Inhalt
ZQF โ Zeitschrift fรผr Qualitative Forschung
1-2020: Qualitative Online-Forschung: Methodische und methodologische Herausforderungen
hrsg. von: Thomas Schmidt-Lux & Monika Wohlrab-Sahr
Schwerpunkt
Thomas Schmidt-Lux / Monika Wohlrab-Sahr: Qualitative Online-Forschung. Methodische und methodologische Herausforderungen
Vanessa Wein: Digitale Dokumente und Soziologie der digitalen Analyse. Zur Reprรคsentation entfernter Gebrauchsweisen
Ronja Trischler: Digitale Datenimporte. Onlinesuchen als kooperative Praktiken Beobachten
Marcel Woznica: Videographie im Wandel. Zur Analyse des mediatisierten Alltagsraumes mittels mobiler Erhebungsinstrumente
Matthias Vรถlcker / Sascha Landeck / Katharina Poltze / Melanie Schreck / Denise Heinemeyer: Dating-Apps im intersubjektiven Geschehen. Tinder, Grindr und Co. als Optionen der Beziehungsinitiierung
Freier Teil
Niels Uhlendorf: Subjektivation durch Zugehรถrigkeit zu einer imaginierten Leistungsgemeinschaft. Eine diskurs- und biografieanalytische Studie zu Wettbewerbs- und Optimierungsdruck im Kontext von Migration
Irene Leser: Umgang mit dem Zirkel. Methodologische Grundannahmen und methodische Verfahrensweisen der pรคdagogischphรคnomenologischer Videographie (ppV) und Videointeraktionsanalyse (VIA) im Vergleich
Heike Kanter: Dem (eigenen) Lehren โauf die Spurโ kommen: das Tagebuch als Erhebungsmethode im Rahmen einer praxeologischen Erforschung von Lehre
Rezensionen
Susanne Siebholz: Leila Akremi/Nina Baur/Hubert Knoblauch/Boris Traue (Hrsg.): Handbuch Interpretativ forschen
Ulrike Mietzner: Michael R. Mรผller/Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): Das Bild als soziologisches Problem. Herausforderungen einer Theorie visueller Sozialkommunikation
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Abstracts
Digitale Dokumente und Soziologie der digitalen Analyse. Zur Reprรคsentation entfernter Gebrauchsweisen (Vanessa Wein)
Der vorliegende Artikel operiert auf zwei Ebenen. Erstens illustriert er eine Mรถglichkeit, wie Sozialforschung โBig Dataโ in den Griff bekommen kann. Das gelingt ihr nicht, indem sie mit der im IT-Feld praktizierten Datenanalyse konkurriert. Stattdessen kann sie diese Analyse selbst, ihre Analysedokumente und das darin zum Ausdruck kommende Wissen zum Gegenstand machen. Am Beispiel eines Webanalysereportes wird gezeigt, wie bei der soziologischen Auswertung praktisch verfahren wurde, und es werden erste Ergebnisse skizziert. Zweitens bietet der Artikel, vom konkreten empirischen Fall abstrahierend, eine Antwort auf die methodische Herausforderung, die sich der Soziologie angesichts der weit fortgeschrittenen Digitalisierung stellt. Sozialforschung sieht sich mit einer schnell wachsenden Anzahl digitaler Dokumente konfrontiert. Der Artikel systematisiert Erfahrungswissen zum praktischen Umgang u.a. mit Akten, Texten und Bildern in der qualitativen Sozialforschung und erarbeitet daraus vier Dimensionen von Dokumenten. Zum einen solche, die in der โklassischenโ Dokumentenanalyse zentral sind, neben dem Gebrauch ist das ihre textliche Performativitรคt, und andererseits solche, die in der soziologischen Forschung bislang eher implizit oder jenseits des dokumentenanalytischen Diskurses Beachtung gefunden haben: nรคmlich die grafisch-visuelle Performativitรคt und die Materialitรคt. Schlagwรถrter: Dokumentenanalyse, analytisches Quadrat, Digitalisierung, Big Data, digitale Analyse, Materialitรคt, Performativitรคt
