Verlag Barbara Budrich

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ISSN: 0173-184X

PERIPHERIE 3-2016 (Heft 144) | Politik mit Kunst

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ISSN: 0173-184X

Inhalt

PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
3-2016 (Heft 144): Politik mit Kunst

Paula Marie Hildebrandt: Escamouflage oder ein Faultier. Performative Bรผrgerschaft, kรผnstlerisch erforscht
Ksenia Robbe: Erinnerung als Waffe der Dekolonisierung. Kunst und Studentinnen-Bewegung im heutigen Sรผdafrika
Vanesa Coscia / Marina Moguillansky: Militantes Kino und transnationaler Aktivismus in Dokumentationen รผber รผbernommene Fabriken in Argentinien
Susanne Spindler: (Post-)nationale Grenzen im stรคdtischen Gefรผge: Was wichtig wird und wichtig bleibt, wenn Migration und Nationalitรคt entkoppelt sind

Essay
Pavel Eichin: Como aprendรญ a ser chileno โ€“ Wie ich lernte, Chilene zu sein

Peripherie-Stichwort
Anja Steidinger / Olaf Berg: Kรผnstlerische Intervention (Interventionskunst/kreativer Aktivismus)

Rezensionen
Lotte Arndt: Zahia Rahmani, Jean-Yves Sarazin (Hg.): Made in Algeria. Gรฉnรฉalogie dโ€™un territoire
Reinhart KรถรŸler: Sammelrezension zu Sammy Baloji: Hunting & Collecting. / Larissa Fรถrster & Holger Stoecker: Haut, Haar und Knochen. Koloniale Spurensuche in naturkundlichen Sammlungen der Universitรคt Jena
Gerhard Hauck: Ingo Schneider & Martin Sexl (Hg.): Das Unbehagen an der Kultur
Gerhard Hauck: Franziska Baumbach: Die Natur des Menschen und die (Un)Mรถglichkeit von Kapitalismuskritik. Menschenbilder als Ideologie
Malte Lรผhmann: Hans-Jรผrgen Burchardt & Stefan Peters (Hg.): Der Staat in globaler Perspektive. Zur Renaissance der Entwicklungsstaaten
Wolfgang Hein: Michael von Hauff & Thuan Nguyen (Hg.): Nachhaltige Wirtschaftspolitik

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Zusรคtzliche Informationen

Publisher

ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

36. Jahrgang 2016

Edition

3 (144)

Date of publication

06.12.2016

Scope

141

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v36i144

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Homepage

https://peripherie.budrich-journals.de

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Autor*innen

Keywords

Aktivismus, Argentinien, Bรผrgerschaft, Dekolonisierung, Dokumentarfilm, Erinnerungskultur, Grenzen, Interventionskunst, Kino, kollektives Gedรคchtnis, Kunst, Migration, Mobilitรคt, Nationalitรคt, Performativitรคt, Poesie, Staatsbรผrgerschaft, Stadt, Studentinnen-Bewegungen, stรคdtischer Raum, Sรผdafrika, Transnational(ismus), Welcome City

Abstracts

Escamouflage oder ein Faultier. Performative Bรผrgerschaft, kรผnstlerisch erforscht (Paula Marie Hildebrandt)
Was ist performative Bรผrgerschaft? Wie verรคndert die Idee und Praxis kรผnstlerischer Forschung den Begriff von Bรผrgerschaft? Der Beitrag widmet sich dieser grundsรคtzlichen Fragestellung in der Kombination von kรผnstlerischer Praxis mit Ansรคtzen aus der Migrationsforschung, der postkolonialen Theorie und politischen Philosophie und zeigt: ein performatives Verstรคndnis von Bรผrgerschaft bietet einen gewinnbringenden Ansatz, um aktuelle Fragen von Flucht und Vertreibung, Migration und Integration, Bรผrgerrechte und Bรผrgerpflichten kritisch zu reflektieren. Das Verhรคltnis von Bรผrgerschaft und Performance wird am konkreten Beispiel des kรผnstlerischen Forschungsprojekts Welcome City diskutiert. Das Projekt bietet in seiner Fragestellung, Methodik und Widersprรผchlichkeit manch hilfreiche Anknรผpfungspunkte fรผr eine kritische Reflexion kรผnstlerischer Forschung sowie Hinweise fรผr einen zeitgemรครŸen โ€“ performativen โ€“ Begriff von Bรผrgerschaft. Die der Forschung vorausgehende These lautete, dass Bรผrgerschaft als eine spezifische Form der (Selbst-)Prรคsentation stets um Verhรคltnisse von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Affirmation und Verweigerung kreist; auf diese Bewegung zielt der Begriff der Escamouflage. Schlagwรถrter: Escamouflage, kรผnstlerische Forschung, Performativitรคt, Staatsbรผrgerschaft, Welcome City
ยป Einzelbeitrag kostenlos herunterladen (Budrich Journals)

