Beschreibung
Krisen sind fรผr die Erziehungswissenschaft kein neues Phรคnomen. Gegenwรคrtig tritt jedoch mit Krisen wie dem Klimawandel, der Bankenkrise, Fluchtbewegungen, der Corona-Pandemie, der Energiekrise oder den Kriegsgeschehen das Disruptive, Ungleichzeitige und auch Bedrohliche besonders in den Blick. Krisen und Transformationen fordern als solche auch erziehungswissenschaftliche Diskurse und pรคdagogisches Handeln heraus. Der 29. Kongress der Deutschen Gesellschaft fรผr Erziehungswissenschaft ging den damit verbundenen Fragen aus vielfรคltigen Perspektiven und mit unterschiedlichen Fokussierungen nach. Der Band dokumentiert die zentralen Beitrรคge des Kongresses und gibt einen Einblick in aktuelle Diskurse.
Die Zukunft der Einzelnen, der Gesellschaft und des Planeten erscheint weniger als verheiรungsvoller, offener Mรถglichkeitsraum, sondern als begrenzt, bedrohlich und endlich. Gleichzeitig rufen Krisendiagnosen sowie Bearbeitungsvorschlรคge fรผr Krisen weitreichende Transformationsprozesse auf, wie etwa ein der Klimakrise gerecht werdendes, durch Bildung und Erziehung hervorzubringendes Denken und Handeln. Mit dem Konzept der Krise wird ein Wendepunkt innerhalb einer sich dramatisierenden Entwicklung bezeichnet, die mit der Notwendigkeit verbunden wird, schnell grundlegende Entscheidungen zu treffen sowie verรคndertes Handeln anzuregen und/oder einzufordern. Die transformative Kraft von Krisen gilt als ambivalent, da sie einerseits eine Rรผckgewinnung von Stabilitรคt nach einem Ausnahmezustand beschreibt, andererseits aber das Krisenhafte als Chance fรผr die Entwicklung von Neuem und damit als Grundlage dynamischer Gesellschaften konzipiert. Beiden Verstรคndnissen nach bieten Krisen sowohl das Potential, Routinen reflexiv werden zu lassen und so Anlass zu Irritationen von (kollektiven) Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen zu erรถffnen als auch Ausgangspunkt einer sich stetig dramatisierenden Verlaufskurve zu sein, deren Bearbeitungsversuche missglรผcken und an deren Ende ein mรถgliches Scheitern steht. Insofern die Erziehungswissenschaft selbst auf Verรคnderbarkeit und Entwicklung setzt, gelten in ihren fachdisziplinรคren Theorien Krisen als produktive Momente in Bildungs- und Erziehungsprozessen, die pรคdagogisch begleitet und gerahmt werden kรถnnen.
Die Herausgeber*innen:
Prof. Dr. Tanja Sturm, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Anja Tervooren, Institut fรผr Erziehungswissenschaft, Universitรคt Duisburg-Essen
Dr. Melanie Schmidt, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Dr. Sven Bรคrmig, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Dr. Thomas Grunau, Researcher, Fachbereich 12, Universitรคt Bremen
Dr. Isabel Thaler, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Sabrina Grunau, Projektkoordinatorin DGfE-Kongress 2024
Prof. Dr. Michael Ritter, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Daniel Wrana, Philosophische Fakultรคt III, Martin-Luther-Universitรคt Halle-Wittenberg
Der Fachbereich:
Educational Science







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