Verlag Barbara Budrich

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ISSN: 1862-5002

Diskurs 2-2026 | Kindheiten zwischen Normalisierung und Behinderung

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ISSN: 1862-5002

Inhalt

Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research
2-2026: Kindheiten zwischen Normalisierung und Behinderung

Editorial
Catalina Hamacher / Anja Tervooren: Kindheiten zwischen Normalisierung und Behinderung. Einleitung in den Themenschwerpunkt

Schwerpunktbeitrรคge
Katja Zehbe: (Inter-)Professionelle Kooperationsmodi in der inklusiven Kindertageseinrichtung. Eine kritische Betrachtung der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit
Hannah Nitschmann: Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers โ€“ Mรถglichkeiten der Selbstbezugnahme spielerisch aushandeln
Katharina Sufryd: Vulnerabilisierung des Kindes im schulischen Kontext von Inklusion
Daniela Molnar / Albrecht Rohrmann: โ€žDie Kita kรผmmert sich dann um alles weitereโ€œ: Professionell-organisationale Prรคgung von Kindheit als Folge sozialer Hilfen im Kontext von Behinderungen
Catalina Hamacher / Anja Tervooren: ,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜. Spuren eines Dispositivs im Spannungsfeld von Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe

Freie Beitrรคge
Manfred Liebel / Philip Meade: Digitalisierte Kindheiten und globale Verรคnderungen in der Arbeit von Kindern
Anne Piezunka / Sophia Richter: Seelische Gewalt in pรคdagogischen Settings โ€“ eine theoretische Annรคherung
Sandra Chistolini / Bernd Wagner: Zukunftsperspektiven mit Kindern entwickeln โ€“ ein italienisch-deutsches Forschungsprojekt zum historisch-politischen Sachlernen in schulbezogenen Sammlungen

Kurzbeitrag
Rouven Seebo: Vulnerabilitรคt in der Kindheits- und Behinderungsforschung. Bericht zur Tagung โ€žExploring Vulnerability in Childhood โ€“ Between Normalization and Disablementโ€œ

 

Einzelbeitrags-Download (Open Access/Gebรผhr): diskurs.budrich-journals.de
Sie kรถnnen sich hier fรผr den Diskurs-Alert anmelden.

Zusรคtzliche Informationen

Publisher

ISSN

1862-5002

eISSN

2193-9713

Volume

21. Jahrgang 2026

Edition

2-2026

Date of publication

25.06.2026

Scope

144 Seiten

Language

Deutsch

Format

17 x 24 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/diskurs.v21i2

Homepage

https://diskurs.budrich-journals.de

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Inhaltsverzeichnis
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Autor*innen

Keywords

Anerkennung, Ausbeutung, Behinderung, Deinstitutionalisierung, Didaktik materieller Kultur, Digitalisierung, dis-/ability, Diskriminierung, Dispositiv, Dokumentenanalyse, Ethnographie, Familien mit Eltern mit Behinderungen, Folgen sozialer Hilfen, historisch-politische Sachlernprozesse, Inklusion, Juni 2026, Kategorisierungsarbeit, Kinder, Kinderarbeit, Kindertageseinrichtung, Kindheit, Kindheiten, Kindheits- und Behinderungsforschung, Kooperation, Normalisierung, Normalitรคt, professionell-organisationale Formierung, Pรคdagogische Anthropologie, pรคdagogische Beziehungen, Recognition, schulische Inklusion, seelische Gewalt, Spiel, Subjektivierung, Tagungsbericht, team, Verletzungen, Verrechtlichung, Vulnerabilitรคt, Zukunftsvorstellungen und Generationenvermittlung

