Beschreibung
Wie funktionieren Interaktionsprozesse im Klassenzimmer? Wie lassen sich Unterrichtsstรถrungen erklรคren und warum eskalieren Konflikte? Interaktionsprozesse im Unterricht werden unter Rรผckgriff auf soziologische und psychologische Theorien umfassend dargestellt. Ausgehend von den institutionellen Rahmenbedingungen und den Anforderungen an die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen wird die Interaktionsordnung des Unterrichts differenziert beschrieben.
Neben der Lehrer-Schรผler-Interaktion erfรคhrt die Interaktion unter Peers besondere Beachtung. Ordnungsmechanismen (Routinen und Rituale), Stรถrungen der Unterrichtsinteraktion (Irritation, Konfrontation, Konflikt) sowie die Eskalation und Chronifizierung von Konflikten stehen im Zentrum der Betrachtung.
Die Autorin:
Prof. Dr. Felicitas Thiel
lehrt an der Freien Universitรคt Berlin, Arbeitsbereich Schulpรคdagogik/Schulforschung.
Hier finden Sie den Waschzettel zum Buch (PDF-Infoblatt).
Zielgruppen: Lehramtsstudierende, Lehrende in der LehrerInnenbildung, Studierende, Lehrende und Forschende aus Erziehungswissenschaft und Soziologie
Keywords: Interaktionsordnung des Unterrichts, Unterrichtsstรถrungen, Konflikteskalation im Unterricht
Fachbereiche: Erziehungswissenschaft, Schulpรคdagogik


Fred Twister –
Felicitas Thiel gelingt in Ihrem Buch eine detaillierte Analyse der Interaktion im Unterricht. Sie beleuchtet hierbei akribisch das Interaktionssystem Unterricht und legt in diesem Zuge grundlegende Stellschrauben fรผr Lehr-Lern Zusammenhรคnge in Unterrichtssituationen frei. Da dies aus Perspektive der Lehrenden und Lernenden geschieht und implizite und explizite Merkmale berรผcksichtigt werden sowie die Interdependenz zwischen den einzelnen Akteuren und systemischen Rahmenfaktoren Beachtung findet, schafft die Autorin ein umfassendes Bild der Kommunikation im Unterricht, welches fรผr die Forschung und die Professionalisierung von Lehrkrรคften hilfreiche Ansatzpunkte bietet.
MB –
Frau Thiel gibt in ihrem Buch einen guten Einblick in gรคngige Theorien rund um Interaktionsprozesse im Unterricht. Sie bedient sich einer leicht verstรคndlichen, aber wissenschaftlichen Sprache und gibt stets einen guten รberblick รผber den jeweiligen Forschungsstand. Dabei zeigt Sie indirekt Desiderate auf, die besonders fรผr Studierende auf der Suche nach mรถglichen Fragestellungen fรผr Abschlussarbeiten interessant sein dรผrften. Wer in einem Kapitel รผber Kommunikation eine systemtheoretische Betrachtung nach Luhmann erwartet, wird allerdings enttรคuscht. Die Autorin verweist hier primรคr auf Goffman, was jedoch fรผr eine รผberblicksartige Behandlung der Thematik des Buches positiv zu sehen ist. Die theoretische Aufschlรผsselung von Konflikten und Stรถrungen im Unterricht ist gut gegliedert und sollte fรผr ambitionierte Studierende in mittleren Semestern verstรคndlich sein. Zudem illustriert Frau Thiel ihre Gedanken oft an gut gewรคhlten und kurzen Beispielen, was die รbertragung ihrer theoretischen Vorschlรคge fรผr den Umgang mit Konflikten im Unterricht auf die Praxis noch einfacher machen dรผrfte.
Wรผnschenswert wรคre hingegen eine einfรผhrende Erlรคuterung des Interaktionsbegriffs gewesen, der sich dem bzw. der Leser_in erst im Kapitel zur Kommunikation im Unterricht gรคnzlich erschlieรt. Ebenso wรคre eine Betrachtung der Gesellschaft und ihrer Erwartungen an Schule als Rahmenbedingungen nรผtzlich gewesen. Schule verweist stets auf Gesellschaft und macht sie somit zu einer wichtigen Komponente, die bei der Betrachtung von Interaktionsprozessen nicht aus dem Blick geraten sollten. In Ableitung aus den gesellschaftlichen Erwartungen wรคre eine Beleuchtung der Antinomien des Lehrerhandelns nach Helsper besonders fรผr Lehramtsstudierende sinnvoll gewesen.
