Inhalt
GENDER โ Zeitschrift fรผr Geschlecht, Kultur und Gesellschaft
3-2025: Perspektiven der Geschlechterforschung in Natur- und Technikwissenschaften
Hrsg.: Corinna Bath / Petra Lucht / Bรคrbel Mauร
Corinna Bath / Petra Lucht / Bรคrbel Mauร: Vorwort: Perspektiven der Geschlechterforschung in Natur- und Technikwissenschaften
Schwerpunkt
Sigrid Schmitz: Feministische Science & Technology Studies imย Dialog mit Natur- und Technikwissenschaften: Inklusionen โ Grenzlinien โ Strategien
Helene Gรถtschel: Macht- und Dominanzverhรคltnisse in physikalischemย Wissen am Beispiel der Forschungen zur Reibungselektrizitรคt von William Gilbert
Anna Ransiek / Anina Mischau: Transforming gender relations through appliedย mathematics? Befunde aus einem mathematischen Exzellenzcluster
Gertrud Schrader: Kunst und Wissenschaft als paralleleย Erkenntnisformen โ transdisziplinรคre รberschreitungen und Perspektivwechsel
Doris Leibetseder: Queer/ing and trans/ing science and technology studies: Material-semiotic insights and outlooks from assisted human reproduction
Offener Teil/Analysen und Debatten
Marion Schulze: Matters of Sound. Ein Denkhorizont fรผr Klang als epistemische Grรถรe in der feministischen Theorie
Marรญa do Mar Castro Varela / Bahar Oghalai / Yener Bayramoฤlu: Safe/r Spaces. Ein sozio-politischer Raum โย kritisch betrachtet
Jeannette Windheuser: Das Archiv als Ort fรผr Genealogie und Zukunftย erziehungswissenschaftlicher Frauen- und Geschlechterforschung
Stefanie Weigold: โWho could deny it to them?โ Analysing Artificialย Amnion and Placenta Technology as a selective reproductive technology
Rezensionen
David Fastlabend (geb. Koch): Michiko Mae/Ilse Lenz, 2023: Frauenbewegung in Japan: Quellen und Analysen
Julia Reuter / Anja Mallat / Clemens Wickert: Sabine Hark/Johanna Hofbauer, 2023: Die ungleiche Universitรคt. Diversitรคt, Exzellenz und Anti-Diskriminierung / Lena Weber/Julia Gruhlich/Antje Langer/Claudia Mahs (Hrsg.), 2025: Geschlecht und Gerechtigkeit. Aktuelle Perspektiven auf die Entstehung, Reproduktion und Transformation geschlechtlicher Ungleichheiten / Roland Atzmรผller/Kristina Binner/Fabienne Dรฉcieux/Raphael Deindl/Johanna Grubner/Katharina Kreissl (Hrsg.), 2024: Gesellschaft in Transformation: Sorge, Kรคmpfe und Kapitalismus
Denise Wallat: Lara A. Kneubรผhler/Miriam Lรถhr (Hrsg.), 2024:ย Queere Theologie. Perspektiven aus dem deutschsprachigen Raum
Einzelbeitrag-Download (Open Access): gender.budrich-journals.de
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Abstracts
Feministische Science & Technology Studies im Dialog mit Natur- und Technikwissenschaften: Inklusionen โ Grenzlinien โ Strategien (Sigrid Schmitz)
Dieser Beitrag erรถrtert die Mรถglichkeiten und Herausforderungen zur Berรผcksichtigung von gesellschaftlich kontextualisierten Geschlechterperspektiven in den Naturwissenschaften. Ansatzpunkte zur Inklusion bieten Bereiche der Lebenswissenschaften und der Medizin, die bereits verschrรคnkte Sex/Gender-Konzepte in ihrer Forschung berรผcksichtigen, Geschlechtervielfalt auch auf biologischer Ebene analysieren und die gesellschaftliche Kontextualisierung der Forschung thematisieren, wie beispielsweise der SFB โSexdiversityโ. Epistemologische Perspektiven der feministi-schen Science & Technology Studies (STS) zur Situiertheit der Forschenden und zur Reflexion ihrer eigenen gesellschaftlich-kulturellen Positioniertheit in Forschungsprozessen stoรen im Dialog aber immer noch auf Grenzen, wenn auf die Objektivitรคt und Neutralitรคt der MINT-Forschung gepocht wird. Strategien fรผr einen transdisziplinรคren Austausch zur Positioniertheit der eigenen Forschungsmethodologien und Forschungspraxen sowie zur Kompetenzbildung fรผr Sex/Gender-und feministische STS-Perspektiven in der Lehre und Nachwuchsfรถrderung in MINT werden vorgestellt. Schlรผsselwรถrter: Sex/Gender, Geschlechtervielfalt, Dialog Gender & MINT, Feministische STS, Forschung und Lehre
