Inhalt
ZQF โ Zeitschrift fรผr Qualitative Forschung
2-2017: Biografisches Wissen
hrsg. von: Bettina Dausien & Andreas Hanses
Schwerpunkt
Bettina Dausien / Andreas Hanses: โBiographisches Wissenโ โ Erinnerung an ein uneingelรถstes Forschungsprogramm. Einleitung in den Themenschwerpunkt
Margarete Menz / Christine Thon: Biographisches Wissen im Kontext seiner Hervorbringung. Formate und diskursive Bezรผge pรคdagogischer Biographiearbeit am Beispiel eines Workshops zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Daniela Rothe: Zwischen Wissenschaft und Praxis. Zur Transformation biographischen Wissens in einer transdisziplinรคren Arbeitsgruppe
Kathleen Paul / Andreas Hanses / Katrin Heuer / Lisa Janotta: Biographie im Kontext des Sterbens. Der Einfluss institutioneller Kontexte auf biographische Erzรคhlformate
Freier Teil
Sรถren Carlson / Lena Kahle / Denise Klinge: Wenn Narrationen nicht zustande kommenโฆ Wie hochreflexive Berufsfelder dazu beitragen, dass argumentativ-evaluative Darstellungsweisen im narrativen Interview dominant werden
Cornelia Hippmann: Spielen sie alle Theater? Die Rekonstruktion der Inszenierungspraktiken von Peergroups und ihren Lehrer*innen in der Schule
Barbara Lochner: โKevin kann einfach auch nicht Paul heiรenโ Methodologische รberlegungen zur Anonymisierung von Namen
Katja Ludwig / Cathleen Grunert / Nora Friederike Hoffmann: Herausforderungen rekonstruktiver Forschung an Hochschulen am Beispiel der Studiengangsentwicklung in der Erziehungswissenschaft
Julia Sotzek / Doris Wittek / Anna Rauschenberg / Uwe Hericks / Manuela Keller-Schneider: Spannungsverhรคltnisse im Berufseinstieg von Lehrpersonen. Empirische Befunde einer rekonstruktiven Studie zu Habitus und Normen aus Perspektive der Dokumentarischen Methode
Rezensionen
Gerhard Riemann: Jรถrg R. Bergmann/Ulrich Dausendschรถn-Gay/Frank Oberzaucher (Hrsg.): โDer Fallโ. Studien zur epistemischen Praxis professionellen Handelns.
Ursula Offenberger: Claudia Equit/Christoph Hohage (Hrsg.): Handbuch Grounded Theory. Von der Methodologie zur Forschungspraxis. Beltz Juventa 2016.
Nicole von Langsdorff: Christine Riegel: Bildung, Intersektionalitรคt, Othering. Pรคdagogisches Handeln in widersprรผchlichen Verhรคltnissen. Bielefeld: Transcript 2016.
Barbara Stauber: Bettina Dausien/Daniela Rothe/Dorothee Schwendowius (Hrsg.): Bildungswege. Biographien zwischen Teilhabe und Ausgrenzung, Frankfurt/New York, Campus 2016.
