Verlag Barbara Budrich

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ISSN: 0173-184X

PERIPHERIE 1-2022 (Heft 165-166) | DDR postkolonial

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ISSN: 0173-184X

Inhalt

PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
1-2022 (Heft 165-166): DDR postkolonial

Editorial

Schwerpunkt
Maria Backhouse / Theo Mutter / Miriam Friz Trzeciak: Mosambikanische Vertragsarbeiter*innen in der DDR. Interview mit Madgermanes in Maputo. Mit einer Einfรผhrung von Hans-Joachim Dรถring
Johanna M. Wetzel / Marcia C. Schenck: Liebe in Zeiten der Vertragsarbeit. Rassismus, Wissen und binationale Beziehungen in der DDR und Ostdeutschland
Isabel Enzenbach: Black East & Ossis of Color. Fotografien afrikanischer Migrant:innen in der DDR
Miriam Friz Trzeciak / Manuel Peters: Urbane imperiale Differenz. Verflechtungen postkolonialer und post(real) sozialistischer Konfigurationen am Beispiel von Cottbus
Jannik Noeske: Mit Tropenhelm in Thรผringen. Rezeption und Reprรคsentation Albert Schweitzers in Weimar seit 1960
Raja-Lรฉon Hamann / Jan Daniel Schubert: Zwischen anti-imperialistischem Anspruch und politischer Wirklichkeit. Die Reproduktion kolonialrassistischer Strukturen in dem Amo-Forschungsprojekt der 1960er Jahre und der Statue โ€žFreies Afrikaโ€œ in Halle a.d. Saale
Samuel Quive / Adรฉrito Machava: Eine zerbrochene Vision? Wie Samora Machels Projekt fรผr eine Elitebildung in der DDR entgleiste
Martina Kofer: (Interkulturelle) Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft in chilenischer Exilliteratur. Versuch einer postkolonialen Lesart
Bianca Bodau: Bruderland ist abgebrannt. Ein Dokumentarfilm von Angelika Nguyen (Zur Einfรผhrung)
Angelika Nguyen: Film als Weg aus Familienproblemen. Interview mit dem Filmregisseur Duc Ngo Ngoc รผber einen Filmworkshop mit Kids aus der deutsch-vietnamesischen Community

PERIPHERIE-Stichwort
Reinhart KรถรŸler / Miriam Friz Trzeciak: Postsozialismus?
Patrice G. Poutrus: Arbeitskrรคfte fรผr den Sozialismus: Die Vertragsarbeiter*innen

Rezensionen
Theo Mutter: Birgit Neumann-Becker & Hans-Joachim Dรถring (Hg.): Fรผr Respekt und Anerkennung. Die mosambikanischen Vertragsarbeiter und das schwierige Erbe der DDR
Reinhart KรถรŸler: Eric Burton, Anne Dietrich, Immanuel R. Harisch & Marcia C. Schenck (Hg.): Navigating Socialist Encounters. Moorings and (Dis)Entanglements Between Africa and East Germany during the Cold War
Reinhart KรถรŸler: Hans-Georg Schleicher: Doppelte Zeitenwende. Der Sรผden Afrikas und Deutschlands Osten
Gerhard Hauck: Arno Sonderegger: Afrika und die Welt. Betrachtungen zur Globalgeschichte Afrikas in der Neuzeit
Reinhart KรถรŸler: Franz Halbartschlager, Andreas Obenaus & Philipp A. Sutner (Hg.): Seehandelsrouten. Wegbereiter der frรผhen Globalisierung
Fabian Fechner: Heiko Wegmann: Vom Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika zur Kolonialbewegung in Freiburg. Der Offizier und badische Veteranenfรผhrer Max Knecht (1874-1954)
Reinhart KรถรŸler: Michaela Fink & Reimer Groenemeyer: Namibiaโ€™s Children. Living Conditions and Life Chances in a Society in Crisis
Tobias Breuckmann: Annett Bochmann: Public Camp Orders and the Power of Microstructures in the Thai-Burmese Borderland
Sรถren Scholvin: Victor Bravo & Nicolas Di Sbroiavacca: Oil and Natural Gas Economy in Argentina. The Case of Fracking
Reinhart KรถรŸler: Karl Reitter: Kritik der linken Kritik am Grundeinkommen

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Publisher

ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

42. Jahrgang 2022

Edition

1 (165-166)