Frau Thiel hat mit ihrem Buch ein solides รberblickswerk geschaffen, dass jedoch eine gewisse Vorkenntnis voraussetzt und somit nicht unbedingt fรผr Studienanfรคnger_innen geeignet ist, im Verlauf des Studiums jedoch durchaus gelesen werden sollte.
FO –
Fรผr mich als Lehramtsstudenten im Master of Education ein durchaus interessantes und lesenswertes Buch. Thiel wirft aus soziologischer Sicht โ sich jedoch im Sinne von Interdisziplinaritรคt vieler Theorien und Begriffe aus Nachbarwissenschaften bedienend โ einen Blick auf das komplexe Interaktionssystem Schule. Dieses zeichnet sich vor allem durch eine paradox erscheinende Parallelitรคt von einerseits in hohem Maรe institutionalisierter Ordnung und andererseits Unvorhersehbarkeit sowie Stรถrungspotenzial aus. Von dieser These ausgehend definiert Thiel in 5 Inhalts-Kapiteln wichtige Begriffe.
Sprachlich ist es fรผr Studierende anspruchsvoll, jedoch immer noch verstรคndlich, geschrieben. Zwar werden speziellere Theorien und Begrifflichkeiten erlรคutert (es wird ja schlieรlich mit diesen gearbeitet) doch ist bei der Lektรผre dieses Buches vor allem eine rudimentรคre Kenntnis soziologischer Schlรผsselbegriffe von Vorteil
Larissa Wiechmann –
Seit August dieses Jahres bin ich Lehrerin im Vorbereitungsdienst. Das Buch „Interaktion im Unterricht“ passte aus diesem Grund ideal in meine Bibliothek, zumindest versprach das schon einmal der Titel. Da ich mich momentan vor lauter neuer Literatur kaum retten kann, habe ich zwar nicht das ganze Buch von vorn bis hinten durchgelesen, jedoch mindestens 3/4, bzw. habe ich mir jene Kapitel herausgesucht, die mir als Referendarin im 1. Semester im Unterricht รคuรerst sinnvoll erschienen. Mein Eindruck ist durchweg positiv! Das Buch fokussiert nicht nur die Metaebene, wie bspw. die Professionalisierung des Berufes „LehrerIn“ oder die Organisation Schule, es ermรถglicht auch einen รผberaus wichtigen multiperspektiven Blick auf Unterricht. Hierbei wird nicht nur die Rolle des Schรผlers oder der Schรผlerin, sondern ebenfalls die Rolle der Lehrkraft beleuchtet und hinterfragt. So ist bspw. die Kommunikation im Unterrichtsgeschehen ein groรes Themenfeld im Werk Felicitas Thiel. Da ich erst am Anfang meines Referendariats stehe, ist das Kapitel „Stรถrungen und Konfliktdynamiken der Unterrichtsinteraktion“ ein Themenfeld, welches mich gleich zu beginn sehr interessierte. Aus diesem Grund las ich es auch zuerst und kann letztlich berichten, dass ich die verschiedenen Ebenen der Stรถrungen, die verschiedenen Perspektiven und Erlรคuterungen groรartig und wahnsinnig spannend finde.
Ich freue mich, mich fรผr dieses Buch entschieden zu haben und lese es in jedem Fall zu Ende.
Wilhelm W –
Im Rahmen der Literaturrecherche fรผr mein Dissertationsvorhaben stieร ich auf โInteraktion im Unterricht. Ordnungsmechanismen und Stรถrungsdynamikenโ von Felicitas Thiel, Professorin fรผr Schulpรคdagogik/Schulentwicklungsforschung an der FU Berlin. Nach einer Einleitung folgen die fรผnf Kapitel: โRahmenbedingungen der Unterrichtsinteraktionโ, โAnforderungen der Unterrichtsinteraktionโ, โDie Interaktionsordnung des Unterrichtsโ, โKommunikation im Unterrichtโ sowie โStรถrungen und Konfliktdynamiken der Unterrichtinteraktionโ. Das Buch bietet zum Teil neben ausgewรคhlten (soziologischen/psychologischen) Theorien auch Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, gleichzeitig behรคlt es seinen Lehrbuchcharakter. Demnach ist es geeignet fรผr Studierende, die einen ersten Einblick in die Thematik gewinnen wollen. Sprachlich in vielen Teilen verstรคndlich und nachvollziehbar formuliert, sind besonders die Zusammenfassungen am Ende jeden Kapitels fรผr Einsteiger gewinnbringend.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass in viele Punkten (z.B. Professionalisierung des Lehrerberufs โ drei Seiten!) nur an der Oberflรคche gekratzt wird. Auch hรคufige Wiederholungen einzelner Aussagen sowie m.E. unzulรคssige Verallgemeinerungen (Unterrichtstรถrung โ Unterscheidung zwischen rebellierendem und protestierendem Verhalten von Schรผler_innen: โWeil sie die Ziele der Schule ablehnen, haben sie in ihren eigenen Augen โ im Unterschied zu protestierenden Schรผlerinnen und Schรผlern โ nichts zu verlieren und zeigen sich deshalb auch durch die Androhung schlechter Zensuren unbeeindrucktโ (S. 138)) trรผben den Lesegenuss. Wie bei jeder Literatur ist daher, unabhรคngig vom Verfasser, ein eigener kritischer Blick zu empfehlen.
