Verlag Barbara Budrich

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ISSN: 0173-184X

PERIPHERIE 2-2016 (Heft 142-143) | Gewerkschaften in Arbeit

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ISSN: 0173-184X

Inhalt

PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
2-2016 (Heft 142-143): Gewerkschaften in Arbeit

Schwerpunkt
Matthias Ebenau / Felix Nickel: Gewerkschaftliche Krise und Erneuerung โ€“ Labour Revitalisation Studies als globale Konversation
Nico Weinmann / Friedrich Bossert / Paul Hecker: Revitalisierte Gewerkschaftsmacht unter Mitte-Links-Regierungen in Argentinien, Brasilien und Uruguay
Michael Fรผtterer: Gewerkschaft als internationale soziale Bewegung: Das ExChains-Netzwerk in der Bekleidungsindustrie
Michael Jungwirth: Gewerkschaften und undokumentierte Arbeit von Migrant_innen in ร–sterreich. รœber die Entstehung gewerkschaftlicher Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen
Rainer Dombois / Carlos Miguel Ortiz: Die Institutionalisierung von Arbeitsbeziehungen inmitten der Gewalt. Der paradoxe Fall der kolumbianischen Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro
Melanie Mรผller: Kรคmpfe um den Bergbau in Sรผdafrika: Eine Chance fรผr Allianzen zwischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen
Frauke Banse: Geld fรผr Gewerkschaften. รœber die Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Fรถrderung
Selma Cristina Silva de Jesus: Neue gewerkschaftliche Handlungsfelder in Brasilien. Der Dachverband CUT und die solidarische ร–konomie

Diskussion
Ralf Ruckus: Arbeitskรคmpfe, Organisationsprozesse und Repression in China. Interview รผber neuere Trends
Gerhard Dilger: Brasiliens politische Dauerkrise. Nach dem kalten Putsch gegen Dilma Rousseff kehrt keine Ruhe ein
Cavidan Soykan: Das Wagnis der freien MeinungsรคuรŸerung in der tรผrkischen Hochschullandschaft

PERIPHERIE-Stichwort
Helen Schwenken: Das andere Geschlecht der Gewerkschaften

Rezensionsartikel
Reinhard KรถรŸler: Soziale Bewegungen oder Staatenkonkurrenz? Die Verรคnderung der Welt und wie sie sich verstehen lรคsst

Rezensionen
Matthias Ebenau: Benjamin Selwyn: The Global Development Crisis
Markus Kip: Sarah Bormann; Jenny Jungehรผlsing; Shuwen Bian; Martina Hartung & Florian Schubert (Hg.): Last Call for Solidarity. Perspektiven grenzรผberschreitenden Handelns von Gewerkschaften
Rita Schรคfer: Christoph Haferburg & Marie Huchzermeyer (Hg.): Urban Governance in Post-Apartheid Cities. Modes of Engagement in South Africaโ€™s Metropoles
Jens Kastner: Magdalena Heuwieser: Grรผner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons
Arndt Hopfmann: GRAIN: The Great Climate Robbery. How the Food System Drives Climate Change and What We Can Do about It
Ton van Naerssen: Petra Dennecker & Birte Rodenberg (Hg.): Klimaverรคnderung, Umwelt und Geschlechterverhรคltnisse im Wandel โ€“ neue interdisziplinรคre Ansรคtze und Perspektiven
Ton van Naerssen: Md Mizanur Rahman, Tan Tai Tong & AKM Ahsan Ullah (Hg.): Migrant Remittances in South Asia. Social, Economic and Political Implications
Gerhard Hauck: Richard Schuberth: Bevor die Vรถlker wussten, dass sie welche sind. Ethnizitรคt, Nation, Kultur. Eine (antiessenzialistische) Einfรผhrung
Nikolaus Werz: Buchbesprechungen zu neueren Arbeiten zur lateinamerikanischen Ideengeschichte: Constantin von Barloewen, Manuel Rivera & Klaus Tรถpfer (Hg.): Nachhaltige Entwicklung in einer pluralen Moderne. Lateinamerikanische Perspektiven / Patricia Funes: Historia mรญnima de las ideas polรญticas en Amรฉrica Latina

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Publisher

ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

36. Jahrgang 2016

Edition

2 (142-143)

Date of publication

08.08.2016

Scope

259

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v36i142-143

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Homepage

https://peripherie.budrich-journals.de

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Autor*innen

Keywords

Arbeit, Arbeitsbeziehungen, Arbeitskampf, Argentinien, Bananenindustrie, Bekleidungsindustrie, Bergbau, Brasilien, Central รšnica dos Trabalhadores, China, ExChains-Netzwerk, Gewalt, Gewerkschaften, Gewerkschaftspolitik, Globalisierung, Kolumbien, Kooperativismus, Labour Revitalisation Studies, Lateinamerika, Meinungsfreiheit, Migration, Migrationspolitik, Sintrainagro, soziale Bewegungen, Sรผdafrika, Tรผrkei, Urabรก, Uruguay, Zivilgesellschaft, ร–sterreich

