus nationalsozialistischen Gefangenenlagern

 

Einzelbeitrag-Download (Open Access/Gebรผhr): bios.budrich-journals.de
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Zusรคtzliche Informationen

Publisher

ISSN

0933-5315

eISSN

2196-243X

Volume

38. Jahrgang 2025

Edition

1+2-2025

Date of publication

02.03.2026

Scope

296 Seiten

Language

Deutsch

Format

17 x 24 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/bios.v38i1-2

Homepage

https://bios.budrich-journals.de

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Inhaltsverzeichnis
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Autor*innen

Keywords

Algorithmen, automatische Spracherkennung, Belarus, Belarus-Forschung, CARE-Prinzipien, computergestรผtzte Inhaltverzeichnisse, digitale Technologie, Digitalisierung, Diktatur, Dokumentationszentrum, Erinnerungen, FAIR-Prinzipien, Forschungsdaten, Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, Holocaust, Konsummuster, Kรผnstliche Intelligenz, multimodale Analysen, Mรคrz 2026, Namibia, narrative Interviews, Oral History, Oral History-Interviews, Oral-History-Archiv, Oral-History.Digital, Oroibidea Portal, Ostdeutschland, qualitative Datenanalyse, SHOAH STORIES, sowjetische ethnographische Forschung, Sowjetunion, Transkript, Wende-Erfahrungen

