Inhalt
ZISU โ Zeitschrift fรผr interpretative Schul- und Unterrichtsforschung
Heft 5 (2016): Ergebniskulturen
Hrsg. von: Hedda Bennewitz, Bernd Hackl & Torsten Pflugmacher
Editorial
Hedda Bennewitz / Bernd Hackl / Torsten Pflugmacher: Ergebniskulturen
Thementeil
Christoph Leser: Vermitteln und Bewerten im Unterricht
Jochen Heins: Die Rolle von (Teil-)Ergebnissen im Aufgabenverstehens und Textverstehensprozess zu einem literarischen Text
Maria Hallitzky / Beate Beyer / Christopher Hempel / Christian Herfter / Johanna Leicht / Ellen Schroeter: โWas mussโn jetzt nochmal auf den Strich?โ Zur Konstitution von Ergebnisrรคumen im Literaturunterricht der Sekundarstufe
Tanja Sturm: Konstruktion von Leistung und Ergebnissen im Deutschunterricht einer inklusiven Sekundarschulklasse
Allgemeiner Teil
Andreas Gruschka: Was heiรt โbildender Unterrichtโ?
Astrid Baltruschat: Die โSacheโ des Unterrichts in der Unterrichtsforschung
Christoph Brรคuer / Kerstin Rabenstein / Svenja Strauร: Wie findet Literaturunterricht mit textproduktiven Verfahren seine Form? Eine explorative Studie am Beispiel von Herrndorfs โTschickโ
Uwe Hericks: โEs sollte am Schluss ein deutscher Satz rauskommen, nicht?โ โ Rekonstruktionen zur Entstehung mathematischen Wissens im Schulunterricht
Alexa Hempel / Detlef Pech: Kinder erforschen Geschichte โ Zeitzeug/-inneninterviews zur deutschen Teilung
Rezensionen
Markus Hoffmann: Brรคu, Karin/Schlickum, Christine (Hrsg.) (2015): Soziale Konstruktionen in Schule und Unterricht. Zu den Kategorien Leistung, Migration, Geschlecht, Behinderung, Soziale Herkunft und deren Interdependenzen
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Abstracts
Vermitteln und Bewerten im Unterricht (Christoph Leser)
Leistungsbewertung gehรถrt zu einer der zentralen Aufgaben von Lehrer/-innen. Unterschiedliche Testverfahren dienen dazu, Wissen gezielt zu รผberprรผfen. Dabei kann zwischen Aneignung und Leistungsรผberprรผfung zumindest zeitlich trennscharf unterschieden werden: die Wissensaneignung geht der Wissensรผberprรผfung notwendig voraus. Jenseits expliziter Leistungsmessungen jedoch lassen sich die Vermittlung von Unterrichtsgegenstรคnden sowie die Feststellung und Bewertung von Leistungen der Schรผler/-innen nicht voneinander trennen. Wรคhrend diese im Unterricht unausgesetzt aufgefordert sind, Leistungen zu erbringen, muss ihnen Gelegenheit dazu didaktisch erst erรถffnet werden. Das geschieht nicht allein durch Tests und Leistungskontrollen, sondern auch durch die Aufforderung zur mรผndlichen Beteiligung am Unterricht. In dieser Perspektive dient didaktisches Handeln nicht allein der Vermittlung im Sinne der wechselseitigen Erschlieรung von Subjekt und Sache, sondern zugleich der Evaluation von Leistungen. Diese wiederum referiert pรคdagogisch-normativ auf die individuelle Aneignungsleistung der Schรผler/- innen und gesellschaftlich-funktional auf deren Leistungsstand im sozialen Gefรผge der Schulklasse. Im folgenden Beitrag wird eine Forschungsperspektive skizziert, die einen mรถglichen Zugang zur Erschlieรung der inneren Strukturlogik von Bewertungspraktiken durch die sequenzanalytische Rekonstruktion des komplexen Zusammenspiels von Vermittlung und Bewertung als einer widersprรผchlichen Handlungseinheit im Unterricht erรถffnet. Schlagwรถrter: Unterrichtstheorie; Leistungsbewertung; Didaktik; Objektive Hermeneutik; Rekonstruktion
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Die Rolle von (Teil-)Ergebnissen im Aufgabenverstehens und Textverstehensprozess zu einem literarischen Text (Jochen Heins)
โWelchen Einfluss hat der Lenkungsgrad von Aufgabensets auf den literarischen Verstehensprozess von Lernenden mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen?โ, so lautet die Forschungsfrage der zugrunde liegenden Studie. Im folgenden Beitrag wird die Rolle der (Teil-)Ergebnisse in den Fokus gerรผckt. Anhand von empirischen Produkt- und Prozessdaten zu einer modernen Parabel werden aufgabenbasierte Verstehensentwicklungen von Sechstklรคsslern rekonstruiert und aufgedeckt. Erkennbar wird, dass (Teil-)Ergebnisse entscheidende Weichensteller fรผr die Rekursivitรคt und Vorlรคufigkeit von literarischen Verstehensprozessen darstellen. Didaktische Konsequenzen im Umgang mit (Teil-)Ergebnissen werden abschlieรend skizziert. Schlagwรถrter: Aufgabenforschung; (Teil-)Ergebnisse; Rekursivitรคt, Vorlรคufigkeit, literarische Verstehensprozesse