Date of publication

05.07.2022

Scope

248

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v42i1

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

Homepage

https://peripherie.budrich-journals.de

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Autor*innen

Keywords

Angola, Anton Wilhelm Amo, Arbeitsmigration, binationale Beziehungen, black history, Chile, Cottbus, DDR, DDR-Afrikapolitik, Dekolonisierung, Denkmal, deutsch-vietnamesische Community, deutsches koloniales Erbe, Entwicklungszusammenarbeit, Exilliteratur, Fotografie, Interkulturalitรคt, internationale Solidaritรคt, Kolonialitรคt des post(real)sozialistischen urbanen Raumes, Migration, Mosambik, Neo-Kolonialismus, Ossifizierung, Ostdeutschland, postkoloniale Erinnerung, postkoloniale Studien, Postkolonialismus, Postsozialismus, Rassismus, rassistisches Wissen, soziales Gedรคchtnis, Sozialismus, sozialistische Lรคnder, Stadtrundgรคnge, Statue, Vertragsarbeiter*innen

Abstracts

Liebe in Zeiten der Vertragsarbeit. Rassismus, Wissen und binationale Beziehungen in der DDR und Ostdeutschland (Johanna M. Wetzel, Marcia C. Schenck)
Rassismus in der DDR und den neuen deutschen Bundeslรคndern wurde und wird noch immer รผberwiegend durch einen analytischen Fokus auf die weiรŸe, ostdeutsche Mehrheitsgesellschaft erforscht. Im Vordergrund dieses Artikels stehen hier jedoch die oral histories mosambikanischer und angolanischer Vertragsarbeiter*innen, die zwischen 1978 und 1990 in der DDR arbeiteten, lebten und liebten, sowie ihrer in Ostdeutschland geborenen mixed-race-Kinder. Obwohl alltรคgliches rassistisches Wissen, Staatsinteressen und die Solidaritรคtsdoktrin binationale Beziehungen zwischen Vertragsarbeiter*innen und DDR-Bรผrger*innen einschrรคnkten, lebten sie ihre Beziehungen selbstbestimmt, nutzten Handlungsspielrรคume in ihrem Interesse aus und maรŸen ihren Beziehungen subjektive Bedeutung innerhalb ihrer eigenen, intersektionalen Wissenshorizonte bei. Die Widerstandsstrategien der zweiten Generation schlieรŸen die Suche nach dem mosambikanischen Elternteil und die Neuverhandlung der Beziehungen mit ostdeutschen Familienmitgliedern ein. Gemeinsam beleuchten die Erinnerungen beider Generationen die Wirkungsweisen rassistischen Wissens vor und nach 1990 aus einem konkreten, nicht-weiรŸen Fokus und werfen dabei neue Fragen und Herausforderungen fรผr die DDR-Rassismusforschung auf. Schlagwรถrter: Ostdeutschland, DDR, Angola, Mosambik, Vertragsarbeiter*innen, rassistisches Wissen, binationale Beziehungen
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Black East & Ossis of Color. Fotografien afrikanischer Migrant:innen in der DDR (Isabel Enzenbach)
Fotografien sind eine wichtige und bislang wenig genutzte Quelle, um migrantisches Leben in der DDR zu erforschen. Publik sind vor allem DDR-Pressefotografien, die junge Menschen aus dem Globalen Sรผden bei der Arbeit in der DDR zeigen, wobei das Land als technologisch รผberlegenes Bruderland inszeniert wird. Der Artikel zeigt und diskutiert von diesem Muster abweichende Bilder. Sie stammen aus dem Archiv der DDR-Bildagentur Zentralbild sowie aus dem im Entstehen begriffenen Archiv โ€žDe-Zentralbildโ€œ, das private Fotos von DDR-Migrant:innen und die dazugehรถrigen Erzรคhlungen zusammentrรคgt. Diskutiert werden Fotos, die Migrant:innen verschiedener afrikanischer Lรคnder abbilden. Der Artikel analysiert sie anhand der von DDR-Migrant:innen formulierten Begriffe โ€žBlack Eastโ€œ und โ€žOssis of Colorโ€œ sowie dem Konzepte eines โ€žSocialist Chormatismโ€œ. Schlagwรถrter: Migration, Fotografie, DDR, Rassismus, black history
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Urbane imperiale Differenz. Verflechtungen postkolonialer und post(real) sozialistischer Konfigurationen am Beispiel von Cottbus (Miriam Friz Trzeciak, Manuel Peters)