Abstracts

Gewerkschaftliche Krise und Erneuerung โ€“ Labour Revitalisation Studies als globale Konversation (Matthias Ebenau, Felix Nickel)
Der Artikel liefert einen รœberblick รผber die Kernannahmen der labour revitalisation studies (LRS), um dann die mรถgliche Bereicherung dieses intellektuell-politischen Feldes durch einen stรคrkeren Fokus auf Erfahrungen mit gewerkschaftlicher Krise und Erneuerung im Globalen Sรผden zu diskutieren. Mit Bezug auf vorhandene wissenschaftliche Literatur behandelt er ein breites Spektrum empirischer Beispiele aus verschiedenen Weltregionen, geordnet entlang von vier thematischen Linien: transnationales Gewerkschaftshandeln, die Organisierung informeller und prekรคrer Beschรคftigter, die gewerkschaftliche Auseinandersetzung mit der geschlechtlichen Natur von Arbeit und die komplexe Beziehung zwischen Gewerkschaften und dem Staat. Der Artikel argumentiert, dass die LRS als „globale Konversation“ betrachtet werden sollten. Weiterhin plรคdiert er fรผr eine Horizonterweiterung รผber traditionelle Gewerkschaftsorganisationen und ihre Handlungsrepertoires hinaus, aber auch fรผr die รœberwindung falscher Dichotomien zwischen Erneuerungsinitiativen, die „innerhalb“, und anderen, die „auรŸerhalb“ etablierter Gewerkschaften entstehen. Schlagwรถrter: labour revitalisation studies, transnationale Gewerkschaftspolitik, informelle und prekรคre Beschรคftigung, Geschlechtlichkeit von Arbeit, Gewerkschaften und der Staat
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Revitalisierte Gewerkschaftsmacht unter Mitte-Links-Regierungen in Argentinien, Brasilien und Uruguay (Nico Weinmann, Friedrich Bossert, Paul Hecker)
Mit der Jahrtausendwende hat Lateinamerika eine politische Linkswende erlebt. Sozialwissenschaftliche Analysen dieser Prozesse haben sich bislang vor allem auf die einzelnen linken Parteiformationen oder aber neue soziale Bewegungen konzentriert. In dem Beitrag analysieren wir demgegenรผber die Entwicklung gewerkschaftlicher Machtressourcen unter Mitte-Links-Regierungen in Argentinien, Uruguay und Brasilien, also in Lรคndern, in denen Gewerkschaften seit langem eine bedeutende Rolle im sozialen Geschehen einnehmen. Dabei wenden wir den „Jenaer Machtressourcenansatz“ an, der es uns erlaubt, Gewerkschaftsmacht im zeitlichen Verlauf entlang der Rekonfiguration von struktureller Macht, Organisationsmacht, institutioneller Macht und gesellschaftlicher Macht vergleichend in den Blick zu nehmen. Die Analyse zeichnet den Prozess einer Revitalisierung aller vier Machtressourcen in den drei Lรคndern nach. Dabei kรถnnen รถkonomisches Wachstum, ein Relevanzverlust neoliberaler Diskurse, sowie gewerkschaftsfreundliche Arbeits- und Sozialpolitiken als gemeinsame Mechanismen und Triebkrรคfte der Zunahme von Gewerkschaftsmacht identifiziert werden. Im Unterschied zu Uruguay fรคllt der Machtgewinn in den beiden anderen Lรคndern gerade in Hinblick auf die Erneuerung der Gewerkschaftsstrukturen und die Organisierung von informell Beschรคftigten eher moderat aus. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Machtressourcen, Arbeitsbeziehungen, Linkswende, Lateinamerika, Argentinien, Uruguay, Brasilien
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Gewerkschaft als internationale soziale Bewegung: Das ExChains-Netzwerk in der Bekleidungsindustrie (Michael Fรผtterer)
Gewerkschaftsarbeit in der globalen Bekleidungsindustrie steht vor groรŸen Herausforderungen. Sowohl in der Produktion als auch im Verkauf wird gewerkschaftliche Interessenvertretung und Selbstorganisation systematisch erschwert; schlechte Arbeitsbedingungen sind Alltag. Eine der Ursachen sind die Strukturen transnationaler Produktionsnetzwerke, in denen wenige global agierende Bekleidungsunternehmen die Organisation von Produktion, Transport und Verkauf sowie die Arbeitsbedingungen weitgehend bestimmen. Als Reaktion auf diese Bedingungen haben besonders Gewerkschaften aus dem Globalen Sรผden Praxisformen entwickelt, die als Kampagnenstrategie bezeichnet werden kรถnnen. In รถffentlichen Kampagnen soll Druck auf Unternehmen und Regierungen ausgeรผbt werden, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Zwar haben diese Kampagnen durchaus ein Bewusstsein fรผr die miserablen Arbeitsbedingungen geschaffen, sie waren