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โWas mussโn jetzt nochmal auf den Strich?โ Zur Konstitution von Ergebnisrรคumen im Literaturunterricht der Sekundarstufe (Maria Hallitzky, Beate Beyer, Christopher Hempel, Christian Herfter, Johanna Leicht, Ellen Schroeter)
Was gilt als Ergebnis von Unterricht? In diesem Beitrag suchen wir nach einer Antwort auf diese Frage, indem wir rekonstruieren, wie in der kommunikativen Bearbeitung der Differenz zwischen als adรคquat und inadรคquat markiertem Wissen und Kรถnnen Ergebnisse in Unterrichtssituationen praktisch hergestellt werden. Dazu interpretieren wir Szenen aus dem Literaturunterricht der 10. Klassenstufe interaktionsanalytisch. Wir zeigen an drei Fallbeispielen, wie sich die Ergebnisgenese in bekannten Mustern der Ergebniskommunikation innerhalb eines durch vier Dimensionen bestimmten Ergebnisraums vollzieht, der โ wie unsere Analysen zeigen โ maรgeblich durch die Einsรคtze der Lehrkraft aktualisiert und transformiert wird. Schlagwรถrter: Unterrichtsergebnisse, Pรคdagogische Praktiken, Interaktionsanalyse, Literaturunterricht
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Konstruktion von Leistung und Ergebnissen im Deutschunterricht einer inklusiven Sekundarschulklasse (Tanja Sturm)
Angesichts der Zunahme des bisher kaum erforschten inklusiven Fachunterrichts der Sekundarstufe 1 stellt sich die Frage nach seiner praktischen Gestaltung mit Blick auf die Konstruktion von Leistungsdifferenzen und damit verbundener Behinderungen von Lern- und Bildungsprozessen spezifischer Schรผlergruppen. Die Konstruktion von Leistungsdifferenzen wird in diesem Beitrag am Beispiel des Deutschunterrichts einer Inklusionsklasse mithilfe der dokumentarischen Videointerpretation rekonstruiert. Es dokumentiert sich eine Bewertungspraxis, die Leistung individuell und konkurrenzorientiert fasst und als Ergebnis individuell zuschreibt. Ermรถglicht wird dies durch eine geteilte und komplementรคre Handlungspraxis zwischen Lehrerin und SchรผlerInnen. Schlagwรถrter: Inklusion, Differenz, Fachunterricht, Leistung, Ergebnis, dokumentarische Videointerpretation
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Was heiรt โbildender Unterrichtโ? (Andreas Gruschka)
Ausgehend von der mรถglichen Renaissance der Bildung im Diskurs um die Ziele und Inhalte der Schule und in bewusster Abgrenzung zur gegenwรคrtigen โKompetenzorientierungโ wird auf die fรผr Unterricht konstitutive Funktion des Verstehens abgehoben. Sie wird zunรคchst elementar zur Seite der objektiven Voraussetzungen (Inhalte), der subjektiven Voraussetzungen (epistemische Operationen) und der beiden vermittelnden methodischen Voraussetzungen expliziert. Anschlieรend wird wie in einer Synthese aus den langjรคhrigen Forschungen des Verfassers eine 12fache, aufbauende Sequenz von Verstehensformen dargestellt, die wir im alltรคglichen Unterricht finden. Sie liefern die zentralen Ansรคtze fรผr eine Verbesserung des Verstehens. Schlagwรถrter: Bildung, Didaktik, Erkenntnis, Halbbildung, Kompetenzorientierung, Lehren, Methode, Unbildung, Unterrichtsforschung, Verstehen
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Die โSacheโ des Unterrichts in der Unterrichtsforschung (Astrid Baltruschat)
Empirische Forschung ist prinzipiell auf klare Begriffe angewiesen, um die beforschte Wirklichkeit prรคzise erfassen zu kรถnnen. Trotz vielfรคltiger Bemรผhungen um theoretische Modellierungen, die es ermรถglichen, das Spezifische des Unterrichts empirisch zu erfassen, gibt es in der qualitativen Unterrichtsforschung einen breiten Konsens darรผber, dass diese noch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gefรผhrt haben. Eine Klรคrung des Begriffs des Unterrichtsgegenstands, also der โSacheโ, um die es im Unterricht geht, kรถnnte einen wesentlichen Beitrag zur Behebung dieses Desiderats leisten. Im Zentrum dieses Beitrags stehen die Prรคzisierung dieses Begriffs und seine Verortung in bereits bewรคhrten theoretischen Entwรผrfen von Prange und Sรผnkel. Nachdem die Annรคherung an den Begriff des Unterrichtsgegenstands zunรคchst รผber eine empirische Rekonstruktion erfolgt, wird er schlieรlich seinerseits als Kategorie fรผr die empirische Analyse erprobt. Schlagwรถrter: Unterrichtsforschung; Unterrichtstheorie; Empirie-Theorie; Unterrichtsgegenstand