Erinnerung als Waffe der Dekolonisierung. Kunst und Studentinnen-Bewegung im heutigen Sรผdafrika (Ksenia Robbe)
Beim Beobachten derzeitiger Protestbewegungen in der Postkolonie, besonders solchen von Studierenden, die die Ungleichheit auf dem Campus und in Gesellschaften allgemein thematisieren, lรคsst sich die Rolle der Kunst bei der Sichtbarmachung der verknรผpften Formen des Kolonialismus und des Kapitalismus nicht รผbersehen. Diese Reprรคsentationen verleihen nicht nur abstrakten Ideen Sichtbarkeit, sie beinhalten zudem auch symbolische Repertoires, um Regime der Kolonialitรคt anzugehen. Indem sie Erinnerungen an Kolonialisierung, Sklaverei und die Ausbeutung billiger Arbeitskrรคfte wachrufen, machen sie die kolonialen Ursprรผnge der heutigen sozialen Beziehungen sichtbar. Der Artikel reflektiert den Einsatz der Erinnerung anhand von poetischen und visuellen Praktiken, die 2015 Teil der Bewegungen #RhodesMustFall und #FeesMustFall an der Universitรคt Kapstadt waren. Der Artikel argumentiert, dass heutige Erinnerungspraktiken รคhnlich wie in frรผheren Beispielen von Kunst und Gedichten der Anti-Apartheid-Bewegung ein neues kollektives Narrativ zu erschaffen versuchen โ€“ in diesem Fall ein alternatives Erinnern der Transition der 90er Jahre. Allerdings verdeutlicht in diesen Darstellungen die Erinnerung der Kolonialisierung die tรคglichen Schwierigkeiten, eine Identitรคt auszubilden und Handlungsfรคhigkeit auszuรผben; sie sensibilisieren fรผr die Anstregungen, die beim Ausbilden neuer Identitรคten auf den Ruinen der alten unternommen werden mรผssen. Schlagwรถrter: Studentinnen-Bewegungen, Kunst, Poesie, kollektives Gedรคchtnis, Dekolonisierung
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Militantes Kino und transnationaler Aktivismus in Dokumentationen รผber รผbernommene Fabriken in Argentinien (Vanesa Coscia, Marina Moguillansky)
Der Prozess der Besetzung von Fabriken wรคhrend der argentinischen Wirtschaftskrise um das Jahr 2001 wurde durch ein Ensemble an Dokumentarfilmen aufgegriffen, welche sich einer weitlรคufigen Verbreitung auf alternativen Informationskanรคlen erfreuten. Viele dieser Dokumentarfilme nehmen eine transnationale Perspektive ein, weil sie in transnationaler Zusammenarbeit von Kรผnstler*innen, Aktivist*innen und Fonds realisiert wurden. Die Verbreitung der Filme war nicht auf das nationale Umfeld begrenzt, sondern รผberquerte Lรคndergrenzen und erreichte andere Krisenzusammenhรคnge in Spanien, Italien und Griechenland. In dieser Arbeit untersuchen wir die Schnittstellen zwischen Kunst, Aktivismus und Politik und fokussieren so die Nord-Sรผd-Beziehungen in Dokumentarfilmen รผber รผbernommene Fabriken. Wie drรผcken sich in diesen Dokumentarfilmen die Interessen lokaler und/oder auslรคndischer Regisseure, multipler Geldgeber und verwundbarer, sozialer Kollektive aus? Welche Bedeutung hat das Transnationale in Bezug auf die Erzeugung von Dokumentarfilmen, welche die argentinische Krise und ihre sozialen Korrelate erfassen? Um diese Fragestellungen zu beantworten, konzentriert sich unsere Analyse auf die Filme Mate, Ton und Produktion. Zanon โ€“ eine Fabrik unter Arbeiterkontrolle (2003, Ak Kraak und Alavรญo), The Take (Die รœbernahme, 2004, Klein und Lewis) und Fasinpat (2004, Incalcaterra). Diese Lektรผre zeigt in Bezug auf die รœbernahme von Fabriken die Spannungen und Ambivalenzen auf, welche bezรผglich der Prozesse bestimmter Vorgรคnge der Thematisierung, Kontextualisierung bis hin zur Interpretation wahrgenommen und konkretisiert werden. Schlagwรถrter: Dokumentarfilm, Aktivismus, Transnational(ismus), besetzte Fabriken