Abstracts

(Inter-)Professionelle Kooperationsmodi in der inklusiven Kindertageseinrichtung. Eine kritische Betrachtung der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit (Katja Zehbe)
Fรผr die Umsetzung von Inklusion ist die Zusammenarbeit von Professionellen gleicher und verschiedener Berufsgruppen relevant. Die Analyse der aktiven Herstellung einer inklusiven Wirklichkeit in Kindertageseinrichtung durch interprofessionelle Kooperationen steht indes noch weitestgehend aus. Der Beitrag fokussiert interprofessionelle Kooperationsmodi in pรคdagogischen Teams von inklusiven Kindertageseinrichtungen und fragt kritisch nach in Kooperationsmodi eingelagerten Dynamiken zur Herstellung von Normalitรคt und Besonderheit. In zwei inklusiven Kindertageseinrichtungen wurden drei leitfadengestรผtzte Interviews mit vier pรคdagogischen Fachkrรคften und Leitungen mit Visualisierungsmethoden der Netzwerkforschung (Krempel, 2010) erhoben und mit der Qualitativen Strukturalen Analyse (QSA) (Herz et al., 2015) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen den identifizierten Modi der Kooperation mit Steuerung und der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit auf. Schlagwรถrter: Kindertageseinrichtung, Inklusion, Team, Normalitรคt, Kooperation
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Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers โ€“ Mรถglichkeiten der Selbstbezugnahme spielerisch Aushandeln (Hannah Nitschmann)
Der vorliegende Beitrag nimmt Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers im inklusionsorientierten Grundschulunterricht in den Blick und geht insbesondere der Frage nach, wie Selbstverhรคltnisse unter Kindern in spielerischen Einsรคtzen ausgehandelt werden. Ausgehend von der inklusionspรคdagogischen Forderung nach โ€šAnerkennung von Vielfaltโ€˜ wird zunรคchst ein machtkritisches Verstรคndnis von Anerkennung dargelegt und das Begehren nach รœberschreitung differenter Subjektpositionen theoretisch beleuchtet. Das Spiel wird vor diesem Hintergrund als besonderer Mรถglichkeitsraum vorgestellt. In einer sequenziellen Interpretation videoethnografisch erhobenen Materials wird das Spielerische in Peer-Interaktionen exemplarisch analysiert. Dabei kann gezeigt werden, dass interaktiv erรถffnete Spielrรคume einerseits situativ das Potential bieten, sich als Andere*r zu zeigen und andererseits ambivalent und brรผchig erscheinen, weil ein spielerisch erzeugtes Selbst auf bestรคtigende Antworten angewiesen ist. Schlagwรถrter: Anerkennung, Inklusion, Subjektivierung, Spiel, Behinderung
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Vulnerabilisierung des Kindes im schulischen Kontext von Inklusion (Katharina Sufryd)
Der Beitrag diskutiert die Vulnerabilisierung des Kindes in der schulischen Verwaltung von Inklusion im schulgesetzlichen Rahmen sonderpรคdagogischer Fรถrderung (AO-SF ยง13(1)) auf Basis ethnographischen Datenmaterials. Es wird argumentiert, dass durch das defizitorientierte Sprechen รผber die Entwicklung das Kind als besonders โ€švulnerabelโ€˜ hervorgebracht wird, wodurch die Antragsstellung individueller sonderpรคdagogischer Fรถrderung legitimiert werden kann. Dieses Ergebnis wird aus machtkritischer Perspektive unter Rรผckgriff auf Arbeiten erziehungswissenschaftlicher Kindheitsforschung und Perspektiven der Dis/Ability Studies beleuchtet. Methodologisch erfolgt die Orientierung an die diskursanalytische Ethnographie (Rabenstein et al., 2020) verbunden mit der konstruktivistischen Grounded Theory (Charmaz, 2006). Die ordnungsweisenden subjektivierenden Effekte fรผr das Kind werden ableismuskritisch gedeutet und mit Blick auf die institutionelle Grenzziehung innerhalb schulischer Inklusionsprozesse reflektiert. Schlagwรถrter: Schulische Inklusion, Vulnerabilitรคt, Dis/Ability, Subjektivierung, Ethnographie
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โ€žDie Kita kรผmmert sich dann um alles weitereโ€œ: Professionell-organisationale Prรคgung von Kindheit als Folge sozialer Hilfen im Kontext von Behinderungen (Daniela Molnar, Albrecht Rohrmann)
Der Beitrag untersucht, wie Kindheit und Familie im Kontext zugeschriebener elterlicher Behinderungen durch sozialstaatliche Hilfesysteme geformt werden. Anhand der Analyse von Dokumenten aus einer Jugendamtsakte wird rekonstruiert, wie die Zuschreibung elterlicher Behinderung die Problemdefinition dominiert und die Erziehungsfรคhigkeit der Eltern unter stรคndiger Beobachtung steht. Die Analyse zeigt, dass Fachkrรคfte in interorganisationalen Kooperationen Hilfen gestalten, wรคhrend die Familie primรคr als Objekt der professionell-organisationalen Bearbeitung erscheint. Mit der Aufnahme in die Kindertagesstรคtte wird die Problemwahrnehmung unter der Perspektive Behinderung auf das Kind ausgeweitet. Kindheit erweist sich damit professionell-organisational formiert, mit dem Risiko, Exklusion eher zu verstรคrken als Teilhabe zu fรถrdern. Schlagwรถrter: Familien mit Eltern mit Behinderungen, Kategorisierungsarbeit, professionell organisationale Formierung, Folgen sozialer Hilfen
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,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜. Spuren eines Dispositivs im Spannungsfeld von Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe (Catalina Hamacher, Anja Tervooren)
