Beschreibung
Wie können Sozialunternehmen in einer von künstlicher Intelligenz, Komplexität und dynamischen Veränderungen geprägten Arbeitswelt lernfähig, flexibel und verantwortungsvoll gestaltet werden? Die Autorinnen verbinden agile Führung, systemische Organisationsberatung und systemisches Qualitätsmanagement zu einem integrativen Ansatz für Führungskräfte.
Ausgehend von der Systemtheorie und dem konstruktivistischen Verständnis sozialer Systeme zeigen die Autorinnen, wie moderne Sozialunternehmen mit wachsender Komplexität, Unsicherheit und Dynamik umgehen können. Sie argumentieren, dass klassische, hierarchische Führungslogiken in einer von VUCA-Merkmalen (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) geprägten Arbeitswelt an Wirkung verlieren und stattdessen agile Führungsansätze erforderlich werden, die auf Sinnorientierung, Empowerment, Selbstorganisation und reflexive Lernprozesse setzen. Besonders im Spannungsfeld zwischen menschlicher Professionalität und zunehmender Digitalisierung – einschließlich des Einsatzes von KI – entstehen neue Anforderungen an Führung, ethische Orientierung und organisationale Lernkulturen.Der zweite Schwerpunkt des Buches liegt auf dem systemischen Qualitätsmanagement, das Qualität nicht als lineare, messbare Größe, sondern als dialogischen, kontextabhängigen und reflexiven Prozess begreift. Es zeigt, warum klassische industriell geprägte QM-Modelle die Anforderungen sozialer Dienstleistungen kaum abbilden können und wie systemisch-orientierte Qualitätsansätze Orientierung, Professionalisierung und Transparenz schaffen. Durch die Verbindung beider Themenfelder entwickelt das Buch ein theoretisch fundiertes, zugleich praxisrelevantes Transformationsverständnis: Sozialunternehmen können nur dann zukunftsfähig bleiben, wenn sie Agilität, systemische Haltung und Qualitätsentwicklung als zusammenhängende Elemente organisationaler Weiterentwicklung begreifen.
Die Autorinnen:
Iulia Alexandra Aron, Systemische Beraterin/Organisationsberaterin, Sozialarbeiterin, langjährige Erfahrung in der Arbeit mit komplexen sozialen Systemen, der Arbeit mit vulnerablen Zielgruppen sowie der Konzeption innovativer sozialer Projekte
Katharina Michalik, Systemische Beraterin/Organisationsberaterin, Sozialarbeiterin, langjährige und vielseitige Erfahrung im sozialen Bereich insbesondere in Beratung & Coaching, Organisationsentwicklung, Case- und Projektmanagement, interkulturelle Bildungsarbeit sowie Führung in sozialen Unternehmen
Die Zielgruppe:
Führungskräfte in Sozialunternehmen







Andreas Rüdinger –
KI in der Sozialwirtschaft – mit ethischem Kompass gedacht
Ich bin selbst nicht in einem Sozialunternehmen tätig, interessiere mich aber sehr dafür, wie KI-Lösungen verantwortungsvoll zum Wohl einzelner Menschen und der Gesellschaft eingesetzt werden können. Entsprechend habe ich mir vor allem die Abschnitte vorgenommen, die KI bereits in der Überschrift führen – 2.7 und 2.8 sowie 2.18 bis 2.22 – und dazu das zusammenfassende Kapitel 4.