aber nicht dazu in der Lage, diese Bedingungen grundlegend zu verbessern und Gewerkschaftsmacht lokal aufzubauen. Das ExChains-Netzwerk von TIE Global versucht, diesem Problem durch die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschafter_innen aus dem Einzelhandel in Deutschland und Gewerkschafter_innen aus der Produktion in Indien, Sri Lanka und Bangladesch zu begegnen und alternative Praxisformen zu entwickeln, um Solidaritรคt in transnationalen Produktionsnetzwerken aufzubauen. Dabei greift das Netzwerk Erfahrungen mit social movement unionism auf und versucht diese weiterzuentwickeln. Schlagwรถrter: Globalisierung, Gewerkschaften, Social Movement Unionism, Bekleidungsindustrie, NGOisierung
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Gewerkschaften und undokumentierte Arbeit von Migrant_innen in ร–sterreich. รœber die Entstehung gewerkschaftlicher Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen (Michael Jungwirth)
Gewerkschaften vertreten in Bezug auf Migration und die Unterstรผtzung von Migrant_innen mitunter widersprรผchliche Positionen. In ร–sterreich sahen sie sich historisch mit unterschiedlichen Dilemmata konfrontiert. Dabei verfolgten sie in der Vergangenheit oftmals restriktive Ansรคtze. Allerdings ist gerade innerhalb der letzten Jahre auch ein Wandel der Positionen zu beobachten. Das รคuรŸert sich unter anderem darin, dass die Gewerkschaften nicht mehr nur Migration im Hinblick auf Lohn- und Sozialdumping problematisieren, sondern zunehmend auch die Folgen undokumentierter Arbeit fรผr Migrant_innen selbst thematisieren. Mit dem Versuch, Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen, die auch Anleihen bei US-amerikanischen Worker Centers nehmen, in den Gewerkschaften zu verankern, sind jedoch auch neue Herausforderungen verbunden. Der Artikel zeigt, dass sich mit Hilfe von internen und externen Akteur_innen in den Gewerkschaften unterstรผtzende Ansรคtze in Gestalt der UNDOK-Anlaufstelle etablieren konnten. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Migrationspolitik, undokumentierte Arbeit, Migrant_innen, ร–sterreich
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Die Institutionalisierung von Arbeitsbeziehungen inmitten der Gewalt. Der paradoxe Fall der kolumbianischen Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro (Rainer Dombois, Carlos Miguel Ortiz)
Im Verlaufe des bewaffneten Konflikts sind in Kolumbien seit den 1980er Jahren Gewerkschaften und ihre Mitglieder wie in kaum einem anderen Land von physischer Gewalt heimgesucht worden. Der Artikel untersucht den paradoxen Fall der Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro im Urabรก, die wohl am stรคrksten von Gewalt betroffen war, sich aber zugleich zu einer mรคchtigen, reprรคsentativen Organisation entwickelt hat, die โ€“ einzigartig in Kolumbien โ€“ Kollektivvereinbarungen fรผr fast die gesamte Branche in der Region aushandelt, dies in Arbeitsbeziehungen, die, ursprรผnglich stark antagonistisch, mikrokorporatistische Zรผge angenommen haben. Der Artikel zeigt die zentrale Bedeutung von legalen und illegalen bewaffneten Akteuren in der Region โ€“ staatlichen Sicherheitskrรคften, Guerillas und Paramilitรคrs โ€“ und ihren Strategien fรผr die Entwicklung der Gewerkschaft wie der Arbeitsbeziehungen auf und zieht Schlussfolgerungen fรผr die begrenzte Reichweite der Konzepte der industrial-relations-Forschung in einem Land mit „ungleicher Prรคsenz des Staats“. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Arbeitsbeziehungen, Gewalt, Bananenindustrie, Bananenarbeiterinnen und -arbeiter, Lateinamerika, Kolumbien, Urabรก
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Kรคmpfe um den Bergbau in Sรผdafrika: Eine Chance fรผr Allianzen zwischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen (Melanie Mรผller)
