Inhalt
Pädagogische Korrespondenz
Heft 72 (2-2025): Freie Beiträge
MARKTFORSCHUNG
Lucas Joecks: Fobizz als „Schlüssel zur KI-Welt“? Wie ein Unternehmen die Integration von KI im deutschen Schulwesen prägt
ERZIEHUNG NEU
Thomas Wenzl: Regel und Moral: Über den Geist der bürgerlichen Medienerziehung
AUS WISSENSCHAFT UND LEHRE
Anke Engemann: Von der universitären Bildung zur Bildung der Universität. Bildungsphilosophisch und dekolonial informierte Perspektiven auf die Bedeutung von Fremdheit in Prozessen universitärer Vergemeinschaftung
REFORMRÜCKSCHLAG
Sascha Kabel: Draußenschulen – Innovative Pädagogik oder neue Fluchtversuche?
SALZBURGER SYMPOSION
SALZBURGER SYMPOSION I
Carsten Bünger: Zumutungen. Zum Bildungsversprechen der Demokratie
SALZBURGER SYMPOSION II
Joseph Vogl: Kapitalismus und Ressentiment
IN EIGENER SACHE I
Andreas Gruschka: Nachruf auf das Institut für Pädagogik und Gesellschaft e.V. (PuG) (im Open Access verfügbar)
IN EIGENER SACHE II
Karl-Heinz Dammer / Sieglinde Jornitz / Sascha Kabel / Marion Pollmanns: Zum Erbe des Instituts für Pädagogik und Gesellschaft (im Open Access verfügbar)
Einzelbeitrag-Download (Open Access/Gebühr): pk.budrich-journals.de
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Abstracts
Fobizz als „Schlüssel zur KI-Welt“? Wie ein Unternehmen die Integration von KI im deutschen Schulwesen prägt (Lucas Joecks)
Die Studie untersucht das Unternehmen Fobizz hinsichtlich seiner Rolle als intermediärer Akteur im Kontext der schulischen Integration von KI-Technologien in Deutschland. Im Rahmen einer governance-analytischen Plattformanalyse arbeitet der Autor heraus, inwiefern Fobizz als technologische Infrastruktur, ökonomische Plattform und pädagogischer Wissensvermittler die Einbettung und Nutzung generativer KI im Schulsystem beeinflusst. Die Analyse identifiziert drei zentrale Steuerungsstrategien: Die Etablierung von Plattformdominanz durch datenschutzkonforme Schnittstellenarchitekturen; den Aufbau einer KI-affinen und zugleich ökonomisierten Gemeinschaft schulischer Akteure; sowie die Funktionalisierung von „KI-Kritik“ als individuelle Verantwortungs- und technische Optimierungsfrage. Abschließend werden die Befunde im Hinblick auf die Notwendigkeit einer demokratischen und von ökonomischen Interessenkonflikten freien Aushandlung und Gestaltung der Rolle von KI in Schulen diskutiert. Schlagwörter: Künstliche Intelligenz, Digitalität, Plattformen, Governance, Intermediäre Akteure; Lehrerbildung; Fortbildung; Bildungsreform
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Regel und Moral: Über den Geist der bürgerlichen Medienerziehung (Thomas Wenzl)
Der Beitrag stellt einen Befund aus einem DFG-Forschungsprojekt zur familialen Medienerziehung im Kontext des ersten Smartphones von Kindern vor. Im Fokus stehen Familien der akademischen Mittelschicht, deren Medienerziehung, so eine Grundannahme des Beitrags, das Normalmodell der gegenwärtigen Medienerziehung repräsentiert. Dieses zeichnet sich durch eine spezifische Spannung zwischen Gewährung und Versagung aus: Zwar erhalten Kinder Zugang zu digitalen Medien, doch wird dieser stark reguliert, vor allem durch Regelungen zur „Medienzeit“, die das kindliche Medienkonsumbedürfnis einer rationalisierten Zeitlogik unterwirft. Darüber hinaus äußern sich Eltern der akademischen Mittelschicht erstaunlich offen abwertend über die von ihren Kindern konsumierten Medieninhalte, denen sie regelmäßig das Buch als wertvolles Medium gegenüberstellen. Dies wird als Ausdruck eines erzieherischen Bemühens verstanden, das auf eine selbstdisziplinierte bildungsorientierte Haltung bei Kindern abzielt. Damit reproduzieren sich im Medium der aktuellen Medienerziehung zentrale Elemente einer klassischen bürgerlichen Bildungsethik. Schlagwörter: Familie, Bildung, Medienerziehung, Smartphone, bürgerliche Gesellschaft
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Von der universitären Bildung zur Bildung der Universität. Bildungsphilosophisch und dekolonial informierte Perspektiven auf die Bedeutung von Fremdheit in Prozessen universitärer Vergemeinschaftung (Anke Engemann)