Der vorliegende Artikel unternimmt eine dekolonisierende Spurensuche im post(real)sozialistischen Raum Cottbus. Inspiriert durch post- und dekoloniale Stรคdteinitiativen lokalisieren wir verschiedene Erinnerungsorte in der Stadt. Wir zeigen, wie der post(real)sozialistische urbane Raum, der aus der DDR hervorgegangen ist, auf ambivalente Weise in eine koloniale Matrix eingebunden ist. Wir rekonstruieren, wie diese spezifische Kolonialitรคt/Modernitรคt zur sozialen Hierarchisierung von sozialen, รถkonomischen und epistemischen Beziehungen fรผhrte. Die ambivalente Positionierung der DDR, die einerseits koloniale Machtverhรคltnisse fortsetzte, diesen gleichzeitig entgegentrat sowie selbst von Prozessen der Abwertung betroffen war, konzeptualisieren wir als urbane imperiale Differenz. Wir argumentieren, dass die Aufarbeitung der Prozesse von Rassialisierung im (real)sozialistischen urbanen Raum wichtig ist, um gegenwรคrtige rechtsextreme, zuwanderungsfeindliche und rassistische Bewegungen besser verstehen zu kรถnnen. Schlagwรถrter: Postkolonialismus, Postsozialismus, Kolonialitรคt des post(real)sozialistischen urbanen Raumes, Cottbus, Rassismus, Ossifizierung, Migration, Stadtrundgรคnge
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Mit Tropenhelm in Thรผringen. Rezeption und Reprรคsentation Albert Schweitzers in Weimar seit 1960 (Jannik Noeske)
Das Albert-Schweitzer-Denkmal in Weimar wurde 1968 aufgestellt und gilt als weltweit erstes Denkmal zu Ehren des Arztes, Theologen und Pazifisten (1875-1965), der durch sein Wirken in Lambarรฉnรฉ (Gabun) weltweit berรผhmt geworden ist. Das Denkmal ist Ausdruck einer spezifischen Begeisterung und Unterstรผtzung fรผr Albert Schweitzer in der DDR. Diese war gut organisiert und staatlich verankert. Insbesondere die Block-CDU und ihr Vorsitzender Gerald Gรถtting bemรผhten sich um die Popularisierung Schweitzers in der DDR. Das Denkmal des Bildhauers Gerhard Geyer von 1968 allerdings kann im Lichte seiner rassifizierenden Bildsprache als Teil einer kolonialistischen Ikonographie in der Schweitzer-Rezeption gewertet werden. Diese ist allerdings kein spezifisch ostdeutsches Phรคnomen. In Weimar, einem Schaufenster des Staatssozialismus, finden das Denkmal und eine Albert-Schweitzer-Gedenkstรคtte einen erinnerungspolitischen Kontext, der sich bis heute im Kern erhalten hat. Gleichwohl ist das Wissen รผber die Geschichte der Schweitzer-Rezeption in Weimar und in der DDR weitestgehend begrenzt. Schlagwรถrter: postkoloniale Erinnerung, soziales Gedรคchtnis, Denkmal, Statue, internationale Solidaritรคt, DDR
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Zwischen anti-imperialistischem Anspruch und politischer Wirklichkeit. Die Reproduktion kolonialrassistischer Strukturen in dem Amo-Forschungsprojekt der 1960er Jahre und der Statue โ€žFreies Afrikaโ€œ in Halle a.d. Saale (Raja-Lรฉon Hamann, Jan Daniel Schubert)
Debatten um Kolonialitรคt haben sich in der Vergangenheit zumeist ausschlieรŸlich auf die Kontinuitรคten westlicher Kolonialismen und Imperialismen konzentriert. Dies trifft, wenn auch in unterschiedlicher Weise, sowohl auf postkoloniale als auch auf dekoloniale Diskurse zu. Ausgehend von einer Kritik der Vernachlรคssigung nicht-westlicher Kolonialismen sind in den letzten Jahren jedoch vermehrt Ansรคtze entwickelt worden, die post- und dekoloniale mit postsozialistischen Perspektiven verbinden. Das Anliegen dieses Artikels ist es, diese Debatten fรผr den Kontext der (ehemaligen) DDR fruchtbar zu machen und mit Hilfe der daraus gewonnen Einsichten eine kritische Untersuchung der diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und der Republik Ghana unter Kwame Nkrumah vorzunehmen. Unsere konkreten empirischen Bezugspunkte sind das in den 1960er Jahren verfolgte Forschungsprojekt an der Universitรคt Halle-Wittenberg zum Schwarzen Aufklรคrungsphilosophen Anton Wilhelm Amo sowie die im gleichen Kontext geschaffene und noch heute im รถffentlichen Raum der Stadt Halle a.d. Saale befindliche Plastik โ€žFreies Afrikaโ€œ. Die Analyse dieser Phรคnomene offenbart die Ambivalenz sozialistischer kolonialer Logiken, die den Annรคherungen zwischen der DDR und Ghana eingeschrieben waren. Schlagwรถrter: Dekolonisierung, Postsozialismus, DDR-Afrikapolitik, deutsches koloniales Erbe, Anton Wilhelm Amo