Sรผdafrika gilt als prominentes Beispiel fรผr die Entwicklung des social movement unionism. Dieses Konzept beschreibt starke Koalitionen zwischen sozialen Bewegungen und Gewerkschaften. Seit der politischen Machtรผbernahme durch den African National Congress (ANC) und der Bildung einer korporatistischen Regierungsallianz, die auch die Gewerkschaften eingebunden hat, hatte sich dieses enge Verhรคltnis gewandelt. Erst seit dem Massaker von Marikana nรคhern sich Gewerkschaften und soziale Bewegungen wieder aneinander an. Die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA versucht seitdem, eine United Front aufzubauen, die eine Alternative zur bisherigen Regierungspolitik bieten soll. Der Artikel befasst sich mit der Frage, inwiefern ein Wiederbeleben von social movement unionism auf auรŸerparlamentarischer Ebene in Sรผdafrika zu beobachten ist. Er untersucht am Beispiel des Bergbaus, welche Potenziale und Herausforderungen mit der Zusammenarbeit von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen verbunden sind. Dabei wird deutlich, dass hinter den Auseinandersetzungen um die Ausweitung des Bergbaus vielfรคltige Konflikte stecken. In ihrem Verlauf kommt es in fast allen Fรคllen zu einer Kritik am sรผdafrikanischen Entwicklungsmodell. Stichwรถrter: Sรผdafrika, Gewerkschaften, Bergbau, soziale Bewegungen, Konflikte
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Geld fรผr Gewerkschaften. รœber die Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Fรถrderung (Frauke Banse)
Dieser Artikel diskutiert die Wirkung externer Gelder auf Gewerkschaften sowie die Intentionen gewerkschaftlicher Geberorganisationen. Gewerkschaften als mitgliederbasierte, die Eigeninteressen von Lohnabhรคngigen vertretende Organisationen mit speziellen Machtressourcen und komplexen institutionellen Gefรผgen unterscheiden sich substantiell von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gewerkschaftliche Gebergelder wirken in einem weit komplexeren institutionellen Gefรผge und nehmen Einfluss auf die Gewerkschaftsdemokratie, Gewerkschaftsagenda und gewerkschaftliche Machtressourcen. Die Finanzierung peripherer Gewerkschaften bringt internationale Geber zudem potenziell in Kontakt mit der strukturellen Macht von Lohnabhรคngigen in diversen Lรคndern. Je nach politischer Orientierung der Geberorganisation und ihrem Verhรคltnis zu staatlichen Institutionen kann sich dies nicht nur auf die Geber-Empfรคnger-Beziehungen auswirken, sondern auch auรŸenpolitisch relevant werden. Anhand verschiedener historischer und empirischer Beispiele diskutiert der Artikel Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Geberbeziehungen, insbesondere im Hinblick auf die Fรถrderung oder Behinderung gewerkschaftlicher Erneuerung und den Einfluss des Gebers auf die interne Gewerkschaftsdemokratie und -agenda. Schlagwรถrter: internationale Gewerkschaftssolidaritรคt, internationale zivilgesellschaftliche Kooperationen, zivilgesellschaftliche Geberbeziehungen, Gewerkschaftsfinanzierung, Gewerkschaften im Globalen Sรผden
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Neue gewerkschaftliche Handlungsfelder in Brasilien. Der Dachverband CUT und die solidarische ร–konomie (Selma Cristina Silva de Jesus)
Die Deregulierung des Arbeitsmarktes durch die Krise des Fordismus und des รœbergangs zur flexiblen Akkumulation mit der daraus resultierenden strukturellen Arbeitslosigkeit und den neuen Anstellungsformen brachte neue Herausforderungen fรผr die brasilianische Gewerkschaftsbewegung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, begannen die Gewerkschaften neue Handlungsfelder in ihre Agenden aufzunehmen, die sie bisher vernachlรคssigt hatten, wie Rassen- und Geschlechterbeziehungen sowie die solidarische ร–konomie. Dieser Artikel untersucht, ob das Engagement des Gewerkschaftsdachverbands Central รšnica dos Trabalhadores (CUT) auf dem Gebiet der solidarischen ร–konomie zur Verwirklichung des Diskurses beigetragen hat, wonach das Genossenschaftswesen eine Lรถsung fรผr die Einkommenserzielung darstellt und als politische Vertretung fรผr informell Beschรคftigte und stรคdtische Arbeitslose agiert. Ferner analysiert er die Bedeutung der Zentrale der Genossenschaften und der solidarischen Unternehmungen Unisol Brasil sowie der von der CUT gegrรผndeten Agentur fรผr Solidarische Entwicklung (Agรชncia de Desenvolvimento Solidรกrio, ADS) im Hinblick auf die Frage, inwieweit diese Institutionen darin erfolgreich waren, Einkommen fรผr die Arbeiter*innen-Klasse zu schaffen und ihr politische Reprรคsentation zu ermรถglichen. Schlรผsselwรถrter: Gewerkschaften, Kooperativismus, Central รšnica dos Trabalhadores, politische Reprรคsentation
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Inhalt

