Beschreibung
Rechte Parteien haben in den letzten 45 Jahren auf europรคischer Ebene an Zuspruch gewonnen: Bei den Wahlen zum Europรคischen Parlament von 1979 bis 2024 ist ein steiler Aufstieg der Rechtsauรenparteien zu beobachten. Die Analyse behandelt den genauen Verlauf der dramatischen Rechtsentwicklung, die Ergebnisse der rechtsextremen und rechtskonservativen Parteien bei den einzelnen Wahlen, insbesondere die Anzahl, die Stรคrke, den Herkunftsstaat und die Ideologie der erfolgreichen Parteien. Der Autor identifiziert globale Ursachen fรผr den Rechtstrend und diskutiert, wie groร das Potenzial dieser Parteien ist, die Demokratie und die Einigung Europas zu stรถren.
In dieser Studie wird die Entwicklung der rechtsextremen und der rechtskonservativen Parteien von der ersten Direktwahl des Europaparlaments 1979 bis zur letzten Wahl 2024 untersucht. In diesen 45 Jahren fand ein dramatischer Rechtstrend statt: Besetzten Rechtsauรenparteien 1979 gerade einmal ein Prozent der Parlamentssitze, waren es 2024 bereits 25 Prozent. Die Parlamentarier am rechten Rand verteilen sich derzeit zwar auf drei Fraktionen und die Fraktionslosen, verfรผgen zusammengenommen aber รผber genauso viele Abgeordnete wie die grรถรte Fraktion im Europaparlament, die Europรคische Volkspartei (EVP). Nachdem das Erkenntnisinteresse der Studie erlรคutert, die maรgeblichen Begriffe der Untersuchung entwickelt und die drei Parteitypen (rechtskonservative, gemรครigt rechtsextreme und orthodox rechtsextreme Parteien) definiert worden sind, werden zunรคchst die wenig erfolgreichen Bemรผhungen um eine internationale Vernetzung des Rechtsextremismus in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird dann den globalen Ursachen fรผr die Wahlerfolge der Rechtsauรenparteien seit den 1980er-Jahren zuteil: ihren ideologisch-programmatischen Bemรผhungen, sich den verรคnderten nationalen und internationalen Rahmenbedingungen anzupassen und sich auf den direkten politischen Wettbewerb mit den etablierten Parteien einzulassen. Auf die eher deskriptiven Einzelbetrachtungen der zehn Europawahlen folgen systematische Querschnittsanalysen รผber den genauen Verlauf der Rechtsentwicklung, รผber die Ideologie und den Beitrag der einzelnen Parteitypen fรผr diese Entwicklung, รผber die Zusammensetzung der Familie der Rechtsauรenparteien, รผber die Belastung der Mitgliedsstaaten mit in Europa erfolgreichen Rechtsauรenparteien und schlieรlich รผber deren Mรถglichkeiten, die Entscheidungen des Europaparlaments zu beeinflussen.ย ย Der Autor vertritt die Auffassung, dass die Brandmauer gegen rechtsextreme und rechtskonservative Parteien unnachgiebig verteidigt und im Europaparlament auf eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit allen Rechtsauรenparteien verzichtet werden sollte, denn diese Parteien richten sich nicht nur gegen die Menschenrechte und den demokratischen Verfassungsstaat, sie bilden zudem ein betrรคchtliches Stรถrpotenzial fรผr den demokratischen Willensbildungsprozess im Parlament und fรผr die Entwicklung eines starken und handlungsfรคhigen Europas.
Der Autor:
Prof. Dr. Richard Stรถss, apl. Prof. fรผr Politische Wissenschaft am Fachbereich Politik und Sozialwissenschaften der Freien Universitรคt Berlin, im Ruhestand
Subjects:
Politik, Soziologie







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