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Macht- und Dominanzverhรคltnisse in physikalischem Wissen am Beispiel der Forschungen zur Reibungselektrizitรคt von William Gilbert (Helene Gรถtschel)
Naturwissenschaftliches Wissen entsteht in konkreten Situationen, die durch Geschlechterordnungen und Geschlechterverhรคltnisse geprรคgt sind. Die transdisziplinรคre Geschlechterforschung untersucht Menschen und Kulturen der Naturwissenschaften, klammert die spannende Ebene der Analyse physikalischen Wissens jedoch weitgehend aus. Dabei lassen sich mit Ansรคtzen der Gender Studies auch in der Physik gesellschaftliche Macht-und Dominanzverhรคltnisse in den Blick nehmen. Wie dies gelingen kann, wird anhand eines historischen Fallbeispiels zur Erforschung der Reibungselektrizitรคt gezeigt. Mit einem transdisziplinรคren Methodenpluralismus aus geschlechterhistorischer Fallanalyse, Situationsanalyse und Diskursanalyse wird dabei eine verborgene Geschlechterordnung der Elektrizitรคt in drei Bereichen sichtbar. Geschlecht spielt eine Rolle bei der Wahl des Begriffs โelektronโ, bei der Abgrenzung der Elektrizitรคt vom Magnetismus sowie im Konzept des wรคssrigen elektrischen Effluviums. Schlรผsselwรถrter: Fallstudie, Reibungselektrizitรคt, Physikalisches Wissen, Geschlechterordnungen, Machtverhรคltnisse
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Transforming gender relations through applied mathematics? Befunde aus einem mathematischen Exzellenzcluster (Anna Ransiek, Anina Mischau)
Die Gleichstellung der Geschlechter in der Mathematik ist nicht annรคhernd erreicht. Weiterhin bestehende Disparitรคten werden unter anderem durch fachkulturelle Spezifika begrรผndet. Basierend auf 65 qualitativen Interviews mit Wissenschaftler*innen in einem anwendungsorientierten, inter-und transdisziplinรคren mathematischen Exzellenzcluster wird der Zusammenhang zwischen der Fachkultur des Clusters und Geschlechterverhรคltnissen untersucht. Dieser Forschungszusammenhang ist deshalb interessant, da Studien zu Geschlechterverhรคltnissen in anderen anwendungsbezogenen, inter-und transdisziplinรคren Forschungszusammenhรคngen gezeigt haben, dass Wissenschaftlerinnen die fรผr diese Zusammenhรคnge notwendigen Kompetenzen sowie das Interesse zugeschrieben wird. Der Beitrag zeigt, dass und wie Frauen in einem System, das fรผr sie passfรคhig erscheint, weiterhin exkludiert werden. Schlรผsselwรถrter: Geschlechterverhรคltnisse, Mathematik, Wissenschaft, Karriere, Anwendungsforschung
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Kunst und Wissenschaft als parallele Erkenntnisformen โ transdisziplinรคre รberschreitungen und Perspektivwechsel (Gertrud Schrader)
In meinem Beitrag entwickele ich einen Perspektivwechsel der Reflexion technologischer Artefakte im Feld der Feminist Science and Technology Studies (Feminist STS), indem ich Kunst und Wissenschaft als parallele Erkenntnisformen mit je eigenen Zugรคngen und den damit einhergehenden je eigenen epistemologischen Potenzialen darlege. Dafรผr erarbeite ich exemplarische Reflexionen zweier kollabo-rativer Intra-Aktionen mit digitalen technologischen Artefakten: zum einen eine Analyse des Chatbots ELIZA von Joseph Weizenbaum, basierend auf theoretischen Ansรคtzen der Feminist STS, insbesondere von Karen Barad, und