Inhalt
Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research
3-2021: Multiprofessionelle Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe und Schule
Andrea G. Eckhardt / Peter Cloos: Editorial
Schwerpunktbeitrรคge
Nina Preis: Die Steuerung multiprofessioneller Zusammenarbeit in Ganztagsschulen durch Schulleitende
Martin Reinert / Johanna M. Gaiser: Fallstudien zur Kooperation an Ganztagsschulen: Die Schulmensa als bedeutender Nebenschauplatz der multiprofessionellen Kooperation?
Carina Schilling: Institutionelle Erwartungen als Rahmen multiprofessioneller Kooperations- und Vernetzungsstrukturen von Familienzentren. Handlungslogiken organisationaler Akteur*innen
Freie Beitrรคge
Barbara Stauber: Erwachsen werden in pandemischen Zeiten โ Herausforderungen an die zeitliche Herstellung und Gestaltung von รbergรคngen im Lebenslauf
Renate Stohler / Karin Werner / Jessica Brahmann: Leaving Care โ eine Herausforderung fรผr Pflegekinder in der Schweiz
Lena Sophie Weihmayer: Gewalt und Alkoholkonsum Jugendlicher. Beschreibungen delinquenter Jugendlicher zur Dynamik der Gewalt unter Alkoholeinfluss
Kurzbeitrรคge
Julia Hรถke / Petra Bรผker / Jana Ogrodowski: Paderborner Qualitรคtsstern (PQ3) zur Einschรคtzung der Kooperation im รbergang Kita โ Grundschule: ein Selbstevaluationsinstrument fรผr multiprofessionelle und institutionsรผbergreifende Zusammenarbeit
Petra Bauer: Herausforderungen multiprofessioneller Zusammenarbeit in der Erziehungsberatung
Gรผnter Mey: Jugendliche in lรคndlichen Regionen โ Jugendforschung in der Peripherie
Manfred Liebel: Schรคdliche Illusionen. UN rufen 2021 zum Jahr der Abschaffung der Kinderarbeit aus
Rezensionen
Christian Lรผders: Andreas Gruschka (2020): Bildungserlebnisse. Eine systematische Selbstvergewisserung
Felix Seltner: Sebastian Haunss & Moritz Sommer (Hrsg.) (2020): Fridays For Future โ Die Jugend gegen den Klimawandel. Konturen einer weltweiten Protestbewegung
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Abstracts
Die Steuerung multiprofessioneller Zusammenarbeit in Ganztagsschulen durch Schulleitende (Nina Preis)
Schulleitende werden traditionell als zentrale Akteur*innen in der Sicherung und Entwicklung der Qualitรคt von Bildung verstanden. Seit der Erweiterung der Gestaltungsautonomie von Schule in den 1990er Jahren wurde diese Position verstรคrkt, was unter anderem dazu gefรผhrt hat, dass sie nun auch eine Schlรผsselrolle bei der (Um-) Gestaltung der Personal- und Kooperationsstruktur in der Institution Schule einnehmen. Dies gewinnt besondere Relevanz dadurch, dass Schulen vor dem Hintergrund des quantitativen wie qualitativen Ausbaus von Ganztagsschulen sowie der parallelen Transformation zu einem inklusiven Bildungssystem vor die Aufgabe gestellt werden, sich vermehrt fรผr andere pรคdagogische Professionen, zum Beispiel Sozialarbeiter*innen oder Erzieher*innen, zu รถffnen. Bislang kaum untersucht ist allerdings, wie Schulleitende diese bildungspolitischen Anforderungen unter Voraussetzung ihrer jeweiligen Schule bearbeiten und welche Orientierungen dabei leitend sind. Die in diesem Beitrag vorgestellte Studie greift dieses Desiderat auf und befasst sich auf Basis von zwรถlf leitfadengestรผtzten Interviews mit Schulleitenden hessischer Grundschulen mit der Frage, welche handlungsleitenden Orientierungen den Praktiken der Steuerung multiprofessioneller Zusammenarbeit zugrunde liegen. Schlagwรถrter: Multiprofessionalitรคt, Ganztagsschule, Steuerung, Schulleiterforschung, Professionalitรคtsentwicklung
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Fallstudien zur Kooperation an Ganztagsschulen: Die Schulmensa als bedeutender Nebenschauplatz der multiprofessionellen Kooperation? (Martin Reinert, Johanna M. Gaiser)
Im Ganztagsschuldiskurs gelten fest in den Tag verankerte Kooperationszeiten und -orte als wichtige Stellschrauben fรผr die Entwicklung der multiprofessionellen Kooperation. Mit der Implementierung dieser Schnittstellen geht die Hoffnung auf eine strukturell abgesicherte Form der Kooperation und einen verbesserten Dialog รผber Schรผlerinnen und Schรผler einher. Im vorliegenden Beitrag wird die Annahme vertreten, dass durch das Fokussieren dieser โfestenโ Zeiten und Orte der Gelegenheitscharakter der Kooperation und damit der Blick auf bedeutsame Nebenschauplรคtze bisher nur randstรคndig betrachtet wird. Am Beispiel der Schulmensa wird in zwei explorativen Fallstudien aufgezeigt, dass diese als fluide Schnittstelle im Alltag genutzt wird und ihr vor dem Hintergrund struktureller Herausforderungen der Kooperation eine kompensatorische Funktion zukommt. Zudem wird herausgearbeitet, dass mit dem Hinzufรผgen von Kooperationsanlรคssen zugleich die Gefahr einer รberfrachtung des Settings einhergeht. Schlagwรถrter: Ganztagsschule, Kooperation, Schulmensa, Multiprofessionalitรคt, Fallstudie