Abstracts

Zugรคnglichkeit, Respekt und Macht. Die FAIR- und CARE-Prinzipien fรผr Forschungsdaten in der Oral History (Cord Pagenstecher)
Oral-History-Interviews werden zunehmend digital archiviert und als Forschungsdaten fรผr eine zukรผnftige Nachnutzung bereitgestellt. Die FAIR-Prinzipien sollen garantieren, dass die Interviews fรผr andere Forschende auffindbar, zugรคnglich, verknรผpfbar und nachnutzbar sind. Wรคhrend es dabei vor allem um die Nutzbarkeit fรผr Sekundรคrauswertungen geht, werden ethische Fragestellungen und Machtdynamiken seit kurzem im Zusammenhang mit den CARE-Prinzipien diskutiert. Diese fรผr den Umgang mit indigenen Forschungsdaten entwickelte Abkรผrzung steht fรผr Kollektiver Nutzen, Kontrolle รผber die Daten, Verantwortung und Ethik. Der Beitrag stellt beide Konzepte vor und diskutiert ihre Anwendbarkeit auf die deutschsprachige Oral History, insbesondere die Archivierung und Zugรคnglichmachung von Interview-Sammlungen. Die bislang noch wenig bekannten CARE-Fragen nehmen dabei einen grรถรŸeren Raum ein. Die FAIR-Prinzipien bieten eine gute Orientierungshilfe fรผr die ErschlieรŸung, Publikation und Archivierung von Oral-History-Interviews. Auch wenn fรผr ihre Umsetzung vielfach die Kapazitรคten fehlen, gibt es inzwischen unterstรผtzende Infrastrukturen und Werkzeuge. Allerdings stellen sich dabei ethische Fragen, die fรผr die Oral History nicht neu sind, sich im digitalen Zeitalter aber neu stellen. Dafรผr geben wiederum die CARE-Prinzipien hilfreiche AnstรถรŸe, auch wenn sie nur begrenzt รผbertragbar und schwer umsetzbar sind. Insgesamt kรถnnen FAIR- und CARE-Prinzipien dazu beitragen, eine nachhaltige Nutzbarkeit der Interviews zu sichern und sich dabei der Bedeutung von Machtverhรคltnissen und Communities bewusst zu sein.
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Das Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies. Zwischen empathischem Zuhรถren und digitaler Technologie (Stephen Naron)
Das Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies der Yale University ist eine 1979 gegrรผndete Sammlung von mehr als 4.400 Videoaufnahmen von Zeug*innen der Shoah. In diesem Beitrag wird dargestellt, in welcher Weise neue Technologien implementiert werden und wie dabei die potenziellen Risiken eingeschรคtzt und adressiert werden. Die Herangehensweise des Archivs an digitale Technologien ist von dem Bemรผhen geprรคgt, die Traditionen des Archivs zu bewahren, insbesondere den ethischen Verpflichtungen den Zeitzeug*innen gegenรผber nachzukommen und gleichzeitig den Bedรผrfnissen der Forschungscommunity zu entsprechen und damit die Nutzung der Sammlung zu befรถrdern. Das Fortunoff Archive befindet sich damit in einem Spannungsverhรคltnis zwischen empathischem Zuhรถren und digitaler Technologie. Am Beispiel zweier digitaler Projekte wird gezeigt, wie das Archiv mit diesem Spannungsverhรคltnis in der Praxis umgeht.
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The Oroibidea Portal. A path between memory collections and technology (Gerard Corbella, Josemi Gastรณn, Cรฉsar Layana and ร€lex Peรฑa)
Oroibidea is an online archive dedicated to victims and based on primary sources in which oral history plays a crucial role through the use of information technology. The project also seeks to harness technological advances in artificial intelligence while adhering to the original concept that underpins the archive, driving its growth and evolving it into a more interactive tool so as to continue working on the transmission of memory. This article presents the historical context in the autonomous region of Navarre, where the collective memory of the Spanish Civil War is being kept alive through the inter-generational transmission of public memory policies and broader promotional efforts. To continue this work on remembrance, the Navarrese Institute of Memory has committed to the widespread use of information technology with memory collections and has created the Oroibidea portal to encompass all sorts of documents โ€“ including interviews โ€“ around one central pillar (the victims). The institute intends to maintain ist commitment to growing this portal not only from a quantitative point of view by incorporating new collections but also by integrating such disruptive technologies as artificial intelligence, which are going to bring about a paradigm shift in terms of both the management of such collections and also how this project in particular interacts with its users. Given the current state of this technology, the first steps will involve the oral memory collections and the initial results are expected in 2026.
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Die Vielfalt der Lebensgeschichten. Das Interviewportal โ€žOral-History.Digitalโ€œ (Cord Pagenstecher)
In der Geschichtswissenschaft und ihren Nachbardisziplinen wรคchst das Interesse an einer Zweitauswertung lebensgeschichtlicher Interviews. Allerdings sind die Quellenbestรคnde der Oral History รผber viele Einrichtungen verstreut und schlecht erschlossen, was die sammlungsรผbergreifende Recherche und digital unterstรผtzte Analyse erschwert. Daher hat eine DFG-gefรถrderte Projektgruppe nun die ErschlieรŸungs- und Rechercheplattform โ€žOral-History.Digitalโ€œ aufgebaut. Im Sinne der FAIR-Prinzipien macht dieses Interviewportal bislang schlecht verfรผgbare Sammlungen von Zeitzeug*inneninterviews auffindbar, zugรคnglich, verknรผpfbar und nachnutzbar. Die Infrastruktur ist seit September 2023 online und verzeichnet derzeit (12/2025) etwa 5.400 Interviews aus drei Dutzend Einrichtungen mit einer groรŸen thematischen Bandbreite lebensgeschichtlicher Erzรคhlungen. Der Beitrag skizziert die Ziele, Funktionen, Inhalte und Perspektiven des Interviewportals und lรคdt ein zum Stรถbern oder gezielten Recherchieren in โ€žOral-History.Digitalโ€œ.
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Das Transkript im Zeitalter der Kรผnstlichen Intelligenz. Automatische Spracherkennung in der Oral History (Tobias Kilgus und Peter Kompiel)
Der Beitrag untersucht Potenziale und Grenzen der automatischen Spracherkennung (ASR) fรผr Oral-History-Interviews. Die manuelle Transkription audiovisueller Aufzeichnungen ist zeit- und kostenintensiv; dieser โ€žTranskriptionsflaschenhalsโ€œ hemmt die ErschlieรŸung und Bereitstellung umfangreicher Bestรคnde. Das Projekt โ€žASR4Memoryโ€œ entwickelte eine datenschutzkonforme Open-Source-Transkriptionspipeline auf Basis von WhisperX, die auf lokalen Servern betrieben wird. Als zentrale Herausforderung zeigt sich die von ASR-Modellen bewirkte Glรคttung gesprochener Sprache, durch die Dialekte, Fรผllwรถrter und nonverbale ร„uรŸerungen verlorengehen โ€“ fรผr wissenschaftliche Analysen oft essenzielle Elemente. Der Einsatz automatischer Spracherkennung wirft zudem ethische und rechtliche Fragen auf, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes sowie potenzieller Verzerrungen durch Trainingsdaten. Die ASR-Anwendung erzeugt verschiedene, zeit-alignierte Transkriptformate mit Sprechererkennung und unterstรผtzt multimodales Arbeiten sowie Volltextsuche. Trotz erheblicher Zeitgewinne bleibt eine Nachbearbeitung hรคufig erforderlich. Durch domรคnenspezifisches Fine-Tuning mit 300 Stunden anonymisierter Interviews wurden sowohl die Wortfehlerrate als auch die Erkennung historischer Begriffe deutlich verbessert. Die Studie plรคdiert fรผr eine transparente, kritisch reflektierte ASR-Nutzung unter Berรผcksichtigung fachspezifischer Anforderungen und ethischer Standards, um audiovisuelle Forschungsdaten gemรครŸ den FAIR-Prinzipien nachhaltig zu erschlieรŸen.
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Leben gelabelt. Computergestรผtzte Inhaltverzeichnisse fรผr Oral-History-Interviews (Philipp Bayerschmidt und Dennis Mรถbus)