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Abstracts
Biographisches Wissen im Kontext seiner Hervorbringung. Formate und diskursive Bezรผge pรคdagogischer Biographiearbeit am Beispiel eines Workshops zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Margarete Menz, Christine Thon)
Der Artikel untersucht die Hervorbringung biographischen Wissens durch methodische und thematische Settings. Welche Formen hegemonialen Wissens darin zu analysieren sind, wird am Beispiel eines Workshops โFamilie, Beruf oder beides? โ Biographische Arbeit zum eigenen Werdegangโ gezeigt. Das pรคdagogische Setting macht hegemoniales biographisches Wissen einerseits reflexiv bearbeitbar, andererseits produziert es dieses auch erst. Die Analysen verweisen auf die Dominanz hegemonialer Vereinbarkeitsdiskurse in den biographischen Selbstprรคsentationen der Teilnehmerinnen. Auch alternative Formen der In- Verhรคltnis-Setzung beziehen sich auf gesellschaftlich dominante Diskurse. Der Beitrag schlieรt mit einer Diskussion um das Analysepotential von pรคdagogischer Biographiearbeit als Ort der Produktion biographischen Wissens. Schlagwรถrter: Biographiearbeit, Diskurstheorie, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, biographisches Wissen
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Zwischen Wissenschaft und Praxis. Zur Transformation biographischen Wissens in einer transdisziplinรคren Arbeitsgruppe (Daniela Rothe)
Ausgangspunkt des Beitrags ist die Verbreitung begrifflicher Konzepte wie โbiographisches Wissenโ und โbiographisches Lernenโ in der Erwachsenenbildungsforschung und in der Bildungspraxis. Da die Verwendung der Begriffe wenig systematisch ist, besteht nach wie vor Bedarf, diese Konzepte theoretisch weiterzuentwickeln, empirisch zu untersuchen und auf ihre Bedeutsamkeit in bzw. fรผr Praxiszusammenhรคnge zu befragen. Der vorliegende Beitrag greift zu diesem Zweck das von Schรผtz und Luckmann (2003) in den โStrukturen der Lebensweltโ entwickelte Modell des biographisch geprรคgten Wissensvorrats auf und fragt, inwiefern es geeignet ist, eine Bildungspraxis differenzierter zu verstehen, in der dem biographischen Wissen der Teilnehmenden eine zentrale Bedeutung zugeschrieben wird. Die grundlegenden Elemente des Modells des biographisch geprรคgten Wissensvorrats werden zunรคchst erlรคuter und anschlieรend auf ein empirisches Beispiel bezogen. Es handelt sich dabei um ein biographieorientiertes Lern- und Bildungsarrangement, das zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis angesiedelt ist. Der Beitrag entwickelt dafรผr eine Form der theoriegeleiteten Praxisreflexion, die sich an den methodischen Prinzipien der rekonstruktiven Sozialforschung orientiert. Schlagwรถrter: Biographieorientierung, Professionalisierung, biographisches Wissen, biographisches Lernen, Transdisziplinaritรคt, Wissenschafts-Praxis-Kooperation, Erwachsenenbildung
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Biographie im Kontext des Sterbens. Der Einfluss institutioneller Kontexte auf biographische Erzรคhlformate (Kathleen Paul, Andreas Hanses, Katrin Heuer, Lisa Janotta)
Der vorliegende Beitrag will anhand des Forschungsprojekts โKonstruktionen des Sterbensโ zeigen, dass autobiographische Selbstthematisierungen sterbender Menschen sich von anderen Stegreiferzรคhlungen nachhaltig unterscheiden. Die Differenzen der Erzรคhlweisen sind so weitreichend, dass von biographischen Neukonstruktionen zu sprechen ist. Die rekonstruierten Phรคnomene sind dabei nicht als Ausdruck der (anthropologischen) Situation des Sterbens selbst zu deuten. Vielmehr erweisen sich die jeweiligen institutionellen Kontexte in der Versorgung und Begleitung der Sterbenden als โwirksame Biographiemoderatorenโ. Damit wird รผber das Sterben hinaus die grundlegende Frage aufgeworfen, inwiefern professionelle, institutionalisierte Kontexte biographische Konstruktionen moderieren. Schlagwรถrter: Subjektkonstruktionen, biographisches Wissen, Organisationskultur, professionelles Handeln, Sterben