Universitäre Bildung umfasst über eine Transformation der Selbst- und Weltverhältnisse hinaus auch Prozesse der Bildung und Transformation von Universität als Sozial- und Wissensform. Indem der vorliegende Beitrag nach dem Zusammenhang zwischen Bildung in der Universität und einer Veränderung des geteilten Wissens über die Universität fragt, rückt er die kollektive Seite universitärer Bildung in den Blick. Dazu werden zunächst in Auseinandersetzung mit bildungstheoretischen Überlegungen Rita Casales Verhältnisse von Bildung als Begriff und Bildung als Prozess rekonstruiert. Sodann werden mit einem poststrukturalistisch und dekolonial informierten Einsatz von Denise Bergold-Caldwell Befremdungen der universitären Bedingungen diskutiert, unter denen über Bildung nachgedacht werden kann. Am Ende des Beitrags steht ein Ausblick auf den vergemeinschaftenden Zug bildungstheoretischer Arbeit. Schlagwörter: Bildungstheorie, Universität, Hochschulsozialisation, Entfremdung, Dekolonialität
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Draußenschulen – Innovative Pädagogik oder neue Fluchtversuche? (Sascha Kabel)
Der Beitrag widmet sich dem Phänomen der „Draußenschulen“. Primär Grundschulen widmen sich vermehrt Draußenschulkonzepten und orientieren sich dabei meist an skandinavischen Modellen, ohne konkrete, ausgearbeitete Konzepte zu übernehmen. Aus einer schulpädagogischen Perspektive wirft der Beitrag Schlaglichter auf wissenschaftliche Begleit- und Fundierungsversuche des Modells und spürt der (pädagogischen) Logik des Konzepts anhand zweier Fallstudien nach. Rekonstruiert werden Darstellungen des Konzepts auf Schulwebsites hinsichtlich ihrer Deutungsmuster von (alternativen Formen von) Schule und Unterricht. Die Analysen deuten darauf hin, dass der manifest vertretene Anspruch, den schulischen Handlungsrahmen zu erweitern und Unterricht nach draußen zu verlagern, latent vom Wunsch nach der Überwindung von Schule durchzogen ist. Statt um die Erweiterung didaktischer Möglichkeiten geht es um die Delegation der Vermittlungsaufgabe an die Schüler:innen. Schlagwörter: Draußenschule, Unterricht, Bildung, Outdoor Education
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Zumutungen. Zum Bildungsversprechen der Demokratie (Carsten Bünger)
Im Zusammenhang mit gegenwärtigen Krisenerscheinungen liberaler Demokratien wird in öffentlichen Debatten mitunter ein besonderer Bedarf an pädagogischen Maßnahmen und Bildungsformaten konstatiert. Der Beitrag nimmt dies zum Anlass, die Frage nach dem Verhältnis von Bildung und Demokratie zu diskutieren. Dabei wird deren Verbindung jenseits instrumenteller Auffassungen von Bildung zu bestimmen gesucht. Zunächst wird der in Fachdiskursen politischer Bildung relativ junge Topos der Demokratiebildung eingeholt, um die Problemstellung zu verdeutlichen. Der zweite Abschnitt greift demokratietheoretische Verständigungen auf und untersucht, inwiefern Demokratie die Möglichkeit von Bildung ebenso voraussetzt wie verspricht. Hervorgehoben wird, dass die besondere Konstellation von Pluralität und Konflikt die Bildungsherausforderung der Demokratie konturiert. Im dritten Schritt werden bildungstheoretische Perspektiven formuliert, die sich mit Motiven radikaler Demokratietheorie verbinden. Schlagwörter: Bildungstheorie, Demokratietheorie, Pluralität, Agonalität, politische Bildung
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Kapitalismus und Ressentiment (Joseph Vogl)
Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Aufbau neuer Unternehmensformen im digitalen Kapitalismus mit der Schwächung demokratischer Strukturen kombiniert. Die Internetindustrie wird als Erneuerung eines Finanzregimes begriffen, das sich seit den 1970er Jahren formierte und mit der Bewirtschaftung von Information eine neue Quelle der Wertschöpfung erschloss. Dabei hat die Privatisierung von Netzwerken zur Aufzucht neuer Medienkonzerne geführt, deren Geschäfte in der Aneignung von öffentlichen Infrastrukturen und in der Belieferung von Meinungsmärkten bestehen. Die damit ausgelösten Debatten über fragmentierte Öffentlichkeiten, Polarisierung und Demokratieverlust werden zum Anlass genommen, das Wechselverhältnis zwischen Wirtschaftsprozessen und Affektökonomien zu verfolgen. Dem Sozialaffekt des Ressentiments kommt dabei eine privilegierte Position zu: Im gegenwärtigen Wirtschaftssystem fungiert er als Produkt und Produktivkraft zugleich und trägt gerade mit seinen politischen und sozialen Erosionskräften zur Stabilisierung des Informationskapitalismus bei. Schlagwörter: Ressentiment, Informationskapitalismus, Demokratie, Soziale Medien, Affektökonomie
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