Verlag Barbara Budrich

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Informationen zur Zeitschrift

ISSN: 2198-980X

Soziologiemagazin 2-2017 (Heft 16) | Entfremdung

Erscheinungsdatum : 01.12.2017

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ISSN: 2198-980X

Inhalt

Soziologiemagazin
2-2017 (Heft 16): Entfremdung

Interview
Markus Rudolfi: Expert Interview with Prof. Dr. Ronen Shamir of Tel Aviv University

Schwerpunkt
Dustin Voss: Entfremdung readressiert. Eine explorative Untersuchung zur Prekaritรคt im Investmentbanking
Sebastian Illigens: Henri Lefebvre: Entfremdung und das Recht auf die Stadt
Sam Schneider: Zwanghafte Selbstverwirklichung? Zur Paradoxie der (Selbst-) Entfremdung im Neokapitalismus
Jonathan Armas: Das Ich, das Wir und das Netz. Rollen, Identitรคt und Raum in Social-Media-Interaktionen

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Zusรคtzliche Informationen

Publisher

ISSN

2198-980X

eISSN

2198-9826

Volume

10. Jahrgang 2017

Edition

2 (Heft 16)

Date of publication

01.12.2017

Scope

105

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/soz.v10i2

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Homepage

https://soziologiemagazin.budrich-journals.de

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Autor*innen

Keywords

Entfremdung, Investmentbanking, Neokapitalismus, Prekaritรคt, Recht auf die Stadt, Selbstverwirklichung, social media, Social-Media-Interaktionen

Abstracts

Entfremdung readressiert. Eine explorative Untersuchung zur Prekaritรคt im Investmentbanking (Dustin Voss)
Ende der 90er Jahre unternimmt der franzรถsische Soziologe Pierre Bourdieu den Versuch, das Verstรคndnis von Prekaritรคt als Problem der Armut umfassend zu erweitern. Er definiert den Begriff als allgemeine Verkรถrperung von Statusungewissheit und macht ihn damit schichtenรผbergreifend verankerbar. Dies erรถffnet neue Mรถglichkeiten der soziologischen Analyse. Darauf aufbauend wird in diesem Beitrag versucht, Karl Marxโ€™ Entfremdungstheorie auf eine (vermeintlich) elitรคre Gruppe kapitalistischer Gesellschaften โ€“ die โ€žFinanzmanager_innenโ€œ โ€“ anzuwenden. Auf die oft gestellte Frage nach den Motivationsstrukturen dieser Gesellschaftsgruppe kรถnnte diese Readressierung der Marxโ€™schen Entfremdungstheorie eine unkonventionelle Antwort geben. Denn wie sich herausstellt, zeigt sich die Entfremdung insbesondere in der Funktionalisierung von zwischenmenschlichen Beziehungen und der Konstruktion einer sozial-anschlussfรคhigen Persรถnlichkeit im finanzelitรคren Arbeitsumfeld. Dies wird im Rahmen dieser Arbeit auf Grundlage eines umfangreichen Leitfadeninterviews mit einem aktiven Top-Investmentbanker explorativ รผberprรผft. Die Untersuchung zeigt, dass unter Berรผcksichtigung moderner Entwicklungen eine erweiterte Anwendung der Marxโ€™schen Theorie angebracht ist.
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Henri Lefebvre: Entfremdung und das Recht auf die Stadt (Sebastian Illigens)