PERIPHERIE โ€“ Politik โ€ข ร–konomie โ€ข Kultur
2-2016 (Heft 142-143): Gewerkschaften in Arbeit

Schwerpunkt
Matthias Ebenau / Felix Nickel: Gewerkschaftliche Krise und Erneuerung โ€“ Labour Revitalisation Studies als globale Konversation
Nico Weinmann / Friedrich Bossert / Paul Hecker: Revitalisierte Gewerkschaftsmacht unter Mitte-Links-Regierungen in Argentinien, Brasilien und Uruguay
Michael Fรผtterer: Gewerkschaft als internationale soziale Bewegung: Das ExChains-Netzwerk in der Bekleidungsindustrie
Michael Jungwirth: Gewerkschaften und undokumentierte Arbeit von Migrant_innen in ร–sterreich. รœber die Entstehung gewerkschaftlicher Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen
Rainer Dombois / Carlos Miguel Ortiz: Die Institutionalisierung von Arbeitsbeziehungen inmitten der Gewalt. Der paradoxe Fall der kolumbianischen Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro
Melanie Mรผller: Kรคmpfe um den Bergbau in Sรผdafrika: Eine Chance fรผr Allianzen zwischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen
Frauke Banse: Geld fรผr Gewerkschaften. รœber die Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Fรถrderung
Selma Cristina Silva de Jesus: Neue gewerkschaftliche Handlungsfelder in Brasilien. Der Dachverband CUT und die solidarische ร–konomie

Diskussion
Ralf Ruckus: Arbeitskรคmpfe, Organisationsprozesse und Repression in China. Interview รผber neuere Trends
Gerhard Dilger: Brasiliens politische Dauerkrise. Nach dem kalten Putsch gegen Dilma Rousseff kehrt keine Ruhe ein
Cavidan Soykan: Das Wagnis der freien MeinungsรคuรŸerung in der tรผrkischen Hochschullandschaft

PERIPHERIE-Stichwort
Helen Schwenken: Das andere Geschlecht der Gewerkschaften

Rezensionsartikel
Reinhard KรถรŸler: Soziale Bewegungen oder Staatenkonkurrenz? Die Verรคnderung der Welt und wie sie sich verstehen lรคsst

Rezensionen
Matthias Ebenau: Benjamin Selwyn: The Global Development Crisis
Markus Kip: Sarah Bormann; Jenny Jungehรผlsing; Shuwen Bian; Martina Hartung & Florian Schubert (Hg.): Last Call for Solidarity. Perspektiven grenzรผberschreitenden Handelns von Gewerkschaften
Rita Schรคfer: Christoph Haferburg & Marie Huchzermeyer (Hg.): Urban Governance in Post-Apartheid Cities. Modes of Engagement in South Africaโ€™s Metropoles
Jens Kastner: Magdalena Heuwieser: Grรผner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons
Arndt Hopfmann: GRAIN: The Great Climate Robbery. How the Food System Drives Climate Change and What We Can Do about It
Ton van Naerssen: Petra Dennecker & Birte Rodenberg (Hg.): Klimaverรคnderung, Umwelt und Geschlechterverhรคltnisse im Wandel โ€“ neue interdisziplinรคre Ansรคtze und Perspektiven
Ton van Naerssen: Md Mizanur Rahman, Tan Tai Tong & AKM Ahsan Ullah (Hg.): Migrant Remittances in South Asia. Social, Economic and Political Implications
Gerhard Hauck: Richard Schuberth: Bevor die Vรถlker wussten, dass sie welche sind. Ethnizitรคt, Nation, Kultur. Eine (antiessenzialistische) Einfรผhrung
Nikolaus Werz: Buchbesprechungen zu neueren Arbeiten zur lateinamerikanischen Ideengeschichte: Constantin von Barloewen, Manuel Rivera & Klaus Tรถpfer (Hg.): Nachhaltige Entwicklung in einer pluralen Moderne. Lateinamerikanische Perspektiven / Patricia Funes: Historia mรญnima de las ideas polรญticas en Amรฉrica Latina

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ISSN

0173-184X

eISSN

2366-4185

Volume

36. Jahrgang 2016

Edition

2 (142-143)