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(Post-)nationale Grenzen im stรคdtischen Gefรผge: Was wichtig wird und wichtig bleibt, wenn Migration und Nationalitรคt entkoppelt sind (Susanne Spindler)
Argentinien hat das Recht auf Migration als Menschenrecht gesetzlich verankert und erรถffnet Migrant*innen damit auch den Zugang zu allen sozialen Rechten. Dennoch sind immer Rechte von Migrant*innen immer noch umkรคmpft. In verschiedenen Arenen wie dem Kampf um Wohnen zeigen sich (Re )Konstitutionen interner Grenzziehungen, die eigentlich in einem Widerspruch zum Recht auf Migration stehen. Die Megacity Buenos Aires ist der Zielort der Migration fรผr viele Migrant*innen und der Ort, an dem diese widerstreitenden Prozesse beobachtete werden kรถnnen. Die Gleichzeitigkeit von migrantischen Rechten und internen Barrieren und ihre Folgen fรผr Positionierungen von Migrant*innen in sozialen wie in rรคumlichen Bezรผgen werden in diesem Artikel untersucht. Schlagwรถrter: Stรคdtischer Raum, Migration, Rechte, interne Grenzziehungen, Mobilitรคt
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Como aprendรญ a ser chileno โ€“ Wie ich lernte, Chilene zu sein (Pavel Eichin)
Aufgrund der Militรคrdiktatur in Chile (1973-1990) entstand eine Exil-Gemeinschaft, die ein reges kulturelles Leben hervorbrachte und stark vom Kampf gegen die Pinochet-Diktatur bestimmt war. In diesem Text betrachte ich die Erfahrung dieses Exils aus der Perspektive der zweiten Generation, zu der ich auch gehรถre. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich der Prozess der Aneignung einer โ€žchilenischeโ€œ Identitรคt gestaltete. Die im Exil produzierte Musik, spielte in dieser Hinsicht eine herausragende Rolle. Konzerte und Soliveranstaltungen, bei der die Gemeinschaft zusammenkam, stellten die wohl eindrรผcklichste Instanz der Vermittlung und Bestรคtigung des โ€žChilenisch-Seinsโ€œ dar. Eine ausfรผhrliche Auseinandersetzung mit Liedern des Exils (z. B. Vuelvo der Gruppe Inti-Ilimani) ist somit ein Weg, die kollektiven Selbstverstรคndlichkeiten der Gemeinschaft aufzuzeigen. Wir stoรŸen dadurch auf den Primat eines Diskurses der Exilkultur schlechthin, nรคmlich der Mission der Rรผckkehr. Darรผber hinaus jedoch zeige ich, dass in der impliziten Bedeutung dieser Lieder ein spezifisch fรผr die zweite Generation prรคgendes Element zu finden ist. Denn in ihrem Bedรผrfnis, der gesellschaftlichen Anforderung nachzukommen, Chilenin oder Chilene zu sein, greift sie auf die Exilkultur zurรผck. Diese ermรถglicht zwar das โ€žChilenisch-Seinโ€œ, negiert aber latent gleichzeitig das von ihnen auf โ€žfremden Bodenโ€œ erlebte. Somit verinnerlichen die Kinder des Exils durch ihren identitรคren Prozess die Negation ihrer eigenen Erfahrung.
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PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
3-2016 (Heft 144): Politik mit Kunst

