Inhalt
GENDER โ Zeitschrift fรผr Geschlecht, Kultur und Gesellschaft
1-2019: Hochschule und Geschlecht
Hrsg.: Marion Kamphans / Meike Sophia Baader / Sandra Beaufaรฟs
Schwerpunkt
Thorben Sembritzki / Lisa Thiele: Geschlechterunterschiede bei Karrierewegen von FachhochschulprofessorInnen: eine empirische Bestandsaufnahme
Kristina Binner / Lena Weber: Zwischen โExzellenzโ und Existenz. Wissenschaftskarriere, Arbeits- und Geschlechterarrangements in Deutschland und รsterreich
Ulla Hendrix / Heike Mauer / Jennifer Niegel: Karrierehindernis Geschlecht? Zum Verbleib von Frauen in der Hochschulmedizin
Sabrina Deigert: Exklusiv: akademischer Alltag im deutschsprachigen Universitรคtsroman. Eine gendersensible praxeologische Analyse
Lisa Mense / Stephanie Sera / Sarah Vader: Queering and diversifying gender in equality work at European higher education institutions
Offener Teil
Melanie Haller: Implizites Geschlecht โ Kleidergrรถรen in zeitgenรถssischer Kindermode
Anna Monz / Waltraud Corneliรen: โDie Kinder gehรถren zur Mutter!?โ โ Implizite Genderkonzepte und deren Bedeutung fรผr die Genese von Wohnarrangements und Arbeitsteilung nach einer Trennung
Sabine Hofmeister / Tanja Mรถlders / Michaela Deininger / Katharina Kapitza: Fรผr welche โNatur/enโ sorgen wir? Kritisch feministische Perspektiven auf aktuelle Care-Debatten im sozial-รถkologischen Kontext
Almut Zwengel: Die Separierung der Geschlechter. Ihre Relevanz fรผr Interaktionen zwischen Geflรผchteten und ehrenamtlich fรผr sie Engagierten
Rezensionen
Magda Borysลawska: Helma Lutz/Anna Amelina, 2017: Gender, Migration, Transnationalisierung. Eine intersektionelle Einfรผhrung
Sarah K. Hackfort: Daniela Gottschlich, 2017: Kommende Nachhaltigkeit. Nachhaltige Entwicklung aus kritisch-emanzipatorischer Perspektive
Hanna Heinrich: Bรคrbel Schomers, 2018: Coming-out โ Queere Identitรคten zwischen Diskriminierung und Emanzipation
Friederike Hรถher: Babette Mรถlders, 2018: Mentoring zur Begleitung des รbergangs vom Studium in den Beruf
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Einzelbeitrag-Download (Open Access): gender.budrich-journals.de
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Abstracts
Geschlechterunterschiede bei Karrierewegen von FachhochschulprofessorInnen: eine empirische Bestandsaufnahme (Thorben Sembritzki, Lisa Thiele)
Der Beitrag untersucht geschlechtsbezogene Unterschiede bei der Besetzung von Professuren an Fachhochschulen, etwa mit Blick auf die Zahlen von Frauen und Mรคnnern, die sich bewerben, ihre vorangegangenen Karrierewege und Bewerbungsmotive, den Ausstieg oder Ausschluss aus dem Verfahren, die mit der Annahme der Professur verbundene Verรคnderung der persรถnlichen finanziellen Situation und die erreichte Arbeitszufriedenheit. Der Untersuchung liegt ein exploratives Mixed-Methods-Design zugrunde, das qualitative ExpertInneninterviews mit quantitativen Analysen von Daten aus Berufungsakten und einer Online-Befragung von neu berufenen StelleninhaberInnen verbindet. Dabei zeigt sich, dass Frauen insgesamt kรผrzere Zeiten der beruflichen Praxis angeben als Mรคnner, insbesondere in der Privatwirtschaft, und der Wechsel auf eine FH-Professur fรผr sie eher mit dem Erreichen einer hรถheren Position und eines besseren Einkommens verbunden ist. Zum Schluss werden bestehende Forschungslรผcken identifiziert und mรถgliche Ansรคtze fรผr weiterfรผhrende Forschung zum Karriereweg FH-Professur sowie zu Berufungsverfahren diskutiert. Schlรผsselwรถrter: Fachhochschule, Professur, Berufungsverfahren, Karriereweg, Frauenfรถrderung
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Zwischen โExzellenzโ und Existenz. Wissenschaftskarriere, Arbeits- und Geschlechterarrangements in Deutschland und รsterreich (Kristina Binner, Lena Weber)
In der Gesellschaft wie auch in der Wissenschaft haben einige Verรคnderungen in Richtung Geschlechtergleichstellung stattgefunden. In den letzten Jahren werden wissenschaftliche Karrieren in Deutschland und รsterreich jedoch nach โExzellenzkriterienโ und dem Leitbild der โunternehmerischen Hochschuleโ reorganisiert und Karrierepfade prekarisiert. Dieser Beitrag untersucht lรคnderรผbergreifend, ob sich dadurch Geschlechterarrangements erneut ungleich gestalten. Dazu wird mit der Perspektive der alltรคglichen und biografischen Arbeitsarrangements der Zusammenhang zwischen wissenschaftlichen Karrieren und Geschlecht analysiert. Im Fokus stehen die subjektiven Wahrnehmungen von Alltagsorganisation und biografischen Entscheidungen von NachwuchswissenschaftlerInnen, die in zwei qualitativen Interviewstudien befragt wurden. Es wird auf der Subjektebene gezeigt, wie in Zeiten โexzellenterโ Spitzenforschung Geschlechterungleichheiten in Alltag und Biografie erzeugt werden. Schlรผsselwรถrter: Wissenschaftliche Karriere, Arbeitsteilung, Exzellenz, Geschlechter(un)gleichheit, Qualitative Forschung, Unternehmerische Hochschule