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Wie findet Literaturunterricht mit textproduktiven Verfahren seine Form? Eine explorative Studie am Beispiel von Herrndorfs โTschickโ (Christoph Brรคuer, Kerstin Rabenstein, Svenja Strauร)
Literarisches Verstehen von Schรผler_innen im Literaturunterricht mit textproduktiven Verfahren wird bisher nur in zwei Perspektiven empirisch untersucht: Wรคhrend einige nach den didaktischen Potenzialen dieser Verfahren im Literaturunterricht fragen, geht es anderen um kognitionspsychologisch gemessene Wirkungen textproduktiver Verfahren im Vergleich zu textanalytischen. Im vorliegenden Beitrag wird demgegenรผber in kommunikationstheoretischer Perspektive nach der pรคdagogischen Formbildung von Literaturunterricht mit textproduktiven Verfahren gefragt. Dafรผr rekonstruieren wir ausgewรคhlte Szenen von zwei kontrastiven Fรคllen des Literaturunterrichts, in dem u.a. mit textproduktiven Verfahren zu Herrndorfs Roman โTschickโ gearbeitet wird. Im Ergebnis wird ein Aussetzen des fรผr Unterrichtsgesprรคche typischen Frageformats (I-R-E) gezeigt und eine damit zusammenhรคngende modifizierte Bedeutung der Erzeugung schriftlich fixierter Produkte als Modus der Kontingenzbearbeitung sichtbar. Herausstellen lรคsst sich auch, dass durch den Verzicht auf eine klassenรถffentliche Diskussion der Schรผlertexte eine Auseinandersetzung zu moralischen Fragen des eigenen Lebens in beiden Fรคllen vermieden wird. Der Beitrag schlieรt mit Thesen zum didaktischen Diskurs textproduktiver Verfahren. Schlagwรถrter: Literaturunterricht; pรคdagogische Formbildung; qualitative Unterrichtsforschung; Fachdidaktik Deutsch; produktions- und handlungsorientierter Unterricht
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โEs sollte am Schluss ein deutscher Satz rauskommen, nicht?โ โ Rekonstruktionen zur Entstehung mathematischen Wissens im Schulunterricht (Uwe Hericks)
Im Zentrum des Beitrags steht die Analyse eines Unterrichtstranskipts mittels Dokumentarischer Methode. Inhaltlich geht es um die Erarbeitung einer angemessenen Formulierung fรผr den Satz des Pythagoras. Die Analyse fรถrdert differierende, komplex sich รผberlagernde Orientierungsrahmen von Lehrperson und Schรผler/innen zutage. Dem alltagsprachlich-konkreten Orientierungsrahmen der Schรผler/innen stehen ein fachdidaktisch-pรคdagogischer und ein (im engeren Sinne) fachlicher Orientierungsrahmen des Lehrers gegenรผber. Zugleich werden die institutionelle Bedingtheit und die Bewertungsfunktion von Schule als gemeinsam geteilter Orientierungsrahmen im unterrichtlichen Handeln und Sprechen der Akteure reproduziert. Das Ergebnis spiegelt die โanalytische Leidenschaftslosigkeitโ der Dokumentarischen Methode, die nicht schon im Vorhinein zwischen scheinbar relevanten und weniger relevanten Aspekten, zwischen intendierten Wirkungen und unerwรผnschten Nebenwirkungen des Unterrichts unterscheidet. Hierin liegt ihr Potenzial fรผr eine kasuistisch angelegte Lehrerbildung begrรผndet. Schlagwรถrter: Rekonstruktive Unterrichtsforschung, Mathematikunterricht, Dokumentarische Methode, Orientierungsrahmen, Fallarbeit
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Kinder erforschen Geschichte โ Zeitzeug/-inneninterviews zur deutschen Teilung (Alexa Hempel, Detlef Pech)
Die Methode der Zeitzeug/-innenbefragung bietet im Sachunterricht der Grundschule die Mรถglichkeit der individuellen Annรคherung an zeitgeschichtliche Themen. Die vorliegende Studie untersucht, welche Fragen Kinder in Gesprรคchen mit Zeitzeug/-innen zum Thema Deutsche Teilung stellen und wie sie die Methode der Zeitzeug/-inneninterviews nutzen, wenn ihnen keine Vorgaben gemacht werden. Umfang und Detailtiefe der Interviews variierten erheblich. Es konnte gezeigt werden, dass die meisten Kinder die Interviews methodenadรคquat durchfรผhrten, indem sie personenzentrierte Fragen stellten. Einige Kinder รผberzeugten in langen Befragungen der Zeitzeug/innen mit einer Interviewstrategie, die sich durch detaillierte Fragen, thematische Rรผckgriffe und groรes Hintergrundwissen auszeichnete. Schlagwรถrter: Kindheitsforschung, Zeitzeug/-innenbefragung, Interview, Sachunterricht, Deutsche Teilung
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