Beschreibung
Das Thema Didaktik findet zunehmend Beachtung in der Hochschullehre. Welche fachdidaktischen Herausforderungen sehen sich Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit gegenรผber? Im Zentrum des Buches stehen Lehrkonzepte zur Vermittlung von fachbezogenen Theorien und zur Reflexion von Praxisphasen. Das Buch vermittelt den Leser*innen theoretische Kenntnisse, bietet darรผber hinaus aber auch methodisch-didaktische Konzepte zur Gestaltung konkreter Lehrveranstaltungen.
Den Auftakt des Buches bilden zwei Abschnitte, in denen Grundlagen einer Fachdidaktik Sozialer Arbeit erรถrtert werden: Zunรคchst werden vorbereitende รberlegungen einer grundsรคtzlichen Fachdidaktik Sozialer Arbeit beschrieben. Im Anschluss wird das Thema Diversitรคt sowohl als didaktische Herausforderung in der Hochschullehre als auch als thematisch-inhaltliche Herausforderung der Sozialen Arbeit diskutiert. Theorie und Theorien der Wissenschaft Sozialer Arbeit stehen im Fokus des dritten Abschnitts. Nach grundlegenden รberlegungen zur Vermittlung des fachwissenschaftlichen Diskurses zur Theoriebildung folgen konkrete Lehrkonzepte und damit verbundene methodisch-didaktische Anregungen, wie Theorie und Theorien Sozialer Arbeit einfรผhrend und vertiefend gelehrt werden kรถnnen. Im vierten Abschnitt geht es um das an Praxisphasen orientierte Theorie-Praxis-Verhรคltnis in Studiengรคngen der Sozialen Arbeit. Theoretisch wird zunรคchst dargelegt, wie praxisintegrierende Professionalisierungsprozesse begleitet und in Studiengรคngen der Sozialen Arbeit verankert werden kรถnnen. Im Anschluss folgen auch hier konkrete und erprobte Umsetzungsvorschlรคge aus der Hochschullehre.
Die Herausgeber*innen:
Prof. Dr. Stefanie Debiel, HAWK Hildesheim, Holzminden, Gรถttingen
Prof. Dr. Fabian Lamp, Fachhochschule Kiel
MA., Dipl. Soz. Arb./Soz. Pรคd. Kristin Escher, HAWK Hildesheim, Holzminden, Gรถttingen
Prof. Dr. Claudia Spindler, Hochschule Nordhausen
Die Herausgeber*innen sind Mitglieder in der Fachgruppe โSoziale Arbeit in der Lehreโ der DGSA.
Hier finden Sie den Waschzettel zum Buch (pdf- Infoblatt).
Target group:
Lehrende und Forschende der Sozialen Arbeit







Johannes –
Endlich รถffnet ein Band auch den Diskurs um eine Fachdidaktik der Sozialen Arbeit! Was in anderen Professionen (z. B. der Humanmedizin) seit lรคngerem intensiv diskutiert wurde, ging an der Sozialen Arbeit bislang kaum spรผrbar „vorbei“. Der Sammelband kann als Auftakt dazu gelten. Es gelingt den Autor*innen, interessante Impulse und Denkanstรถรe zu setzen. Fรผr mich, der noch recht „neu“ in der Dozierendenrolle ist, war die Lektรผre eine Bereicherung und ich werde die ein oder andere Anregung sicher weiter vertiefen. Inwiefern der Sammelband auch eine Bereicherung fรผr erfahrene Dozierende ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Angesichts der Mรถglichkeiten der Digitalisierung in der Lehre bleibt der Sammelband meiner Meinung nach hinter dem Mรถglichen zurรผck. Die Brisanz des Themas gewann natรผrlich aber auch erst durch die Hochschulschlieรungen und den kalten Sprung in die digitalisierte Lehre an Beachtung. Insofern ist den Herausgebenden auch kein Vorwurf zu machen โ „Prรค-Corona“ war dieses Thema schlicht im Hochschulalltag kaum prรคsent.
Ich hoffe und wรผnsche, dass sich die Arbeitsgruppe „Soziale Arbeit in der Lehre“ der DGSA auch weiter diesem so wichtigen Thema widmet und das weitere, gewinnbringende Impulse (insbesonderer innovativer/digitalisierter Lehrkonzepte) folgen.
Stephanie Spanu –
Allgemeines
Das Buch โFachdidaktik Soziale Arbeitโ herausgegeben von Stefanie Debiel, Fabian Lamp, Kristin Escher und Claudia Spindler erschien 2020 in der Reihe โTheorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeitโ. Es behandelt fachwissenschaftliche und lehrpraktische Zugรคnge zu fachdidaktischen Fragestellungen im Arbeitskontext des Studiums der Sozialen Arbeit und der Praxis. Das Buch ist in der Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft fรผr Soziale Arbeit angesiedelt.
Insgesamt umfasst das Werk auf 295 Seiten ein Vorwort des Vorstandes der DGSA und die vier folgenden Kapitel:
1. Einfรผhrung
2. Fachdidaktische Grundรผberlegungen
3. Theorie/n Sozialer Arbeit und deren Vermittlung
4. Bedeutung und Begleitung praxisintegrierender Professionalisierungsprozesse im Studium
Das Buch folgt damit einer Choreografie oder vielmehr Chronologie des Studiums Sozialer Arbeit.