Maschinelle Methoden zur InhaltserschlieรŸung dienen nicht nur dazu, statistische Ergebnisse zu erzielen. Die quantitativen Ergebnisse kรถnnen auch qualitativ genutzt werden, um Muster und Themenverlรคufe in den untersuchten Texten aufzufinden. Dieser Aufsatz dokumentiert, wie aus einem Korpus lebensgeschichtlicher Interviews, zusammengestellt aus Sammlungen des Portals Oral-History.Digital (oh.d), mithilfe von Topic Modeling โ€“ einer Methode des maschinellen Lernens โ€“ ein Themenverzeichnis fรผr alle in oh.d reprรคsentierten Interviews erstellt wurde. Dieses Themenverzeichnis dient einerseits als Register zur archivรผbergreifenden Suche, andererseits ist es Grundlage automatisch generierter Inhaltsverzeichnisse fรผr die Interviews. Nach einem รœberblick รผber die gรคngigsten Methoden zur automatischen InhaltserschlieรŸung von Texten, wird der gesamte Prozess von der Zusammenstellung des Korpusbis zum fertigen Themenverzeichnis und exemplarischen Inhaltsverzeichnissen transparent dargestellt. Die Voreinstellung aller Parameter, von der GrรถรŸe der Abschnitte bis zur Anzahl der Topics, stellt bisher eine groรŸe Herausforderung dar. Automatisierte Prozesse konnten keine eindeutigen Ergebnisse liefern, weshalb ein qualitativer Ansatz vorgeschlagen wird, bei dem die Annรคherung an die optimale Anzahl der Topics รผber ein Zoom-in- und Zoom-out-Verfahren (Scalable Reading) evaluiert wird. Eine Gruppe erfahrener Oral Historians labelte anschlieรŸend die einzelnen Topics und fรผhrte รคhnliche Topics zu Clustern zusammen. AbschlieรŸend wurden die gelabelten Topics als Register in die oh.d-Plattform implementiert. Auf dieser Grundlage kรถnnen Inhaltsverzeichnisse fรผr alle Interviews erstellt werden.
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Standards, Vokabulare und KI-Technologien fรผr die qualitative Datenanalyse von Oral-History-Interviews (Katrin Moeller)
Der Beitrag beschreibt, wie sich die Oral History im Zuge der digitalen Transformation grundlegend verรคndert und welche Rolle Standards, Vokabulare und KI-Technologien dabei spielen. Ausgangspunkt ist die stark gewachsene Menge an Oral-History-Interviews, die รผber Portale wie Oral-History.Digital (oh.d) besser zugรคnglich wird. Skizziert werden drei Digitalisierungsschรผbe: Erstens die technisch erleichterte Aufzeichnung. Zweitens die Etablierung von Forschungsinfrastrukturen und die automatisierte Transkription mittels Spracherkennung, die Interviews als โ€žForschungsdatenโ€œ in grรถรŸerem Umfang nutzbar macht. Drittens schlieรŸlich der KI-getriebene Schub mit neuen Mรถglichkeiten der Entitรคtserkennung und kontextualisierten, qualitativen Auswertungen. Dazu wird vor allem der Workflow der Digitalisierung nachgezeichnet, der idealtypisch von der Digitalisierung รผber die (automatisierte) Transkription und die Erkennung von Texteinheiten/Entitรคten (z. B. รผber NER) sowie die Identifikation und Disambiguierung dieser Entitรคten und ihre Verknรผpfung mit Normdaten und kontrollierten Vokabularen bis zur Langzeitarchivierung und Lizenzierung nach den FAIR- und CARE-Prinzipien reicht. Der Text beleuchtet die Rolle von Vokabularen und Taxonomien in diesem Prozess, die sich vom bibliothekarischen Ordnungsinstrument zur Wissensbasis fรผr Entitรคten mit analytischen Kategorien und Messkriterien gemausert haben. รœber Linked Open Data und Normdaten ermรถglichen sie Informationsanreicherung, z. B. durch Geokoordinaten plus historische Kontextdaten oder berufliche Klassifikationen.
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Zwischen Dokumentation und Ausstellung. Das Oral-History-Archiv am Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versรถhnung (Barbara Kurowska)
Der Beitrag untersucht den Aufbau und die Nutzung des Oral-History-Archivs am Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versรถhnung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie lebensgeschichtliche Interviews im musealen Kontext systematisch erhoben, archiviert und eingesetzt werden kรถnnen. Dabei wird gezeigt, wie individuelle Erinnerungen mit Objektgeschichten verknรผpft und in Ausstellung, Dokumentation und Vermittlung integriert wurden. Anhand ausgewรคhlter Fallbeispiele wird das Potenzial von Oral History als Zugang zur Darstellung von Zwangsmigration und deren Folgen deutlich. Zugleich thematisiert der Beitrag Herausforderungen wie begrenzte Ressourcen, ethische Verantwortung, Fragen der Reprรคsentativitรคt und die Auswahl geeigneter Prรคsentationsformen. Die Anbindung an die Plattform Oral-History.Digital wird als strategische Lรถsung fรผr Archivierung, wissenschaftliche ErschlieรŸung und Zugรคnglichkeit vorgestellt. Der Beitrag liefert praxisnahe Impulse fรผr den Umgang mit biographischen Quellen im musealen Raum und plรคdiert fรผr eine reflektierte, vielstimmige und kontextualisierte Nutzung von Oral History in zeithistorischen Ausstellungen.
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Oral History in Zeiten der Diktatur. Ethische und rechtliche Herausforderungen der Belarus-Forschung (Iryna Kashtalian)
Der Artikel untersucht die Besonderheiten der Oral-History-Forschung in Belarus. Die sich seit 2020 verschรคrfende politische Situation beeinflusst die Archivierung und Nutzung von Zeitzeugeninterviews und wirft zahlreiche rechtliche und ethische Fragen auf. Sowohl Oral-Historians als auch Zeitzeug*innen geraten unter Druck, da abweichende Narrative von der offiziellen Ideologie strafrechtliche Konsequenzen haben kรถnnen. Dies betrifft zahlreiche Themen der belarussischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Offizielle Institutionen versuchen zudem, Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg zur Legitimation des bestehenden Regimes zu instrumentalisieren. Das seit 2011 bestehende Belarussische Oral History Archiv ist ein einzigartiges Zeugnisarchiv, das ebenfalls von der politischen Lage beeinflusst wird. Die Verhaftung seines Koordinators im Jahr 2021 fรผhrte zur Entscheidung, den รถffentlichen Online-Zugang zum Archiv zu schlieรŸen. Um die Materialien und die unabhรคngige Forschung zu bewahren, setzten die beteiligten Historiker*innen ihre Arbeit auรŸerhalb von Belarus fort. Dies stellt neue Herausforderungen fรผr die Weiterentwicklung des Archivs und den sicheren Zugang zu den Daten. Als vergleichsweise sichere Strategie gilt, Interviews mit bereits emigrierten Personen zu fรผhren, was jedoch die Themenvielfalt einschrรคnkt. Zugleich erรถffnet die Dokumentation der Erfahrungen von Emigrant*innen nach den Protesten von 2020 die Mรถglichkeit, die grรถรŸte Auswanderungswelle aus Belarus seit der Nachkriegszeit zu erforschen. Die Bewahrung solcher Narrative ist im Land selbst unmรถglich, aber von groรŸer zukรผnftiger Bedeutung. Dank digitaler Kommunikationsmรถglichkeiten kรถnnen rรคumliche Barrieren รผberwunden werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordert jedoch der Schutz der Interviewten durch Anonymisierung und Zugangsbeschrรคnkung, bis sich die politische Situation รคndert.
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Multimodale Analysen von Oral-History-Interviews. Wie Zeitzeug*innen das kaum Sagbare stimmlich und kรถrperlich zum Ausdruck bringen (Stefan Pfรคnder und Elisabeth Gรผlich)
Der Beitrag untersucht Oral-History-Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeiter*innen und Holocaust-รœberlebenden aus gesprรคchsanalytischer Perspektive und versteht diese Interviews als multimodale Interaktionsereignisse. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass extrem belastende Erfahrungen von den Zeitzeug*innen hรคufig als kaum sagbar oder โ€žunvorstellbarโ€œ markiert werden. Auf der Basis audio- und videografierter Interviews analysieren wir, wie Erzรคhler*innen Sprache, Stimme und Kรถrper koordinieren, um dennoch Bedeutung herzustellen. Methodisch stรผtzt sich der Beitrag auf die Konversationsanalyse sowie auf multimodale Transkriptionsverfahren (GAT2, Mondada), die Pausen, Prosodie, Blick und Gesten in ihrer zeitlichen Feinabstimmung erfassen. An exemplarischen Fallanalysen โ€“ insbesondere zu Erzรคhlungen der ersten Begegnung mit Toten in Konzentrationslagern โ€“ zeigen wir, dass das vermeintlich Unsagbare nicht primรคr im Schweigen, sondern in intensiver Formulierungsarbeit und verkรถrperten Ausdrucksweisen sichtbar wird. Abbrรผche, Zรถgern, Atemfรผhrung, Blickabwendungen oder ikonische Gesten fungieren dabei als zentrale Ressourcen der Sinn- und Evidenzherstellung. Der Beitrag argumentiert, dass eine multimodale gesprรคchsanalytische Perspektive die Oral History methodisch ergรคnzt, indem sie Zeugenschaft als interaktiven, leiblich eingebetteten Prozess rekonstruierbar macht und textzentrierte Auswertungen systematisch erweitert.
