Inhalt
Femina Politica โ Zeitschrift fรผr feministische Politikwissenschaft
2-2023: Trans* Ungleichzeitigkeiten und Trans*Feminismen
Schwerpunkt
Zoe* Steinsberger / Gundula Ludwig: Trans* Ungleichzeitigkeiten โ Potenziale trans*feministischer Gesellschaftstheorie. Eine Einleitung
Eric Llaveria Caselles: Beyond the Incongruence of Gender Identity. Expanding the Political-Theoretical Imaginary of Trans Studies
Jonah I. Garde / Yv E. Nay: Menschenrechte, โbiologische Faktenโ und binรคre Geschlechter: Koloniale Geschichten der transantagonistischen Gegenwart
Annette Vanagas: (Trans-)Femina Politica? โ oder die Frage nach feministischer Solidaritรคt. Der medial inszenierte identitรคtspolitische Diskurs um das Selbstbestimmungsgesetz
Mascha Linke: Reproduzierende Transitionen, transitionierende Reproduktionen: eine trans-materialistische Auseinandersetzung
Kilian Schmidt: โWhat Should Have Been, But Sadly Wasnโtโ. Commoning HIV/AIDS History in โPoseโ
Adrian de Silva: Zu den wechselseitigen Effekten von Regierungshandeln und transpolitischem Ringen um eine Reform des Transsexuellenrechts in der Bundesrepublik Deutschland (Arbeitstitel)
Robin Bauer / Utan Schirmer: Nachruf auf Dr. Adrian de Silva (1966-2023)
Forum
Olga Plakhotnik / Marya Mayerchyk: What is Guarded in Toilets? On Transphobia, Citizenship and Militarisation
Olga Shaparaga: Die belarusische feministische Bewegung zwischen der Revolution und Krieg (2020-2023)
Julia Nennstiel: Feministischer Pazifismus und Antimilitarismus in der Friedens- und Konfliktforschung: ein รberblick
Tagespolitik
Petra Ahrens / Sabine Lang: Reform des Bundestagswahlrechts 2023: ein Abgesang auf Geschlechterparitรคt?
Julia Habermann: Angemessenere Bestrafung geschlechtsbasierter Gewalt? Zur Aufnahme geschlechtsspezifischer Beweggrรผnde in die Grundsรคtze der Strafzumessung (ยง 46 StGB)
Diba Mirzaei: Giftanschlรคge an iranischen Mรคdchenschulen: Wann sind Frauen sicher?
Jana Belschner: Frauenrechte auf dem Rรผckzug? Ein feministischer Blick auf die Auswirkungen der politischen Entwicklungen in Tunesien
Lehre und Forschung
Kurznachrichten
Lisa Mense: Multidimensionale Geschlechterungleichheiten im Mittelbau
Bontu Lucie Guschke: Belรคstigung und Diskriminierung als normal(isiert)er Teil des Hochschularbeitsalltags? Ein Einblick in Forschung zu Sexismus und Rassismus an Universitรคten
Rezensionen
Brigitte Temel: Autor*innenkollektiv Biwi Kefempom: Femi(ni)zide. Kollektiv patriarchale Gewalt bekรคmpfen
Lรญvia de Souza Lima: Dinah K. Leschzyk: Antiqueere Rhetorik. Wie die Bolsonaros in Brasilien ein Feindbild LGBTIQ* konstruieren
Gundula Ludwig: Susanne Schultz: Die Politik des Kinderkriegens. Zur Kritik demografischer Regierungsstrategien
Clarissa Rudolph: Henrike Bloemen, Christiane Bomert, Stephanie Dziuba-Kaiser, Mareike Gebhardt (Hg.): Machtverhรคltnisse. Kritische Perspektiven auf Geschlecht und Gesellschaft
Jana Gรผnther: Karin Aleksander, Ulrike E. Auga, Elisaveta Dvorakk, Kathleen Heft, Gabriele: Jรคhnert, Heike Schimkat (Hg.): Feministische Visionen vor und nach 1989. Geschlecht, Medien und Aktivismen in der DDR, BRD und im รถstlichen Europa
Barbara Thiessen: Louise Toupin: Lohn fรผr Hausarbeit. Chronik eines internationalen Frauenkampfs
Friederike Beier: Lisa Yashodhara Haller, Alicia Schlender (Hg.): Feministische Perspektiven auf Elternschaft
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Abstracts
Beyond the Incongruence of Gender Identity. Expanding the Political-Theoretical Imaginary of Trans Studies (Eric Llaveria Caselles)
This article seeks to reclaim Trans Studies as a space for political-theoretical practice committed to radical social transformation from its current state of superficiality and frustration. In a first step, the article proposes a critique of the โgender identityโ paradigm as a unique and fundamental contribution by Trans Studies scholarship, which exposes how the framework of โgender identityโ reproduces forms of othering, reductionism and coloniality. Building on this critique, the centrality of โgender identityโ as an analytical category in current Trans Studies writing becomes problematic and in need of explanation. In a second step, the article critically interrogates the impact of a liberal transgender rights project and its strategic notion of โgender identityโ on Trans Studies scholarship. It argues for the necessity to open up the political-theoretical imaginary of Trans Studies, explicitly including Marxist-feminist currents. The article finally proposes three political-theoretical commitments for Trans Studies. Keywords: Transgender, Gender identity, Gender theory, Epistemology