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Eine zerbrochene Vision? Wie Samora Machels Projekt fรผr eine Elitebildung in der DDR entgleiste (Samuel Quive, Adรฉrito Machava)
Der Artikel analysiert die geopolitische und strategische Dynamik der Kooperation zwischen der Volksrepublik Mosambik und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Bereich Erziehung und Ausbildung im Kontext des Staats- und Freundschaftsvertrags vom Februar 1979. Wichtiger Teil dieses Abkommens war die Grรผndung der Schule der Freundschaft in StaรŸfurt bei Magdeburg. Der Beitrag diskutiert, inwieweit die heutige Staatspartei FRELIMO (Frente de Libertaรงรฃo de Moรงambique) und der damalige Prรคsident Samora Machel ihre Vision verwirklichen konnten, durch die Schaffung des โ€žNeuen Menschenโ€œ eine marxistisch-leninistisch geprรคgte sozialistische Gesellschaft und einen Einparteienstaat unter FRELIMO zu etablieren. Teil dieses Projekts war es, das politische und ideologische Modell der DDR zu รผbernehmen und gleichzeitig die enormen Staatschulden bei der DDR zu bezahlen. Ein starkes Interesse der deutschen Seite war neben dem Bestreben nach internationaler Anerkennung die wirtschaftliche Zusammenarbeit, welche die Lieferung von Rohstoffen und von Arbeitskrรคften beinhaltete. Mit den politisch-ideologischen Verรคnderungen in Mosambik aufgrund zahlreicher interner und externer Einflussfaktoren sowie mit Machels Tod 1986 verlor das Projekt seine Bedeutung. So gab es keinen Plan fรผr die Integration der zurรผckgekehrten Absolvent*innen aus der DDR. Die meisten wurden direkt zum Militรคr eingezogen und endeten spรคter frustriert in der Arbeitslosigkeit. Letztendlich ist Machels Projekt gescheitert. Schlagwรถrter: Mosambik, DDR, Entwicklungszusammenarbeit, Neo-Kolonialismus, Arbeitsmigration, Sozialistische Lรคnder
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(Interkulturelle) Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft in chilenischer Exilliteratur Versuch einer postkolonialen Lesart (Martina Kofer)
Im Zuge des Militรคrputschs am 11. September 1973 in Chile fanden ca. 2000 Chilen*innen in der DDR Asyl. Die Aufnahme der Flรผchtlinge war dabei sowohl auรŸen- als auch innenpolitisch von Bedeutung, da sie die Solidaritรคt der DDR mit den sozialistischen Genoss*innen explizit symbolisieren sollte. Von den ca. 70 emigrierten chilenischen Kรผnstler*innen konnten sich einige trotz strenger staatlicher Kontrolle durch staatliche Hilfen weiterhin ihrem kรผnstlerischen Schaffen widmen. Wรคhrend des Exils in der DDR entstanden dabei auch Texte, in denen die eigenen Exilerfahrungen literarisch thematisiert wurden und in denen es nicht nur um die Verarbeitung von Gefรผhlen wie Verlust, Trauer und Einsamkeit ging, sondern auch um interkulturelle Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft und die Wahrnehmung der โ€žanderenโ€œ Kultur aus der Perspektive der exilierten Figuren. So verรถffentlichte Omar Saavedra Santis den Roman Blonder Tango (1982) oder Roberto Ampuero Espinoza den Erzรคhlband Ein Kรคnguruh in Bernau (1984). Bisher wurden diese Texte zumeist unter politisch-ideologischen Gesichtspunkten analysiert. Der Beitrag analysiert sie hingegen aus einer postkolonialen Perspektive und fragt nach Erfahrungen mit einem weiรŸ-europรคischen รœberlegenheitsdenken, Prozeduren des othering oder auch Prozessen der kulturellen Hybridisierung der Figuren wรคhrend des Exils. Schlagwรถrter: Exilliteratur, DDR, Postkoloniale Studien, Interkulturalitรคt, Chile
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PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
1-2022 (Heft 165-166): DDR postkolonial

