Inhalt
Soziologiemagazin
2-2015 (Heft 12): Bildung, Wissen und Eliten. Wissen als Kapital und Ressource?
Interview
Nadja Boufeljah: Ein Experteninterview รผber Bildungssoziologie mit Prof. Dr. Andrea Lange-Vester
Schwerpunkt
Theres Waldbauer: Wir werden dazu ausgebildet, einzigartig zu sein. Der Blick einer Schรผlerin auf ihre โexklusiveโ Schule
Claas Pollmanns: Zum Subjekt der Arbeit geformt. Die Universitรคt als Zentralort der Selbst-Vergesellschaftung
Offene Artikel
Laura Wiesbรถck: Das performierende Selbst im Hochschulsystem
Sebastian Weiรgerber: Macht Schule noch Bildung? Kritik eines funktionalen Bildungsbegriffs
Jรถrg Radtke: Das Ende der theoretischen Bildung?
Anderes
Lukas Daubner / Pauline Pรผschel: Gegen eine Bildungspolitik รผber den Kรถpfen der Betroffenen
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Abstracts
Wir werden dazu ausgebildet, einzigartig zu sein. Der Blick einer Schรผlerin auf ihre โexklusiveโ Schule (Theres Waldbauer)
Der vorliegende Artikel beschรคftigt sich mit der aktuellen Diskussion um Elite und Exzellenz im deutschen Bildungssystem. Aus einer schรผlerbiografischen Perspektive wird danach gefragt, wie Schรผler_innen โexklusiverโ Schulen sich hinsichtlich ihrer Bildung orientieren. Bei diesen Schulen handelt es sich um Gymnasien, die sich durch spezifische Profile, Distinktion und ein Auswahlverfahren auszeichnen. Im Fokus dieses Artikels steht die exemplarische Rekonstruktion des individuellen schul- und bildungsbezogenen Orientierungsrahmens der Schรผlerin Rebekka, die ein international orientiertes Privatgymnasium mit einem โexklusivenโ Anspruch besucht. Abschlieรend werden die Rekonstruktionsergebnisse in die Habitustypologie von Rolf-Thorsten Kramer et al. (2009) eingeordnet und ein Ausblick auf den Habitus von Schรผler_innen an exklusiven Gymnasien gegeben.
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Zum Subjekt der Arbeit geformt. Die Universitรคt als Zentralort der Selbst-Vergesellschaftung (Claas Pollmanns)
In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Bologna-Reform die passende Antwort auf verรคnderte Bedingungen des Arbeitsmarkts der Gegenwartsmoderne ist. Dabei wird von der Gegenwartsmoderne als Wissensgesellschaft ausgegangen. Der Artikel liefert einen รberblick zum Wandel der universitรคren Ausbildungsstrukturen und stellt mit der Aufarbeitung der Bologna-Reform die Employability als oberstes Ziel der Reform heraus, was weitreichende Folgen fรผr das Subjekt hat. Die dem Employabilitykonzept innewohnende Arbeit am Selbst lรคsst dabei den Bezug zu Foucaults Gouvernementalitรคtstheorie zu. Mit diesem Theorierahmen ist es mรถglich, Techniken der Selbstfรผhrung in der Universitรคtsausbildung zu identifizieren. Als Schlรผsselkompetenzen kรถnnen diese Techniken, die das Subjekt fรผr die รถkonomische Verwertung in der Wissensgesellschaft vorbereiten, im universitรคren Lehrkanon wiedergefunden werden.
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Das performierende Selbst im Hochschulsystem (Laura Wiesbรถck)
Die Idee, dass mehr Wettbewerb zu besseren Ergebnissen fรผhrt, kommt aus der Wirtschatswissenschat. Wie wirkt sie sich aber auf die soziologische Lehre und Forschung aus? Mit dieser Frage beschรคtigt sich das kรผnstlerische Projekt Das performierende Selbst im Hochschulsystem. In der partizipativen Ausstellung werden erhรถhte Anforderungen an individuelle Performances im reformierten Hochschulsystem dargestellt und persiliert. Mithilfe von unterschiedlichen Ansรคtzen wird die kollektive Anpassung an Praktiken, die den Umgang mit den Leistungserwartungen im akademischen System scheinbar erleichtern, auf satirische Weise thematisiert. Die Ausstellung besteht aus vier Arbeiten und wurde im Mai 2015 erstmals am Institut fรผr Soziologie der Universitรคt Wien prรคsentiert.
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Macht Schule noch Bildung? Kritik eines funktionalen Bildungsbegriffs (Sebastian Weiรgerber)
In dem Essay geht es um die Kritik funktionalistischer Bildungstheorien, wie derer von Talcott Parsons oder Robert Dreeben. Ersterer sah als Strukturfunktionalist im System Bildung die Schule als eine die Gesellschaft erhaltende und reproduzierende Institution, da sie Schรผler hin zu den gewรผnschten gesellschaftlichen Standards sozialisiert und heranbildet (vgl. Parsons 1968). Auch Robert Dreeben nimmt in seinen Studien eine รคhnliche Stellung ein und fokussiert, welche gesellschaftlichen Standards und Kompetenzen neben Mathe und Grammatik in der Schule noch gelehrt werden (vgl. Dreeben 1980). Es soll im Anschluss an eine โNew Sociology of Educationโ gezeigt werden, dass solche Perspektiven das Proprium von Bildung verfehlen, da sie Bildung auf das Wissen von Fakten und Normen begrenzen. Gerade dieser reduktionistische Fehlschluss birgt groรe Probleme. Er leistet bildungspolitischen Maรnahmen Vorschub, welche die Bildungslandschaft nachhaltig zerstรถren. An Hand der eigenen Analyse von Bildung als dysfunktionale Kraft soll gezeigt werden, warum und inwiefern Schulen und andere Bildungsinstitutionen der Gesellschaft ihren Bildungsauftrag verfehlen und auch nur bedingt รผberhaupt erreichen kรถnnen.
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