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Karrierehindernis Geschlecht? Zum Verbleib von Frauen in der Hochschulmedizin (Ulla Hendrix, Heike Mauer, Jennifer Niegel)
Dieser Beitrag untersucht, warum Frauen nur selten Professorinnen in der Hochschulmedizin werden, obwohl Medizinstudentinnen mittlerweile deutlich in der Mehrheit sind. Anhand einer Online-Befragung von Assistenzรคrzt_innen sowie von Interviews mit Akteur_innen in Schlรผsselpositionen der Universitรคtskliniken und medizinischen Fakultรคten in NRW werden zwei zentrale Erklรคrungsansรคtze aus dem Feld herausgearbeitet: die Annahme, dass die mangelnde Vereinbarkeit von Hochschulmedizin und Familie fรผr den geringen Frauenanteil auf den Professuren verantwortlich ist (1), sowie die Vermutung, dass Frauen wissenschaftliche Karriereambitionen durch falsche Strategien nicht realisieren kรถnnen (2). Beide Erklรคrungsansรคtze operieren jedoch mit essentialistischen Geschlechterbildern, die fรผr die Aufrechterhaltung ungleicher Geschlechterverhรคltnisse in der Hochschulmedizin zentral sind. Schlรผsselwรถrter: Hochschulmedizin, Wissenschaftskarriere, Frauen, Geschlechterdiskriminierung, Universitรคtsklinik
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Exklusiv: akademischer Alltag im deutschsprachigen Universitรคtsroman. Eine gendersensible praxeologische Analyse (Sabrina Deigert)
Inwiefern kรถnnen Universitรคtsromane Auskunft รผber die Verschrรคnkung von Doing Science und Doing Gender im akademischen Alltag geben? Aufbauend auf Bourdieus Feldkonzept gehe ich dieser Frage anhand einer gendersensiblen praxeologischen Analyse von sechs zeitgenรถssischen deutschsprachigen Universitรคtsromanen nach. Zwei hervorgehobene Romanbeispiele zu den Praktikenkomplexen Gremienarbeit und informelle Zusammentreffen verweisen auf das Erkenntnispotenzial dieser Literatur fรผr wissenschaftssoziologische Forschung. Doch mรผssen die Romane gleichzeitig selbst als distinktive kulturelle Praxis gelesen werden, durch die Wissenschaftlerinnen performativ fachliche Eignung abgesprochen wird. Schlรผsselwรถrter: Bourdieu, Sozioanalyse, Praktiken, Universitรคtsroman
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Queering and diversifying gender in equality work at European higher education institutions (Lisa Mense, Stephanie Sera, Sarah Vader)
Against the background of recent changes to EU legislation to meet the demands and needs of LGBTIQ* communities, the authors seek to situate a queered and diversified understanding of gender firmly at the centre of the gender equality discourse in higher education (HE). Based on case examples, the legal and discursive status quo in German and Dutch HE institutions as well as actorsโ motivations, challenges and opportunities are examined through a queer lens. The results highlight how differently EU legislation is transposed into national law. They also show that change is currently driven by highly motivated individual actors, be they students, gender equality and diversity officers, or individual institutions. We argue that queering and diversifying should be understood and used as modes to reflect on and analyse the processes that lead to heteronormative understandings of gender in HE and to develop strategies that take the complexities of gendered identities and discrimination into account. Keywords: queer, gender equality, higher education, non-discrimination, EU
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Implizites Geschlecht โ Kleidergrรถรen in zeitgenรถssischer Kindermode (Melanie Haller)
Der Beitrag zeigt anhand von Grรถรenmaรtabellen fรผr Kindermode, auf welche Weise eine Geschlechterdifferenz in Kleidergrรถรen impliziert wird. Mit der Einbettung in die Modegeschichte von Kinderkleidung und die Entstehung von Konfektionsgrรถรen wird รผber die Methode einer praxistheoretischen Analyse gezeigt, wie zeitgenรถssische Kinderkleidung auf ein dichotomes Geschlechterkonzept limitiert wird, das dazu beitrรคgt, Geschlechterstereotypen zu verfestigen. Schlรผsselwรถrter: Kรถrper, Kind, Mode, Kinderkleidung, Konfektionsgrรถรen, Genderstereotype, Grรถรenmaรtabellen