Editorial

Schwerpunkt
Maria Backhouse / Theo Mutter / Miriam Friz Trzeciak: Mosambikanische Vertragsarbeiter*innen in der DDR. Interview mit Madgermanes in Maputo. Mit einer Einfรผhrung von Hans-Joachim Dรถring
Johanna M. Wetzel / Marcia C. Schenck: Liebe in Zeiten der Vertragsarbeit. Rassismus, Wissen und binationale Beziehungen in der DDR und Ostdeutschland
Isabel Enzenbach: Black East & Ossis of Color. Fotografien afrikanischer Migrant:innen in der DDR
Miriam Friz Trzeciak / Manuel Peters: Urbane imperiale Differenz. Verflechtungen postkolonialer und post(real) sozialistischer Konfigurationen am Beispiel von Cottbus
Jannik Noeske: Mit Tropenhelm in Thรผringen. Rezeption und Reprรคsentation Albert Schweitzers in Weimar seit 1960
Raja-Lรฉon Hamann / Jan Daniel Schubert: Zwischen anti-imperialistischem Anspruch und politischer Wirklichkeit. Die Reproduktion kolonialrassistischer Strukturen in dem Amo-Forschungsprojekt der 1960er Jahre und der Statue โ€žFreies Afrikaโ€œ in Halle a.d. Saale
Samuel Quive / Adรฉrito Machava: Eine zerbrochene Vision? Wie Samora Machels Projekt fรผr eine Elitebildung in der DDR entgleiste
Martina Kofer: (Interkulturelle) Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft in chilenischer Exilliteratur. Versuch einer postkolonialen Lesart
Bianca Bodau: Bruderland ist abgebrannt. Ein Dokumentarfilm von Angelika Nguyen (Zur Einfรผhrung)
Angelika Nguyen: Film als Weg aus Familienproblemen. Interview mit dem Filmregisseur Duc Ngo Ngoc รผber einen Filmworkshop mit Kids aus der deutsch-vietnamesischen Community

PERIPHERIE-Stichwort
Reinhart KรถรŸler / Miriam Friz Trzeciak: Postsozialismus?
Patrice G. Poutrus: Arbeitskrรคfte fรผr den Sozialismus: Die Vertragsarbeiter*innen

Rezensionen
Theo Mutter: Birgit Neumann-Becker & Hans-Joachim Dรถring (Hg.): Fรผr Respekt und Anerkennung. Die mosambikanischen Vertragsarbeiter und das schwierige Erbe der DDR
Reinhart KรถรŸler: Eric Burton, Anne Dietrich, Immanuel R. Harisch & Marcia C. Schenck (Hg.): Navigating Socialist Encounters. Moorings and (Dis)Entanglements Between Africa and East Germany during the Cold War
Reinhart KรถรŸler: Hans-Georg Schleicher: Doppelte Zeitenwende. Der Sรผden Afrikas und Deutschlands Osten
Gerhard Hauck: Arno Sonderegger: Afrika und die Welt. Betrachtungen zur Globalgeschichte Afrikas in der Neuzeit
Reinhart KรถรŸler: Franz Halbartschlager, Andreas Obenaus & Philipp A. Sutner (Hg.): Seehandelsrouten. Wegbereiter der frรผhen Globalisierung
Fabian Fechner: Heiko Wegmann: Vom Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika zur Kolonialbewegung in Freiburg. Der Offizier und badische Veteranenfรผhrer Max Knecht (1874-1954)
Reinhart KรถรŸler: Michaela Fink & Reimer Groenemeyer: Namibiaโ€™s Children. Living Conditions and Life Chances in a Society in Crisis
Tobias Breuckmann: Annett Bochmann: Public Camp Orders and the Power of Microstructures in the Thai-Burmese Borderland
Sรถren Scholvin: Victor Bravo & Nicolas Di Sbroiavacca: Oil and Natural Gas Economy in Argentina. The Case of Fracking
Reinhart KรถรŸler: Karl Reitter: Kritik der linken Kritik am Grundeinkommen