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Primรคr- und Sekundรคrforschung mit narrativen Interviews. Konsummuster und Wende-Erfahrungen in einer ostdeutschen Kleinstadt (Cordia Schlegelmilch und Clemens Villinger)
Die digitale ErschlieรŸung und Bereitstellung von Oral-History-Interviews erรถffnet neue Perspektiven fรผr die Sekundรคranalyse qualitativer Forschungsdaten. Noch fehlen jedoch erprobte methodische Ansรคtze und klare Rahmenbedingungen fรผr den Umgang mit รคlteren Interviewbestรคnden. Der Beitrag diskutiert anhand eines Fallbeispiels die Chancen und Herausforderungen einer solchen Zweitauswertung: Die Soziologin Cordia Schlegelmilch und der Historiker Clemens Villinger reflektieren gemeinsam die Nachnutzung von Interviews aus der Wurzen-Studie (1990โ€“1996), die Villinger rund zwanzig Jahre spรคter in seiner Forschung zur Konsumgeschichte der DDR erneut ausgewertet hat. Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel von Primรคr- und Sekundรคrforschung. Anhand ihrer eigenen Zusammenarbeit wird aufgezeigt, wie eine enge Kommunikation zwischen ursprรผnglicher Datenerhebung und spรคterer Analyse neue Erkenntnisse, aber auch spezifische methodische Schwierigkeiten hervorbringen kann. AbschlieรŸend werden Vorschlรคge formuliert, wie kรผnftige Kooperationen und Archivierungspraktiken ausgestaltet werden kรถnnen, um Sekundรคranalysen qualitativer Interviews besser zu unterstรผtzen.
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Mit Algorithmen gedenken? SHOAH STORIES, oder Lernen รผber den Holocaust mit kurzen Videos (Tobias Ebbrecht-Hartmann)
Der Aufsatz untersucht, wie sich das Gedenken an den Holocaust und das Lernen รผber den Nationalsozialismus unter den Bedingungen algorithmisch kuratierter Kurzvideoplattformen wie TikTok verรคndern. Ausgehend von kontrovers diskutierten Trends wieder #POVHolocaustChallenge und KI-generierten Videos wird analysiert, inwiefern Plattformlogiken, Affordanzen und Empfehlungsalgorithmen historische Vorstellungen prรคgen oder verzerren. Zugleich zeigt der Beitrag, dass TikTok neue Formen partizipativer Erinnerungskultur ermรถglicht, etwa durch digitale Zeugenschaft von Holocaust- รœberlebenden und die Vermittlungsarbeit von Gedenkstรคtten. Anhand verschiedener plattformspezifischer Modi des Gedenkens wird aufgezeigt, wie emotionales, fragmentiertes und informelles Lernen in Kurzvideos stattfindet. AbschlieรŸend diskutiert der Aufsatz mit der Bildungsplattform SHOAH STORIES einen Ansatz, der algorithmisch strukturierte Inhalte in einen kuratierten, pรคdagogisch begleiteten Lernraum รผberfรผhrt und so die Chancen digitaler Erinnerung mit den Anforderungen historisch-politischer Bildung verbindet.
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Mit Kรผnstlicher Intelligenz lebensgeschichtliche Interviews interpretieren. Ein Werkstattbericht (Dennis Mรถbus)
In Ermangelung von Diskussionsgruppen in der Geschichtswissenschaft, wurde in einem Experiment eine KI-Diskussionsgruppe entwickelt, die Nutzende bei der Interpretation von Interviews unterstรผtzen soll. Die KI soll Gegenentwรผrfe prรคsentieren und darรผber hinaus neue DenkanstรถรŸe liefern, um Wissenschaftler:innen eine Selbstkontrolle der eigenen Interpretation zu ermรถglichen. Der initiale Versuch mit ChatGPT lieferte รผberraschend gute Ergebnisse. Fรผr die Nutzung mit sensiblen Daten sind die (bis vor kurzem nur) cloudbasierten Services von OpenAI keine Option in der Oral History. Trotz intensiver Beschรคftigung mit Prompt-Engineering und dem Vergleich mehrerer lokal nutzbarer Small- und Large Language Models (SLMs und LLMs), konnte die Qualitรคt von GPT-5 in einer offline-Variante der KI-Diskussionsgruppe nicht erreicht werden. Googles Gemma 3, das kurz vor Redaktionsschluss verรถffentlicht wurde, macht allerdings einen guten ersten Eindruck. Nach einer positiv aufgenommenen Performance, bei der reale Personen die KI-Diskussion im Rahmen einer Tagung vorgetragen haben, wird die Arbeit an der KI-Interpretationsgruppe fortgesetzt und insbesondere Fokus auf konkrete Fragestellungen gelegt, die die KI-Diskussionsgruppe bearbeiten soll.
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Die Gegenwart als Geschichte. Interviewtechniken und Oral History in der sowjetischen ethnographischen Forschung der 1950er bis 1990er Jahre (Ulrike Huhn)
Der Text untersucht, ob und in welcher Form es in der Sowjetunion Vorlรคufer der Oral History gab. Zwar fand die Methode der Oral History erst nach dem Ende der Sowjetunion in den 1990er Jahren breitere Verwendung und wurde meist als westlicher Import verstanden. Allerdings existierte insbesondere in der sowjetischen Ethnographie, die damals Teil der Geschichtswissenschaften war, interviewbasierte Forschung. Seit den frรผhen 1950er Jahren wurden in grรถรŸeren Projekten zur Transformation der Landwirtschaft, in der sogenannten โ€žKolchosforschungโ€œ, die lรคndliche Bevรถlkerung zu ihren Lebensweisen und Erfahrungen befragt. Ziel war es, den sozialistischen Umbau der Gesellschaft zu dokumentieren und damit zugleich auch zu forcieren. Den Forschenden wurde im Sinne der Doktrin des โ€žSozialistischen Realismusโ€œ die Rolle von โ€žSozialingenieurenโ€œ zugeschrieben, was entsprechend auch das Machtverhรคltnis zu den Befragten prรคgte. In der โ€žKolchosforschungโ€œ der 1950er Jahre wurden Interviews handschriftlich festgehalten, oft thematisch geordnet und redaktionell bearbeitet. Obwohl diese Gesprรคche keine narrativen biographischen Interviews im heutigen Sinn waren, enthielten sie รผberraschend offene Erinnerungen, auch zu konfliktreichen Themen wie der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft seit 1929 und damit verbundene Repression. Gleichzeitig wuchs allmรคhlich die Einsicht, dass Vertrauen und dialogische Gesprรคchsfรผhrung entscheidend fรผr verlรคssliche Aussagen waren. In den 1970er und 1980er Jahren fรผhrten Feldforschungen besonders in der Ukraine trotz ideologischer Einschrรคnkungen zu intensiven Konfrontationen mit tabuierten biographischen Erfahrungen, etwa mit dem Holodomor. Diese Interviewerfahrungen trugen dazu bei, dass Ethnograph*innen nach 1991 zu Pionier*innen der Oral History im postsowjetischen Raum wurden. So kommt der Artikel zu dem Schluss, dass Oral History nicht nur ein Westimport war, sondern auch an ethnographische Praktiken in der Sowjetunion anknรผpfen konnte.
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Experiences of local research assistants in field research. Support for Western scientists in the Kavango East region, Namibia (Kletus Likuwa)
The research assistantsโ€™ roles towards supporting visiting European researchers in Namibia was understudied and their recognitions remain in the side-lines of acknowledgement sections of the research outputs, sometimes in pseudonym names only but this has changed. Researchers now question their past practices and suggest the need to explore deeper the central roles of research assistants in the making of ethnographic data collection process and outputs. This paper followed a qualitative approach of engaging in oral interviews but also on a self-reflexive approach which supports analysis of personal experiences of individuals to discuss the experiences of research assistants in supporting western researchers in Namibia. Centrally the following questions were asked: what were the motivations for becoming research assistants; what were the central roles or responsibilities of research assistants in shaping the field workspace, data collection process and analysis; what relations existed between research assistants and researchers beyond the field work experiences and what is the future of the collected oral materials or voices of the African communities? The paper asserts that the acknowledgement and recognitions of research assistantsโ€™ roles and contributions by researchers fall short of expectations. Further, post- field work relations shed light on positive opportunities for research assistants to excel which is availed by researchers. The paper points to the need for policy reform that speaks to ensuring that western researchers deposit oral interview materials in the National Archives of Namibia or to relevant research institutions so as to benefit the present and future generation of the African communities from which these oral data were extracted.
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02.03.2026