Date of publication

08.08.2016

Scope

259

Language

Deutsch

Format

14,8 x 21 cm

DOI

https://doi.org/10.3224/peripherie.v36i142-143

Open Access-Lizenz

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

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Gewerkschaftliche Krise und Erneuerung โ€“ Labour Revitalisation Studies als globale Konversation (Matthias Ebenau, Felix Nickel)
Der Artikel liefert einen รœberblick รผber die Kernannahmen der labour revitalisation studies (LRS), um dann die mรถgliche Bereicherung dieses intellektuell-politischen Feldes durch einen stรคrkeren Fokus auf Erfahrungen mit gewerkschaftlicher Krise und Erneuerung im Globalen Sรผden zu diskutieren. Mit Bezug auf vorhandene wissenschaftliche Literatur behandelt er ein breites Spektrum empirischer Beispiele aus verschiedenen Weltregionen, geordnet entlang von vier thematischen Linien: transnationales Gewerkschaftshandeln, die Organisierung informeller und prekรคrer Beschรคftigter, die gewerkschaftliche Auseinandersetzung mit der geschlechtlichen Natur von Arbeit und die komplexe Beziehung zwischen Gewerkschaften und dem Staat. Der Artikel argumentiert, dass die LRS als „globale Konversation“ betrachtet werden sollten. Weiterhin plรคdiert er fรผr eine Horizonterweiterung รผber traditionelle Gewerkschaftsorganisationen und ihre Handlungsrepertoires hinaus, aber auch fรผr die รœberwindung falscher Dichotomien zwischen Erneuerungsinitiativen, die „innerhalb“, und anderen, die „auรŸerhalb“ etablierter Gewerkschaften entstehen. Schlagwรถrter: labour revitalisation studies, transnationale Gewerkschaftspolitik, informelle und prekรคre Beschรคftigung, Geschlechtlichkeit von Arbeit, Gewerkschaften und der Staat
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Mit der Jahrtausendwende hat Lateinamerika eine politische Linkswende erlebt. Sozialwissenschaftliche Analysen dieser Prozesse haben sich bislang vor allem auf die einzelnen linken Parteiformationen oder aber neue soziale Bewegungen konzentriert. In dem Beitrag analysieren wir demgegenรผber die Entwicklung gewerkschaftlicher Machtressourcen unter Mitte-Links-Regierungen in Argentinien, Uruguay und Brasilien, also in Lรคndern, in denen Gewerkschaften seit langem eine bedeutende Rolle im sozialen Geschehen einnehmen. Dabei wenden wir den „Jenaer Machtressourcenansatz“ an, der es uns erlaubt, Gewerkschaftsmacht im zeitlichen Verlauf entlang der Rekonfiguration von struktureller Macht, Organisationsmacht, institutioneller Macht und gesellschaftlicher Macht vergleichend in den Blick zu nehmen. Die Analyse zeichnet den Prozess einer Revitalisierung aller vier Machtressourcen in den drei Lรคndern nach. Dabei kรถnnen รถkonomisches Wachstum, ein Relevanzverlust neoliberaler Diskurse, sowie gewerkschaftsfreundliche Arbeits- und Sozialpolitiken als gemeinsame Mechanismen und Triebkrรคfte der Zunahme von Gewerkschaftsmacht identifiziert werden. Im Unterschied zu Uruguay fรคllt der Machtgewinn in den beiden anderen Lรคndern gerade in Hinblick auf die Erneuerung der Gewerkschaftsstrukturen und die Organisierung von informell Beschรคftigten eher moderat aus. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Machtressourcen, Arbeitsbeziehungen, Linkswende, Lateinamerika, Argentinien, Uruguay, Brasilien
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Gewerkschaft als internationale soziale Bewegung: Das ExChains-Netzwerk in der Bekleidungsindustrie (Michael Fรผtterer)
Gewerkschaftsarbeit in der globalen Bekleidungsindustrie steht vor groรŸen Herausforderungen. Sowohl in der Produktion als auch im Verkauf wird gewerkschaftliche Interessenvertretung und Selbstorganisation systematisch erschwert; schlechte Arbeitsbedingungen sind Alltag. Eine der Ursachen sind die Strukturen transnationaler Produktionsnetzwerke, in denen wenige global agierende Bekleidungsunternehmen die Organisation von Produktion, Transport und Verkauf sowie die Arbeitsbedingungen weitgehend bestimmen. Als Reaktion auf diese Bedingungen haben besonders Gewerkschaften aus dem Globalen Sรผden Praxisformen entwickelt, die als Kampagnenstrategie bezeichnet werden kรถnnen. In รถffentlichen Kampagnen soll Druck auf Unternehmen und Regierungen ausgeรผbt werden, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Zwar haben diese