Die Deinstitutionalisierung von heilpรคdagogischen Kindertageseinrichtungen in Deutschland und die Verrechtlichung von Inklusion in der Institution der Kindertagesbetreuung ermรถglicht es jungen Kindern seit Kurzem, Leistungen der Eingliederungshilfe in allen Kindertagesstรคtten zu erhalten. Um die Folgen dieser Verrechtlichung zu verstehen, werden die reformierten Gesetze sowie Formulare zur Beantragung von Leistungen analysiert und Spuren eines Dispositivs ,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜ herausgearbeitet. Die Rekonstruktion der rechtlichen und administrativen Ebene erรถffnet also eine Perspektive auf die Vermittlung von Inklusion in die Institution der Kindertagesstรคtte hinein. Gezeigt wird, wie die Kategorie Behinderung als institutionelles Steuerungsinstrument fungiert, das normative Vorgaben in konkrete Organisations- und Handlungspraxen รผberfรผhrt. Dies fรผhrt paradoxer Weise entgegen der Programmatik von Inklusion zu einer Logik der Normalisierung, die frรผh im Leben implementiert wird, denn fรผr Kinder werden Beeintrรคchtigungen als Abweichungen von einem altersbezogenen Normalzustand gerahmt. Schlagwรถrter: Kinder, Verrechtlichung, (De)Institutionalisierung, Dispositiv, Dokumentenanalyse
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Digitalisierte Kindheiten und globale Verรคnderungen in der Arbeit von Kindern (Manfred Liebel, Philip Meade)
Die weltweite Digitalisierung der Gesellschaften hat auch fรผr das Leben junger Menschen weitreichende Folgen. Sie werden als Konsument:innen und Nutzer:innen digitaler Technologien immer frรผher in รถkonomische Prozesse eingebunden und scheinbar frรผher โ€šerwachsenโ€˜, als es das westliche Kindheitsmodell vorsieht. Auf den Online-Plattformen, in der Welt der Videospiele und im Influencer-Marketing vermischen sich Spiel, Freizeit, Arbeit und Business auf neue Weise und werfen die Frage auf, ob neue Formen von Arbeit entstehen, die im bisherigen Diskurs รผber Kinderarbeit nicht bedacht wurden. Der Beitrag vermittelt einen Einblick in die vielfรคltigen und bisher wenig untersuchten digitalen Handlungsfelder junger Menschen und lotet die darin enthaltenen Widersprรผche zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Emanzipation aus. Schlagwรถrter: Digitalisierung, Kindheit, Kinderarbeit, Spiel, Ausbeutung
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Seelische Gewalt in pรคdagogischen Settings โ€“ eine theoretische Annรคherung (Anne Piezunka, Sophia Richter)
Seelische Gewalt von Lehrkrรคften gegenรผber Schรผler_innen in Form von Beleidigungen und Herabsetzungen scheint (inter-)nationalen Studien zufolge Teil des schulischen Alltags zu sein. Zugleich ist es hรคufig herausfordernd seelische Gewalt als Phรคnomen im konkreten Fall zu identifizieren. Dieser Herausforderung widmet sich der Beitrag, indem unterschiedliche theoretische Auseinandersetzungen dargestellt und zueinander ins Verhรคltnis gesetzt werden. In der Adaption fรผr den Kontext der pรคdagogischen Beziehungen lassen sich unterschiedliche Dimensionen identifizieren, die fรผr die Bestimmung seelischer Gewalt relevant sind. Dabei zeigt sich, dass seelische Gewalt als relationales Phรคnomen zu denken ist, dass sich im Kontext von vier Dimensionen entfaltet: 1) epistemische Dimension; 2) strukturelle und kulturelle Dimension; 3) Beziehungsdimension und 4) personale Dimension. Schlagwรถrter: Seelische Gewalt, Diskriminierung, pรคdagogische Beziehungen, Verletzungen
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Zukunftsperspektiven mit Kindern entwickeln โ€“ ein italienisch-deutsches Forschungsprojekt zum historisch-politischen Sachlernen in schulbezogenen Sammlungen (Sandra Chistolini, Bernd Wagner)
Ein aktiver Umgang mit Krisen und nicht vermeidbaren Katastrophen erfordert Visionen fรผr die Zukunft (Club of Rome, 2022). Krisenbezogene Inhalte werden in der Regel im Kontext sozialwissenschaftlicher Bildung in (Grund-) Schulen aufgegriffen. In Deutschland sind die schulischen Querschnittsaufgaben sowie Vielperspektivitรคt im Sachunterricht wichtig (Pech, 2009). In Italien ist es aktive Bรผrgerschaft (Corradini & Mari, 2019). Fraglich bleibt jedoch, ob diese Unterrichtsinhalte dazu beitragen kรถnnen, Krisen aktiver zu bewรคltigen, oder ob sie vielmehr an soziale BeruhigungsmaรŸnahmen anschlieรŸen, die darรผber hinwegtรคuschen, dass an den Ursachen wenig verรคndert wird. Im Beitrag werden Partnerschaften zwischen Grundschulen und Museen im Kontext von historisch-politischen Sachlernen in Institutionen entworfen, die historischen Wandel diskursiv erfahrbar machen. Im Folgenden wird ein empirischer, pรคdagogischer Zugang vorgestellt, wie diese Zukunftsvisionen mit Kindern im generationenรผbergreifenden Dialog zu Sammlungsobjekten entwickelt werden kรถnnen, die als โ€žBoundary Objectsโ€œ (Star & Griesemer, 1989) unterschiedliche Bedeutungen hervorrufen und adรคquate Medien fรผr Diskurse รผber Zeit und Zukunft sind. Schlagwรถrter: pรคdagogische Anthropologie, Didaktik materieller Kultur, historisch-politische Sachlernprozesse, Zukunftsvorstellungen und Generationenvermittlung
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Inhalt