Inhalt
In der Einfรผhrung werden zunรคchst die Motive zur Herausgabe des Buches genannt und die Grรผndung der Fachgruppe โSoziale Arbeit in der Lehreโ angesprochen, die sich 2014 innerhalb der DGSA gegrรผndet hat. Mit dem vorliegenden Band sollen, laut Herausgeber*innen, die โโฆ Fragen der methodisch-didaktischen Vermittlung und curricularen Verankerung gegenstandsbezogener Theorien und Handlungskonzepte sowie Konzepten zur professionellen Identitรคtsbildung in den Studiengรคngen Sozialer Arbeitโ (S.11) beantwortet werden.
Das zweite Kapitel widmet sich fachdidaktischen Grundรผberlegungen. Wesentlich werden hier sowohl das Lehren und Studieren in der Sozialen Arbeit (Spindler), als auch die Differenzkategorie der Diversitรคt als didaktische Zielperspektive (Lamp)in den Blick genommen. Gemein ist beiden Artikeln, dass sie eine historische und fachliche Verortung des Lehrens in den Studiengรคngen der Sozialen Arbeit vornehmen, die gerade fรผr Dozierende die Notwendigkeit doppeldidaktischer Vermittlungspraxis aufzeigen und darรผber hinaus Impulse zur Weiterentwicklung der Hochschulbildung geben. Damit wird das Ziel verknรผpft, die Akademisierung der Sozialen Arbeit und damit final Studierende weiter zu professionalisieren, um den Anforderungen moderner Gesellschaften gerecht zu werden, was gerade durch Diskurse um Heterogenitรคt oder Diversitรคt besonders virulent ist.
Im dritten Kapitel werden theoretische Zugรคnge diskutiert, die insbesondere fรผr das Studium der Sozialen Arbeit essentiell sind. Dabei geht es im Wesentlichen um Fragen nach den Gegenstรคnden in der Theorie und deren Explikation und der gegenstandsinhรคrenten Theoriebildung innerhalb der Disziplin (Debiel). Beide Ebenen spielen fรผr die Aneignung von Theoriewissen aus der Sicht der Lehrenden eine entscheidende Rolle, in der von Seiten der Dozierenden entschieden werden muss, welche Theorien รผberhaupt Bestandteil der Lehrveranstaltungen sein sollen. Diese didaktische Entscheidung bedarf einer fachlichen Argumentation. Die Autor*innen legen an dieser Stelle unterschiedliche Strukturen vor, was exemplarisch curricular eingebunden werden sollte. Die Vorschlรคge werden mit konkreten Literaturverweisen belegt (bspw. S. 85). Darauf folgen unterschiedliche Lehrkonzepte, wie die Geschichte der Sozialen Arbeit (Mรผller), Grundbegriffe und Konzepten der Sozialen Arbeit (Spindler), Einfรผhrung in ausgewรคhlte Theorien Sozialer Arbeit (Lamp), bis hin zu einem Lehrkonzept zu zeitgenรถssischen Theorien Sozialer Arbeit (Debiel) oder zum Lebensbewรคltigungstheorem nach Bรถhnisch (Meusel). Das Kapitel endet mit einem Lehrkonzept fรผr ein Lektรผreseminar (Wagner).
Der letzte und damit vierte Teil des Buches widmet sich der Bedeutung und Begleitung praxisintegrierender Professionalisierungsprozesse im Studium. Hier werden, neben den Vergewisserungen, die auf der Grundlage der Theorie bei Studierenden evoziert werden, auch die Bedingungen und Notwendigkeiten der Praxisanteile im Studium thematisiert. Die Frage nach dem Stellenwert, der der theoretischen Vermittlung und dem Handlungsbezug in der Praxis zukommt, wird ebenso behandelt, wie die Integration beider Teile, um Professionalisierung in der Sozialen Arbeit markieren zu kรถnnen. Das Ziel ist es, so Harmsen (S.197) Deprofessionalisierungstendenzen abzubauen und dies beispielsweise vor dem Hintergrund der รkonomisierung Sozialer Arbeit. Das Dilemma der Sozialen Arbeit, zwischen Beruf und Profession nicht sprachlich hinreichend differenzieren zu kรถnnen, sollte mit den Studierenden thematisiert werden und kann nur an unterschiedlichen Lernorten in der Ganzheit erfasst werden. Wie hierzu methodisch angeleitet mit Studierenden gearbeitet werden kann, ist zudem Gegenstand des Kapitels. Weiter werden kollegiale Beratung und Supervision (Freรdorf/Sonnenberg), rekonstruktive Perspektiven in der Praktikumsbegleitung (Escher), das integrierte Projektstudium (Harmsen), das Konzept der Praxisintegration und dessen Begleitung (Borbe/Skyba) oder das hybride Begleitseminar des Praxissemesters (Markert), thematisiert.
Fazit
Das Buch โFachdidaktik Soziale Arbeitโ richtet sich an Nachwuchswissenschaftler*innen oder Praktiker*innen, die neu in den Lehrkontext im Studium Soziale Arbeit eingebunden sind. Hierzu liefert das Werk eine Vielzahl an Seminar-Gestaltungsbeispielen, die mit umfassender Literatur versehen sind und dazu einladen, sich in die jeweiligen Thematiken weiter zu vertiefen. Die Chronologie folgt dabei dem exemplarischen Aufbau eines Studienganges der Sozialen Arbeit, wenngleich nicht der Anspruch erhoben wird, dies fรผr jeden bundesdeutschen Studiengang in Abbildung zu bringen. Zusammenfassend lรคsst sich sagen, dass es ein Lehr-Methodenbuch fรผr die didaktische Auseinandersetzung mit und in Seminaren ist und weniger den Anspruch zu erheben scheint, eine dringend notwendige (fach-)didaktische Lรผcke zu schlieรen, die angezeigt wรคre.