Paula Marie Hildebrandt: Escamouflage oder ein Faultier. Performative Bรผrgerschaft, kรผnstlerisch erforscht
Ksenia Robbe: Erinnerung als Waffe der Dekolonisierung. Kunst und Studentinnen-Bewegung im heutigen Sรผdafrika
Vanesa Coscia / Marina Moguillansky: Militantes Kino und transnationaler Aktivismus in Dokumentationen รผber รผbernommene Fabriken in Argentinien
Susanne Spindler: (Post-)nationale Grenzen im stรคdtischen Gefรผge: Was wichtig wird und wichtig bleibt, wenn Migration und Nationalitรคt entkoppelt sind

Essay
Pavel Eichin: Como aprendรญ a ser chileno โ€“ Wie ich lernte, Chilene zu sein

Peripherie-Stichwort
Anja Steidinger / Olaf Berg: Kรผnstlerische Intervention (Interventionskunst/kreativer Aktivismus)

Rezensionen
Lotte Arndt: Zahia Rahmani, Jean-Yves Sarazin (Hg.): Made in Algeria. Gรฉnรฉalogie dโ€™un territoire
Reinhart KรถรŸler: Sammelrezension zu Sammy Baloji: Hunting & Collecting. / Larissa Fรถrster & Holger Stoecker: Haut, Haar und Knochen. Koloniale Spurensuche in naturkundlichen Sammlungen der Universitรคt Jena
Gerhard Hauck: Ingo Schneider & Martin Sexl (Hg.): Das Unbehagen an der Kultur
Gerhard Hauck: Franziska Baumbach: Die Natur des Menschen und die (Un)Mรถglichkeit von Kapitalismuskritik. Menschenbilder als Ideologie
Malte Lรผhmann: Hans-Jรผrgen Burchardt & Stefan Peters (Hg.): Der Staat in globaler Perspektive. Zur Renaissance der Entwicklungsstaaten
Wolfgang Hein: Michael von Hauff & Thuan Nguyen (Hg.): Nachhaltige Wirtschaftspolitik

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0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

36. Jahrgang 2016

Edition

3 (144)