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Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research
2-2026: Kindheiten zwischen Normalisierung und Behinderung

Editorial
Catalina Hamacher / Anja Tervooren: Kindheiten zwischen Normalisierung und Behinderung. Einleitung in den Themenschwerpunkt

Schwerpunktbeitrรคge
Katja Zehbe: (Inter-)Professionelle Kooperationsmodi in der inklusiven Kindertageseinrichtung. Eine kritische Betrachtung der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit
Hannah Nitschmann: Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers โ€“ Mรถglichkeiten der Selbstbezugnahme spielerisch aushandeln
Katharina Sufryd: Vulnerabilisierung des Kindes im schulischen Kontext von Inklusion
Daniela Molnar / Albrecht Rohrmann: โ€žDie Kita kรผmmert sich dann um alles weitereโ€œ: Professionell-organisationale Prรคgung von Kindheit als Folge sozialer Hilfen im Kontext von Behinderungen
Catalina Hamacher / Anja Tervooren: ,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜. Spuren eines Dispositivs im Spannungsfeld von Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe

Freie Beitrรคge
Manfred Liebel / Philip Meade: Digitalisierte Kindheiten und globale Verรคnderungen in der Arbeit von Kindern
Anne Piezunka / Sophia Richter: Seelische Gewalt in pรคdagogischen Settings โ€“ eine theoretische Annรคherung
Sandra Chistolini / Bernd Wagner: Zukunftsperspektiven mit Kindern entwickeln โ€“ ein italienisch-deutsches Forschungsprojekt zum historisch-politischen Sachlernen in schulbezogenen Sammlungen

Kurzbeitrag
Rouven Seebo: Vulnerabilitรคt in der Kindheits- und Behinderungsforschung. Bericht zur Tagung โ€žExploring Vulnerability in Childhood โ€“ Between Normalization and Disablementโ€œ

 