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Digitale Datenimporte. Onlinesuchen als kooperative Praktiken beobachten (Ronja Trischler)
Dieser Beitrag diskutiert anhand einer Fallstudie die methodischen und analytischen Mรถglichkeiten einer soziologischen Beobachtung von Onlinesuchen, die im Rahmen von Erwerbsarbeit stattfinden. Soziale Relevanz erfahren Onlinedaten hier in Praktiken, in denen sie arbeitsalltรคglich in lokale Zusammenhรคnge importiert werden. In situ werden diese kooperativen Importe รผber verschiedene mediale รbersetzungen beobachtbar: Spezialisierte Versprachlichungen, Visualisierungen, Verkรถrperlichungen und Verdinglichungen vermitteln Onlinedaten ins Offline โ und stiften dabei Kooperation. Die vorgestellte Perspektive zur Beobachtung ermรถglicht damit eine Differenzierung der binรคren Unterscheidung online/ offline, die die Koordination im (Arbeits-)Alltag nur unzureichend beschreibt. Schlagwรถrter: Soziologische Ethnografie, Qualitative Methoden, Techniksoziologie, Praxistheorie, Digitale Arbeit
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Videographie im Wandel. Zur Analyse des mediatisierten Alltagsraumes mittels mobiler Erhebungsinstrumente (Marcel Woznica)
Im vorliegenden Beitrag wird ein videographisches Forschungsdesign vorgestellt und auf das populรคre Augmented Reality (AR) Mobile Game Pokรฉmon GO angewendet. Dabei wird herausgearbeitet, wie ein mediatisiertes Phรคnomen methodisch untersucht werden kann, welches sich vor allem durch seine kleinteiligen, an die Spiel- und/oder Alltagsrealitรคt gerichteten Interaktionsformen sowie seine flรผchtige Spielpraxis auszeichnet. Es wird eine phรคnomenologische und dramatologische Perspektive eingenommen, um eben diese methodischen Kernprobleme herauszuarbeiten. Das Datenmaterial, das mit einer mobilen GoPro Kamera erhoben wurde, wird mit Hilfe der (sequenzanalytischen) Rahmenanalyse (Goffman 1977) ausgewertet. Bei der Vorstellung der Ergebnisse kommt das Konzept der synthetischen Situation (Knorr-Cetina 2009) zur Anwendung und wird um den Aspekt des mediatisierten Alltagsraumes und seiner interaktiven und kรถrperlich-performativen Herstellung erweitert. Schlagwรถrter: Videographie, Methoden der qualitativen Sozialforschung, Mediatisierung, Rahmenanalyse, Phรคnomenologie
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Dating-Apps im intersubjektiven Geschehen Tinder, Grindr und Co. als Optionen der Beziehungsinitiierung (Matthias Vรถlcker, Sascha Landeck, Katharina Poltze, Melanie Schreck und Denise Heinemeyer)
Wir beschรคftigen uns in diesem Aufsatz mit Phรคnomenen netzgรคngiger Beziehungsinitiierung und der Relevanz von Dating-Apps im intersubjektiven Geschehen. Neben der skizzenhaften Aufarbeitung eines komplexen und ambivalenten Forschungsstandes stellen wir die Ergebnisse einer Interviewstudie mit Nutzer*innen solcher Apps vor. In der Auswertung des empirischen Materials, welches wir mithilfe der Grounded-Theory-Methodologie (GTM) realisierten, erรถffnen wir Einblicke in technologisch vermittelte kommunikative Prozesse und arbeiten die (inter-)subjektive(n) Bedeutsamkeit(en) solcher Apps heraus. Schlagwรถrter: Online-Dating, Dating-Apps, Beziehungsinitiierung, Grounded Theory
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Subjektivation durch Zugehรถrigkeit zu einer imaginierten Leistungsgemeinschaft. Eine diskurs- und biografieanalytische Studie zu Wettbewerbs-und Optimierungsdruck im Kontext von Migration (Niels Uhlendorf)