Die Ausgangslage zeichnen die Autorinnen nüchtern und ohne Technikeuphorie: Fachkräftemangel und die schwierige Haushaltslage vieler sozialer Dienste sind die eigentlichen Treiber der Digitalisierung und KI-fizierung, und die Hoffnung auf Entlastung ist von Beginn an mit Vorbehalten verbunden. Von dort aus wird das Potenzial in mehreren Richtungen entfaltet; exemplarisch seien zwei davon herausgegriffen. Zum einen die Auswertung großer Datenmengen: KI erkennt Muster, die in rein statistischen Verfahren unsichtbar bleiben, und macht Daten zu Bedarfen, Ressourcen und Ergebnissen nutzbar, die in sozialen Einrichtungen häufig fragmentiert vorliegen. Zum anderen die Entlastung von Führungskräften in den Bereichen Dienstplanung, Aufgabenzuteilung, Budgetkontrolle. Bemerkenswert finde ich, dass das Buch die Frage nicht bei der Effizienz stehen lässt, sondern konsequent weiterdenkt, wofür die gewonnene Zeit da sein soll: für Personalführung, strategische Planung und Change-Management, für kreative Problemlösung und wertschätzende Kommunikation. Das ist ein wohltuend anderer Akzent als der übliche Automatisierungsdiskurs.
Besonders überzeugt hat mich das Beispiel des Sozialleistungsrechners, den der DRK-Landesverband Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Kreisverband Mannheim und dem Social Impact Lab Stuttgart entwickelt hat. Hier wird greifbar, was KI im sozialen Bereich leisten kann: „Mit Hilfe von KI wird der Zugang zu Sozialleistungen und damit zur Teilhabe in der Gesellschaft gesichert. So sollen Armut und Ausgrenzung in Deutschland effizienter und zielgerichteter bekämpft werden.“ Dass die Antragstellung in der jeweiligen Muttersprache erfolgt und anschließend in einen druckfertigen deutschen Antrag übersetzt wird, ist ein kluger und sehr konkreter Beitrag zum Abbau von Zugangshürden, nämlich Technik, die dort ansetzt, wo Menschen tatsächlich scheitern.
Persönlich hätte ich mir an zwei Stellen noch etwas mehr gewünscht. Zum einen zum m.E. noch vielerorts brachliegenden Potenzial generativer KI und großer Sprachmodelle für Barrierefreiheit und Inklusion, wo gerade für Sozialunternehmen viel Potenzial für Zugewinn an Teilhabe liegt. Zum anderen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen: Beteiligung wird im Buch überzeugend als Haltungsfrage entwickelt, rechtliche Aspekte wie die Mitbestimmung nach dem Betriebsverfassungsgesetz bei Verhaltens- und Leistungskontrolle sowie Dienst- und Betriebsvereinbarungen zu KI hätten diesen Gedanken gut ergänzt.
Das schmälert den Gesamteindruck nicht. Zusätzlich zu den exemplarisch genannten Themen bietet das Buch einen wunderbaren und sorgfältig recherchierten Überblick über agile Führung und Qualitätsmanagement in Sozialunternehmen im Spannungsfeld zwischen klassischen Herausforderungen und Innovation. Man spürt die große Erfahrung der Autorinnen, ihre Theorie- und Systemkompetenz, ihre Begeisterung für das Thema sowie ihren präzise ausgerichteten ethischen Kompass.
Da sich das Themenfeld zügig weiterentwickelt und das Werk sicherlich auf rege Nachfrage stoßen wird, ist ihm eine Neuauflage zu wünschen. Für diese seien einige Tippfehler notiert: „beispielweise“ (S. 44), „Gleichzeit ist es wichtig“ (S. 77), „müssen einbezogen und einhalten werden“ (S. 81) sowie „im Umgang mit KI erbrach“ statt „erbrachte“ (S. 87). Dem Verlag sei dabei nahegelegt, für das Korrektorat, eine ureigene verlegerische Aufgabe, seinerseits KI zu Rate zu ziehen und die Fundstellen anschließend menschlich zu prüfen.
Insgesamt ein fundiertes und anregendes Werk mit einer Vielzahl von Denkanstößen und einem breit recherchierten Literaturapparat, das jeder und jedem Interessierten wärmstens empfohlen werden kann.
Dr. Andreas Rüdinger
(an verantwortungsvollem KI-Einsatz zum Wohle der Menschen interessiert)