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ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

42. Jahrgang 2022

Edition

1 (165-166)

Date of publication

05.07.2022

Scope

248

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v42i1

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

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Liebe in Zeiten der Vertragsarbeit. Rassismus, Wissen und binationale Beziehungen in der DDR und Ostdeutschland (Johanna M. Wetzel, Marcia C. Schenck)
Rassismus in der DDR und den neuen deutschen Bundeslรคndern wurde und wird noch immer รผberwiegend durch einen analytischen Fokus auf die weiรŸe, ostdeutsche Mehrheitsgesellschaft erforscht. Im Vordergrund dieses Artikels stehen hier jedoch die oral histories mosambikanischer und angolanischer Vertragsarbeiter*innen, die zwischen 1978 und 1990 in der DDR arbeiteten, lebten und liebten, sowie ihrer in Ostdeutschland geborenen mixed-race-Kinder. Obwohl alltรคgliches rassistisches Wissen, Staatsinteressen und die Solidaritรคtsdoktrin binationale Beziehungen zwischen Vertragsarbeiter*innen und DDR-Bรผrger*innen einschrรคnkten, lebten sie ihre Beziehungen selbstbestimmt, nutzten Handlungsspielrรคume in ihrem Interesse aus und maรŸen ihren Beziehungen subjektive Bedeutung innerhalb ihrer eigenen, intersektionalen Wissenshorizonte bei. Die Widerstandsstrategien der zweiten Generation schlieรŸen die Suche nach dem mosambikanischen Elternteil und die Neuverhandlung der Beziehungen mit ostdeutschen Familienmitgliedern ein. Gemeinsam beleuchten die Erinnerungen beider Generationen die Wirkungsweisen rassistischen Wissens vor und nach 1990 aus einem konkreten, nicht-weiรŸen Fokus und werfen dabei neue Fragen und Herausforderungen fรผr die DDR-Rassismusforschung auf. Schlagwรถrter: Ostdeutschland, DDR, Angola, Mosambik, Vertragsarbeiter*innen, rassistisches Wissen, binationale Beziehungen
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Black East & Ossis of Color. Fotografien afrikanischer Migrant:innen in der DDR (Isabel Enzenbach)
Fotografien sind eine wichtige und bislang wenig genutzte Quelle, um migrantisches Leben in der DDR zu erforschen. Publik sind vor allem DDR-Pressefotografien, die junge Menschen aus dem Globalen Sรผden bei der Arbeit in der DDR zeigen, wobei das Land als technologisch รผberlegenes Bruderland inszeniert wird. Der Artikel zeigt und diskutiert von diesem Muster abweichende Bilder. Sie stammen aus dem Archiv der DDR-Bildagentur Zentralbild sowie aus dem im Entstehen begriffenen Archiv โ€žDe-Zentralbildโ€œ, das private Fotos von DDR-Migrant:innen und die dazugehรถrigen Erzรคhlungen zusammentrรคgt. Diskutiert werden Fotos, die Migrant:innen verschiedener afrikanischer Lรคnder abbilden. Der Artikel analysiert sie anhand der von DDR-Migrant:innen formulierten Begriffe โ€žBlack Eastโ€œ und โ€žOssis of Colorโ€œ sowie dem Konzepte eines โ€žSocialist Chormatismโ€œ. Schlagwรถrter: Migration, Fotografie, DDR, Rassismus, black history
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Urbane imperiale Differenz. Verflechtungen postkolonialer und post(real) sozialistischer Konfigurationen am Beispiel von Cottbus (Miriam Friz Trzeciak, Manuel Peters)