der Geschlechtertheorie von Judith Butler; zum anderen die Darstellung und Deutung meines kรผnstlerischen Experiments mit einem Roboterarm Zeichnen mit PANDA. Letzteres zeigt am konkreten Werk die reflexiven Optionen kรผnstlerischer Verfahren. Mit dem Begriff der Parallelitรคt setze ich Kunst und Wissenschaft in Bezug zueinander, um die je eigenen Reflexionspotenziale und deren Grenzen auszuloten. Mit den unterschiedlichen Verfahren und Handlungsoptionen von Kunst und Wissenschaft wird exemplarisch ein reflexives Spannungsfeld beider Reflexionsformen begrรผndet. Schlรผsselwรถrter: Feminist STS, Kรผnstlerische Forschung, Kรผnst-lerisches Experiment, Informationstechnologie, Wissensbegriffe, Geschlechtertheorie
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Queer/ing and trans/ing science and technology studies: Material-semiotic insights and outlooks from assisted human reproduction (Doris Leibetseder)
This article draws together science and technology studies (STS) and queer-and transfeminist theory. I argue that queer-and transfeminist STS is about more than simply adding โqueer and trans peopleโ to the agenda of STS โ just as feminist STS encompasses more than women* and their exclusion from, marginalization within and exploitation through science, technology and biomedicine. Through the lens of queer- and transfeminist STS, I demonstrate the potential of queering and transing assisted reproductive technologies (ART). By challenging the norms of who can reproduce and how, as well as challenging intelligible forms of life and kin-making, queer-and transfeminist STS has already produced new research perspectives and insights on ART. Taken them further with alliances and solidarities, these perspectives open up opportunities for reproduction, future technologies, policies and politics for queer and trans communities. Keywords: queer- and transfeminist theory, assisted reproductive technology, ethics
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Matters of Sound. Ein Denkhorizont fรผr Klang als epistemische Grรถรe in der feministischen Theorie (Marion Schulze)
Ziel dieses Artikels ist es, dem Verb akkordieren fรผr Analysen von Naturkulturen konzeptuellen Klangraum zu verschaffen. Dafรผr wird an feministische Auseinandersetzungen angeknรผpft, die seit den 1970er-Jahren mit Metaphern des Klangs erfasst werden und hier als matters of sound zusammengezogen werden. Dies sind Sorgen um eine verantwortliche Wissensherstellung und um den Einschluss von vormals Ungehรถrtem und Unartikuliertem. Um dies nachzuzeichnen, wird ein erster Entwurf einer Konzeptgeschichte der matters of sound vorgelegt, indem dem Verb akkordieren durch die feministische Erkenntnistheorie gefolgt wird. Schlรผsselwรถrter: Feministische Epistemologie, Wissenschaft, Naturkulturen, Klang, Polyphonie
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Safe/r Spaces. Ein sozio-politischer Raum โ kritisch betrachtet (Marรญa do Mar Castro Varela, Bahar Oghalai, Yener Bayramoฤlu)
Ziel und Zweck von Safe/r Spaces ist es, Schutzrรคume fรผr vulnerable Gruppen zu schaffen. Dies steht jedoch in einem Spannungsverhรคltnis zu den komplexen Anforderungen ihrer Umsetzung. Der Bei-trag zeichnet die historischen Entwicklungslinien und die Verbreitung von Safe/r Spaces im Bildungsbereich, bei NGOs und im รถffentlichen Diskurs nach und beleuchtet dabei die Debatten um Identitรคtspolitik und soziale Diskriminierung. Er analysiert kritisch die inhรคrenten Widersprรผche und Machtdynamiken innerhalb dieser Rรคume und argumentiert, dass absolute Sicherheit nicht realisierbar ist und das