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296 Seiten

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17 x 24 cm

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Zugรคnglichkeit, Respekt und Macht. Die FAIR- und CARE-Prinzipien fรผr Forschungsdaten in der Oral History (Cord Pagenstecher)
Oral-History-Interviews werden zunehmend digital archiviert und als Forschungsdaten fรผr eine zukรผnftige Nachnutzung bereitgestellt. Die FAIR-Prinzipien sollen garantieren, dass die Interviews fรผr andere Forschende auffindbar, zugรคnglich, verknรผpfbar und nachnutzbar sind. Wรคhrend es dabei vor allem um die Nutzbarkeit fรผr Sekundรคrauswertungen geht, werden ethische Fragestellungen und Machtdynamiken seit kurzem im Zusammenhang mit den CARE-Prinzipien diskutiert. Diese fรผr den Umgang mit indigenen Forschungsdaten entwickelte Abkรผrzung steht fรผr Kollektiver Nutzen, Kontrolle รผber die Daten, Verantwortung und Ethik. Der Beitrag stellt beide Konzepte vor und diskutiert ihre Anwendbarkeit auf die deutschsprachige Oral History, insbesondere die Archivierung und Zugรคnglichmachung von Interview-Sammlungen. Die bislang noch wenig bekannten CARE-Fragen nehmen dabei einen grรถรŸeren Raum ein. Die FAIR-Prinzipien bieten eine gute Orientierungshilfe fรผr die ErschlieรŸung, Publikation und Archivierung von Oral-History-Interviews. Auch wenn fรผr ihre Umsetzung vielfach die Kapazitรคten fehlen, gibt es inzwischen unterstรผtzende Infrastrukturen und Werkzeuge. Allerdings stellen sich dabei ethische Fragen, die fรผr die Oral History nicht neu sind, sich im digitalen Zeitalter aber neu stellen. Dafรผr geben wiederum die CARE-Prinzipien hilfreiche AnstรถรŸe, auch wenn sie nur begrenzt รผbertragbar und schwer umsetzbar sind. Insgesamt kรถnnen FAIR- und CARE-Prinzipien dazu beitragen, eine nachhaltige Nutzbarkeit der Interviews zu sichern und sich dabei der Bedeutung von Machtverhรคltnissen und Communities bewusst zu sein.
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Das Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies. Zwischen empathischem Zuhรถren und digitaler Technologie (Stephen Naron)
Das Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies der Yale University ist eine 1979 gegrรผndete Sammlung von mehr als 4.400 Videoaufnahmen von Zeug*innen der Shoah. In diesem Beitrag wird dargestellt, in welcher Weise neue Technologien implementiert werden und wie dabei die potenziellen Risiken eingeschรคtzt und adressiert werden. Die Herangehensweise des Archivs an digitale Technologien ist von dem Bemรผhen geprรคgt, die Traditionen des Archivs zu bewahren, insbesondere den ethischen Verpflichtungen den Zeitzeug*innen gegenรผber nachzukommen und gleichzeitig den Bedรผrfnissen der Forschungscommunity zu entsprechen und damit die Nutzung der Sammlung zu befรถrdern. Das Fortunoff Archive befindet sich damit in einem Spannungsverhรคltnis zwischen empathischem Zuhรถren und digitaler Technologie. Am Beispiel zweier digitaler Projekte wird gezeigt, wie das Archiv mit diesem Spannungsverhรคltnis in der Praxis umgeht.
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The Oroibidea Portal. A path between memory collections and technology (Gerard Corbella, Josemi Gastรณn, Cรฉsar Layana and ร€lex Peรฑa)
Oroibidea is an online archive dedicated to victims and based on primary sources in which oral history plays a crucial role through the use of information technology. The project also seeks to harness technological advances in artificial intelligence while adhering to the original concept that underpins the archive, driving its growth and evolving it into a more interactive tool so as to continue working on the transmission of memory. This article presents the historical context in the autonomous region of Navarre, where the collective memory of the Spanish Civil War is being kept alive through the inter-generational transmission of public memory policies and broader promotional efforts. To continue this work on remembrance, the Navarrese Institute of Memory has committed to the widespread use of information technology with memory collections and has created the Oroibidea portal to encompass all sorts of documents โ€“ including interviews โ€“ around one central pillar (the victims). The institute intends to maintain ist commitment to growing this portal not only from a quantitative point of view by incorporating new collections but also by integrating such disruptive technologies as artificial intelligence, which are going to bring about a paradigm shift in terms of both the management of such collections and also how this project in particular interacts with its users. Given the current state of this technology, the first steps will involve the oral memory collections and the initial results are expected in 2026.
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Die Vielfalt der Lebensgeschichten. Das Interviewportal โ€žOral-History.Digitalโ€œ (Cord Pagenstecher)
In der Geschichtswissenschaft und ihren Nachbardisziplinen wรคchst das Interesse an einer Zweitauswertung lebensgeschichtlicher Interviews. Allerdings sind die Quellenbestรคnde der Oral History รผber viele Einrichtungen verstreut und schlecht erschlossen, was die sammlungsรผbergreifende Recherche und digital unterstรผtzte Analyse erschwert. Daher hat eine DFG-gefรถrderte Projektgruppe nun die ErschlieรŸungs- und Rechercheplattform โ€žOral-History.Digitalโ€œ aufgebaut. Im Sinne der FAIR-Prinzipien macht dieses Interviewportal bislang schlecht verfรผgbare Sammlungen von Zeitzeug*inneninterviews auffindbar, zugรคnglich, verknรผpfbar und nachnutzbar. Die Infrastruktur ist seit September 2023 online und verzeichnet derzeit (12/2025) etwa 5.400 Interviews aus drei Dutzend Einrichtungen mit einer groรŸen thematischen Bandbreite lebensgeschichtlicher Erzรคhlungen. Der Beitrag skizziert die Ziele, Funktionen, Inhalte und Perspektiven des Interviewportals und lรคdt ein zum Stรถbern oder gezielten Recherchieren in โ€žOral-History.Digitalโ€œ.
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Das Transkript im Zeitalter der Kรผnstlichen Intelligenz. Automatische Spracherkennung in der Oral History (Tobias Kilgus und Peter Kompiel)