Der vorliegende Artikel unternimmt eine dekolonisierende Spurensuche im post(real)sozialistischen Raum Cottbus. Inspiriert durch post- und dekoloniale Stรคdteinitiativen lokalisieren wir verschiedene Erinnerungsorte in der Stadt. Wir zeigen, wie der post(real)sozialistische urbane Raum, der aus der DDR hervorgegangen ist, auf ambivalente Weise in eine koloniale Matrix eingebunden ist. Wir rekonstruieren, wie diese spezifische Kolonialitรคt/Modernitรคt zur sozialen Hierarchisierung von sozialen, รถkonomischen und epistemischen Beziehungen fรผhrte. Die ambivalente Positionierung der DDR, die einerseits koloniale Machtverhรคltnisse fortsetzte, diesen gleichzeitig entgegentrat sowie selbst von Prozessen der Abwertung betroffen war, konzeptualisieren wir als urbane imperiale Differenz. Wir argumentieren, dass die Aufarbeitung der Prozesse von Rassialisierung im (real)sozialistischen urbanen Raum wichtig ist, um gegenwรคrtige rechtsextreme, zuwanderungsfeindliche und rassistische Bewegungen besser verstehen zu kรถnnen. Schlagwรถrter: Postkolonialismus, Postsozialismus, Kolonialitรคt des post(real)sozialistischen urbanen Raumes, Cottbus, Rassismus, Ossifizierung, Migration, Stadtrundgรคnge
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Mit Tropenhelm in Thรผringen. Rezeption und Reprรคsentation Albert Schweitzers in Weimar seit 1960 (Jannik Noeske)
Das Albert-Schweitzer-Denkmal in Weimar wurde 1968 aufgestellt und gilt als weltweit erstes Denkmal zu Ehren des Arztes, Theologen und Pazifisten (1875-1965), der durch sein Wirken in Lambarรฉnรฉ (Gabun) weltweit berรผhmt geworden ist. Das Denkmal ist Ausdruck einer spezifischen Begeisterung und Unterstรผtzung fรผr Albert Schweitzer in der DDR. Diese war gut organisiert und staatlich verankert. Insbesondere die Block-CDU und ihr Vorsitzender Gerald Gรถtting bemรผhten sich um die Popularisierung Schweitzers in der DDR. Das Denkmal des Bildhauers Gerhard Geyer von 1968 allerdings kann im Lichte seiner rassifizierenden Bildsprache als Teil einer kolonialistischen Ikonographie in der Schweitzer-Rezeption gewertet werden. Diese ist allerdings kein spezifisch ostdeutsches Phรคnomen. In Weimar, einem Schaufenster des Staatssozialismus, finden das Denkmal und eine Albert-Schweitzer-Gedenkstรคtte einen erinnerungspolitischen Kontext, der sich bis heute im Kern erhalten hat. Gleichwohl ist das Wissen รผber die Geschichte der Schweitzer-Rezeption in Weimar und in der DDR weitestgehend begrenzt. Schlagwรถrter: postkoloniale Erinnerung, soziales Gedรคchtnis, Denkmal, Statue, internationale Solidaritรคt, DDR
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Zwischen anti-imperialistischem Anspruch und politischer Wirklichkeit. Die Reproduktion kolonialrassistischer Strukturen in dem Amo-Forschungsprojekt der 1960er Jahre und der Statue โ€žFreies Afrikaโ€œ in Halle a.d. Saale (Raja-Lรฉon Hamann, Jan Daniel Schubert)
Debatten um Kolonialitรคt haben sich in der Vergangenheit zumeist ausschlieรŸlich auf die Kontinuitรคten westlicher Kolonialismen und Imperialismen konzentriert. Dies trifft, wenn auch in unterschiedlicher Weise, sowohl auf postkoloniale als auch auf dekoloniale Diskurse zu. Ausgehend von einer Kritik der Vernachlรคssigung nicht-westlicher Kolonialismen sind in den letzten Jahren jedoch vermehrt Ansรคtze entwickelt worden, die post- und dekoloniale mit postsozialistischen Perspektiven verbinden. Das Anliegen dieses Artikels ist es, diese Debatten fรผr den Kontext der (ehemaligen) DDR fruchtbar zu machen und mit Hilfe der daraus gewonnen Einsichten eine kritische Untersuchung der diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und der Republik Ghana unter Kwame Nkrumah vorzunehmen. Unsere konkreten empirischen Bezugspunkte sind das in den 1960er Jahren verfolgte Forschungsprojekt an der Universitรคt Halle-Wittenberg zum Schwarzen Aufklรคrungsphilosophen Anton Wilhelm Amo sowie die im gleichen Kontext geschaffene und noch heute im รถffentlichen Raum der Stadt Halle a.d. Saale befindliche Plastik โ€žFreies Afrikaโ€œ. Die Analyse dieser Phรคnomene offenbart die Ambivalenz sozialistischer kolonialer Logiken, die den Annรคherungen zwischen der DDR und Ghana eingeschrieben waren. Schlagwรถrter: Dekolonisierung, Postsozialismus, DDR-Afrikapolitik, deutsches koloniales Erbe, Anton Wilhelm Amo
