Beschreibung
Ziel feministischer Staatstheorie ist es, die Vergeschlechtlichung des Staates sichtbar zu machen. Auf diese Weise soll aufgezeigt werden, wie der moderne westliche Staat dazu beitrรคgt, geschlechtliche Ausbeutungs-, Gewalt- und Ungleichheitsverhรคltnisse zu ermรถglichen und zu legitimieren. Die Autorin stellt dazu frรผhe Ansรคtze feministischer Staatstheorie ebenso vor wie neuere queer-feministische und intersektionale Konzepte. Dabei werden sowohl Theoretisierungen des Verhรคltnisses von Staat und Geschlecht als auch zentrale Themenfelder feministischer Staatstheorie vorgestellt und diskutiert. Fรผr die Neuauflage wurde das Werk umfassend รผberarbeitet.
Inhaltsverzeichnis + Leseprobe
Die Autorin:
Prof. Dr. Gundula Ludwig,ย Professorin fรผr Sozialwissenschaftliche Theorien der Geschlechterverhรคltnisse und Leiterin des Center Interdisziplinรคre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI), Universitรคt Innsbruck
Hier finden Sie den Waschzettel zum Buch (PDF-Infoblatt).
Subjects:
Politikwissenschaft, Gender Studies, Politische Theorie, Politische Philosophie







Daniel Lieb –
Gundula Ludwig, Professorin fรผr Sozialwissenschaftliche Theorien der Geschlechterverhรคltnisse an der Universitรคt Innsbruck, legt hier die 2., komplett รผberarbeitete Auflage ihrer Einfรผhrung in die feministische Staatstheorie vor.
Der Band besticht insbesondere durch sein hohes Maร an Systematik: nach einer historischen Herleitung des Bezugs von Kapitalismus und binรคrer Geschlechterordnung seit der westlichen Industrialisierung, erรถffnet die Autorin drei theoretische Herangehensweise der Analyse von Staat und Geschlechtlichkeit. Mit marxistischen, feministischen und postrukturalistischen Ansรคtzen werden die bedeutensten der entsprechenden Rezeptionslinien angeprochen. Im dritten und letzte Teil werden konkrete Fallbeispiele fรผr die Vergeschlechtlichung des modernen Staates gut verstรคndlich durchgearbeitet; dazu gehรถren neben โGeschlecht und Rechtโ auch hรคufig unter dem Radar laufende Aspekte des Sozialen wie Wohlfahrtsstaatlichkeit und Bรผrokratie.
Ludwig nimmt ihre Leser:innen an die Hand und zeigt in immer gut lesbarer Weise auf, aus welchen manchmal versteckt-vergeschlechtlichten Fragmenten sich unser aller staatlich organisiertes Alltagsleben zusammensetzt. Ein wichtiges Buch, dass sicherlich ab dem 1. Semester Gesellschaftstheorie zu empfehlen ist.
Alina Weber –
โGeschlecht, Macht und Staatโ von Gundula Ludwig ist ein Werk, von dem ich mir (auch) als Gender Studies Studentin gewรผnscht hรคtte, es frรผher in mein Bรผcherregal einzureihen.
Es behandelt den Knotenpunkt Geschlecht, der vor allem auch mit anderen Intersektionen wie race, class, dis/ability, usw. verbunden ist und sowohl unsere Gesellschaft und unseren Staat formt als auch von diesen erst geformt wird. Alleine der historische Einstieg in das Thema der Vergeschlechtlichung im ersten Kapitel schafft eine gut erklรคrte breite thematische Basis, die meiner Ansicht nach keines Vorwissens bedarf und damit auch fรผr andere Studienfรคcher sehr gut geeignet sein dรผrfte. Zudem ist das gesamte Werk verstรคndlich geschrieben und bietet sowohl einen umfรคnglichen รberblick als auch Vertiefungsmรถglichkeiten in das Groรthema Geschlecht und seine Bedeutungen. Das Buch dient damit nicht nur als Einstieg, sondern auch als hervorragendes Nachschlagewerk.
Carina Rรถcher –
โWelchen Einfluss hat das Geschlecht auf den westlich geprรคgten Staat?โ lautet die Leitfrage von Gundula Ludwig. โGeschlecht, Macht, Staatโ interessierte mich besonders wegen seiner feministischen Intervention. Der Staat wird als solcher bis heute durch das Patriarchat geprรคgt. Die Geschlechterforschung konnte ab den 1980ern nicht zuletzt durch die Staatstheorie viele Erkenntnisse erlangen.
Diese Ausarbeitung richtet sich an alle, die den Staat als Konstrukt aus einer feministischen Perspektive betrachten wollen. Dabei geht es um das Hinterfragen konventioneller gesellschaftlicher Strukturen.
Fรผr mein Masterstudium in der Politikwissenschaft gibt dieses Buch eine Orientierung, da dort auch staatstheoretische Elemente aufgegriffen werden. Gundula Ludwig leistet einen Beitrag zur Sichtbarkeit der Queer Community und lรคdt auf nachvollziehbare Art und Weise dazu ein, Staatlichkeit auf Herz und Nieren zu prรผfen.
Katharina M –
Gundula Ludwigs Buch โGeschlecht, Macht, Staatโ bietet einen sehr zugรคnglichen ersten Einstieg in die feministische Staatstheorie. Bisher habe ich mich dem Thema Staat in meinem Studium aus einer historischen Perspektive genรคhert.
Das Buch leitet mit einem kurzen historischen Kontext der feministischen Auseinandersetzung mit dem Staat ein. Leider wird hier die Praxis aus der Neuen Frauenbewegung in den wissenschaftlichen Hintergrund versetzt. Natรผrlich setzt sich eine soziale Bewegung nicht im wissenschaftlichen Duktus mit den Institutionen des Staates auseinander. Durch Themen wie beispielsweise ยง218 wird der Staat mit seinen patriarchalen Strukturen und Institutionen jedoch problematisiert und in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt. Man kรถnnte sogar argumentieren, dass eine feministische Wissenschaftskritik ohne diese aktivistische Arbeit nicht mรถglich oder erschwert gewesen wรคre. Der Zusammenhang von Theorie und Praxis ist fรผr die Geschichte feministischer Wisseschaft(-skritik) unerlรคsslich.
Die Hinfรผhrung zum eigentlichen Thema ist jedoch verstรคndlich und รผbersichtlich strukturiert, sodass man nach der Lektรผre ein solides erstes Verstรคndnis der Thematik hat. Grundlage bilden drei theoretische Herangehensweisen an die Staatstheorie (marxistisch, feministisch und postrukturalistisch), die abschlieรend an Beispielen verdeutlicht werden. Besonders diese Fallbeispiele sind gut ausgewรคhlt und sorgen fรผr einen praktischen Zugang zur vorangegangenen Theorie.
Sehr gut finde ich auch das Kapitel zur Bevรถlkerungspolitik und dass das binรคre Geschlechterverstรคndnis hier aufgegriffen und als eine weitere Struktur des patriarchalen Staatsverstรคndnisses erlรคutert wird. Vor allem diesen Punkt werde ich sicherlich in meinem Gender Studies Studium erneut aufgreifen kรถnnen.