Der Beitrag untersucht Potenziale und Grenzen der automatischen Spracherkennung (ASR) fรผr Oral-History-Interviews. Die manuelle Transkription audiovisueller Aufzeichnungen ist zeit- und kostenintensiv; dieser โ€žTranskriptionsflaschenhalsโ€œ hemmt die ErschlieรŸung und Bereitstellung umfangreicher Bestรคnde. Das Projekt โ€žASR4Memoryโ€œ entwickelte eine datenschutzkonforme Open-Source-Transkriptionspipeline auf Basis von WhisperX, die auf lokalen Servern betrieben wird. Als zentrale Herausforderung zeigt sich die von ASR-Modellen bewirkte Glรคttung gesprochener Sprache, durch die Dialekte, Fรผllwรถrter und nonverbale ร„uรŸerungen verlorengehen โ€“ fรผr wissenschaftliche Analysen oft essenzielle Elemente. Der Einsatz automatischer Spracherkennung wirft zudem ethische und rechtliche Fragen auf, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes sowie potenzieller Verzerrungen durch Trainingsdaten. Die ASR-Anwendung erzeugt verschiedene, zeit-alignierte Transkriptformate mit Sprechererkennung und unterstรผtzt multimodales Arbeiten sowie Volltextsuche. Trotz erheblicher Zeitgewinne bleibt eine Nachbearbeitung hรคufig erforderlich. Durch domรคnenspezifisches Fine-Tuning mit 300 Stunden anonymisierter Interviews wurden sowohl die Wortfehlerrate als auch die Erkennung historischer Begriffe deutlich verbessert. Die Studie plรคdiert fรผr eine transparente, kritisch reflektierte ASR-Nutzung unter Berรผcksichtigung fachspezifischer Anforderungen und ethischer Standards, um audiovisuelle Forschungsdaten gemรครŸ den FAIR-Prinzipien nachhaltig zu erschlieรŸen.
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Leben gelabelt. Computergestรผtzte Inhaltverzeichnisse fรผr Oral-History-Interviews (Philipp Bayerschmidt und Dennis Mรถbus)
Maschinelle Methoden zur InhaltserschlieรŸung dienen nicht nur dazu, statistische Ergebnisse zu erzielen. Die quantitativen Ergebnisse kรถnnen auch qualitativ genutzt werden, um Muster und Themenverlรคufe in den untersuchten Texten aufzufinden. Dieser Aufsatz dokumentiert, wie aus einem Korpus lebensgeschichtlicher Interviews, zusammengestellt aus Sammlungen des Portals Oral-History.Digital (oh.d), mithilfe von Topic Modeling โ€“ einer Methode des maschinellen Lernens โ€“ ein Themenverzeichnis fรผr alle in oh.d reprรคsentierten Interviews erstellt wurde. Dieses Themenverzeichnis dient einerseits als Register zur archivรผbergreifenden Suche, andererseits ist es Grundlage automatisch generierter Inhaltsverzeichnisse fรผr die Interviews. Nach einem รœberblick รผber die gรคngigsten Methoden zur automatischen InhaltserschlieรŸung von Texten, wird der gesamte Prozess von der Zusammenstellung des Korpusbis zum fertigen Themenverzeichnis und exemplarischen Inhaltsverzeichnissen transparent dargestellt. Die Voreinstellung aller Parameter, von der GrรถรŸe der Abschnitte bis zur Anzahl der Topics, stellt bisher eine groรŸe Herausforderung dar. Automatisierte Prozesse konnten keine eindeutigen Ergebnisse liefern, weshalb ein qualitativer Ansatz vorgeschlagen wird, bei dem die Annรคherung an die optimale Anzahl der Topics รผber ein Zoom-in- und Zoom-out-Verfahren (Scalable Reading) evaluiert wird. Eine Gruppe erfahrener Oral Historians labelte anschlieรŸend die einzelnen Topics und fรผhrte รคhnliche Topics zu Clustern zusammen. AbschlieรŸend wurden die gelabelten Topics als Register in die oh.d-Plattform implementiert. Auf dieser Grundlage kรถnnen Inhaltsverzeichnisse fรผr alle Interviews erstellt werden.
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Standards, Vokabulare und KI-Technologien fรผr die qualitative Datenanalyse von Oral-History-Interviews (Katrin Moeller)
Der Beitrag beschreibt, wie sich die Oral History im Zuge der digitalen Transformation grundlegend verรคndert und welche Rolle Standards, Vokabulare und KI-Technologien dabei spielen. Ausgangspunkt ist die stark gewachsene Menge an Oral-History-Interviews, die รผber Portale wie Oral-History.Digital (oh.d) besser zugรคnglich wird. Skizziert werden drei Digitalisierungsschรผbe: Erstens die technisch erleichterte Aufzeichnung. Zweitens die Etablierung von Forschungsinfrastrukturen und die automatisierte Transkription mittels Spracherkennung, die Interviews als โ€žForschungsdatenโ€œ in grรถรŸerem Umfang nutzbar macht. Drittens schlieรŸlich der KI-getriebene Schub mit neuen Mรถglichkeiten der Entitรคtserkennung und kontextualisierten, qualitativen Auswertungen. Dazu wird vor allem der Workflow der Digitalisierung nachgezeichnet, der idealtypisch von der Digitalisierung รผber die (automatisierte) Transkription und die Erkennung von Texteinheiten/Entitรคten (z. B. รผber NER) sowie die Identifikation und Disambiguierung dieser Entitรคten und ihre Verknรผpfung mit Normdaten und kontrollierten Vokabularen bis zur Langzeitarchivierung und Lizenzierung nach den FAIR- und CARE-Prinzipien reicht. Der Text beleuchtet die Rolle von Vokabularen und Taxonomien in diesem Prozess, die sich vom bibliothekarischen Ordnungsinstrument zur Wissensbasis fรผr Entitรคten mit analytischen Kategorien und Messkriterien gemausert haben. รœber Linked Open Data und Normdaten ermรถglichen sie Informationsanreicherung, z. B. durch Geokoordinaten plus historische Kontextdaten oder berufliche Klassifikationen.
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Zwischen Dokumentation und Ausstellung. Das Oral-History-Archiv am Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versรถhnung (Barbara Kurowska)
Der Beitrag untersucht den Aufbau und die Nutzung des Oral-History-Archivs am Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versรถhnung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie lebensgeschichtliche Interviews im musealen Kontext systematisch erhoben, archiviert und eingesetzt werden kรถnnen. Dabei wird gezeigt, wie individuelle Erinnerungen mit Objektgeschichten verknรผpft und in Ausstellung, Dokumentation und Vermittlung integriert wurden. Anhand ausgewรคhlter Fallbeispiele wird das Potenzial von Oral History als Zugang zur Darstellung von Zwangsmigration und deren Folgen deutlich. Zugleich thematisiert der Beitrag Herausforderungen wie begrenzte Ressourcen, ethische Verantwortung, Fragen der Reprรคsentativitรคt und die Auswahl geeigneter Prรคsentationsformen. Die Anbindung an die Plattform Oral-History.Digital wird als strategische Lรถsung fรผr Archivierung, wissenschaftliche ErschlieรŸung und Zugรคnglichkeit vorgestellt. Der Beitrag liefert praxisnahe Impulse fรผr den Umgang mit biographischen Quellen im musealen Raum und plรคdiert fรผr eine reflektierte, vielstimmige und kontextualisierte Nutzung von Oral History in zeithistorischen Ausstellungen.