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โDie Kinder gehรถren zur Mutter!?โ โ Implizite Genderkonzepte und deren Bedeutung fรผr die Genese von Wohnarrangements und Arbeitsteilung nach einer Trennung (Anna Monz, Waltraud Corneliรen)
Trennung und Scheidung bieten Paaren die Mรถglichkeit, Arbeitsteilungsarrangements neu zu gestalten. Dieser Beitrag zeigt, dass einige zentrale Entscheidungen nicht explizit ausgehandelt werden, sondern sich aus den vormals paarintern als selbstverstรคndlich erachteten Gender-, Beziehungs- und Elternschaftskonzepten ergeben. Dennoch ist im Trennungsprozess eine vorsichtige Modernisierung des Sorge- und Erwerbsarrangements in Richtung einer eher paritรคtischen Aufteilung der Arbeit unter den Eltern erkennbar. Anhand von vier systematisch ausgewรคhlten Fรคllen werden vier Muster der Transformation von Arbeitsteilungsarrangements nach einer Trennung rekonstruiert. Schlรผsselwรถrter: Gender, Arbeitsteilung, Trennung, Scheidung, Wohnarrangement, Qualitative Forschung
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Fรผr welche โNatur/enโ sorgen wir? Kritisch feministische Perspektiven auf aktuelle Care-Debatten im sozial-รถkologischen Kontext (Sabine Hofmeister, Tanja Mรถlders, Michaela Deininger, Katharina Kapitza)
Anlass unseres Beitrags ist die Beobachtung, dass sich in aktuellen feministischen Debatten โ insbesondere im Kontext der Nachhaltigkeitswissenschaften โ vermehrt auf โCareโ als Denk- und Handlungsprinzip bezogen wird. Damit wird โCareโ (auch) auf die Kategorie Natur erweitert. Wir gehen davon aus, dass eine solche Erweiterung die Komplexitรคt und Wirkmรคchtigkeit gesellschaftlicher Natur- und Geschlechterverhรคltnisse vernachlรคssigt. Eine Folge kรถnnte die รbertragung macht- und herrschaftsfรถrmiger Momente von Sorgebeziehungen auf den Umgang mit nichtmenschlichen โNatur/enโ sein. Wir begeben uns auf eine Spurensuche, die รผber die Auseinandersetzung mit โNaturโ als immanenter Kategorie von (Care-)Debatten der Neuen Frauen- und รkologiebewegung der 1970er-Jahre bis hin zu einer Untersuchung ausgewรคhlter Arbeiten zu โNaturโ als expliziter Kategorie in โCareโ-Beziehungen zwischen Menschen und nichtmenschlichen โNatur/enโ fรผhrt. Der Beitrag richtet sich explizit gegen die Tendenz der Essentialisierung von โNaturโ und โGeschlechtโ. Stattdessen plรคdieren wir fรผr eine nachhaltige Nutzung von โNatur/enโ in vorsorgender Perspektive. Schlรผsselwรถrter: Care, Feminismus, Emanzipation, Nachhaltigkeit, Natur/en
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Die Separierung der Geschlechter. Ihre Relevanz fรผr Interaktionen zwischen Geflรผchteten und ehrenamtlich fรผr sie Engagierten (Almut Zwengel)
Interaktionen zwischen mรคnnlichen Geflรผchteten und alteingesessenen Frauen werden seit den sexuellen รbergriffen in der Silvesternacht 2015 in Kรถln als problematisch gefasst. Hier wird ein Zugang zur geschlechterรผbergreifenden Interaktion gewรคhlt, der von positiven Alltagskontakten ausgeht, nรคmlich der Interaktion zwischen Geflรผchteten und ehrenamtlich fรผr sie Engagierten. Leitfadengestรผtzte Interviews mit 26 ehrenamtlich Engagierten werden in Anlehnung an die Grounded Theory analysiert. Die aus dieser Analyse heraus entwickelte Kernkategorie โSeparierung der Geschlechterโ verweist vor allem auf herkunftskulturelle Zuschreibungen und/oder Sozialisation, aber auch auf weiblich dominierte Unterstรผtzungsnetzwerke und auf geschlechtertrennende Angebote fรผr Geflรผchtete. Diese Separierung der Geschlechter fรผhrt zu Unsicherheiten bei geschlechterรผbergreifenden Interaktionen, insbesondere beim Umgang mit Nรคhe und Distanz. Das Ansetzen von kultureller Differenz wird in der Literatur skeptisch betrachtet. Kritisiert werden ein homogenisierender, statischer und deterministischer Kulturbegriff sowie die Reproduktion und Verstรคrkung von Vorurteilen und Stereotypen. Dennoch, in der Rekonstruktion von Interaktionen durch die befragten Engagierten spielt kulturelle Differenz eine entscheidende Rolle. Schlรผsselwรถrter: Geflรผchtete, Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Grounded Theory, Gender, Geschlechtertrennung
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