Befolgen des Sicherheitsnarrativs unbeabsichtigte Konsequenzen haben kann. Der Beitrag setzt sich auch mit der Kritik auseinander, Safe/r Spaces wรผrden den intellektuellen Diskurs einschrรคnken, und untersucht ihre politische Bedeutung. Indem die historische Entwicklung des Konzepts der Safe/r Spaces nachgezeichnet wird, wird die Notwendigkeit dieser Rรคume fรผr politische Partizipation hervorgehoben. Die Herausforderungen der neoliberalen Aneignung und die Komplexitรคt inklusiver Rรคume werden dargestellt. Safe/r Spaces, so wird argumentiert, sind trotz ihrer inhรคrenten Grenzen wesentlich fรผr die Fรถrderung des Bewusstseins von Machtdynamiken. Schlรผsselwรถrter: Diskriminierung, Safe/r Spaces, Identitรคtspolitik, Soziale Gerechtigkeit, Soziale Bewegungen, Queerfeminismus
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Das Archiv als Ort fรผr Genealogie und Zukunft erziehungswissenschaftlicher Frauen- und Geschlechterforschung (Jeannette Windheuser)
Der Beitrag befasst sich aus geschlechter-und bildungsgeschichtlicher wie feministischer Theorieperspektive mit der Frage, wie sich feministische Wissenschaft institutionell und inhaltlich in eine Disziplin einschreiben kann und wo die Grenzen eines solchen Unterfangens liegen. Dazu werden ausgewรคhlte Archivalien der Sektion Frauen-und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft fรผr Erziehungswissenschaft aus der Bibliothek fรผr Bildungsgeschichtliche Forschung untersucht. Betrachtet werden die Institutionalisierungsbemรผhungen der 1980er-Jahre, die Curriculumsdiskussion der 1990er-Jahre und die Debatte um den Stand der Genderforschung Ende der 2000er-Jahre. Diskutiert wird, inwiefern die enthaltenen Fragen nach der Kanonisierung und generationalen Weitergabe wie auch nach einer Dissens aushaltenden Zukunft an einer empirischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gewinnen kรถnnten. Schlรผsselwรถrter: Geschlechtergeschichte, Feministisches Archiv, Curriculum, Erziehungswissenschaftliche Frauen-und Geschlechterforschung, Institutionalisierung
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โWho could deny it to them?โ Analysing Artificial Amnion and Placenta Technology as a selective reproductive technology (Stefanie Weigold)
Artificial Amnion and Placenta Technology (AAPT) is designed to ensure the survival of extremely premature infants in an environment outside the body. This technology will change our understanding of fetal health by introducing new medical and technical means of optimising it. As a result, the criteria for identifying health deviations โ and consequently, for selection decisions โ are also being redefined. At the same time, liberal eugenic ideas are gaining influence, seeking to legitimise selective reproductive technologies from a moral-philosophical perspective. This article examines and critiques methodological approaches to liberal eugenics and discusses the link between selective practices and AAPT development. It highlights the influence of technologies on the development of needs and the ethical and political tensions that arise from possible limitations on therapy, the rights of pregnant people, and the expansion of selective practices through AAPT development. In order to discuss the extent to which AAPT could normalise and individualise selective and ableist practices, it is necessary to analyse the technology as a selective reproductive technology. Keywords: ectogenesis/ectogestation, disability futures, selective reproductive technologies, reproductive justice, disability justice
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