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Wenn Narrationen nicht zustande kommenโฆ Wie hochreflexive Berufsfelder dazu beitragen, dass argumentativ-evaluative Darstellungsweisen im narrativen Interview dominant werden (Sรถren Carlson, Lena Kahle, Denise Klinge)
Bei der Rekonstruktion von Sinn- und Prozessstrukturen nehmen Narrationen โ im Vergleich zu Argumentationen und Evaluationen โ aus methodologischen Grรผnden eine besondere Position ein. Dementsprechend zielt das narrative Interview als Erhebungsformat darauf ab, Darstellungen mit einem mรถglichst hohen narrativen Gehalt zu erzielen. Kommt es aber trotzdem zu einer stark argumentativ und evaluativ geprรคgten Darstellung, werden solche Passagen in der Regel nur unter dem Gesichtspunkt betrachtet, welche Haltung der Befragten gegenรผber der eigenen (Lebens-) Geschichte hierin zum Ausdruck kommt. An dieser Stelle setzt dieser Aufsatz an, indem untersucht wird, inwiefern sich in einer solchen Darstellungsweise nicht auch der Einfluss weitergehender sozialer Kontexte dokumentiert. Anhand einer detaillierten Analyse von drei Fรคllen kann gezeigt werden, dass bestimmte Habitualisierungen, die mit der Einbettung von AkteurInnen in hochreflexive Berufsfelder einhergehen, in der Tat ein (autobiographisches) Stegreiferzรคhlen zu erschweren scheinen. Allerdings fรผhren diese feldspezifischen Habitualisierungen erst in Konjunktion mit bestimmten biographischen Erfahrungen und Prozessen dazu, dass argumentativevaluative Kommunikationsschemata im narrativen Interview dominant werden. Dieser Befund wird abschlieรend mit Blick auf die weiteren Implikationen fรผr den Einsatz des narrativen Interviews diskutiert. Schlagwรถrter: narratives Interview, Biographieanalyse, dokumentarische Methode, Habitus, Berufsfeld
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Spielen sie alle Theater? Die Rekonstruktion der Inszenierungspraktiken von Peergroups und ihren Lehrer*innen in der Schule (Cornelia Hippmann)
Der folgende Artikel leistet einen Beitrag zur Erforschung verschiedener Inszenierungspraktiken und Dimensionen des impression management von Peerkulturen und ihren Lehrer*innen in ihrer wechselseitigen Wahrnehmung und begrรผndet die Verwendung des Gruppendiskussionsverfahrens. Die unterschiedlichen Inszenierungsmodi werden am Beispiel eines Gymnasiums, das einen besonderen Exklusivitรคtsanspruch reklamiert, diskutiert. Dazu werden die Grรผnde aufgezeigt, warum sich Goffmans dramaturgisches Konzept und insbesondere die Mystifikation als die zentrale Strategie der Eindrucksmanipulation eignen, um die verschiedenen Inszenierungsstrategien der unterschiedlichen Schulakteur*innen zu entschlรผsseln. Letztendlich will der Aufsatz dazu beitragen, auf der Basis des Forschungsprojekts konzeptionell die unterschiedlichen Inszenierungsstrategien von Peergroups und ihren Lehrer*innen im Schulraum in ihrer wechselseitigen Betrachtung zu analysieren, zu diskutieren und das Besondere des Forschungsfeldes zu konturieren. Schlagwรถrter: Gruppendiskussionen, Peerkulturen, impression management, Schulmythos, Qualitative Forschung
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โKevin kann einfach auch nicht Paul heiรenโ Methodologische รberlegungen zur Anonymisierung von Namen (Barbara Lochner)