Henri Lefebvre ist heute primรคr fรผr eine bestimmte Periode seines Schaffens bekannt, als Theoretiker des Raums und der Urbanisierung. Weite Teile seines Werkes auรŸerhalb dieser Periode bleiben hingegen unbeachtet. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass Lefebvres Schriften zu Stadt und Raum nur im Kontext seiner lebenslangen, an Marx angelehnten Beschรคftigung mit Entfremdung und den Potenzialen menschlicher Praxis richtig zu erfassen sind. Der von Lefebvre diagnostizierte abstrakte Raum ist eine sozio-rรคumliche Ausformung des Entfremdungsphรคnomens in kapitalistischen Gesellschaften. Explizit in diesem Kontext konzipiert Lefebvre sein Recht auf die Stadt: als kollektives demokratisches Recht. Erst durch eine praktische Ausรผbung dieses Rechts kรถnnen sich Potenziale des menschlichen Gemeinwesens demokratisch entfalten.
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Zwanghafte Selbstverwirklichung? Zur Paradoxie der (Selbst-) Entfremdung im Neokapitalismus (Sam Schneider)
Der vorliegende Beitrag versucht die Entfremdungskritik im Anschluss an Marx unter den postindustriellen Bedingungen des Neokapitalismus zu reformulieren. Dabei zeigt er auf, wie unter den Bedingungen einer zunehmenden ร–konomisierung und Flexibilisierung der Arbeitsorganisation der prominente und fรผr die Marxsche Entfremdungsdiagnose ursรคchliche Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ins unternehmerische Subjekt verlagert wird, welches sich unter den neoliberalen Selbstverwirklichungsimperativen potentiell von sich selbst entfremdet. Entfremdung, so die These, wird unter den Bedingungen subjektivierter Arbeit paradoxerweise mittels ihres eigenes Gegenteils, folglich mittels Selbstverwirklichung, Authentizitรคt und Autonomie, erfahren. Somit stehen das Subjekt und sein paradoxes Spannungsverhรคltnis zwischen seinen normativen Absichten nach Selbstverwirklichung und den kapitalistischen Verwertungsinteressen im Fokus der an der jรผngeren Kritischen Theorie angelehnten Analyse. SchlieรŸlich wird der Versuch unternommen, die Entfremdungskritik von ihren theoretischen Mรคngeln zu befreien und diese in ihrem immanenten Doppelcharakter, als Einwand gegen die herrschenden Verhรคltnisse und zugleich als Legitimationsnarrativ des Bestehenden, zu reflektieren.
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Das Ich, das Wir und das Netz. Rollen, Identitรคt und Raum in Social-Media-Interaktionen (Jonathan Armas)
Der Aufsatz beschรคftigt sich mit dem Begriff โ€žEntfremdungโ€œ im Zusammenhang mit Social-Media-Plattformen und den dort stattfindenden Interaktionen. Dabei geht der Autor von einem Diskurs aus, der diese kritisiert, sich jedoch der groรŸflรคchigen Aufmerksamkeit entzieht. Der Autor entwickelt aus den Ansรคtzen von Zygmunt Bauman zu sozialen Rรคumen und Rahel Jaeggi zu Rollenentfremdung die These, dass die Form von Sozialitรคt und Interaktion in Social-Media-Portalen zur gefรผhlten Entfremdung gefรผhrt habe. Da der neue soziale Raum, der dort geschaffen wird, Rollenkonversionen herausfordert und so zwingend konflikthaft ist, fรผhrt er zu Mechanismen der Konfliktreduktion, die das Selbst in Interaktion und Erscheinung beschrรคnken. Dieses reduzierte Selbst und die Norm der distanzierten Interaktion kรถnnten an den Raumgrenzen in die Alltagswelt รผbertreten und so auch diese transformieren.
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2-2017 (Heft 16): Entfremdung