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Oral History in Zeiten der Diktatur. Ethische und rechtliche Herausforderungen der Belarus-Forschung (Iryna Kashtalian)
Der Artikel untersucht die Besonderheiten der Oral-History-Forschung in Belarus. Die sich seit 2020 verschรคrfende politische Situation beeinflusst die Archivierung und Nutzung von Zeitzeugeninterviews und wirft zahlreiche rechtliche und ethische Fragen auf. Sowohl Oral-Historians als auch Zeitzeug*innen geraten unter Druck, da abweichende Narrative von der offiziellen Ideologie strafrechtliche Konsequenzen haben kรถnnen. Dies betrifft zahlreiche Themen der belarussischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Offizielle Institutionen versuchen zudem, Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg zur Legitimation des bestehenden Regimes zu instrumentalisieren. Das seit 2011 bestehende Belarussische Oral History Archiv ist ein einzigartiges Zeugnisarchiv, das ebenfalls von der politischen Lage beeinflusst wird. Die Verhaftung seines Koordinators im Jahr 2021 fรผhrte zur Entscheidung, den รถffentlichen Online-Zugang zum Archiv zu schlieรŸen. Um die Materialien und die unabhรคngige Forschung zu bewahren, setzten die beteiligten Historiker*innen ihre Arbeit auรŸerhalb von Belarus fort. Dies stellt neue Herausforderungen fรผr die Weiterentwicklung des Archivs und den sicheren Zugang zu den Daten. Als vergleichsweise sichere Strategie gilt, Interviews mit bereits emigrierten Personen zu fรผhren, was jedoch die Themenvielfalt einschrรคnkt. Zugleich erรถffnet die Dokumentation der Erfahrungen von Emigrant*innen nach den Protesten von 2020 die Mรถglichkeit, die grรถรŸte Auswanderungswelle aus Belarus seit der Nachkriegszeit zu erforschen. Die Bewahrung solcher Narrative ist im Land selbst unmรถglich, aber von groรŸer zukรผnftiger Bedeutung. Dank digitaler Kommunikationsmรถglichkeiten kรถnnen rรคumliche Barrieren รผberwunden werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordert jedoch der Schutz der Interviewten durch Anonymisierung und Zugangsbeschrรคnkung, bis sich die politische Situation รคndert.
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Multimodale Analysen von Oral-History-Interviews. Wie Zeitzeug*innen das kaum Sagbare stimmlich und kรถrperlich zum Ausdruck bringen (Stefan Pfรคnder und Elisabeth Gรผlich)
Der Beitrag untersucht Oral-History-Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeiter*innen und Holocaust-รœberlebenden aus gesprรคchsanalytischer Perspektive und versteht diese Interviews als multimodale Interaktionsereignisse. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass extrem belastende Erfahrungen von den Zeitzeug*innen hรคufig als kaum sagbar oder โ€žunvorstellbarโ€œ markiert werden. Auf der Basis audio- und videografierter Interviews analysieren wir, wie Erzรคhler*innen Sprache, Stimme und Kรถrper koordinieren, um dennoch Bedeutung herzustellen. Methodisch stรผtzt sich der Beitrag auf die Konversationsanalyse sowie auf multimodale Transkriptionsverfahren (GAT2, Mondada), die Pausen, Prosodie, Blick und Gesten in ihrer zeitlichen Feinabstimmung erfassen. An exemplarischen Fallanalysen โ€“ insbesondere zu Erzรคhlungen der ersten Begegnung mit Toten in Konzentrationslagern โ€“ zeigen wir, dass das vermeintlich Unsagbare nicht primรคr im Schweigen, sondern in intensiver Formulierungsarbeit und verkรถrperten Ausdrucksweisen sichtbar wird. Abbrรผche, Zรถgern, Atemfรผhrung, Blickabwendungen oder ikonische Gesten fungieren dabei als zentrale Ressourcen der Sinn- und Evidenzherstellung. Der Beitrag argumentiert, dass eine multimodale gesprรคchsanalytische Perspektive die Oral History methodisch ergรคnzt, indem sie Zeugenschaft als interaktiven, leiblich eingebetteten Prozess rekonstruierbar macht und textzentrierte Auswertungen systematisch erweitert.
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Primรคr- und Sekundรคrforschung mit narrativen Interviews. Konsummuster und Wende-Erfahrungen in einer ostdeutschen Kleinstadt (Cordia Schlegelmilch und Clemens Villinger)
Die digitale ErschlieรŸung und Bereitstellung von Oral-History-Interviews erรถffnet neue Perspektiven fรผr die Sekundรคranalyse qualitativer Forschungsdaten. Noch fehlen jedoch erprobte methodische Ansรคtze und klare Rahmenbedingungen fรผr den Umgang mit รคlteren Interviewbestรคnden. Der Beitrag diskutiert anhand eines Fallbeispiels die Chancen und Herausforderungen einer solchen Zweitauswertung: Die Soziologin Cordia Schlegelmilch und der Historiker Clemens Villinger reflektieren gemeinsam die Nachnutzung von Interviews aus der Wurzen-Studie (1990โ€“1996), die Villinger rund zwanzig Jahre spรคter in seiner Forschung zur Konsumgeschichte der DDR erneut ausgewertet hat. Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel von Primรคr- und Sekundรคrforschung. Anhand ihrer eigenen Zusammenarbeit wird aufgezeigt, wie eine enge Kommunikation zwischen ursprรผnglicher Datenerhebung und spรคterer Analyse neue Erkenntnisse, aber auch spezifische methodische Schwierigkeiten hervorbringen kann. AbschlieรŸend werden Vorschlรคge formuliert, wie kรผnftige Kooperationen und Archivierungspraktiken ausgestaltet werden kรถnnen, um Sekundรคranalysen qualitativer Interviews besser zu unterstรผtzen.
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Mit Algorithmen gedenken? SHOAH STORIES, oder Lernen รผber den Holocaust mit kurzen Videos (Tobias Ebbrecht-Hartmann)
