Beschreibung
Open Access: Der Titelย Die Theorie der Praxis und die Praxis der Forschung (DOI: 10.3224/84742603) ist kostenlos im Open Access (PDF) herunterladbar oder kostenpflichtig als Print-Ausgabe erhรคltlich. Der Titel steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0) : https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Der Band bietet Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Grundgedanken der Rekonstruktiven Sozialforschung, insbesondere der Dokumentarischen Methode und ihrer Grundlagentheorie, der Praxeologischen Wissenssoziologie. Dies wird in der Form eines Dialogs und partiell in erzรคhlerischer Form entlang der Biografie Ralf Bohnsacks entfaltet und erรถffnet einen lebendigen Zugang zu methodischen und theoretischen Fragen gerade auch fรผr deren Vermittlung in der Lehre. Im Zentrum steht dabei die Bedeutung der Praxis: Damit ist sowohl die Forschungspraxis, inkl. der Lehrforschung, gemeint als auch die Praxis derjenigen, die Gegenstand der Forschung sind. Erlรคutert wird dies an Beispielen aus den Forschungsbereichen Jugend, Jugendkriminalitรคt und Jugendgewalt sowie Organisation und Professionalisierung. Im Zentrum stehen dabei die Forschungsmethoden der Gesprรคchsanalyse, der Bildinterpretation sowie der Video- und Filmanalyse.
Einblicke in berufsbiografische Kontexte dienen der Plausibilisierung der Genese sozialwissenschaftlicher Ideen und Entwicklungen. Im Zentrum stehen dabei die Theorie der Praxis und die Begrรผndung der Notwendigkeit, dass sich die Sozialwissenschaft sowohl ihrer eigenen Praxis, insbesondere im Bereich der Forschung, als auch der Praxis in ihrem Gegenstandsbereich, also der (Alltags-) Praxis der Erforschten, in deren Eigenlogik zunehmend empirisch zu vergewissern hat. Erlรคutert wird dies an Beispielen der Forschung aus den Bereichen Jugend, Jugendkriminalitรคt und Jugendgewalt sowie der Organisations- und Professionalisierungsforschung und mit Blick insbesondere auf die Methoden der Gesprรคchs- und Interaktionsanalyse und der Bild- sowie Videointerpretation. Dabei finden die langjรคhrigen Erfahrungen Ralf Bohnsacks mit der Lehrforschung, insbesondere der Institution der transdisziplinรคren Forschungswerkstatt, besondere Beachtung.
Inhaltsverzeichnis + Leseprobe
Die Autor*innen:
Prof. Dr. Ralf Bohnsack, Freie Universitรคt Berlin
Prof. Dr. Vera Sparschuh, Hochschule Neubrandenburg
Hier finden Sie den Waschzettel (pdf- Infoblatt).
Die Zielgruppe:
Studierende, Lehrende und Forschende der Soziologie und Sozialwissenschaften





Erwin Eckenberger –
Studierende der Sozialen Arbeit sehen sich an unserer Hochschule bereits ab den ersten Semestern mit den Grundlagen der Forschung und der Forschungsmethoden konfrontiert. Als studentische Hilfskraft in diesen Modulen versuchen wir mittels Forschenden, Service Learning Inhalte praxisnah zu vermitteln und Studierenden den ersten Zugang zur Praxisforschung zu ermรถglichen. Umso neugieriger war ich, als ich das Buch von Ralf Bohnsack und Vera Sparschuh โDie Theorie der Praxis und die Praxis der Forschungโ entdeckt habe.
Das Buch hรคlt was es verspricht: Es erรถffnet einen lebendigen Zugang zu methodischen und theoretischen Fragen und kann dabei in Lehrforschungsprojekten und bei der Vermittlung von komplexen Sachverhalten praktisch eingesetzt werden. Als Ergรคnzung und weiterfรผhrende Literatur absolut empfehlenswert โ insbesondere fรผr Studierende aus den ersten Semestern. Aber auch fรผr all diejenigen, die sich mit Forschungsarbeiten beschรคftigen oder einfach Interesse und Spaร an der Forschung haben.
Almina Gรผnel –
Das Werk โDie Theorie der Praxis und die Praxis der Forschungโ (2022), in der Vera Sparschuh und Ralf Bohnsack ein Gesprรคch fรผhren, habe ich mir aus Interesse an der Dokumentarischen Methode, die letzterer maรgeblich ins Leben gerufen hat und zu dem ich ein Seminar im Rahmen meines Studiums der Erziehungswissenschaften besucht habe, bestellt. Meine Erwartung war, dass mir das Buch durch seine dialogische Ausrichtung einen leichteren Einblick in diese Methode ermรถglicht. Doch die tatsรคchliche Intention des Werkes ist nicht vorwiegend darauf ausgerichtet; anstatt dessen hat man รผber die Orientierung an Bohnsacks Biographie, an die sich der Verlauf des Interviews hรคlt, hinweg, die Mรถglichkeit zu โbeobachtenโ, wie sich biographische Elemente auf (in diesem Fall) Forschung auswirken kรถnnen.
Wider der Tatsache, dass sich das Gesprรคch gemรคร seiner Prรคmisse an Bohnsack und seine Biographie hรคlt, enthรคlt der Dialog viele interessante Gedanken zu Themen rund um Forschung, Methodologie oder auch die Institution Universitรคt, Sozialwissenschaften etc., die mir im Laufe des Lesens immer positiv aufgefallen sind, sodass nicht von einer linearen Nacherzรคhlung einer Biographie gesprochen werden kann. Allerdings ist es fรผr das Lesen des Gesprรคchs von groรem Vorteil, schon Vorwissen zu eben jenen Themen vorweisen zu kรถnnen, da Bohnsack an einigen Stellen vertiefter auf sozialwissenschaftlichen Methoden eingeht, die seine Arbeit beeinflusst haben. Dadurch kann man die Entwicklungen in seiner Forschung, Methodologie und Biographie leichter nachvollziehen. In diesem Sinne sei erwรคhnt, dass das Werk trotz der recht formalen Art des Redens, die Bohnsack รผberwiegend beibehรคlt und die anfรคnglich (in Anbetracht des dialogischen Formats) fast schon unrealistisch wirkt, nicht wie ein โherkรถmmlicherโ wissenschaftlicher Text zu lesen ist, der sich fest einem Thema zuwendet, sondern viele ansprechende Gedankengรคnge erst in den Ausschweifungen zu verschiedenen Episoden des Lebens ihren Ausdruck finden.
In Betrachtung der vorangegangen Punkte kann man das Buch m.E. v.a. an Interessierte der Forschung weiterempfehlen, da das Buch Forschung und Forschungspraxis (und -theorie) meiner Wahrnehmung nach โvermenschlichtโ hat und nahbarer macht, besonders z.B. durch (lustige, prรคgende…) Anekdoten Bohnsacks zu Ereignissen, die retrospektiv betrachtet wesentlich zu seiner Entwicklung (als Person, Forscher, Professor etc.) beigetragen haben.