In diesem Beitrag wird das Versprechen von Zugehรถrigkeit durch Leistung im Kontext von Migration analysiert. Dabei stellt sich die Frage, mit welchen Subjektdiskursen Leistung einhergeht und welche Aneignungsformen solcher Diskurse bestehen. Zur empirischen Analyse wurden mediale Reprรคsentationen von Deutsch-Iraner/innen in Anlehnung an die Wissenssoziologische Diskursanalyse (Keller 2011) rekonstruiert. Zudem wurden biografisch-narrative Interviews in Anlehnung an die Narrationsanalyse (Schรผtze 1983) ausgewertet. An dieser Stelle werden zwei rekonstruierte Varianten kontrastiert: (1) In einem eher affirmativen Bezug auf Optimierungsnormen wird stete Leistungsverbesserung als Mรถglichkeit gesehen, sich selbst in einer โimaginierten Gemeinschaftโ zu legitimieren. (2) In einer eher subversiv-disruptiven Variante werden, ausgehend von wahrgenommenen Widersprรผchlichkeiten in der Erwartungshaltung, eher abgrenzende Mechanismen manifest. Hierbei zeigen sich, wie im abschlieรenden Fazit diskutiert werden soll, bei beiden Varianten auch Inkonsistenzen, die auf method(olog)ische Herausforderungen hindeuten. Schlagwรถrter: Optimierung, Leistung, Migration, Wissenssoziologische Diskursanalyse, Biografieforschung
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Umgang mit dem Zirkel. Methodologische Grundannahmen und methodische Verfahrensweisen der pรคdagogischphรคnomenologischer Videographie (ppV) und Videointeraktionsanalyse (VIA) im Vergleich (Irene Leser)
Dieser Beitrag stellt am Beispiel einer einzigen Sequenz eines Unterrichtsvideos aus dem Fallarchiv HILDE zwei Analyseverfahren in ihrem wissenschaftstheoretischen Verstรคndnis und der jeweils genutzten Analyseschritte gegenรผber. Ziel ist es, durch die Gegenรผberstellung der Method(ologi)en eine Diskussion รผber die jeweiligen Herangehensweisen zu etablieren und zur stรคrkeren method(olog)ischen Reflexion von Erkenntniswegen interpretativer Sozialforschung anzuregen. Schlagwรถrter: Method(ologi)e, Unterricht, Sequenz, Phรคnomen, Typenbildung
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Dem (eigenen) Lehren โauf die Spurโ kommen: das Tagebuch als Erhebungsmethode im Rahmen einer praxeologischen Erforschung von Lehre (Heike Kanter)
In der Angewandten Hochschulforschung wird die Praxis von Lehrenden vorwiegend รผber verschiedene Interviewverfahren untersucht, womit das Lehren in seiner konkreten Ausfรผhrung weniger in den Blick gerรคt. Daher erprobt der Beitrag zur Rekonstruktion von Lehrpraktiken eine andere qualitative Erhebungsmethode, nรคmlich die des Lehrtagebuchs. Wird diese spezifische Form des Schreibens รผber die (eigene) Lehre bisher vor allem zur evaluativen Reflexion von Lehrhandeln eingesetzt, so dient sie hier der Datengenerierung. Die Tagebucheintrรคge der Autorin werden mit den Mitteln der dokumentarischen Methode interpretiert, womit sich die explorative Studie im Rahmen einer praxeologischen Erforschung von Lehre verortet. Als ein beispielhaftes Ergebnis werden diskrepante Lehr- und Lernorientierungen der Lehrperson herausgearbeitet. Nicht nur dies, sondern auch die Anschlussfรคhigkeit des erprobten Erhebungsverfahrens an bisherige Forschungen zur hochschulischen Lehrpraxis, aber auch zur Konzeption von Lehrkompetenz wird abschlieรend diskutiert. Schlagwรถrter: Lehrende, Lehrorientierungen, Lehrtagebuch als Erhebungsmethode, praxeologische Lehrforschung, Angewandte Hochschulforschung
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