Die Anonymisierung von Personendaten stellt im Forschungsprozess in der Regel ein โunproblematisches Problemโ dar, das intuitiv von den Forschenden gelรถst wird. Wenn รผberhaupt, wird dieser Verfremdungsvorgang nur mit forschungsethischen und forschungspragmatischen รberlegungen begrรผndet. Kaum berรผcksichtigt wird bislang, dass mit der Art und Weise, wie anonymisiert wird, eine methodologische Entscheidung getroffen wird, woraus sich Konsequenzen fรผr den Forschungsprozess ergeben. Im Beitrag werden anhand von fรผnf Varianten der Anonymisierung von Vornamen mรถgliche methodologische Bezรผge und sich daraus ergebende Konsequenzen fรผr den forschungspraktischen Umgang mit Personendaten zur Diskussion gestellt. Schlagwรถrter: Anonymisierung, Namen als Informationstrรคger, objektive Daten, rekonstruktive Forschung, Methodologie
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Herausforderungen rekonstruktiver Forschung an Hochschulen am Beispiel der Studiengangsentwicklung in der Erziehungswissenschaft (Katja Ludwig, Cathleen Grunert, Nora Friederike Hoffmann)
Der Frage danach, wie sich die Implementierung neuer Studiengรคnge an Hochschulen und die damit verbundenen Entscheidungsprozesse auf der Mikroebene gestalten und in welchem Verhรคltnis diese zu formalorganisationalen Regelerwartungen der Hochschule stehen, wird im Rahmen des DFG-Projekts โErziehungswissenschaft im Bologna-Prozess โ Strategien und leitende Orientierungen bei der Reform der Hauptfachstudiengรคngeโ nachgegangen. Ausgehend von Gruppendiskussionen mit Wissenschaftler*innen, die mit Hilfe der Dokumentarischen Methode ausgewertet worden sind, werden in diesem Beitrag die Herausforderungen an die Rekonstruktion kollektiver Orientierungsrahmen vor dem Hintergrund eines Gruppendiskussionsmaterials, welches sich durch argumentierende und theoretisierende Passagen auszeichnet, diskutiert. Zudem werden mit zwei sinngenetischen Typenbildungen, die zum einen den kollektiven Umgang mit disziplinรคrer Heterogenitรคt am Hochschulstandort und zum anderen den kollektiven Umgang mit strukturellen Begrenzungen fokussieren, die methodischen Herausforderungen der Typenbildung diskutiert und gleichzeitig die wesentlichen Ergebnisse des Projekts skizziert. Schlagwรถrter: Wissenschaftsforschung, Erziehungswissenschaft rekonstruktive Organisationsforschung, Dokumentarische Methode, Argumentation, Diskursorganisation
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Spannungsverhรคltnisse im Berufseinstieg von Lehrpersonen. Empirische Befunde einer rekonstruktiven Studie zu Habitus und Normen aus Perspektive der Dokumentarischen Methode (Julia Sotzek, Doris Wittek, Anna Rauschenberg, Uwe Hericks, Manuela Keller-Schneider)
Der Beitrag stellt empirische Befunde der qualitativ-rekonstruktiven Teilstudie des DFG-/SNF-Projekts โKompetenzentwicklung und Beanspruchung im Berufseinstieg von Lehrerinnen und Lehrernโ (KomBest) vor. Die zentrale Frage des Beitrags lautet, wie sich berufseinsteigende Lehrpersonen im Medium ihres Habitus mit wahrgenommenen Normen des beruflichen Handelns auseinandersetzen und wie sie diese bearbeiten. Dazu wurde entlang der Analyseschritte der Dokumentarischen Methode ein Weg entwickelt, neuere methodologische รberlegungen zum Konzept des Orientierungsrahmen als spannungsreiche Relation zwischen Habitus und Normen forschungspraktisch anzuwenden. Ausgehend von den Befunden zeigt sich, dass im Rahmen eines Spannungsverhรคltnisses zwischen berufsbezogenen Habitus und wahrgenommenen Normen auch Normen zueinander in Spannung geraten kรถnnen. Im Beitrag wird das Erkenntnispotenzial diskutiert, welches der Rekonstruktion von Spannungsverhรคltnissen in der Struktur der Handlungspraxis zukommt. Ausgehend von unseren Befunden kรถnnen zwei modi operandi bzw. Prozessstrukturen der Bearbeitung der Spannungsverhรคltnisse fรผr den Berufseinstieg entlang einer Basistypik ausdifferenziert werden. Schlagwรถrter: Berufseinstieg von Lehrpersonen, Dokumentarische Methode, Spannungsverhรคltnisse, Habitus, Normen, Lรคngsschnittstudie
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