Date of publication

06.12.2016

Scope

141

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v36i144

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Homepage

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Escamouflage oder ein Faultier. Performative Bรผrgerschaft, kรผnstlerisch erforscht (Paula Marie Hildebrandt)
Was ist performative Bรผrgerschaft? Wie verรคndert die Idee und Praxis kรผnstlerischer Forschung den Begriff von Bรผrgerschaft? Der Beitrag widmet sich dieser grundsรคtzlichen Fragestellung in der Kombination von kรผnstlerischer Praxis mit Ansรคtzen aus der Migrationsforschung, der postkolonialen Theorie und politischen Philosophie und zeigt: ein performatives Verstรคndnis von Bรผrgerschaft bietet einen gewinnbringenden Ansatz, um aktuelle Fragen von Flucht und Vertreibung, Migration und Integration, Bรผrgerrechte und Bรผrgerpflichten kritisch zu reflektieren. Das Verhรคltnis von Bรผrgerschaft und Performance wird am konkreten Beispiel des kรผnstlerischen Forschungsprojekts Welcome City diskutiert. Das Projekt bietet in seiner Fragestellung, Methodik und Widersprรผchlichkeit manch hilfreiche Anknรผpfungspunkte fรผr eine kritische Reflexion kรผnstlerischer Forschung sowie Hinweise fรผr einen zeitgemรครŸen โ€“ performativen โ€“ Begriff von Bรผrgerschaft. Die der Forschung vorausgehende These lautete, dass Bรผrgerschaft als eine spezifische Form der (Selbst-)Prรคsentation stets um Verhรคltnisse von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Affirmation und Verweigerung kreist; auf diese Bewegung zielt der Begriff der Escamouflage. Schlagwรถrter: Escamouflage, kรผnstlerische Forschung, Performativitรคt, Staatsbรผrgerschaft, Welcome City
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Erinnerung als Waffe der Dekolonisierung. Kunst und Studentinnen-Bewegung im heutigen Sรผdafrika (Ksenia Robbe)
Beim Beobachten derzeitiger Protestbewegungen in der Postkolonie, besonders solchen von Studierenden, die die Ungleichheit auf dem Campus und in Gesellschaften allgemein thematisieren, lรคsst sich die Rolle der Kunst bei der Sichtbarmachung der verknรผpften Formen des Kolonialismus und des Kapitalismus nicht รผbersehen. Diese Reprรคsentationen verleihen nicht nur abstrakten Ideen Sichtbarkeit, sie beinhalten zudem auch symbolische Repertoires, um Regime der Kolonialitรคt anzugehen. Indem sie Erinnerungen an Kolonialisierung, Sklaverei und die Ausbeutung billiger Arbeitskrรคfte wachrufen, machen sie die kolonialen Ursprรผnge der heutigen sozialen Beziehungen sichtbar. Der Artikel reflektiert den Einsatz der Erinnerung anhand von poetischen und visuellen Praktiken, die 2015 Teil der Bewegungen #RhodesMustFall und #FeesMustFall an der Universitรคt Kapstadt waren. Der Artikel argumentiert, dass heutige Erinnerungspraktiken รคhnlich wie in frรผheren Beispielen von Kunst und Gedichten der Anti-Apartheid-Bewegung ein neues kollektives Narrativ zu erschaffen versuchen โ€“ in diesem Fall ein alternatives Erinnern der Transition der 90er Jahre. Allerdings verdeutlicht in diesen Darstellungen die Erinnerung der Kolonialisierung die tรคglichen Schwierigkeiten, eine Identitรคt auszubilden und Handlungsfรคhigkeit auszuรผben; sie sensibilisieren fรผr die Anstregungen, die beim Ausbilden neuer Identitรคten auf den Ruinen der alten unternommen werden mรผssen. Schlagwรถrter: Studentinnen-Bewegungen, Kunst, Poesie, kollektives Gedรคchtnis, Dekolonisierung
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Militantes Kino und transnationaler Aktivismus in Dokumentationen รผber รผbernommene Fabriken in Argentinien (Vanesa Coscia, Marina Moguillansky)