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Institutionelle Erwartungen als Rahmen multiprofessioneller Kooperations- und Vernetzungsstrukturen von Familienzentren. Handlungslogiken organisationaler Akteur*innen (Carina Schilling)
Eine zentrale Erwartung an Familienzentren ist die Familienorientierung und diese geht mit der Aufforderung zu multiprofessioneller Kooperation und Vernetzung einher. Im Zentrum dieses Beitrags steht die Frage, wie Familienzentren ihre multiprofessionellen Kooperations- und Vernetzungsstrukturen angesichts dieser Erwartung gestalten. Das Phรคnomen wird dabei aus der Perspektive des Neo Institutionalismus betrachtet und als รbersetzungsprozess verstanden: Anhand zweier exemplarischer Fรคlle wird aufgezeigt, dass Familienzentren ihr Handeln an dieser Erwartung ausrichten. Dabei werden allerdings Anpassungen sichtbar, welche aus den Handlungslogiken organisationaler Akteur*innen angesichts vielfรคltiger institutioneller Erwartungen resultieren. Durch die รbersetzungen zeigen sich zwei unterschiedliche Formen der Familienorientierung und Konstrukte von Multiprofessionalitรคt. Das organisationale Handeln im Kontext multiprofessioneller Kooperation und Vernetzung stellt somit ein vielschichtiges Phรคnomen dar, welches durch unterschiedliche institutionelle Erwartungen an das organisationale Feld der Familienzentren gerahmt wird. Gleiches gilt fรผr die Kooperations- und Vernetzungsstrukturen. Schlagwรถrter: Familienzentrum, Multiprofessionalitรคt, Familienorientierung, Neo-Institutionalismus, รbersetzung
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Erwachsen werden in pandemischen Zeiten โ Herausforderungen an die zeitliche Herstellung und Gestaltung von รbergรคngen im Lebenslauf (Barbara Stauber)
Durch die Maรnahmen zur Eindรคmmung der Pandemie verรคndert sich fรผr viele das Zeiterleben dramatisch: Zukunft ist aufgeschoben und Gegenwart entweder extrem verdichtet oder prekรคr geworden. Dies betrifft insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, von denen viele immer weniger in der Lage sind, ihre รbergรคnge in Ausbildung und Arbeit planen zu kรถnnen; und gleichzeitig sind sie diejenigen, die unter den Einschrรคnkungen des Jugendlebens in der Gegenwart, im Kontext von Peerkulturen, Freundschaften und romantischen Beziehungen, besonders leiden. Der Beitrag nimmt diese Situation zum Anlass, um grundsรคtzlich รผber die Dimension der Zeitlichkeit in der Hervorbringung von รbergรคngen im Lebenslauf nachzudenken. Er erinnert dabei an das temporal entworfene Agency-Konzept von Mustafa Emirbayer und Ann Mische (1998), das hierfรผr grundsรคtzlich anschlussfรคhig ist. Gerade mit Blick auf den starken normativen Erwartungsdruck, dem die รbergangsgestaltung Jugendlicher und junger Erwachsener unterliegt, ist dieses Konzept um eine kritische Perspektive auf (Chrono-)Normativitรคten zu erweitern. Denn letztere werden derzeit extrem herausgefordert โ mit offenem Ende. Schlรผsselwรถrter: Zeitlichkeit, รbergรคnge, Junge Erwachsene, agency, Pandemie
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Leaving Care โ eine Herausforderung fรผr Pflegekinder in der Schweiz (Renate Stohler, Karin Werner, Jessica Brahmann)
In der Schweiz gibt es zum Thema Leaving Care von Pflegekindern keine wissenschaftlichen Studien. Im folgenden Beitrag werden ausgewรคhlte Ergebnisse einer ersten qualitativen Studie aus der Schweiz zu diesem Thema vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass der รbergang in die Selbstรคndigkeit fรผr Pflegekinder wie auch fรผr die Fachpersonen, die sie begleiten, anspruchsvoll ist. Deutlich wird zudem, dass Pflegekinder und Fachpersonen die Vorbereitung auf das selbstรคndige Leben sehr unterschiedlich einschรคtzen und dass Pflegekinder nicht-professionellen Unterstรผtzungsformen nach Erreichen der Volljรคhrigkeit eine hohe Bedeutung beimessen. Schlagwรถrter: Care Leaver, รbergang, Pflegekinder, Kinder- und Jugendhilfe, Chancengerechtigkeit
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Gewalt und Alkoholkonsum Jugendlicher. Beschreibungen delinquenter Jugendlicher zur Dynamik der Gewalt unter Alkoholeinfluss (Lena Sophie Weihmayer)
Gewalthandlungen unter Alkoholeinfluss stellen ein Phรคnomen dar, das hรคufig bei Jugendlichen auftritt. Der Beitrag nimmt daher die Frage nach der Rolle des Alkohols in Gewaltsituationen aus Sicht Jugendlicher in den Blick. Mit Hilfe der Interaktionsritualtheorie (Collins, 2004) wird in einem Situationsansatz die Dynamik der Gewalt zweier ausgewรคhlter empirischer Beispiele nachgezeichnet. Anhand der Beschreibungen, welche die delinquenten Jugendlichen zu ihrer emotionalen Ausgangslage geben, wird der Einfluss von Alkoholkonsum wรคhrend der Gewalttat analysiert. Die Interviewdaten sind mittels problemzentrierter Interviews gewonnen und sequenzanalytisch ausgewertet worden. Schlagwรถrter: Jugendgewalt, Alkohol, Dynamik der Gewalt, Interaktionsritual-Kette
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