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ISSN

1862-5002

eISSN

2193-9713

Volume

21. Jahrgang 2026

Edition

2-2026

Date of publication

25.06.2026

Scope

144 Seiten

Language

Deutsch

Format

17 x 24 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/diskurs.v21i2

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(Inter-)Professionelle Kooperationsmodi in der inklusiven Kindertageseinrichtung. Eine kritische Betrachtung der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit (Katja Zehbe)
Fรผr die Umsetzung von Inklusion ist die Zusammenarbeit von Professionellen gleicher und verschiedener Berufsgruppen relevant. Die Analyse der aktiven Herstellung einer inklusiven Wirklichkeit in Kindertageseinrichtung durch interprofessionelle Kooperationen steht indes noch weitestgehend aus. Der Beitrag fokussiert interprofessionelle Kooperationsmodi in pรคdagogischen Teams von inklusiven Kindertageseinrichtungen und fragt kritisch nach in Kooperationsmodi eingelagerten Dynamiken zur Herstellung von Normalitรคt und Besonderheit. In zwei inklusiven Kindertageseinrichtungen wurden drei leitfadengestรผtzte Interviews mit vier pรคdagogischen Fachkrรคften und Leitungen mit Visualisierungsmethoden der Netzwerkforschung (Krempel, 2010) erhoben und mit der Qualitativen Strukturalen Analyse (QSA) (Herz et al., 2015) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen den identifizierten Modi der Kooperation mit Steuerung und der Konstruktion von Normalitรคt und Besonderheit auf. Schlagwรถrter: Kindertageseinrichtung, Inklusion, Team, Normalitรคt, Kooperation
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Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers โ€“ Mรถglichkeiten der Selbstbezugnahme spielerisch Aushandeln (Hannah Nitschmann)
Der vorliegende Beitrag nimmt Anerkennungsverhรคltnisse unter Peers im inklusionsorientierten Grundschulunterricht in den Blick und geht insbesondere der Frage nach, wie Selbstverhรคltnisse unter Kindern in spielerischen Einsรคtzen ausgehandelt werden. Ausgehend von der inklusionspรคdagogischen Forderung nach โ€šAnerkennung von Vielfaltโ€˜ wird zunรคchst ein machtkritisches Verstรคndnis von Anerkennung dargelegt und das Begehren nach รœberschreitung differenter Subjektpositionen theoretisch beleuchtet. Das Spiel wird vor diesem Hintergrund als besonderer Mรถglichkeitsraum vorgestellt. In einer sequenziellen Interpretation videoethnografisch erhobenen Materials wird das Spielerische in Peer-Interaktionen exemplarisch analysiert. Dabei kann gezeigt werden, dass interaktiv erรถffnete Spielrรคume einerseits situativ das Potential bieten, sich als Andere*r zu zeigen und andererseits ambivalent und brรผchig erscheinen, weil ein spielerisch erzeugtes Selbst auf bestรคtigende Antworten angewiesen ist. Schlagwรถrter: Anerkennung, Inklusion, Subjektivierung, Spiel, Behinderung
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Vulnerabilisierung des Kindes im schulischen Kontext von Inklusion (Katharina Sufryd)