Kampagnen durchaus ein Bewusstsein fรผr die miserablen Arbeitsbedingungen geschaffen, sie waren aber nicht dazu in der Lage, diese Bedingungen grundlegend zu verbessern und Gewerkschaftsmacht lokal aufzubauen. Das ExChains-Netzwerk von TIE Global versucht, diesem Problem durch die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschafter_innen aus dem Einzelhandel in Deutschland und Gewerkschafter_innen aus der Produktion in Indien, Sri Lanka und Bangladesch zu begegnen und alternative Praxisformen zu entwickeln, um Solidaritรคt in transnationalen Produktionsnetzwerken aufzubauen. Dabei greift das Netzwerk Erfahrungen mit social movement unionism auf und versucht diese weiterzuentwickeln. Schlagwรถrter: Globalisierung, Gewerkschaften, Social Movement Unionism, Bekleidungsindustrie, NGOisierung
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Gewerkschaften und undokumentierte Arbeit von Migrant_innen in ร–sterreich. รœber die Entstehung gewerkschaftlicher Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen (Michael Jungwirth)
Gewerkschaften vertreten in Bezug auf Migration und die Unterstรผtzung von Migrant_innen mitunter widersprรผchliche Positionen. In ร–sterreich sahen sie sich historisch mit unterschiedlichen Dilemmata konfrontiert. Dabei verfolgten sie in der Vergangenheit oftmals restriktive Ansรคtze. Allerdings ist gerade innerhalb der letzten Jahre auch ein Wandel der Positionen zu beobachten. Das รคuรŸert sich unter anderem darin, dass die Gewerkschaften nicht mehr nur Migration im Hinblick auf Lohn- und Sozialdumping problematisieren, sondern zunehmend auch die Folgen undokumentierter Arbeit fรผr Migrant_innen selbst thematisieren. Mit dem Versuch, Beratungs- und Unterstรผtzungsstrukturen, die auch Anleihen bei US-amerikanischen Worker Centers nehmen, in den Gewerkschaften zu verankern, sind jedoch auch neue Herausforderungen verbunden. Der Artikel zeigt, dass sich mit Hilfe von internen und externen Akteur_innen in den Gewerkschaften unterstรผtzende Ansรคtze in Gestalt der UNDOK-Anlaufstelle etablieren konnten. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Migrationspolitik, undokumentierte Arbeit, Migrant_innen, ร–sterreich
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Die Institutionalisierung von Arbeitsbeziehungen inmitten der Gewalt. Der paradoxe Fall der kolumbianischen Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro (Rainer Dombois, Carlos Miguel Ortiz)
Im Verlaufe des bewaffneten Konflikts sind in Kolumbien seit den 1980er Jahren Gewerkschaften und ihre Mitglieder wie in kaum einem anderen Land von physischer Gewalt heimgesucht worden. Der Artikel untersucht den paradoxen Fall der Bananenarbeitergewerkschaft Sintrainagro im Urabรก, die wohl am stรคrksten von Gewalt betroffen war, sich aber zugleich zu einer mรคchtigen, reprรคsentativen Organisation entwickelt hat, die โ€“ einzigartig in Kolumbien โ€“ Kollektivvereinbarungen fรผr fast die gesamte Branche in der Region aushandelt, dies in Arbeitsbeziehungen, die, ursprรผnglich stark antagonistisch, mikrokorporatistische Zรผge angenommen haben. Der Artikel zeigt die zentrale Bedeutung von legalen und illegalen bewaffneten Akteuren in der Region โ€“ staatlichen Sicherheitskrรคften, Guerillas und Paramilitรคrs โ€“ und ihren Strategien fรผr die Entwicklung der Gewerkschaft wie der Arbeitsbeziehungen auf und zieht Schlussfolgerungen fรผr die begrenzte Reichweite der Konzepte der industrial-relations-Forschung in einem Land mit „ungleicher Prรคsenz des Staats“. Schlagwรถrter: Gewerkschaften, Arbeitsbeziehungen, Gewalt, Bananenindustrie, Bananenarbeiterinnen und -arbeiter, Lateinamerika, Kolumbien, Urabรก
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Kรคmpfe um den Bergbau in Sรผdafrika: Eine Chance fรผr Allianzen zwischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen (Melanie Mรผller)