Jan Linsmayer –
Das Buch Interaktion im Unterricht von Felicitas Thiel beleuchtet auf ca. 149 Seiten verschiedene Aspekte der Interaktion des Unterrichts. Im Gegensatz zu einigen anderen Werken dieser Art, handelt es sich bei diesem Taschenbuch nicht um eine reine Aufsatzsammlung sondern um ein kohรคrentes Lehrwerk was durch einen logischen Aufbau, von den grundsรคtzlichen Rahmenbedingungen der unterrichtlichen Interaktion รผber die sogenannte Interaktionsordung des Unterrichts hinaus auch Aspekte wie Stรถrungen und Konfliktdynamiken der Unterrichtsinteraktion beleuchtet und somit besonders Einsteigern im schulischen Vorbereitungsdienst einen guten รberblick aus soziologischer und psychologoscher Perspektive bietet. Leider muss gesagt werden, dass manche Themen welchen mehr Aufmerksamkeit gebรผhrt nur an der Oberflรคche behandelt wurden, was jedoch aufgrund des einfรผhrenden Charakters des Buches ein zu vernachlรคssigender Faktor ist. Sofern der geneigte Leser mit einem kritischen Auge an die Lektรผre herangeht und bei einzelnen Passagen zusรคtzliche Literatur heranzieht, kann diesem Werk eine volle Empfehlung ausgesprochen werden.
J. Braun –
Von Frau Professorin Felicitas Thiels Monographie โInteraktionen im Unterrichtโ (2016) kรถnnen sich vor allem diejenigen LehramtsanwรคrterInnen sowie in der Unterrichtspraxis befindlichen Lehrkrรคfte angesprochen fรผhlen, die รผber sozialwissenschaftliche Grundkenntnisse verfรผgen und die hehre, berufsbezogen-professionelle Absicht hegen, den eigenen Unterricht nachhaltig zu verbessern. In einer klaren Sprache und einer nachvollziehbaren, prรคzisen, wenngleich dem Lehrbuchcharakter des Buches geschuldeten sprunghaften, Argumentationsfรผhrung fรผhrt Thiel der Rezipientenschaft vor, wie soziologische Theoriebezรผge fรผr die Analyse und Bestreitung von Unterricht nutzbar gemacht werden kรถnnen. Hervorzuheben gilt hier die ausfรผhrliche Behandlung innovativer theoretischer Einsichten der Emotionssoziologie (v.a. in Bezug auf Scham). In Abgrenzung zur schlichten Ratgeberliteratur รผbergeht sie nicht die mitunter widersprรผchliche, antinomische Struktur der an Lehrpersonen gerichteten Erwartungen, untergrรคbt aber nichtsdestoweniger in der Interaktionsforschung nicht selten anzutreffende normative Enthaltsamkeit zugunsten einer stรถrungsvermeidenden und effizienzsteigernden Classroom-Management-Handreichung. Kurzfazit: verstรคndlich, soziologisch, unterrichtserfolgfokussierend.
PS –
Das Buch deckt trotz des schmalen Formats eine breite Palette an mรถglichen Interaktionsprozessen im Unterrichts ab. Mรถglich wird dies vor allem durch die komprimierte Schreibweise der Autorin, bei der viel Inhalt auf sehr geringem Platz generiert wird. Es wird Bezug auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Theorien genommen, bei denen Definitionen oft sehr, teilweise auch zu kurz behandelt werden. Die Betrachtung erfolgt dabei anhand gรคngiger soziologischer, sowie psychologischer Theorien. Demnach ist das Buch sehr gut fรผr einen groben Gesamtรผberblick zum Themenfeld geeignet. Grundverstรคndnisse der dazugehรถrigen Theorien werden teilweise vorausgesetzt oder sollten bei nรคherem Interesse anderweitig vertieft werden. Mir persรถnlich hat das Buch insbesondere bei der Auseinandersetzung von auf Video aufgezeichnetem Unterricht geholfen.