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Eine zerbrochene Vision? Wie Samora Machels Projekt fรผr eine Elitebildung in der DDR entgleiste (Samuel Quive, Adรฉrito Machava)
Der Artikel analysiert die geopolitische und strategische Dynamik der Kooperation zwischen der Volksrepublik Mosambik und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Bereich Erziehung und Ausbildung im Kontext des Staats- und Freundschaftsvertrags vom Februar 1979. Wichtiger Teil dieses Abkommens war die Grรผndung der Schule der Freundschaft in StaรŸfurt bei Magdeburg. Der Beitrag diskutiert, inwieweit die heutige Staatspartei FRELIMO (Frente de Libertaรงรฃo de Moรงambique) und der damalige Prรคsident Samora Machel ihre Vision verwirklichen konnten, durch die Schaffung des โ€žNeuen Menschenโ€œ eine marxistisch-leninistisch geprรคgte sozialistische Gesellschaft und einen Einparteienstaat unter FRELIMO zu etablieren. Teil dieses Projekts war es, das politische und ideologische Modell der DDR zu รผbernehmen und gleichzeitig die enormen Staatschulden bei der DDR zu bezahlen. Ein starkes Interesse der deutschen Seite war neben dem Bestreben nach internationaler Anerkennung die wirtschaftliche Zusammenarbeit, welche die Lieferung von Rohstoffen und von Arbeitskrรคften beinhaltete. Mit den politisch-ideologischen Verรคnderungen in Mosambik aufgrund zahlreicher interner und externer Einflussfaktoren sowie mit Machels Tod 1986 verlor das Projekt seine Bedeutung. So gab es keinen Plan fรผr die Integration der zurรผckgekehrten Absolvent*innen aus der DDR. Die meisten wurden direkt zum Militรคr eingezogen und endeten spรคter frustriert in der Arbeitslosigkeit. Letztendlich ist Machels Projekt gescheitert. Schlagwรถrter: Mosambik, DDR, Entwicklungszusammenarbeit, Neo-Kolonialismus, Arbeitsmigration, Sozialistische Lรคnder
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(Interkulturelle) Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft in chilenischer Exilliteratur Versuch einer postkolonialen Lesart (Martina Kofer)
Im Zuge des Militรคrputschs am 11. September 1973 in Chile fanden ca. 2000 Chilen*innen in der DDR Asyl. Die Aufnahme der Flรผchtlinge war dabei sowohl auรŸen- als auch innenpolitisch von Bedeutung, da sie die Solidaritรคt der DDR mit den sozialistischen Genoss*innen explizit symbolisieren sollte. Von den ca. 70 emigrierten chilenischen Kรผnstler*innen konnten sich einige trotz strenger staatlicher Kontrolle durch staatliche Hilfen weiterhin ihrem kรผnstlerischen Schaffen widmen. Wรคhrend des Exils in der DDR entstanden dabei auch Texte, in denen die eigenen Exilerfahrungen literarisch thematisiert wurden und in denen es nicht nur um die Verarbeitung von Gefรผhlen wie Verlust, Trauer und Einsamkeit ging, sondern auch um interkulturelle Begegnungen mit der DDR-Gesellschaft und die Wahrnehmung der โ€žanderenโ€œ Kultur aus der Perspektive der exilierten Figuren. So verรถffentlichte Omar Saavedra Santis den Roman Blonder Tango (1982) oder Roberto Ampuero Espinoza den Erzรคhlband Ein Kรคnguruh in Bernau (1984). Bisher wurden diese Texte zumeist unter politisch-ideologischen Gesichtspunkten analysiert. Der Beitrag analysiert sie hingegen aus einer postkolonialen Perspektive und fragt nach Erfahrungen mit einem weiรŸ-europรคischen รœberlegenheitsdenken, Prozeduren des othering oder auch Prozessen der kulturellen Hybridisierung der Figuren wรคhrend des Exils. Schlagwรถrter: Exilliteratur, DDR, Postkoloniale Studien, Interkulturalitรคt, Chile
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