Interview
Markus Rudolfi: Expert Interview with Prof. Dr. Ronen Shamir of Tel Aviv University

Schwerpunkt
Dustin Voss: Entfremdung readressiert. Eine explorative Untersuchung zur Prekaritรคt im Investmentbanking
Sebastian Illigens: Henri Lefebvre: Entfremdung und das Recht auf die Stadt
Sam Schneider: Zwanghafte Selbstverwirklichung? Zur Paradoxie der (Selbst-) Entfremdung im Neokapitalismus
Jonathan Armas: Das Ich, das Wir und das Netz. Rollen, Identitรคt und Raum in Social-Media-Interaktionen

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2198-9826

Volume

10. Jahrgang 2017

Edition

2 (Heft 16)

Date of publication

01.12.2017

Scope

105

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/soz.v10i2

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Ende der 90er Jahre unternimmt der franzรถsische Soziologe Pierre Bourdieu den Versuch, das Verstรคndnis von Prekaritรคt als Problem der Armut umfassend zu erweitern. Er definiert den Begriff als allgemeine Verkรถrperung von Statusungewissheit und macht ihn damit schichtenรผbergreifend verankerbar. Dies erรถffnet neue Mรถglichkeiten der soziologischen Analyse. Darauf aufbauend wird in diesem Beitrag versucht, Karl Marxโ€™ Entfremdungstheorie auf eine (vermeintlich) elitรคre Gruppe kapitalistischer Gesellschaften โ€“ die โ€žFinanzmanager_innenโ€œ โ€“ anzuwenden. Auf die oft gestellte Frage nach den Motivationsstrukturen dieser Gesellschaftsgruppe kรถnnte diese Readressierung der Marxโ€™schen Entfremdungstheorie eine unkonventionelle Antwort geben. Denn wie sich herausstellt, zeigt sich die Entfremdung insbesondere in der Funktionalisierung von zwischenmenschlichen Beziehungen und der Konstruktion einer sozial-anschlussfรคhigen Persรถnlichkeit im finanzelitรคren Arbeitsumfeld. Dies wird im Rahmen dieser Arbeit auf Grundlage eines umfangreichen Leitfadeninterviews mit einem aktiven Top-Investmentbanker explorativ รผberprรผft. Die Untersuchung zeigt, dass unter Berรผcksichtigung moderner Entwicklungen eine erweiterte Anwendung der Marxโ€™schen Theorie angebracht ist.
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Henri Lefebvre ist heute primรคr fรผr eine bestimmte Periode seines Schaffens bekannt, als Theoretiker des Raums und der Urbanisierung. Weite Teile seines Werkes auรŸerhalb dieser Periode bleiben hingegen unbeachtet. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass Lefebvres Schriften zu Stadt und Raum nur im Kontext seiner lebenslangen, an Marx angelehnten Beschรคftigung mit Entfremdung und den Potenzialen menschlicher Praxis richtig zu erfassen sind. Der von Lefebvre diagnostizierte abstrakte Raum ist eine sozio-rรคumliche Ausformung des Entfremdungsphรคnomens in kapitalistischen Gesellschaften. Explizit in diesem Kontext konzipiert Lefebvre sein Recht auf die Stadt: als kollektives demokratisches Recht. Erst durch eine praktische Ausรผbung dieses Rechts kรถnnen sich Potenziale des menschlichen Gemeinwesens demokratisch entfalten.
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Der vorliegende Beitrag versucht die Entfremdungskritik im Anschluss an Marx unter den postindustriellen Bedingungen des Neokapitalismus zu reformulieren. Dabei zeigt er auf, wie unter den Bedingungen einer zunehmenden ร–konomisierung und Flexibilisierung der Arbeitsorganisation der prominente und fรผr die Marxsche Entfremdungsdiagnose ursรคchliche Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ins unternehmerische Subjekt verlagert wird, welches sich unter den neoliberalen Selbstverwirklichungsimperativen potentiell von sich selbst entfremdet. Entfremdung, so die These, wird unter den Bedingungen subjektivierter Arbeit paradoxerweise mittels ihres eigenes Gegenteils, folglich mittels Selbstverwirklichung, Authentizitรคt und Autonomie, erfahren. Somit stehen das Subjekt und sein paradoxes Spannungsverhรคltnis zwischen seinen normativen Absichten nach Selbstverwirklichung und den kapitalistischen Verwertungsinteressen im Fokus der an der jรผngeren Kritischen Theorie angelehnten Analyse. SchlieรŸlich wird der Versuch unternommen, die Entfremdungskritik von ihren theoretischen Mรคngeln zu befreien und diese in ihrem immanenten Doppelcharakter, als Einwand gegen die herrschenden Verhรคltnisse und zugleich als Legitimationsnarrativ des Bestehenden, zu reflektieren.
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Das Ich, das Wir und das Netz. Rollen, Identitรคt und Raum in Social-Media-Interaktionen (Jonathan Armas)
Der Aufsatz beschรคftigt sich mit dem Begriff โ€žEntfremdungโ€œ im Zusammenhang mit Social-Media-Plattformen und den dort stattfindenden Interaktionen. Dabei geht der Autor von einem Diskurs aus, der diese kritisiert, sich jedoch der groรŸflรคchigen Aufmerksamkeit entzieht. Der Autor entwickelt aus den Ansรคtzen von Zygmunt Bauman zu sozialen Rรคumen und Rahel Jaeggi zu Rollenentfremdung die These, dass die Form von Sozialitรคt und Interaktion in Social-Media-Portalen zur gefรผhlten Entfremdung gefรผhrt habe. Da der neue soziale Raum, der dort geschaffen wird, Rollenkonversionen herausfordert und so zwingend konflikthaft ist, fรผhrt er zu Mechanismen der Konfliktreduktion, die das Selbst in Interaktion und Erscheinung beschrรคnken. Dieses reduzierte Selbst und die Norm der distanzierten Interaktion kรถnnten an den Raumgrenzen in die Alltagswelt รผbertreten und so auch diese transformieren.
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