Der Beitrag diskutiert die Vulnerabilisierung des Kindes in der schulischen Verwaltung von Inklusion im schulgesetzlichen Rahmen sonderpรคdagogischer Fรถrderung (AO-SF ยง13(1)) auf Basis ethnographischen Datenmaterials. Es wird argumentiert, dass durch das defizitorientierte Sprechen รผber die Entwicklung das Kind als besonders โ€švulnerabelโ€˜ hervorgebracht wird, wodurch die Antragsstellung individueller sonderpรคdagogischer Fรถrderung legitimiert werden kann. Dieses Ergebnis wird aus machtkritischer Perspektive unter Rรผckgriff auf Arbeiten erziehungswissenschaftlicher Kindheitsforschung und Perspektiven der Dis/Ability Studies beleuchtet. Methodologisch erfolgt die Orientierung an die diskursanalytische Ethnographie (Rabenstein et al., 2020) verbunden mit der konstruktivistischen Grounded Theory (Charmaz, 2006). Die ordnungsweisenden subjektivierenden Effekte fรผr das Kind werden ableismuskritisch gedeutet und mit Blick auf die institutionelle Grenzziehung innerhalb schulischer Inklusionsprozesse reflektiert. Schlagwรถrter: Schulische Inklusion, Vulnerabilitรคt, Dis/Ability, Subjektivierung, Ethnographie
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โ€žDie Kita kรผmmert sich dann um alles weitereโ€œ: Professionell-organisationale Prรคgung von Kindheit als Folge sozialer Hilfen im Kontext von Behinderungen (Daniela Molnar, Albrecht Rohrmann)
Der Beitrag untersucht, wie Kindheit und Familie im Kontext zugeschriebener elterlicher Behinderungen durch sozialstaatliche Hilfesysteme geformt werden. Anhand der Analyse von Dokumenten aus einer Jugendamtsakte wird rekonstruiert, wie die Zuschreibung elterlicher Behinderung die Problemdefinition dominiert und die Erziehungsfรคhigkeit der Eltern unter stรคndiger Beobachtung steht. Die Analyse zeigt, dass Fachkrรคfte in interorganisationalen Kooperationen Hilfen gestalten, wรคhrend die Familie primรคr als Objekt der professionell-organisationalen Bearbeitung erscheint. Mit der Aufnahme in die Kindertagesstรคtte wird die Problemwahrnehmung unter der Perspektive Behinderung auf das Kind ausgeweitet. Kindheit erweist sich damit professionell-organisational formiert, mit dem Risiko, Exklusion eher zu verstรคrken als Teilhabe zu fรถrdern. Schlagwรถrter: Familien mit Eltern mit Behinderungen, Kategorisierungsarbeit, professionell organisationale Formierung, Folgen sozialer Hilfen
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,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜. Spuren eines Dispositivs im Spannungsfeld von Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe (Catalina Hamacher, Anja Tervooren)
Die Deinstitutionalisierung von heilpรคdagogischen Kindertageseinrichtungen in Deutschland und die Verrechtlichung von Inklusion in der Institution der Kindertagesbetreuung ermรถglicht es jungen Kindern seit Kurzem, Leistungen der Eingliederungshilfe in allen Kindertagesstรคtten zu erhalten. Um die Folgen dieser Verrechtlichung zu verstehen, werden die reformierten Gesetze sowie Formulare zur Beantragung von Leistungen analysiert und Spuren eines Dispositivs ,Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinderโ€˜ herausgearbeitet. Die Rekonstruktion der rechtlichen und administrativen Ebene erรถffnet also eine Perspektive auf die Vermittlung von Inklusion in die Institution der Kindertagesstรคtte hinein. Gezeigt wird, wie die Kategorie Behinderung als institutionelles Steuerungsinstrument fungiert, das normative Vorgaben in konkrete Organisations- und Handlungspraxen รผberfรผhrt. Dies fรผhrt paradoxer Weise entgegen der Programmatik von Inklusion zu einer Logik der Normalisierung, die frรผh im Leben implementiert wird, denn fรผr Kinder werden Beeintrรคchtigungen als Abweichungen von einem altersbezogenen Normalzustand gerahmt. Schlagwรถrter: Kinder, Verrechtlichung, (De)Institutionalisierung, Dispositiv, Dokumentenanalyse