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Menschenrechte, โbiologische Faktenโ und binรคre Geschlechter: Koloniale Geschichten der transantagonistischen Gegenwart (Jonah I. Garde, Yv E. Nay)
Zeitgenรถssische transantagonistische Diskurse beziehen sich hรคufig auf eine Theorie der โbiologischen Zweigeschlechtlichkeitโ des Menschen, um gegen die Rechte von trans* Personen zu argumentieren. In unserem Beitrag zeichnen wir die historischen Konturen und koloniale Verfasstheit dieser Debatte nach und schlagen vor, die aktuellen Aushandlungen darรผber, wer Geschlecht definieren darf und auf welcher Grundlage diese Definition beruhen soll, als eine Fortfรผhrung der Kรคmpfe um die Kategorie โMenschโ zu verstehen. Schlagworte: Zweigeschlechtlichkeit, Transgender, Menschenrechte, Kolonialismus
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(Trans-)Femina Politica? โ oder die Frage nach feministischer Solidaritรคt. Der medial inszenierte identitรคtspolitische Diskurs um das Selbstbestimmungsgesetz (Annette Vanagas)
Der Beitrag behandelt die gesetzliche Neuordnung des deutschen Personenstandwechsels und damit verbundene mediale Diskurse um das Geschlechterwissen. Ausgehend von dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz werden im medialen Diskurs vor allem identitรคtspolitische Stimmen aus cisfeministischer und schwul-lesbischer Positionierung prรคsent, die sich fรผr ein biologistisches Geschlechterwissen einsetzen, das Geschlecht als binรคr und unverรคnderlich an kรถrperlichen Markern feststellbar versteht. Die aus dem medialen Diskurs hervorgehenden Desinformationskampagnen erzeugen ein transnegatives Klima und eine moralische Panik. Der Critical Cisness Ansatz soll abschlieรend unterstรผtzen, die transnegativen Inhalte und dadurch erzeugte รngste kritisch zu reflektieren. Schlagworte: Transgeschlechtlichkeit, Selbstbestimmungsgesetz, Identitรคtspolitik
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Reproduzierende Transitionen, transitionierende Reproduktionen: eine trans-materialistische Auseinandersetzung (Mascha Linke)
Im Zusammenhang mit trans und insbesondere medizinisch transitionierenden Menschen wird deutlich, dass sich Reproduktion nicht nur auf Aspekte der Fortpflanzung bezieht, sondern ebenso Fragen von Lebensentwรผrfen und Zugรคngen zu Ressourcen umfasst, die staatlich reguliert und kontrolliert werden. Ausgehend von reproduktiven Rechten von trans Personen zielt dieser Aufsatz auf eine Theoretisierung von sozialen Machtverhรคltnissen im Kontext von Transfeindlichkeit und Cissexismen ab, um Reproduktion in ihrer transitionierenden Vielfรคltigkeit zu fassen. Ein marxistisch-feministischer Reproduktionsbegriff wird erweitert, um trans Realitรคten theoretisch zu integrieren. Die theoretische Argumentation erfolgt entlang der Videoperformance โPregnancyโ der trans Kรผnstlerin of Color micha cรกrdenas, die Gatekeeping und erzwungene Handlungsmaรnahmen transitionierender Personen innerhalb kapitalistischer Gesundheitsversorgungen verdeutlicht. Es wird argumentiert, dass die Reproduktion von Transfeindlichkeiten und Cissexismen intrinsische Verschrรคnkungen zu weiteren Ausschlรผssen beinhaltet, die den Grundlagen kapitalistischer Gesellschaften innewohnen. Schlagworte: Reproduktion, Trans, Marx, Materialistischer Queer-Feminismus
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โWhat Should Have Been, But Sadly Wasnโtโ. Commoning HIV/AIDS History in โPoseโ (Kilian Schmidt)
Among the many (hi-)stories referenced in the streaming series Pose is an infamous public protest by the AIDS Coalition to Unleash Power (ACT UP) where they inflated a large condom-shaped balloon over a US-senatorโs house in 1991 to advocate against the stigmatization of people with HIV/AIDS. The bodies in action in Poseโs iteration in contrast to the โoriginalโ are mostly not white. In light of a historicization of trans*- and queerness with its compulsory colonial and racist structuring, this text proposes commoning as a frame to interpret Pose. After elaborating on House-Ballroom Cultureโs (the scene Pose is set in) โdisidentificatoryโ (Muรฑoz) practices as commoning and ACT UPโs video activism as commons especially in relation to different/other temporalities, the text offers a close-reading of the episode featuring the protest. The text suggests this kind of commoning as forms of trans* politics that intervene into binary and linear notions of time, community and subjectivity. Keywords: Memory, Trans*politics, AIDS, decolonial practices
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