Der Prozess der Besetzung von Fabriken wรคhrend der argentinischen Wirtschaftskrise um das Jahr 2001 wurde durch ein Ensemble an Dokumentarfilmen aufgegriffen, welche sich einer weitlรคufigen Verbreitung auf alternativen Informationskanรคlen erfreuten. Viele dieser Dokumentarfilme nehmen eine transnationale Perspektive ein, weil sie in transnationaler Zusammenarbeit von Kรผnstler*innen, Aktivist*innen und Fonds realisiert wurden. Die Verbreitung der Filme war nicht auf das nationale Umfeld begrenzt, sondern รผberquerte Lรคndergrenzen und erreichte andere Krisenzusammenhรคnge in Spanien, Italien und Griechenland. In dieser Arbeit untersuchen wir die Schnittstellen zwischen Kunst, Aktivismus und Politik und fokussieren so die Nord-Sรผd-Beziehungen in Dokumentarfilmen รผber รผbernommene Fabriken. Wie drรผcken sich in diesen Dokumentarfilmen die Interessen lokaler und/oder auslรคndischer Regisseure, multipler Geldgeber und verwundbarer, sozialer Kollektive aus? Welche Bedeutung hat das Transnationale in Bezug auf die Erzeugung von Dokumentarfilmen, welche die argentinische Krise und ihre sozialen Korrelate erfassen? Um diese Fragestellungen zu beantworten, konzentriert sich unsere Analyse auf die Filme Mate, Ton und Produktion. Zanon โ€“ eine Fabrik unter Arbeiterkontrolle (2003, Ak Kraak und Alavรญo), The Take (Die รœbernahme, 2004, Klein und Lewis) und Fasinpat (2004, Incalcaterra). Diese Lektรผre zeigt in Bezug auf die รœbernahme von Fabriken die Spannungen und Ambivalenzen auf, welche bezรผglich der Prozesse bestimmter Vorgรคnge der Thematisierung, Kontextualisierung bis hin zur Interpretation wahrgenommen und konkretisiert werden. Schlagwรถrter: Dokumentarfilm, Aktivismus, Transnational(ismus), besetzte Fabriken
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(Post-)nationale Grenzen im stรคdtischen Gefรผge: Was wichtig wird und wichtig bleibt, wenn Migration und Nationalitรคt entkoppelt sind (Susanne Spindler)
Argentinien hat das Recht auf Migration als Menschenrecht gesetzlich verankert und erรถffnet Migrant*innen damit auch den Zugang zu allen sozialen Rechten. Dennoch sind immer Rechte von Migrant*innen immer noch umkรคmpft. In verschiedenen Arenen wie dem Kampf um Wohnen zeigen sich (Re )Konstitutionen interner Grenzziehungen, die eigentlich in einem Widerspruch zum Recht auf Migration stehen. Die Megacity Buenos Aires ist der Zielort der Migration fรผr viele Migrant*innen und der Ort, an dem diese widerstreitenden Prozesse beobachtete werden kรถnnen. Die Gleichzeitigkeit von migrantischen Rechten und internen Barrieren und ihre Folgen fรผr Positionierungen von Migrant*innen in sozialen wie in rรคumlichen Bezรผgen werden in diesem Artikel untersucht. Schlagwรถrter: Stรคdtischer Raum, Migration, Rechte, interne Grenzziehungen, Mobilitรคt
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Aufgrund der Militรคrdiktatur in Chile (1973-1990) entstand eine Exil-Gemeinschaft, die ein reges kulturelles Leben hervorbrachte und stark vom Kampf gegen die Pinochet-Diktatur bestimmt war. In diesem Text betrachte ich die Erfahrung dieses Exils aus der Perspektive der zweiten Generation, zu der ich auch gehรถre. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich der Prozess der Aneignung einer โ€žchilenischeโ€œ Identitรคt gestaltete. Die im Exil produzierte Musik, spielte in dieser Hinsicht eine herausragende Rolle. Konzerte und Soliveranstaltungen, bei der die Gemeinschaft zusammenkam, stellten die wohl eindrรผcklichste Instanz der Vermittlung und Bestรคtigung des โ€žChilenisch-Seinsโ€œ dar. Eine ausfรผhrliche Auseinandersetzung mit Liedern des Exils (z. B. Vuelvo der Gruppe Inti-Ilimani) ist somit ein Weg, die kollektiven Selbstverstรคndlichkeiten der Gemeinschaft aufzuzeigen. Wir stoรŸen dadurch auf den Primat eines Diskurses der Exilkultur schlechthin, nรคmlich der Mission der Rรผckkehr. Darรผber hinaus jedoch zeige ich, dass in der impliziten Bedeutung dieser Lieder ein spezifisch fรผr die zweite Generation prรคgendes Element zu finden ist. Denn in ihrem Bedรผrfnis, der gesellschaftlichen Anforderung nachzukommen, Chilenin oder Chilene zu sein, greift sie auf die Exilkultur zurรผck. Diese ermรถglicht zwar das โ€žChilenisch-Seinโ€œ, negiert aber latent gleichzeitig das von ihnen auf โ€žfremden Bodenโ€œ erlebte. Somit verinnerlichen die Kinder des Exils durch ihren identitรคren Prozess die Negation ihrer eigenen Erfahrung.
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