Sรผdafrika gilt als prominentes Beispiel fรผr die Entwicklung des social movement unionism. Dieses Konzept beschreibt starke Koalitionen zwischen sozialen Bewegungen und Gewerkschaften. Seit der politischen Machtรผbernahme durch den African National Congress (ANC) und der Bildung einer korporatistischen Regierungsallianz, die auch die Gewerkschaften eingebunden hat, hatte sich dieses enge Verhรคltnis gewandelt. Erst seit dem Massaker von Marikana nรคhern sich Gewerkschaften und soziale Bewegungen wieder aneinander an. Die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA versucht seitdem, eine United Front aufzubauen, die eine Alternative zur bisherigen Regierungspolitik bieten soll. Der Artikel befasst sich mit der Frage, inwiefern ein Wiederbeleben von social movement unionism auf auรŸerparlamentarischer Ebene in Sรผdafrika zu beobachten ist. Er untersucht am Beispiel des Bergbaus, welche Potenziale und Herausforderungen mit der Zusammenarbeit von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen verbunden sind. Dabei wird deutlich, dass hinter den Auseinandersetzungen um die Ausweitung des Bergbaus vielfรคltige Konflikte stecken. In ihrem Verlauf kommt es in fast allen Fรคllen zu einer Kritik am sรผdafrikanischen Entwicklungsmodell. Stichwรถrter: Sรผdafrika, Gewerkschaften, Bergbau, soziale Bewegungen, Konflikte
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Geld fรผr Gewerkschaften. รœber die Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Fรถrderung (Frauke Banse)
Dieser Artikel diskutiert die Wirkung externer Gelder auf Gewerkschaften sowie die Intentionen gewerkschaftlicher Geberorganisationen. Gewerkschaften als mitgliederbasierte, die Eigeninteressen von Lohnabhรคngigen vertretende Organisationen mit speziellen Machtressourcen und komplexen institutionellen Gefรผgen unterscheiden sich substantiell von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gewerkschaftliche Gebergelder wirken in einem weit komplexeren institutionellen Gefรผge und nehmen Einfluss auf die Gewerkschaftsdemokratie, Gewerkschaftsagenda und gewerkschaftliche Machtressourcen. Die Finanzierung peripherer Gewerkschaften bringt internationale Geber zudem potenziell in Kontakt mit der strukturellen Macht von Lohnabhรคngigen in diversen Lรคndern. Je nach politischer Orientierung der Geberorganisation und ihrem Verhรคltnis zu staatlichen Institutionen kann sich dies nicht nur auf die Geber-Empfรคnger-Beziehungen auswirken, sondern auch auรŸenpolitisch relevant werden. Anhand verschiedener historischer und empirischer Beispiele diskutiert der Artikel Intentionen und Wirkungen gewerkschaftlicher Geberbeziehungen, insbesondere im Hinblick auf die Fรถrderung oder Behinderung gewerkschaftlicher Erneuerung und den Einfluss des Gebers auf die interne Gewerkschaftsdemokratie und -agenda. Schlagwรถrter: internationale Gewerkschaftssolidaritรคt, internationale zivilgesellschaftliche Kooperationen, zivilgesellschaftliche Geberbeziehungen, Gewerkschaftsfinanzierung, Gewerkschaften im Globalen Sรผden
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Neue gewerkschaftliche Handlungsfelder in Brasilien. Der Dachverband CUT und die solidarische ร–konomie (Selma Cristina Silva de Jesus)
Die Deregulierung des Arbeitsmarktes durch die Krise des Fordismus und des รœbergangs zur flexiblen Akkumulation mit der daraus resultierenden strukturellen Arbeitslosigkeit und den neuen Anstellungsformen brachte neue Herausforderungen fรผr die brasilianische Gewerkschaftsbewegung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, begannen die Gewerkschaften neue Handlungsfelder in ihre Agenden aufzunehmen, die sie bisher vernachlรคssigt hatten, wie Rassen- und Geschlechterbeziehungen sowie die solidarische ร–konomie. Dieser Artikel untersucht, ob das Engagement des Gewerkschaftsdachverbands Central รšnica dos Trabalhadores (CUT) auf dem Gebiet der solidarischen ร–konomie zur Verwirklichung des Diskurses beigetragen hat, wonach das Genossenschaftswesen eine Lรถsung fรผr die Einkommenserzielung darstellt und als politische Vertretung fรผr informell Beschรคftigte und stรคdtische Arbeitslose agiert. Ferner analysiert er die Bedeutung der Zentrale der Genossenschaften und der solidarischen Unternehmungen Unisol Brasil sowie der von der CUT gegrรผndeten Agentur fรผr Solidarische Entwicklung (Agรชncia de Desenvolvimento Solidรกrio, ADS) im Hinblick auf die Frage, inwieweit diese Institutionen darin erfolgreich waren, Einkommen fรผr die Arbeiter*innen-Klasse zu schaffen und ihr politische Reprรคsentation zu ermรถglichen. Schlรผsselwรถrter: Gewerkschaften, Kooperativismus, Central รšnica dos Trabalhadores, politische Reprรคsentation
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