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Die weltweite Digitalisierung der Gesellschaften hat auch fรผr das Leben junger Menschen weitreichende Folgen. Sie werden als Konsument:innen und Nutzer:innen digitaler Technologien immer frรผher in รถkonomische Prozesse eingebunden und scheinbar frรผher โ€šerwachsenโ€˜, als es das westliche Kindheitsmodell vorsieht. Auf den Online-Plattformen, in der Welt der Videospiele und im Influencer-Marketing vermischen sich Spiel, Freizeit, Arbeit und Business auf neue Weise und werfen die Frage auf, ob neue Formen von Arbeit entstehen, die im bisherigen Diskurs รผber Kinderarbeit nicht bedacht wurden. Der Beitrag vermittelt einen Einblick in die vielfรคltigen und bisher wenig untersuchten digitalen Handlungsfelder junger Menschen und lotet die darin enthaltenen Widersprรผche zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Emanzipation aus. Schlagwรถrter: Digitalisierung, Kindheit, Kinderarbeit, Spiel, Ausbeutung
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Seelische Gewalt von Lehrkrรคften gegenรผber Schรผler_innen in Form von Beleidigungen und Herabsetzungen scheint (inter-)nationalen Studien zufolge Teil des schulischen Alltags zu sein. Zugleich ist es hรคufig herausfordernd seelische Gewalt als Phรคnomen im konkreten Fall zu identifizieren. Dieser Herausforderung widmet sich der Beitrag, indem unterschiedliche theoretische Auseinandersetzungen dargestellt und zueinander ins Verhรคltnis gesetzt werden. In der Adaption fรผr den Kontext der pรคdagogischen Beziehungen lassen sich unterschiedliche Dimensionen identifizieren, die fรผr die Bestimmung seelischer Gewalt relevant sind. Dabei zeigt sich, dass seelische Gewalt als relationales Phรคnomen zu denken ist, dass sich im Kontext von vier Dimensionen entfaltet: 1) epistemische Dimension; 2) strukturelle und kulturelle Dimension; 3) Beziehungsdimension und 4) personale Dimension. Schlagwรถrter: Seelische Gewalt, Diskriminierung, pรคdagogische Beziehungen, Verletzungen
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Zukunftsperspektiven mit Kindern entwickeln โ€“ ein italienisch-deutsches Forschungsprojekt zum historisch-politischen Sachlernen in schulbezogenen Sammlungen (Sandra Chistolini, Bernd Wagner)
Ein aktiver Umgang mit Krisen und nicht vermeidbaren Katastrophen erfordert Visionen fรผr die Zukunft (Club of Rome, 2022). Krisenbezogene Inhalte werden in der Regel im Kontext sozialwissenschaftlicher Bildung in (Grund-) Schulen aufgegriffen. In Deutschland sind die schulischen Querschnittsaufgaben sowie Vielperspektivitรคt im Sachunterricht wichtig (Pech, 2009). In Italien ist es aktive Bรผrgerschaft (Corradini & Mari, 2019). Fraglich bleibt jedoch, ob diese Unterrichtsinhalte dazu beitragen kรถnnen, Krisen aktiver zu bewรคltigen, oder ob sie vielmehr an soziale BeruhigungsmaรŸnahmen anschlieรŸen, die darรผber hinwegtรคuschen, dass an den Ursachen wenig verรคndert wird. Im Beitrag werden Partnerschaften zwischen Grundschulen und Museen im Kontext von historisch-politischen Sachlernen in Institutionen entworfen, die historischen Wandel diskursiv erfahrbar machen. Im Folgenden wird ein empirischer, pรคdagogischer Zugang vorgestellt, wie diese Zukunftsvisionen mit Kindern im generationenรผbergreifenden Dialog zu Sammlungsobjekten entwickelt werden kรถnnen, die als โ€žBoundary Objectsโ€œ (Star & Griesemer, 1989) unterschiedliche Bedeutungen hervorrufen und adรคquate Medien fรผr Diskurse รผber Zeit und Zukunft sind. Schlagwรถrter: pรคdagogische Anthropologie, Didaktik materieller Kultur, historisch-politische Sachlernprozesse, Zukunftsvorstellungen und Generationenvermittlung
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