Der Aufsatz untersucht, wie sich das Gedenken an den Holocaust und das Lernen รผber den Nationalsozialismus unter den Bedingungen algorithmisch kuratierter Kurzvideoplattformen wie TikTok verรคndern. Ausgehend von kontrovers diskutierten Trends wieder #POVHolocaustChallenge und KI-generierten Videos wird analysiert, inwiefern Plattformlogiken, Affordanzen und Empfehlungsalgorithmen historische Vorstellungen prรคgen oder verzerren. Zugleich zeigt der Beitrag, dass TikTok neue Formen partizipativer Erinnerungskultur ermรถglicht, etwa durch digitale Zeugenschaft von Holocaust- รœberlebenden und die Vermittlungsarbeit von Gedenkstรคtten. Anhand verschiedener plattformspezifischer Modi des Gedenkens wird aufgezeigt, wie emotionales, fragmentiertes und informelles Lernen in Kurzvideos stattfindet. AbschlieรŸend diskutiert der Aufsatz mit der Bildungsplattform SHOAH STORIES einen Ansatz, der algorithmisch strukturierte Inhalte in einen kuratierten, pรคdagogisch begleiteten Lernraum รผberfรผhrt und so die Chancen digitaler Erinnerung mit den Anforderungen historisch-politischer Bildung verbindet.
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Mit Kรผnstlicher Intelligenz lebensgeschichtliche Interviews interpretieren. Ein Werkstattbericht (Dennis Mรถbus)
In Ermangelung von Diskussionsgruppen in der Geschichtswissenschaft, wurde in einem Experiment eine KI-Diskussionsgruppe entwickelt, die Nutzende bei der Interpretation von Interviews unterstรผtzen soll. Die KI soll Gegenentwรผrfe prรคsentieren und darรผber hinaus neue DenkanstรถรŸe liefern, um Wissenschaftler:innen eine Selbstkontrolle der eigenen Interpretation zu ermรถglichen. Der initiale Versuch mit ChatGPT lieferte รผberraschend gute Ergebnisse. Fรผr die Nutzung mit sensiblen Daten sind die (bis vor kurzem nur) cloudbasierten Services von OpenAI keine Option in der Oral History. Trotz intensiver Beschรคftigung mit Prompt-Engineering und dem Vergleich mehrerer lokal nutzbarer Small- und Large Language Models (SLMs und LLMs), konnte die Qualitรคt von GPT-5 in einer offline-Variante der KI-Diskussionsgruppe nicht erreicht werden. Googles Gemma 3, das kurz vor Redaktionsschluss verรถffentlicht wurde, macht allerdings einen guten ersten Eindruck. Nach einer positiv aufgenommenen Performance, bei der reale Personen die KI-Diskussion im Rahmen einer Tagung vorgetragen haben, wird die Arbeit an der KI-Interpretationsgruppe fortgesetzt und insbesondere Fokus auf konkrete Fragestellungen gelegt, die die KI-Diskussionsgruppe bearbeiten soll.
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Die Gegenwart als Geschichte. Interviewtechniken und Oral History in der sowjetischen ethnographischen Forschung der 1950er bis 1990er Jahre (Ulrike Huhn)
Der Text untersucht, ob und in welcher Form es in der Sowjetunion Vorlรคufer der Oral History gab. Zwar fand die Methode der Oral History erst nach dem Ende der Sowjetunion in den 1990er Jahren breitere Verwendung und wurde meist als westlicher Import verstanden. Allerdings existierte insbesondere in der sowjetischen Ethnographie, die damals Teil der Geschichtswissenschaften war, interviewbasierte Forschung. Seit den frรผhen 1950er Jahren wurden in grรถรŸeren Projekten zur Transformation der Landwirtschaft, in der sogenannten โ€žKolchosforschungโ€œ, die lรคndliche Bevรถlkerung zu ihren Lebensweisen und Erfahrungen befragt. Ziel war es, den sozialistischen Umbau der Gesellschaft zu dokumentieren und damit zugleich auch zu forcieren. Den Forschenden wurde im Sinne der Doktrin des โ€žSozialistischen Realismusโ€œ die Rolle von โ€žSozialingenieurenโ€œ zugeschrieben, was entsprechend auch das Machtverhรคltnis zu den Befragten prรคgte. In der โ€žKolchosforschungโ€œ der 1950er Jahre wurden Interviews handschriftlich festgehalten, oft thematisch geordnet und redaktionell bearbeitet. Obwohl diese Gesprรคche keine narrativen biographischen Interviews im heutigen Sinn waren, enthielten sie รผberraschend offene Erinnerungen, auch zu konfliktreichen Themen wie der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft seit 1929 und damit verbundene Repression. Gleichzeitig wuchs allmรคhlich die Einsicht, dass Vertrauen und dialogische Gesprรคchsfรผhrung entscheidend fรผr verlรคssliche Aussagen waren. In den 1970er und 1980er Jahren fรผhrten Feldforschungen besonders in der Ukraine trotz ideologischer Einschrรคnkungen zu intensiven Konfrontationen mit tabuierten biographischen Erfahrungen, etwa mit dem Holodomor. Diese Interviewerfahrungen trugen dazu bei, dass Ethnograph*innen nach 1991 zu Pionier*innen der Oral History im postsowjetischen Raum wurden. So kommt der Artikel zu dem Schluss, dass Oral History nicht nur ein Westimport war, sondern auch an ethnographische Praktiken in der Sowjetunion anknรผpfen konnte.
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Experiences of local research assistants in field research. Support for Western scientists in the Kavango East region, Namibia (Kletus Likuwa)
The research assistantsโ€™ roles towards supporting visiting European researchers in Namibia was understudied and their recognitions remain in the side-lines of acknowledgement sections of the research outputs, sometimes in pseudonym names only but this has changed. Researchers now question their past practices and suggest the need to explore deeper the central roles of research assistants in the making of ethnographic data collection process and outputs. This paper followed a qualitative approach of engaging in oral interviews but also on a self-reflexive approach which supports analysis of personal experiences of individuals to discuss the experiences of research assistants in supporting western researchers in Namibia. Centrally the following questions were asked: what were the motivations for becoming research assistants; what were the central roles or responsibilities of research assistants in shaping the field workspace, data collection process and analysis; what relations existed between research assistants and researchers beyond the field work experiences and what is the future of the collected oral materials or voices of the African communities? The paper asserts that the acknowledgement and recognitions of research assistantsโ€™ roles and contributions by researchers fall short of expectations. Further, post- field work relations shed light on positive opportunities for research assistants to excel which is availed by researchers. The paper points to the need for policy reform that speaks to ensuring that western researchers deposit oral interview materials in the National Archives of Namibia or to relevant research institutions so as to benefit the present and future generation of the African communities from which these oral data were extracted.
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